Ziprasidon

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Das atypische Neuroleptikum Ziprasidon ist bereits seit einigen Jahren für die Therapie bei Schizophrenie zugelassen. Das Medikament wirkt gegen die Positiv- und Negativsymptomatik, wobei nur ein geringes Risiko für extrapyramidale Störungen besteht. Auch Übergewicht ist bei der Einnahme von Ziprasidon nicht zu befürchten.

 

Anwendungsgebiete

Der Wirkstoff Ziprasidon hat eine antipsychotische, sedierende und zugleich brechreizhemmende Wirkung. Die Wirkstoffgruppe der Neuroleptika, zu denen auch Ziprasidon zählt, verringern Wahn, Spannungen, Halluzinationen, Ich-Störungen sowie Denkstörungen und können psychomotorische Erregungszustände dämpfen.

Ziprasidon ist auf dem deutschen Markt sowohl als Hartkapseln zum Einnehmen erhältlich, als auch in Form von Pulver zur Herstellung von Injektionslösungen. Das Medikament wird überwiegend für die Behandlung schizophrener Krankheitszustände eingesetzt. Zudem kommt es auch bei Patienten zum Einsatz, die unter manisch-depressiven Phasen leiden.

 

Ziprasidon: Geschichtlicher Rückblick

Ziprasidon wurde im Mai 2002 unter dem Markennamen Zeldox(R) in den deutschen Arzneimittelmarkt eingeführt. Neben der oralen Formulierung (Hartkapseln) kamen gleichzeitig intramuskuläre Injektionsformen zur Zulassung.

Auch in vielen anderen europäischen Ländern wird Ziprasidon unter dem Namen Zeldox vertrieben. In den USA kam es hingegen mit der Bezeichnung Geodon in den Handel.

In Deutschland lief bereits Anfang 2013 das Patent für Ziprasidon aus.

 

Wirkung / Wirkstoff von Ziprasidon

In der Therapie von Schizophrenie waren konventionelle Neuroleptika jahrelanger Standard. Allerdings war deren Akzeptanz sehr gering, denn das Risiko für EPS (extrapyramidale Störungen) war hoch und auch die Wirkung auf die Negativsymptomatik ließ zu wünschen übrig. Deshalb geht der Griff immer häufiger zu den atypischen Neuroleptika, wie Ziprasidon. Der Wirkstoff hat sowohl eine hohe Affinität zu Dopamin-Typ-D2-Rezeptoren, als auch zu Serotonin-Typ-2A-(5HT2A)-Rezeptoren. Es zeigt zudem eine mäßig ausgeprägte Affinität zu neuronalen Noradrenalin- und Serotonintransportern sowie Histamin-H1 Rezeptoren. Im Vergleich zu konventionellen Neuroleptika besitzt es einen positiven Effekt auf die unterschiedlichen Facetten des schizophrenen Krankheitsbildes.

Ziprasidon dient damit der Behandlung von Schizophrenie bei Erwachsenen. Bei Kindern und Jugendlichen von zehn bis 17 Jahren kommt es zudem gegen bipolare Störungen mit Übersteigerung (Manie) zum Einsatz, die sich im Wechsel mit Depressionen bei den Betroffenen äußern. Ziprasidon ist wirksam gegen Positiv-Symptome wie Erregungszustände, Halluzinationen und Angststörungen sowie gegen Negativ-Symptome wie Antriebsmangel, Depressionen und sozialem Rückzug.

 

Wirkungseintritt

Ziprasidon wird in den meisten Fällen als Suspension oder in Tablettenform verabreicht und wirkt innerhalb weniger Stunden.

Zur besonders schnellen Beherrschung von starken Erregungszuständen bei Patienten, die unter Schizophrenie leiden, kann das Mittel bei Bedarf auch gespritzt werden. Diese Anwendungsform ist jedoch nur für die Dauer von maximal drei aufeinanderfolgende Tage erlaubt.

 

Nebenwirkungen von Ziprasidon

Durch die Einnahme von Ziprasidon kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

Sehr häufig:

  • Benommenheit

Häufig:

  • Innere Unruhe
  • Akathisie
  • Kopfschmerzen
  • Verdauungsstörungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • vermehrter Speichelfluss
  • gesteigerte Reizbarkeit
  • Schwindelgefühl
  • unwillkürliche Bewegungen (Tics oder Zuckungen)
  • Zittern (Tremor)
  • Muskelkrämpfe
  • Verstopfung
  • Mundtrockenheit
  • Sehstörungen

 

Gelegentlich:

  • Gelenkschmerzen
  • Beinkrämpfe
  • Sprachstörungen
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln in Gliedmaßen
  • Blutdruckabfall beim Aufstehen
  • erniedrigter Blutdruck
  • Krampfanfälle
  • Tachykardie
  • Blähungen
  • verstärkter Durst
  • Schnupfen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (Ausschläge, Juckreiz, Schwellungen)

Zudem kann es in seltenen Fällen während der Einnahme von Ziprasidon zu Schluckbeschwerden, Fieber, Migräne, Muskel- und Gelenkschmerzen, Alpträumen, Halluzinationen, Nervenerkrankungen, Lähmungen, Erektionsstörungen sowie zu Problemen beim Wasserlassen kommen. Auch werden selten Störungen des Gangbildes, trockene Augen und Harninkontinenz beobachtet. Sehr selten kann es zudem zu einer schweren Arzneimittelüberempfindlichkeit (DRESS-Syndrom) durch die Einnahme des Wirkstoffs kommen.

Besonderheiten:
Es kann zu Spannungsgefühlen in der Brust, Brustvergrößerung oder Milchabsonderung kommen, da der Prolaktin-Spiegel durch die Einnahme von Ziprasidon erhöht wird.
Insofern der Patient hohes Fieber hat, einen Kreislaufkollaps oder unter Bewusstseinstrübungen leidet, muss die Behandlung sofort abgebrochen werden.
Häufig lassen sich bei Langzeitbehandlungen gehäuft Krampfanfälle, Tics und Zuckungen beim Patienten beobachten, selten entwickelt oder verschlechtert sich auch ein Diabetes mellitus. Zudem kommt es in einigen Fällen zu einer verlangsamten Erregungsleitung im Herzen (erworbene QT-Verlängerung).

 

Wechselwirkungen

Bei der Gabe von anderen Medikamenten kann es bei der Behandlung mit Ziprasidon zu einer abgeschwächten oder verstärkten Wirkung kommen. So wird die Wirkung von Ziprasidon verstärkt, wenn der Patient gleichzeitig mit Ketoconazol (Mittel gegen Pilzerkrankungen) behandelt wird. Der Wirkstoff Carbamazepin (Antiepileptika) schwächt hingegen die Ziprasidon-Wirkung ab.

Ziprasidon kann die Wirkung vieler Substanzen verstärken, die auf das zentrale Nervensystem dämpfend wirken, wie z.B. von Barbituraten oder von Alkohol.

Bei einer Behandlung mit Substanzen, die ebenso wie Ziprasidon die Erregungsleitung im Herzen verlangsamen, kann diese unerwünschte Nebenwirkung gehäuft auftreten. Hier wären beispielsweise bestimmte Antiarrhythmika oder Gyrasehemmer zu nennen.

Die zeitgleiche Gabe von Anticholinergika oder anderer Neuroleptika kann Nebenwirkungen Sehstörungen, Verstopfung, Mundtrockenheit und Herzrasen verstärken.
Des weiteren erhöht die Behandlung mit Antibiotika, Betablocker, opioide Schmerzmittel, tri- und tetrazyklische Antidepressiva oder Antiarrhythmika das Risiko für eine Tachykardie (Beschleunigung des Herzschlags).

 

Dosierung

Die empfohlene Dosierung von Ziprasidon in der Akutbehandlung der bipolaren Manie und der Schizophrenie beträgt zweimal täglich 40 mg des Wirkstoffs. Die Einnahme erfolgt zusammen mit Nahrung. Abhängig vom klinischen Stand des Patienten kann die Dosis auf bis zu 80 mg zweimal täglich erhöht werden. Die höchste empfohlene Tagesdosis kann bei Bedarf bereits am dritten Einnahmetag erreicht werden.

Die maximale Tagesdosis darf auf keinen Fall überschritten werden, da bisher die Verträglichkeit von Dosierungen über 160 mg am Tag noch nicht nachgewiesen werden konnte.

Für die Behandlung schizophrener Patienten sollte die Ziprasidon-Erhaltungsdosis so niedrig wie möglich gehalten werden. In vielen Fällen ist bereits eine Dosis von 20 mg zweimal täglich ausreichend. Bei älteren Patienten oder Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion sollte eine niedrigere Dosis in Betracht gezogen werden, wenn klinische Faktoren dafür sprechen.

 

Ziprasidon absetzen

Meist ist die Einnahme von Neuroleptika für Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Angelegenheit, die Jahre dauern kann, weil die Medikamente auch nach dem Abklingen der akuten Symptome dabei helfen, erneute Psychosen abzuschwächen oder sogar komplett zu vermeiden.

Es gilt zu bedenken, dass es während der Einnahme von Neuroleptika zu vielen Nebenwirkungen kommen kann. Es ist deshalb wichtig, dass die Dosis des Wirkstoffs langsam und in kleinen Schritten reduziert wird, um die neuroleptische Behandlung zu beenden. Eine besonders wichtige Voraussetzung für das Absetzen oder die Reduzierung von Ziprasidon sind jedoch eine stabile Lebenssituation sowie eine ausreichende psychische Stabilität.

Zu empfehlen ist deshalb immer ein Vorgehen in kleinen Schritten: Es ist wichtig, die Dosis nur geringfügig zu verringern, damit der Patient den Unterschied kaum spürt. Es muss daraufhin über mehrere Wochen lang beobachtet werden, ob die neue Dosis ausreichend ist, um erneute Psychosen verhindern zu können. Sollte es beim Patienten zu einer Zunahme von Unruhe, Schlafstörungen oder ähnlichen psychotischen Warnzeichen kommen, ist es ratsam, die Dosis vorübergehend wieder zu erhöhen. So kann geklärt werden, in welcher Dosierung das Neuroleptikum eingenommen werden muss, damit der Patient eine ausreichend psychische Stabilität erhält. Es braucht dafür allerdings einiges an Geduld.

 

Erfahrungen mit Ziprasidon

Wie die veröffentlichten Erfahrungen der Patienten zeigen, die mit Ziprasidon behandelt wurden, besitzt der Wirkstoff allgemein eine gute Wirksamkeit. Das Mittel ist Anwenderfreundlich und kann leicht dosiert werden. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist fair und moderat, wie viele Anwender bestätigen.

Einige Nutzer beklagen allerdings die schlechte Verträglichkeit des Medikaments und verweisen auf eine starke Gewichtszunahme und anhaltende Müdigkeit. In einigen Fällen kam es zudem zu erheblichen Schlafstörungen und zunehmender Unruhe.

Quellen: