Venlafaxin

Venlafaxin: Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen

Bei Venlafaxin handelt es sich um einen Wirkstoff, der zu der Gruppe der Antidepressiva gehört und bei medikamentösen Behandlungen von Angststörungen und Depressionen zum Einsatz kommt.

Die Wirkungsweise von Venlafaxin

Grundsätzlich gehört das Antidepressivum Venlafaxin zur Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Dabei übernehmen die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin die Aufgabe, Nervensignale zwischen den Hirnzellen zu übermitteln. Dies funktioniert, indem sie zunächst von einer Zelle ausgeschüttet werden und im Anschluss daran an spezielle Rezeptoren oder Andockstellen der nächsten Zelle binden. Danach nimmt die erste Nervenzelle die Botenstoffe wieder auf, sodass es zu einer Inaktivierung kommt. Venlafaxin sorgt dafür, dass diese Wiederaufnahme gehemmt wird. Auf diese Weise bleiben Serotonin und Noradrenalin länger aktiv und dadurch auch länger wirksam. Dies hat einen antriebssteigernden und stimmungsaufhellenden Effekt.

In der Regel kommt Venlafaxin als Venlafaxinhydrochlorid in Salzform zum Einsatz und wird oral eingenommen. Nach dieser oralen Aufnahme wird Venlafaxin insbesondere über die Leber verstoffwechselt. Zudem besitzt es über eine Bioverfügbarkeit von 40 Prozent. Das bedeutet konkret, dass 40 Prozent der Wirkstoffmenge, die über den Mund eingenommen wird, vom Körper verwertet werden kann.

Ist die Verstoffwechslung durch die Leber abgeschlossen, wird Venlafaxin zum größten Teil über die Nieren ausgeschieden. Nach rund zwei Stunden ist dabei die maximale Konzentration im Blutserum erreicht. Wird Venlafaxin mehrfach nacheinander eingenommen, sind nach etwa drei Tagen konstante Werte im Blutspiegel erreicht.

Die Anwendungsgebiete von Venlafaxin

Bevorzugt wird Venlafaxin grundsätzlich in der medikamentösen Therapie von Depressionen eingesetzt. Dies bezieht sich natürlich auch auf die Erhaltungstherapie, welche verhindern soll, dass neue depressive Episoden auftreten. Auch Patienten, die an Angststörungen leiden, profitieren von der Wirkung des Venlafaxins.

In manchen Fällen wird Venlafaxin nicht nur bei Angststörungen oder Depressionen eingesetzt, sondern auch vorbeugend gegen Kopfschmerzen beziehungsweise gegen Migräne und Spannungskopfschmerzen und bei ADHS. Eigentlich ist Venlafaxin nicht für Anwendungsgebiete wie ADHS und Kopfschmerzen zugelassen und kommt aus diesem Grund für beide Anwendungsgebiete kaum zum Einsatz.

Wie wird Venlafaxin angewendet?

In oraler Form wird Venlafaxin vor allem als Kapsel oder Tablette angewendet. Dabei ist auch eine verzögerte Wirkstofffreisetzung möglich. Bei einer generalisierten Angststörung oder depressiven Syndromen erfolgt in der Regel eine ambulante Therapie mit einer Dosierung von 75 Milligramm am Tag. Dabei handelt es sich jedoch nur um die anfängliche Dosierung, denn bei Bedarf kann die Dosis vom Arzt auf bis zu 150 Milligramm pro Tag erhöht werden. Zu beachten ist jedoch, dass die Maximaldosis von 375 Milligramm pro Tag nicht überschritten werden sollte.

Damit ein Therapieerfolg möglich ist, ist es wichtig, dass Venlafaxin regelmäßig eingenommen wird. Ansonsten kann es passieren, dass die Menge an aktivem Serotonin und Noradrenalin sinken kann. Zusätzlich zur Einnahme von Venlafaxin sollte kein zusätzliches Kombinationspräparat eingenommen werden, ohne, dass dies vorher mit dem Arzt abgesprochen worden ist.

Wenn Venlafaxin abgesetzt werden soll, muss dies unbedingt schrittweise und nicht sofort passieren. Ansonsten können Absetzerscheinungen auftreten. Beispiele hierfür sind Wahrnehmungsstörungen, Angstgefühle oder Verwirrtheit. Auch neurologische Störungen wie Schwindel, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen oder Empfindungsstörungen sind möglich, wenn Venlafaxin nicht schrittweise abgesetzt wird.

Die Nebenwirkungen von Venlafaxin

Die Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Venlafaxin häufig auftreten, sind Magen-Darm-Störungen, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schwitzen und ein erhöhtes Kariesrisiko. Diese Nebenwirkungen treten bei mehr als einem von zehn Patienten auf, die mit Venlafaxin behandelt werden. Bei einem von zehn bis hundert Patienten treten hingegen Schlaflosigkeit, eine Abnahme der sexuellen Lust, Gewichtsabnahme und ungewöhnliche Träume auf. Bei hingegen nur einem von hundert bis tausend Patienten kann die Einnahme von Venlafaxin dazu führen, dass es zu Orgasmusstörungen bei Frauen, zu einer Gewichtsabnahme, zu Hautreaktionen oder zu Geschmacksveränderungen kommt.

Was muss bei der Einnahme von Venlafaxin beachtet werden?

Grundsätzlich dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kein Venlafaxin einnehmen. Auch in der Stillzeit oder in der Schwangerschaft sollte Venlafaxin nur dann eingenommen werden, wenn seine Wirkung als Antidepressivum unbedingt notwendig ist. Während der Einnahme von Venlafaxin sollten Patienten darauf verzichten, Alkohol zu konsumieren.

Angewendet werden darf das Antidepressivum außerdem nicht mit anderen Antidepressiva beziehungsweise MAO-Hemmern sowie zusammen mit Serotoninvorläufern. In Kombination mit diesen Medikamenten kann es zum sogenannten „Serotonin-Syndrom“ kommen. Bei diesem Syndrom handelt es sich um ein Zustand mit Blutdruckanstieg, Körperüberhitzung, Erregung und Krämpfen, der dementsprechend lebensbedrohlich ist. Aus diesem Grund sollten zwischen der Einnahme von einem MAO-Hemmer und Venlafaxin mindestens zwei Wochen Abstand gehalten werden.

Welche Wechselwirkungen sind möglich?

Wird nicht nur Venlafaxin, sondern zugleich ein anderes Medikament eingenommen, kann es unter Umständen zu Wechselwirkungen kommen. Wechselwirkungen sind insbesondere dann möglich, wenn gleichzeitig Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems eingenommen werden. Beispiele hierfür sind Immunsuppressiva wie Sirolimus oder Tacrolimus.

Auch bei Anti-Pilzmitteln wie Itraconazol, Clotrimazol oder Ketocanazol sowie mit verschiedenen Antidepressiva sind Wechselwirkungen möglich. Antidepressiva wie Imipramin, Fluoxetin, Sertralin, Amitripylin oder Norfluoxetin dürfen demnach nicht zusammen mit Venlafaxin eingenommen werden. Auch mit starken Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opioide und Opiate, mit Mitteln gegen erektile Dysfunktionen oder mit Cholesterinsenkern sind Wechselwirkungen möglich.

Wann sollte Venlafaxin nicht angewendet werden?

Mit Vorsicht sollte die Anwendung von Venlafaxin als Antidepressivum bei Suizidgedanken, Epilepsie und bei einem erhöhten Augeninnendruck erfolgen. Nicht nur beim Absetzen von Venlafaxin, sondern auch zu Beginn der Behandlung kann es dazu kommen, dass das Reaktions- und Urteilsvermögen eingeschränkt sein kann. Aus diesem Grund sollten Patienten insbesondere bei Bedienen von Maschinen oder bei Autofahren vorsichtig sein.

Venlafaxin ist grundsätzlich rezeptpflichtig, ganz gleich, in welcher Dosierung. Dies ist aufgrund der vielen Wechselwirkungen und Nebenwirkungen der Fall. Auch darf Venlafaxin natürlich nur auf ärztliche Anweisung und in der empfohlenen Dosierung angewendet werden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Venlafaxin ist ein rezeptpflichtiges Antidepressivum
  • Die Dosierung darf nicht überschritten werden
  • Mit einigen Medikamenten sind Wechselwirkungen möglich
  • Venlafaxin darf nur auf eine ärztliche Anweisung hin eingenommen werden
  • Nicht nur zu Beginn und während der Einnahme, sondern auch beim Absetzen von Venlafaxin sind einige Nebenwirkungen möglich

 

Quellen und weiterführende Informationen: