Trimipramin

Was man über Trimipramin wissen sollte

Früher wurde Trimipramin häufig als Antidepressivum eingesetzt. Inzwischen wird der Wirkstoff, der zu den trizyklischen Antidepressiva zählt, eher in der Schlafmedizin angewandt. Die Wirkung von Trimipramin kann als beruhigend, schlaffördernd, angstlösend und stimmungsaufhellend bezeichnet werden. Daher wird Trimipramin in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen, Angstzuständen und davon geprägten Depressionen verordnet.

Geschichte des Wirkstoffs Trimipramin

Trimipramin zählt zu den ältesten trizyklischen Antidepressiva. Bereits in den 1950er Jahren wurde als erste Substanz dieser Gruppe das Imipramin mit antidepressiver Wirkung. Aus diesem Wirkstoff entwickelten die Wissenschaftler zahlreiche chemisch ähnliche Antidepressiva. Trimipramin wurde im Jahre 1961 auf den Markt gebracht. Da dieser Wirkstoff ausgeprägte Nebenwirkungen auslösen kann, wird seit der Entwicklung besser verträglicher SSRI Trimipramin eher als Schlafmittel verordnet. Üblicherweise kommt der Wirkstoff bei Depressionen in Kombination mit einem gut verträglichen SSRI-Wirkstoff zum Einsatz.

Wirkungsweise von Trimipramin

Eine gestörte Signalübertragung zwischen den Neuronen (Nervenzellen) im Gehirn wird als Ursache von psychischen Erkrankungen und Depressionen angesehen. Damit verbunden ist eine Funktionsstörung des Gehirns. Sogenannte Neurotransmitter, die chemische Botenstoffe darstellen, übernehmen die Aufgabe der Signalübertragung. Nervenzellen schütten diese Botenstoffe aus, die sich an bestimmten Rezeptoren (Andockstellen) mit den Nachbarzellen verbinden. Dadurch wird ein erregendes oder hemmendes Signal weitergegeben. Anschließend kehrt der Botenstoff wieder in seine Ursprungszelle zurück, womit seine Signalwirkung beendet wird. Diese Signalübertragung ist bei depressiven Menschen gestört. An dieser Stelle greifen Antidepressiva ein, indem sie die Wirkung bestimmter Botenstoffe hemmen oder verlängern. Damit wird die gewünschte angstlösende, beruhigende oder stimmungsaufhellende Wirkung erzielt. Allerdings unterscheidet sich die Wirkung des trizyklischen Antidepressivas Trimipramin von anderen Wirkstoffen dieser Klasse. Trimipramin hemmt die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin in die ursprüngliche Zelle kaum. Dadurch ergibt sich eine schwächere antidepressive Wirkung als bei den typischen trizyklischen Antidepressiva. Die sedative, angstlösende und beruhigende Wirkung ist dafür stärker ausgeprägt. Diese Wirkung beruht darauf, dass Trimipramin die entsprechenden Rezeptoren der Neurotransmitter von Dopamin, Acetylcholin, Histamin und Serotonin besetzt.

Trimipramin – Aufnahme und Ausscheidung des Wirkstoffs

Von der eingenommenen Trimipramin-Dosis gelangen lediglich 40 Prozent tatsächlin in den Blutkreislauf. Entsprechend verfügt der Wirkstoff Trimipramin über eine geringe Bioverfügbarkeit. Der Abbau des Wirkstoffs dauert dafür länger. Nach der Aufnahme wird Trimipramin innerhalb von 24 Stunden gerade einmal zur Hälfte vom Körper abgebaut bzw. ausgeschieden. Der Wirkstoff verfügt entsprechend über eine lange Halbwertszeit.

Die Wirkung im Überblick

  • Die stark sedierende Wirkung hält über mehrere Stunden an.
  • Trimipramin verfügt über antikistaminerge und anticholinerge Wirkungen.
  • Über eine Blockade der 5-HT2-Rezeptoren wirkt Trimipramin schlafanstoßend.
  • Trimipramin wird überwiegend als Schlafmittel eingesetzt, da es keine REM-Schlaf-Störungen und keine Abhängigkeit bewirkt.
  • Der Wirkstoff zeigt kaum eine Noradrenalin- und Serotonin-Wiederaufnahmehemmung, weshalb nur eine schwach antidepressive Wirkung erzielt wird.

Wann wird Trimipramin verordnet?

Aufgrund seiner beruhigenden, antidepressiven, schlaffördernden, anxiolytischen und angstlösenden Wirkung wird Trimipramin bei:
  • Schlafstörungen
  • Angstzuständen
  • innerer Unruhe
  • depressiven Erkrankungen

eingesetzt. Trimipramin kann im Rahmen einer längerfristigen Schmerztherapie die Wirkung der Schmerzmittel fördern. Das Antidepressivum hilft nämlich dem Patienten, von den Schmerzen einen gewissen Abstand zu gewinnen. Eine analgetische, schmerzlindernde Wirkung besitzt der Wirkstoff allerdings nicht. Bei der Behandlung von endogenen Depressionen, die teils genetische Ursachen haben, stellt Trimipramin eher ein Mittel zweiter Wahl. Eine wichtigere Anwendung von Trimipramin liegt in der Behandlung von Opioid-Abhängigen, da der Wirkstoff in diesen Fällen die Entzugssymptome wie Unruhe und Angst lindert.

Anwendung von Trimipramin

Der Wirkstoff kann in Form von Tabletten, Tropfen und Lösungen angewandt werden. Die Dosierung muss natürlich vom behandelnden Arzt festgelegt werden. Üblicherweise wird bei depressiven Störungen mit einer Dosierung von 25 bis 50 Milligramm Trimipramin täglich begonnen. Nach Anweisung des Arztes kann die Dosis bei Bedarf langsam erhöht werden. Bei mittelschweren Beschwerden kann die Tagesgesamtdosis auf 100 bis 150 Milligramm und bei schweren depressiven Schüben auch auf 300 bis 400 Milligramm gesetzt werden. Die Höchstdosis von 400 Milligramm darf jedoch nicht überschritten werden. Die Hauptdosis sollte am Abend eingenommen werden, da Trimipramin eine sedierende und stark beruhigende Wirkung hat. Die Trimipramin-Dosierung bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen liegt in der Regel bei 50 Milligramm pro Tag und einer maximalen Tagesdosis von 150 Milligramm. Bei Schlafstörungen ohne depressive Symptome kann am Abend eine Dosis von 25 bis 50 Milligramm eingenommen werden. Eine Anpassung der Dosierung ist insbesondere bei Patienten mit Nieren- oder Leberschwäche und bei älteren Patienten notwendig.

Absetzen von Medikamenten mit Trimipramin

Wenn die Behandlung mit Trimipramin beendet werden soll, so ist es unbedingt notwendig das Medikament langsam abzusetzen. Ein plötzliches Beenden der Einnahme kann zu einer erhöhten Suizidgefahr, zu grippeähnlichen Symptomen, zu Unruhe und Stimmungsschwankungen kommen.

Nebenwirkungen von Trimipramin

Trimipramin ist ein recht nebenwirkungsintensiver Wirkstoff. Von Fall zu Fall können unterschiedlichste Nebenwirkungen auftreten. Die wichtigsten bisher beobachteten Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Ostipation bzw. Verstopfung
  • Appetitzunahme
  • Gewichtszunahme
  • Mundtrockenheit
  • Schwitzen
  • Akkomodationsstörungen bei der Anpassung der Augen an Nah- und Fernsicht
  • innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit
  • Magenschmerzen
  • sexuelle Disfunktionen
  • Miktionsstörungen bei der Blasenentleerung
  • Hautausschläge
  • Blutbildveränderungen
  • Leberfunktionsstörungen
  • Tinnitus bzw. Ohrgeräusche
  • Ileus (Darmverschluss)
  • Haarausfall

Was muss bei der Einnahme von Trimiprmin-Medikamenten beachtet werden?

Für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist Trimiparmin nicht empfehlenswert. Bei zwingender Notwendigkeit können Medikamente mit diesem Wirkstoff jedoch verordnet werden. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte ebenfalls auf eine Einnahme verzichtet werden. Begonnene Therapien sollten jedoch fortgeführt werden. Wenn erstmalig ein Antidepressivum in der Schwangerschaft benötigt wird, so sollten andere Mittel bevorzugt werden. Das Trimipramin einen schädigenden Effekt auf die Kindesentwicklung im Mutterleib hat, ist bisher noch nicht festgestellt worden. Allerdings kann es bei Neugeborenen häufig zu verschiedenen Anpassungsstörungen wie Atemstörungen, Trinkschwächen oder Übererregbarkeit kommen. Wenn Trimipramin Schwangeren verabreicht wird, so ist es notwendig die Entwicklung des Kindes im Mutterleib und den Zustand in den ersten Tagen nach der Geburt zu kontrollieren.

Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen

Mit folgenden Substanzen darf Trimipramin nicht eingenommen werden:

  • starken Schmerzmitteln
  • Schlafmitteln und Hypnotika
  • Alkohol
  • Opioide
  • Atropin
  • Antiparkinsonmittel
  • Anticholinergika
  • Mittel gegen Herzrhythmusstörungen
  • Antiarrhythmika
  • Cinidin
  • Amiodaron

Trimipramin darf nur mit ärztlicher Verordnung und entsprechendem Rezept von der Apotheke ausgegeben werden. Präparate mit diesem Wirkstoff sind also verschreibungspflichtig. Dies gilt auch für Präparate mit niedriger Dosierung.

 

Quellen und weiterführende Infos:

  • https://chem.nlm.nih.gov/chemidplus/rn/739-71-9
  • Lapierre Y.D. A review of trimipramine. 30 years of clinical use. Drugs, 1989, 38, Suppl 1, 17-24 Pubmed
  • Hippius, B. et al, Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie, 7. Auflage, Springer Berlin Heidelberg, 2009
  • Aktories, W. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Urban & Fischer Verlag,10. Auflage, 2009
  • Karow,T. & Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 20. Auflage, 2012