Tranylcypromin

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Tranylcypromin wird vor allem zu Behandlung von Depressionen eingesetzt. Der Einsatz von Tranylcypromin erfolgt bei Patienten mit therapieresistenten Depressionen. Es wird als Reserveantidepressivum eingesetzt, wenn andere Wirkstoffe keinen Erfolg oder wenig Erfolg gezeigt haben oder ein Patient diese nicht verträgt. Des Weiteren wird Tranylcypromin bei Angst- und Panikstörungen eingesetzt oder auch bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

 

Die Geschichte

Tranylcypromin ist bereit seit 1962 auf dem deutschen Markt. Entdeckt würde Tranylcypromin durch einen Zufall, wie viele andere Wirkstoffe und Medikamente auch. Im Jahre 1954 wurde ein MAO-Hemmer bei einem an tuberkulose erkrankten Patienten eingesetzt. Auf die Tuberkulose-Kranken hatte der MAO-Hemmer eine euphorisierende Wirkung, was zu dem Gedanken führte Tranylcypromin gegen Depressionen einzusetzen. Die Nebenwirkungen von Tranylcypromin haben allerdings dazu geführt, dass andere Wirkstoffe gegen Depressionen bevorzugt eingesetzt werden.

Auch die Forschung in Richtung Tranylcypromin wurde weitgehend eingestellt. Das Interesse an dem Wirkstoff stieg erst in den 80er Jahren wieder an, als festgestellt wurde, dass Tranylcypromin hilft, wenn Resistenzen gegen die anderen Wirkstoffe vorhanden sind. Tranylcypromin wurde zu einem Reservemedikament.

 

Tranylcypromin – Wirkung

Eine Depression geht mit einem fehlenden Antrieb einher und mit einer gestörten Stimmung. Dies kann auf einen Mangel an Monoaminen, wie Serotonin und Noradrenalin zurückgeführt werden. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass vermutlich ein genereller Mangel an Neurotransmittern herrscht. Die Monoamine sollen hier erhöht werden. Dies lässt sich mit Medikamenten, wie Tranylcypromin erreichen. Durch den Wirkstoff wird der Abbau der Monoamine gehemmt.

Tranylcypromin ist ein irreversibler und selektiver MAO-Hemmer. In seiner Struktur gleicht er dem Amphetamin. Der Wirkstoff führt dazu, dass Monoaminoxidasen, also körpereigene Amine langsamer abgebaut werden. Monoaminoxidasen (MAO) sind Enzyme, die Amine im Köper abbauen. Sie sind im zentralen Nervensystem als auch in zahlreichen Körpergeweben vorhanden und sorgen für den Abbau von Aminen. Es gibt zwei Arten von Monoaminoxidasen, Typ A und Typ B. Typ A baut in erster Linie Serotonin und Noradrenalin ab. Dopamin und andere werden von Typ B abgebaut. Tranylcypromin hemmt sowohl die Monoaminoxidase A als auch den Typ P. Diese Hemmung kann nicht wieder aufgehoben werden.

 

Darreichungsformen

Tranylcypromin gibt es in Tabletten à 10 Milligramm oder 20 Milligramm. Der Wirkstoff ist unter verschiedenen Handelsnamen auf dem Markt.

 

Dosierung

Die therapeutisch sinnvolle Dosis liegt bei 20 – 60 Milligramm. Die Tabletten sollen morgens oder alternativ morgens und mittags eingenommen werden. Die Dosis wird langsam gesteigert, damit sich der Körper daran gewöhnt. Auf Grund der möglichen aktivierenden Wirkung sollte die letzte Tablette nicht nach 15.00 Uhr genommen werden, um Schlafstörungen zu vermeiden.

 

Nebenwirkungen

Durch den verlangsamten Abbau stehen die Amine bei Stoffwechselvorgängen in höherer Menge zur Verfügung. Auch das körperfremde Tyramin, das mit der Nahrung aufgenommen wird, ist vermehrt vorhanden. Aus diesem Grund muss bei der Einnahme von Tranylcypromin auf Lebensmittel verzichtet werden, die Tyramin enthalten. Zu diesen Lebensmitteln gehören:

  • luftgetrocknete Fleisch- oder Fischprodukte
  • Salzhering
  • Fertigsaucen
  • Fertigsuppen
  • überreifes Obst
  • alkoholische Getränke

Wird nicht auf Nahrung verzichtet, die Tyramin enthalten, ist mit massiven und teils lebensbedrohlichen Folgen und Nebenwirkungen zu rechnen. Hypertensive Krisen können die Folge sein und es kann zu einer Hirnblutung kommen. Dies ist nicht ausschließlich von der Dosis abhängig, sondern auch von Patient zu Patient verschieden.

Auf Grund dieser massiven Folgen ist Tranylcypromin nicht das Mittel der Wahl bei der Behandlung von Depressionen. Der Einsatz erfolgt meist nur dann, wenn andere Wirkstoffe keine oder wenig Wirkung zeigen oder ein Patient kein anderes Medikament verträgt. Weitere Nebenwirkungen sind:

  • Schlafstörungen
  • Gewichtsveränderungen
  • Störungen des Blutkreislaufs mit Schwäche und erhöhtem Kälteempfinden
  • Unruhe
  • Hypotonie
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • erhöhte Temperatur oder auch Fieber
  • Hypertonie, seltener als Hypotonie
  • periphere Ödeme

 

Kontraindikationen – was spricht gegen eine Anwendung von Tranylcypromin?

Tranylcypromin soll nicht angewendet werden bei Patienten, die unter schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Dies gilt insbesondere bei massivem Bluthochdruck. Auch Patienten, die bereits einen Hirninfarkt erlitten haben oder mit Durchblutungsstörungen der Hirngefäße belastet sind, sollten eher auf einen anderen Wirkstoff zurückgreifen. Dies gilt gleichermaßen für Patienten mit erheblichen Leberschäden oder Phäochromozytom.

Zur Anwendung während der Schwangerschaft, der Stillzeit und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten vor. Daher wird auf die Anwendung von Tranylcypromin in diesen Fällen verzichtet. Ein Verzicht auf den Wirkstoff wird ebenfalls bei Epilepsie, einer eingeschränkten Nieren- oder Leberfunktion und Diabetes insipidus empfohlen. Auch bei einer Abhängigkeit, selbst wenn diese schon längere Zeit zurückliegt, sollte Tranylcypromin nicht angewendet werden. Es besteht das Risiko einer erneuten Abhängigkeit. Bei älteren Menschen können die Nebenwirkungen verstärkt auftreten.

Tranylcypromin ist ebenfalls kontraindiziert bei:

  • Phäochromozytom (eine Erkrankung des Nebennierenmarks)
  • sehr hoher Blutdruck
  • geschädigte Blutgefäße des Herzens oder des Gehirns
  • schwere Nieren- oder Leberschäden
  • Diabetes insipidus
  • Porphyrie

Ein sorgfältiges Abwägen sollte bei erniedrigtem oder erhöhtem Blutdruck erfolgen, ebenso wie bei einer erhöhten Krampfneigung oder Epilepsie. Eine Überfunktion der Schilddrüse sollte ebenfalls eine genaue Abwägung nach sich ziehen.

 

Wechselwirkungen

Einige besonders zu beachtende Wechselwirkung besteht mit tyraminhaltiger Nahrung. Diese lässt sich durch eine strikte Diät vermeiden. Weitere Wechselwirkungen treten auf bei Einnahme von Tranylcypromin und gleichzeitiger Einnahme von:

  • Tryptophan
  • Buspiron
  • Amphetamine
  • Pethidin, Tramadol, Dextromethorphan
  • Imipramin
  • selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  • Disulfriram
  • Levodopa
  • indirekte Sympathomimetika
  • Mittel gegen zu hohen Blutdruck, wie Methyldopa unter anderem
  • Insulin
  • Neuroleptika
  • Antidepressiva
  • Schmerzmittel
  • Benzodiazepine
  • direkten Sympathomimetika (z. B. in Medikament zur Steigerung des Blutdrucks, in Nasentropfen oder zur Broncholyse
  • Imipramin
  • indirekte Sympathomimetika

Unterschiedliche Medikamente lösen unterschiedliche Wechselwirkungen aus. Es folgen einige Beispiele der Wechselwirkungen. So können bei der Einnahme von L-Tryptophan delirante Symptome auftreten. Das Medikament Buspiron hat in einigen Fällen zu einem massiven Blutdruckanstieg geführt. Mit schweren Nebenwirkungen ist bei gleichzeitiger Einnahme von Imipramin zur rechnen. Diese reichen von einem massiven Blutdruckanstieg, über Krampfanfälle und Hyperthermie bis hin zum Koma. Die gleichzeitige Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kann zu Reizbarkeit, Hypertension bis zur Hyperthermie mit tödlichem Ausgang führen. Amphetamine haben unter Umständen schwere hypertonische Krisen zur Folge.

Pethidin, Tramadol und Dextromethorphan können lebensbedrohliche Wechselwirkungen im Bereich des ZNS beziehungsweise der Beeinflussung der Kreislauf- und Atemfunktion haben. Ein Delir kann die Folge von gleichzeitiger Einnahme von Tranylcypromin und Disulfriram sein. Levodopa kann einen unkontrollierbaren Blutdruckanstieg zur Folge haben, wenn nicht gleichzeitig Decarboxylase-Hemmstoffe eingenommen werden. Die Verstärkung der Wirkung von Insulin ist möglich. Die Wirkstoffe Atomoxetin und Reserpin können zu einem massiven Anstieg des Blutdrucks oder zu Herzrhythmusstörungen führen. Zwei Wochen vor einer Anästhesie sollte Tranylcypromin nach Möglichkeit abgesetzt werden.

 

Das Absetzen von Tranylcypromin

Das Medikament sollte ausgeschlichen werden und nicht abrupt abgesetzt werden. Auf Grund der strukturellen Ähnlichkeit mit Amphetaminen können ähnliche Entzugserscheinungen auftreten. Das bedeutet, Tranylcypromin muss langsam reduziert werden, bevor es abgesetzt wird. Nach dem Ende der Behandlung können Unruhe, Angst, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Delirium und Halluzinationen auftreten. Die Ursache kann das Absetzen des Wirkstoffs sein oder aber eine wiederkehrende Depression.

 

Überdosierung – Intoxikation

Schläfrigkeit, Zittern, Tachykardie, Tachypnoe, hyper- und hypotoner Blutdruck, Fieber und Agitiertheit können Anzeichen für eine Überdosierung beziehungsweise eine Intoxikation sein.

 

Verträglichkeit

Tranylcypromin weist eine sehr geringe oder fehlende anticholinerge Nebenwirkung auf. Das Krampfrisiko ist sehr gering, wenn überhaupt vorhanden. Allerdings setzt die Anwendung von Tranylcypromin die Einhaltung einer strikten Diät voraus.

 

Wirkungseintritt und Abbau

Die Wirkung von Tranylcypromin tritt sehr schnell ein. Bereits kurz nach der Einnahme ist eine Wirkung vorhanden. Nebenwirkungen und die Wirkung des Wirkstoffs halten ungefähr zwei bis drei Wochen nach dem Absetzen von Tranylcypromin an.

 

Erfahrungen mit Tranylcypromin

Die Erfahrungen mit dem Wirkstoff in Bezug auf eine Depression sind weitgehend gut bis sehr gut. Allerdings machen sich häufig die Nebenwirkungen bemerkbar. Und selbstverständlich muss eine strenge Diät eingehalten werden. Meist fühlen sich die Patienten nach einer Einnahme von Tranylcypromin nach den ersten zwei bis drei Wochen deutlich besser.