Transkranielle Magnetstimulation

Die transkranielle Magnetstimulation: Therapie gegen Depressionen

In den vergangen Jahren hat die transkranielle Magnetstimulation (TMS) bei der Behandlung von Depressionen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die alternative, nichtinvasive Behandlung gilt als Hoffnung für Patienten mit medikamentenresistenten Formen der Depression.

 

Transkranielle Magnetstimulation (TMS): einführende Erläuterungen

Bei der TMS handelt es sich um eine Methode der Hirnstimulation mithilfe einer Magnetspule, die an den Kopf gehalten wird. Bereits 1831 wurde die TMS in Großbritannien von Michael Faraday entdeckt und seitdem weiterentwickelt. Bei dem Verfahren werden schwache elektrische Ströme verursacht, die durch das schnelle Wechseln von Magnetfeldern im Gewebe entstehen. Mittels der auf diese Weise induzierten Ströme sollen Neuronen im Nervensystem sowie direkt im Gehirn stimuliert und depolarisiert werden. Obgleich das gerätegestützte, nichtinvasive Vorgehen als unangenehm empfunden werden kann, ist es richtig angewandt nahezu schmerzlos.

Hintergrund: Technische Voraussetzungen

Die TMS basiert auf dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion. Wird eine Magnetspule am Kopf angelegt, erzeugt sie ein kurzes Magnetfeld, wobei die Dauer zwischen 200 und 600 µs beträgt und eine magnetische Flussdichte von 3 Tesla erreicht wird. Durch den Impuls wird eine Potentialänderung der Hirnrinde ausgelöst, die wiederum zur Depolarisierung von Neuronen bei gleichzeitiger Auslösung von Aktionspotentialen führt. Trotz jahrelanger Forschung lässt sich der Wirkmechanismus der TMS bis heute nicht im Detail klären.
Generell lassen sich zwei unterschiedliche Verfahren unterscheiden. So kann die Stimulation mit einzelnen Magnetimpulsen erfolgen. Wird die Magnetstimulation jedoch in sich regelmäßig wiederholenden Intervallen durchgeführt, spricht man auch von repetitiver Magnetstimulation (rTMS). Letztere kommt insbesondere zu therapeutischen Zwecken zum Einsatz.

 

Nutzen und Anwendungsgebiete der transkraniellen Magnetstimulation

Die TMS wird einerseits in der physiologischen Forschung und andererseits zu Diagnosezwecken sowie als Behandlungsmethode eingesetzt. Eine wichtige Rolle spielt sie beispielsweise bei der Untersuchung kortikospinaler Bahnen, also der Großhirnrinde und des Rückenmarks. Daher hat sie bei akuten Schlaganfällen, Multipler Sklerose oder Morbus Parkinson Bedeutung erlangt. Immer wichtiger wird die TMS auch als therapeutisches Verfahren weiterer Erkrankungen, da bei einer Vielzahl der Beschwerden positive Wirkungen nachgewiesen werden konnten. Hierzu gehören unter anderem:
  • Schlaganfall
  • Tinnitus
  • Morbus Parkinson
  • Epilepsie
  • Multiple Sklerose
  • Migräne
  • Einige Formen von Schizophrenie
  • Medikamentenresistente Formen affektiver Störungen
  • Schwere Formen medikamentenresistenter Depression

Auf letztgenannten Punkt wird im Folgenden näher eingegangen.

Transkranielle Magnetstimulation : Therapieaussichten bei Depressionen

Erstmals wurde 1993 in der Wissenschaft vorgeschlagen, TMS auch bei Patienten mit schweren Depressionen einzusetzen. Seither sind zahlreiche Studien weltweit durchgeführt worden, die die Wirksamkeit von TMS in diesem Bereich belegen. Nach einer großangelegten Studie im Jahr 2007, wurde die TMS im Folgejahr schließlich in den USA als Behandlungsmethode zugelassen. In der Forschung geht man davon aus, dass der antidepressive Effekt der TMS durch die Anregung des Energiestoffwechsels der Nervenzellen erzielt wird. Für die Behandlung von Depressionen ist die Therapie von enormer Bedeutung, da etwa 30 Prozent der Patienten weder auf eine Psychotherapie noch auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen. Als alternatives Verfahren gilt die TMS als besonders schonend, sodass keine Narkose erforderlich ist. Auch wird sie im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren als besonders sanft eingestuft, da beispielsweise kein Krampfanfall ausgelöst wird.
Nach derzeitigem Forschungsstand wird eine Therapie von mindestens drei bis fünf Wochen empfohlen, wobei eine tägliche Behandlungseinheit von je einer Stunde vorgesehen ist. Sollten Patienten gleichzeitig medikamentös eingestellt sein oder sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden, können diese Maßnahmen begleitend fortgesetzt werden.
Angesichts des innovativen Charakters des therapeutischen Verfahrens sind die Studien zu Nebenwirkungen der Methode derzeit noch rar. Einige Patienten geben an, im Anschluss an eine Behandlungseinheit Kopfschmerzen zu haben, die jedoch nach einigen Stunden wieder abklingen. Außerdem wurden bei Patienten mit einer bestimmten Prädisposition epileptische Anfälle beobachtet.

Neuere Studien und Ausblick

Seit nunmehr zehn Jahren gilt die TMS offiziell als erfolgreiches Therapieverfahren bei medikamentenresistenten Formen der Depression. Seitdem hat die Forschung weitere Ergebnisse zur Wirksamkeit der Methode bei Depressionen veröffentlicht. Mittlerweile ist die TMS in einer Vielzahl von Studien in unterschiedlichen Varianten getestet worden. So wurden unter anderem die Impulsfrequenz und -intensität variiert. Zudem wurde versucht, die optimale Behandlungsdauer mithilfe von Erfahrungswerten anzupassen. Auch wurde die Effizienz der TMS bei Depressionen im Rahmen bipolarer Störungen nachgewiesen. Analysiert wird weiterhin, welche Anlegeposition für die Behandlung am günstigsten ist. In den vergangenen Jahren wurde außerdem geprüft, inwiefern sich andere Behandlungsmethoden erfolgreich mit der TMS kombinieren lassen.
Trotz der intensiven Forschung sind jedoch noch zahlreiche Fragen offen, sodass die Wissenschaft in dem genannten Bereich nicht stillsteht. Dementsprechend ist in den folgenden Jahren mit einer Optimierung des Verfahrens zu rechnen.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Dell’osso, B. & Carlo Altamura, C. (2009). Augmentative transcranial magnetic stimulation (TMS) combined with brain navigation in drug-resistant rapid cycling bipolar depression: A case report of acute and maintenance efficacy. The World Journal of Biological Psychiatry 10(4-2), 673-676.http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15622970701806192?src=recsys (10/01/2018).

George, M.S. (2010). Transcranial magnetic stimulation for the treatment of depression. Expert Review of Neurotherapeutics 10(11), 1761-1772. http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1586/ern.10.95?journalCode=iern20 (10/01/2018).

George, M.S. et al. (1995). Daily repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS) improves mood in depression. NeuroReport 6(14), 1853-1856. http://journals.lww.com/neuroreport/Abstract/1995/10020/Daily_repetitive_transcranial_magnetic_stimulation.8.aspx (10/01/2018).

Pascual-Leone, A. et al. (1996). Rapid-rate transcranial magnetic stimulation of left dorsolateral prefrontal cortex in drug-resistant depression. The Lancet 348(9022), 233-237. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673696012196 (10/01/2018)

Weir, K. (2015). Can magnets cure depression? Transcranial magnetic stimulation is gaining ground as a therapy for treatment-resistant depression. Monitor on Psychology 46(2), 50. http://www.apa.org/monitor/2015/02/magnets.aspx (10/01/2018).