Tianeurax

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Tianeurax ist der Handelsname für den Wirkstoff Tianeptin. Tianeptin gehört zu den tri- und tetrazyklischen Antidepressiva und ist der erste entdeckte Serotonin-Reuptake-Enhancer. Seit 2012 ist Tianeurax in Deutschland zugelassen und wird zur medikamentösen Therapie von Depressionen bei Erwachsenen eingesetzt. Die Zulassung von Tianeurax löste eine große Debatte in der Ärzteschaft aus, heute herrscht ein Konsens, dass die antidepressive Wirkung von Tianeurax vor allen Dingen durch die Wirkung auf die Neuroplastizität und weniger auf die Verstärkung der Serotonin-Wiederaufnahme zurückzuführen ist.

Anwendungsgebiete

Tianeurax wird zur medikamentösen Therapie von Depressionen bei Erwachsenen eingesetzt. Das Medikament ist nicht für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen zugelassen. Off-Label kann Tianeurax zur Behandlung von Angststörungen und Zwangsstörungen eingesetzt werden. Off-Label bedeutet, dass das Medikament für diese Zwecke nicht in Deutschland zugelassen ist. Der Arzt muss gesondert über den Einsatz des Medikamentes aufklären.

Die Geschichte von Tianeurax

Tianeptin ist kein neuer Wirkstoff. In Frankreich und Österreich wird Tianeptin unter dem Markennamen Stablon bereits seit den 1980er Jahren als Antidepressivum eingesetzt. Das Medikament erhielt die Zulassung in Deutschland im November 2012. Grund für die späte Zulassung des Medikamentes ist die paradoxe Wirkungsweise als Serotonin-Wiederaufnahme-Verstärker, die in einem krassen Widerspruch zu den üblichen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern steht. Die klinische Wirksamkeit von Tianeurax wurde allerdings in mehreren klinischen Studien bestätigt, sie ist signifikant höher als der Placebo-Effekt.

Wirkung / Wirkstoff

Tianeptin wirkt als partieller Agonist des u-Opioid-Rezeptors, es weist eine atypische Wirkung auf. Tianeptin hat eine modulierende Wirkung auf Glutamin-Rezeptoren und kann scheinbar stressbedingte Veränderungen in bestimmten Bereichen des Gehirns verhindern und sogar rückgängig machen zu können.

In der Anfangsphase einer Behandlung verstärkt Tianeptin die Wiederaufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt, in anderen Arealen wird durch Tianpetin die Dopamin-Konzentration außerhalb der Zellen erhöht. Dieser Eigenschaft verdankt der Wirkstoff seine Bezeichnung als Serotonin-Reuptake-Enhancer. Wie Tianeurax allerdings diesen Effekt auslöst ist bisher ungeklärt. Tianeptin selbst hat keine Affinität zu Serotonin- oder Dopamin-Rezeptoren.

Für die antidepressive WIrkung von Tianeptin werden vor allen Dingen andere Wirkmechanismen verantwortlich gemacht, am wichtigsten für diese Wirkung ist der Einfluss auf die Neuroplastizität des Gehirns vor allen Dingen im Hippocampus und im präfrontalen Cortex.

Wirkungseintritt

Bereits eine Stunde nach der Einnahme von Tianeurax wird der maximale Plasmaspiegel des Medikamentes erreicht. Nach 1,4 bis 3,6 Stunden ist bereits die Hälfte des Wirkstoffes wieder aus dem Plasma verschwunden. Beim Abbau von Tianeurax entstehen aktive Abbauprodukte, die Halbwertszeit dieser aktiven Metaboliten beträgt 7,6 Stunden. Tianeurax ist ein Spiegelmedikament, der erforderliche Wirkstoffpegel im Blut wird nach ungefähr einer Woche erreicht.

Nebenwirkungen

Es ist generell schwierig, Nebenwirkungen von Tianeurax festzustellen, da die meisten beobachteten Nebenwirkungen sich nicht von den üblichen Symptomen einer Depression unterscheiden.

Als Nebenwirkungen wurden unter anderem Essensverweigerung, Albträume und Schlaflosigkeit festgestellt, außerdem klagten Patienten über eine generelle Schläfrigkeit, Schwäche oder ein Kloßgefühl im Hals.

Weitere Nebenwirkungen sind Schwindel und Kopfschmerzen, aber auch Zittern und ein beeinträchtigtes Sehvermögen.
Die Einnahme von Tianeurax kann außerdem zu Herzrasen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Brustschmerz, Hitzewallungen und Atemnot führen.

Außerdem kann Tianeurax einen trockenen Mund, sowie Darmträgheit in Verbindung mit Bauchschmerzen auslösen. Übelkeit, Erbrachen und Verdauungsstörungen, Durchfall, Blähungen und Sodbrennen können nach der Einnahme des Medikamentes ebenfalls auftreten.

Rückenschmerzen und Muskelschmerzen können ebenfalls durch die Einnahme von Tianeurax auftreten oder verstärkt erscheinen.

In seltenen Fällen kann die Einnahme von Tianeurax zu einer Abhängigkeit führen, auch Reaktionen der Haut wie ein geröteter Ausschlag, Juckreiz oder eine Nesselsucht können Folgen der Einnahme von Tianeptin sein.

Fachleute beobachteten, dass Patienten in der ersten Zeit nach der Behandlung häufig Selbstmordgedanken hegten und ein entsprechendes Verhalten zeigten, inwieweit dies allerdings mit der Einnahme von Tianeptin zusammenhängt lässt sich nicht endgültig abklären.

Wechselwirkungen

Tianeurax sollte generell nie zusammen mit Antidepressiva aus der Gruppe der Monoaminooxidase-Hemmer einegnommen werden. Die Kombination dieser Präparate kann zu Kreislaufzusammenbrüchen, starkem, anfallsweisem Bluthochdruck, Fieber, Krämpfen und sogar zum Tod führen.

Wird Tianeptin gleichzeitig mit dem Antidepressivum Mianserin genommen, heben sich die Wirkungen der Medikamente gegenseitig auf.

Dosierung

Die empfohlene Dosierung für Tianeurax beträgt 3 x täglich eine Tablette. Tianeptin-Präparate enthalten eine Dosis von 11,9 mg Tianeptin pro Tablette, damit wird eine Tageshöchstdosis von 35,7 mg erreicht. Die Einnahme des Präparates alle 8 Stunden ist bedingt durch den Abbau im Blut, der aktive Metabolit von Tianeptin ist nach knapp 8 Stunden zur Hälfite abgebaut.

Ältere Patienten und Patienten mit einer Störung der Nierenfunktion erhalten normalerweise eine geringere Dosierung von nur 2 Tabletten Tianeurax am Tag.

Tianeurax absetzen

Wie bei allen Psychopharmaka empfiehlt sich auch bei Tianeptin ein sanfter, langsamer Prozess zum Absetzen. Tianeurax sollte nicht plötzlich abgesetzt werden, das Medikament sollte über einen Zeitraum von 7 Tagen bis zwei Wochen langsam ausgeschlichen werden um Nebenwirkungen und entzugsartige Symptome zu vermeiden.

Tianeurax in Schwangerschaft und Stillzeit

Die Wirkung von Tianeurax in der Schwangerschaft ist noch nicht untersucht worden, bisher ist nicht bekannt, welche Auswirkungen die Einnahme von Tianeurax auf den Embryo hat. In der Schwangerschaft darf Tianeurax daher nicht eingenommen werden.

Auch in der Stillzeit sollte ein alternatives Medikament genommen werden, da nicht abschließend geklärt ist, ob trizyklische Wirkstoffe wie Tianeptin in die Muttermilch übergehen können.

Tianeurax bei Kindern und Jugendlichen

Tianeurax ist in Deutschland vornehmlich zur Behandlung Erwachsener zugelassen, da keine ausreichenden Langzeitstudien bezüglich des Wachstums, der allgemeinen Reifung sowie der Entwicklung geistiger und kognitiver Fähigkeiten und des Verhaltens zur Verfügung stehen. In Ausnahmefällen kann Tianeurax bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zur Anwendung kommen, eine besonders engmaschige Beobachtung und Betreuung ist in Bezug auf Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche und Aggressionen hier sehr wichtig.

Erfahrungen mit Tianeurax

Patienten berichten vor allen Dingen, dass durch die Einahme von Tianeurax die Motivation und der Antrieb schnell nach Beginn der Therapie verbessert werden. Gerade Patienten, die bereits eine langjährige Therapie mit anderen Antidepressiva hinter sich haben sind von oft Tianeurax positiv überrascht. Daher scheint das Medikament besonders geeignet für Patienten mit chronischer Depression zu sein, die Probleme mit Nebenwirkungen bei anderen Medikamenten hatten.

Einige Behandelte berichten anfänglich von starken Problemen bei der Nahrungsaufnahme, einer Appetitlosigkeit verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Die meisten Patienten berichten, dass die bei sich selbst beobachteten Nebenwirkungen des Medikamentes nach wenigen Wochen stark zurückgegangen, beziehungsweise komplett verschwunden sind.

Generell sind die Erfahrungen von Patienten mit Tianeurax aber positiv, gerade bei Depressionen in Verbindung mit Angststörungen wird die Einnahme von Tianeurax als sehr hilfreich empfunden.

Quellen: