Therapeutensuche

Tipps zur Suche nach einem Therapeuten bei Depressionen

Wer unter Depressionen leidet, ist nicht einfach traurig. Eine anhaltende Niedergeschlagenheit wird meist von weiteren Symptomen begleitet: Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit, niedriges Selbstwertgefühl und Verlust von Interesse an Dingen, die sonst Freude bereitet haben. Eine Psychotherapie ist für viele Patienten hilfreich, um frei von Depressionen zu werden oder zumindest die Symptome in den Griff zu bekommen.

Einen guten Therapeuten zu finden, dem der Patient Vertrauen entgegen bringen kann, ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Psychotherapie. Allerdings erweist sich die Suche nach einem passenden und verfügbaren Therapeuten gerade für Menschen, die unter den aufgeführten Symptomen leiden, als doppelt schwierig. Zum einen sind gerade im ländlichen Raum oft nur wenige Psychotherapeuten verfügbar. Diese haben dann auch häufig noch lange Wartezeiten auf einen Termin. Zum anderen erscheint den Patienten wegen ihrer allgemeinen Antriebslosigkeit und Problemen, alltägliche Aufgaben zu erledigen, die Suche beinahe unüberschaubar und überfordernd.

Dieser Leitfaden bietet daher einige praktische Tipps zur erfolgreichen Therapeutensuche.

Vor dem Suchen eines Therapeuten

Patienten mit Depressionen sollten wissen, dass ihnen als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse die Anspruchnahme einer Psychotherapie zusteht. Es ist in der Regel keine Überweisung eines Haus- oder Facharztes nötig. Allerdings muss der Psychotherapeut eine Approbation sowie eine Kassenzulassung haben, damit die Kosten übernommen werden. Außerdem sind nur bestimmte Arten der Therapie von der Kasse anerkannt. Es ist empfehlenswert, dass Patienten sich am Anfang ihrer Suche in Grundzügen über diese Verfahren informieren. So kann einerseits schon vorab festgestellt werden, welche Form am geeignetsten erscheint. Andererseits schränkt dies auch schon die Auswahl an Therapeuten ein, da diese auf eine oder mehrere Verfahren spezialisiert sind. Dies erleichtert die oftmals überwältigend wirkende Suche.

Von der Kasse zugelassene Therapiemethoden sind:

  • analytische Psychotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Praktische Hilfe bei der Therapeutensuche

Zunächst einmal kann es hilfreich sein, den umfassenden Begriff der Therapeutensuche in kleine, überschaubare Schritte einzuteilen. Wenn ein Patient Hilfe von Familien oder Freunden hat, sollte er sich nicht scheuen, diese Personen um Unterstützung zu bitten. Einigen Menschen fällt es beispielsweise schwer, Anrufe zu tätigen, gerade wenn es sich um Unbekannte handelt. Hier können nahe stehende Personen die Therapeuten anrufen und einen Termin vereinbaren. Andere mögen sich wiederum von der Vielzahl an Therapeuten überfordert fühlen. In diesem Fall können Angehörige eine Vorauswahl treffen und dem Patienten eine kurze Liste mit Telefonnummern zusammenstellen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Menschen mit Depression sich nicht zu viel vornehmen. Eine Aufstellung mit kleinen Schritten kann helfen, diese Aufgabe überschaubar zu machen. Eine to do Liste kann in etwa so aussehen:

  • Therapieformen bei Wikipedia nachschauen
  • Alle Therapeuten im Umkreis von z. B. 20 km heraussuchen unter bptk.de,  ttherapie.de, weisse-liste.dee oder den Websites der Kassenärztlichen Vereinigung des eigenen Bundeslandes
  • Kriterien zur Eingrenzung überlegen (hierzu im Folgenden weitere Tipps)
  • Eine Liste zum Abtelefonieren erstellen (z. B. mit 5 Namen und Telefonnummern)
  • Anrufe und Ergebnis protokollieren

Diese Schritte müssen keineswegs an einem Tag oder auch nur in einer Woche erledigt sein. Patienten mit Depressionen möchten natürlich schnelle Hilfe, aber sollten sich nicht unter Druck setzen. Es genügt völlig, diese Schritte im eigenen Tempo zu erledigen und Hilfe von Angehörigen und Freunden in Anspruch zu nehmen. Die Schritte können noch kleinteiliger unterteilt werden, wenn dies hilfreich erscheint.

Eingrenzung der Suche

Während im ländlichen Raum die Suche nach Therapeuten zu überschaubaren Ergebnissen führen kann und die zurückzulegende Strecke eventuell sogar erweitert werden muss, gibt es in Städten oft sehr viele Therapeuten. Hier bietet es sich ein, die Auswahl vorab einzugrenzen. Eine erste Methode ist die Einschränkung nach dem angebotenen Therapieverfahren.

Des Weiteren gibt es viele Patienten, die lieber von einer Therapeutin oder lieber von einem Therapeuten behandelt werden möchten. Dies ist ein völlig legitimes Anliegen, denn bei einer Psychotherapie ist es von höchster Wichtigkeit, dass ein enges Vertrauensverhältnis entsteht. Eine Eingrenzung nach Geschlecht des Therapeuten ist also durchaus eine gute Idee, sofern der Patient dies als nützlich empfindet.

Oftmals haben Therapeuten auch noch weitere Behandlungsschwerpunkte. So gibt es beispielsweise Kinder- und Jugendtherapeuten. Bei den verhaltenstherapeutischen Methoden gibt es noch weitere Unterschiede wie kognitive Verhaltenstherapie oder Biofeedback. Es ist durchaus sinnvoll, diese Schwerpunkte bei der Vorauswahl zu berücksichtigen.

Der Anruf beim Therapeuten

Häufig ist es gar nicht so einfach, den Therapeuten telefonisch zu erreichen. In den meisten Fällen gibt es keine Sprechstundenhilfe, sondern nur den Therapeuten. Sollte niemand erreichbar sein, wird in der Regel ein Anrufbeantworter vorhanden sein. In diesem Fall ist es empfehlenswert, nicht nur Namen und Telefonnummer zu hinterlassen, sondern auch eine Zeitspanne, in der der Patient gut erreichbar und ungestört ist.

Das Telefongespräch wird je nach Therapeut anders verlaufen. So erhalten beide Parteien aber auch bereits einen ersten Eindruck voneinander. Sollte dem Patienten der Anruf bereits unsympathisch sein, ist es völlig in Ordnung, keinen Termin zu vereinbaren.

Natürlich kann am Telefon nicht ausführlich besprochen werden, wie die Situation des Patienten sich darstellt. Dennoch sollten die wichtigsten Informationen bereits angesprochen werden. Es kann daher hilfreich sein, sich vor dem Telefonat kurze Stichpunkte aufzuschreiben. Je nach Länge des Gesprächs wird der Therapeut Sie um eine kurze Schilderung der Symptome bitten, auch um einschätzen zu können, wie dringend der Behandlungsbedarf ist.

Patienten mit Depressionen sollten auch darauf eingestellt sein, dass der Therapeut möglicherweise nach Selbstmordgedanken fragt. Obwohl dies ein schwieriges Thema ist, gerade mit einer unbekannten Person, sollte wahrheitsgetreu geantwortet werden. Hieraus kann der Therapeut Dringlichkeit ableiten und gegebenenfalls schneller verfügbare Therapieangebote zur Überbrückung empfehlen.

Eine gute Idee ist es, den Therapeuten etwa 10 Minuten vor der vollen Stunde anzurufen. Therapiesitzungen dauern 45-50 Minuten und so könnte es gut sein, dass man zwischen zwei Stunden Glück hat und den Therapeuten direkt sprechen kann.

Ziel dieses ersten Gesprächs ist es, einen Termin zu vereinbaren. Patienten sollten sich allerdings auch darauf einstellen, vom Therapeuten unter Umständen die Aussage zu erhalten, dass kein Termin frei ist oder erst in einigen Wochen oder gar Monaten.

Falls der Therapeut nicht selbst darauf zu sprechen kommt, sollten Patienten fragen, ob es eine Warteliste gibt. Dies ist auch der Grund, warum unbedingt mehrere Therapeuten kontaktiert werden sollten. Es ist sinnvoll, sich auf die Warteliste von verschiedenen Therapeuten setzen zu lassen. Selbstverständlich möchten Menschen mit Depressionen möglichst rasch mit Ihrer Behandlung beginnen, aber nicht immer muss der am ehesten verfügbare Therapeut auch der richtige sein. Daher ist es keinesfalls unangebracht, auf mehreren Wartelisten zu verbleiben oder mehrere Termin wahrzunehmen. Ein guter Therapeut wird Verständnis hierfür haben.

Völlig unverbindlich: Der erste Termin

Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses ist entscheidend für den Erfolg einer Therapie. Daher dient der erste Termin vor allem dazu herauszufinden, welche Ziele mit der Therapie verfolgt werden sollen. Nicht nur der Therapeut sammelt hierbei Informationen, sondern auch der Patient.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen fünf Sitzungen beim Psychotherapeuten, ohne dass hierfür Bedingungen gelten. Patienten sollten sich daher diese Zeit auch nehmen, um zu entscheiden, ob Sie sich mit dem Therapeuten gut aufgehoben fühlen. Oftmals ist dies bereits nach dem ersten Termin klar.

Als Patient ist es völlig zulässig, sich Fragen zu überlegen und zu stellen. Eine kleine Liste kann helfen, damit nichts vergessen wird. Ein guter Therapeut lässt in der ersten Sitzung Freiraum für Fragen und beantwortet diese ausführlich.

Es ist ebenfalls gutes Recht des Patienten, Termine bei mehreren verschiedenen Therapeuten wahrzunehmen. Auch hierfür übernimmt die Kasse die Kosten. Falls der Patient sich mit einem Therapeuten nicht wohlfühlt, sollte er dies auf jeden Fall mitteilen, damit ein anderer Patient den Therapieplatz wahrnehmen kann.

Nach Festlegung auf einen Therapeuten muss nach den ersten fünf Sitzungen ein Antrag an die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten gestellt werden. Dies übernimmt der Therapeut, und als Patient muss eine Unterschrift geleistet werden. Eventuell kommen in dieser ersten Phase Tools wie Fragebögen zum Einsatz, die der Diagnose dienen.

Wichtig zu wissen für Patienten: Der Therapeut schreibt einen Bericht mit Angaben zu Symptomen und Diagnosen, der an die Krankenkasse geschickt wird. Die persönlichen Informationen werden aber anonymisiert in einem verschlossenen Umschlag versendet, sodass die Krankenkasse selbst keinen Einblick hat. Der verschlossene Umschlag ohne Angabe von Namen etc. wird an einen externen Gutachter geschickt, der über Annahme des Antrags entscheidet. Meist wird der Antrag für eine gewisse Anzahl an Therapiesitzungen gestellt, eine Verlängerung ist aber mit einem erneuten Antrag möglich.

Was, wenn kein passender Therapeut zu finden ist?

Manchmal findet sich einfach kein freier Therapieplatz. Es kommt auch vor, dass Patienten nur Termine zu bestimmten Tagen oder Uhrzeiten wahrnehmen können, an denen der Therapeut nicht verfügbar ist. In solchen Ausnahmefällen ist es möglich, bei der Krankenkasse einen Antrag zu stellen, damit ein Therapeut ohne Kassenzulassung aufgesucht werden kann. Es gibt nur eine bestimmte Anzahl an kassenärztlichen Therapeuten, allerdings gibt es weitaus mehr Therapeuten. Diese sind genauso approbiert, behandeln aber hauptsächlich Privatpatienten oder Selbstzahler. Oftmals sind bei diesen auch schneller Termine verfügbar. Patienten sollten sich daher nicht davor scheuen, bei langen Wartezeiten oder anderen Problemen auch diese Therapeuten mit Privatpraxis zu kontaktieren.

Soll ein Therapeut ohne Kassenzulassung in Anspruch genommen werden, müssen hierfür einige Anträge gestellt werden. Meistens sind hierfür Belege notwendig, dass bereits andere Therapeuten erfolglos kontaktiert wurden. Die genauen Bedingungen teilen die Krankenkassen mit. Auch der private Therapeut kann unter Umständen hilfreiche Tipps dazu geben.