Sulpirid

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Sulpirid ist ein Medikament, was in erster Linie in der Psychiatrie zum Einsatz kommt. Das Arzneimittel zählt zu den atypischen Neuroleptika, hat aber auch eine antidepressive Wirkung. In den folgenden Zeilen lesen Sie alles Wichtige über Anwendung, Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen von Sulpirid.

 

Anwendungsgebiete von Sulpirid

Bei Sulpirid handelt es sich um Neuroleptikum (nervendämpfender Wirkstoff) aus der Gruppe der Benzamide. Das Medikament wird bei Schwindelzuständen und Schizophrenie verordnet, sowie bei depressiven Erkrankungen, insofern mit einer Behandlung mit anderen Antidepressiva kein Behandlungserfolg erzielt werden konnte.

Sulpirid hilft in niedriger Dosis gegen Schwindel, Depressionen und Übelkeit. In höherer Dosierung hat das Medikament hingegen einen antipsychotischen (neuroleptischen) Effekt und wird somit auch bei Schizophrenie erfolgreich eingesetzt.

 

Sulpirid: Geschichtlicher Rückblick

Von der chemischen Struktur her handelt es sich bei dem Arzneimittel Sulpirid um ein substituiertes Benzamid. Sulpirid selbst wurde bereits 1972 auf dem deutschen Arzneimittelmarkt zugelassen.

 

Wirkung / Wirkstoff von Sulpirid

Für Psychosen wie Schizophrenie kommen mehrere Ursachen infrage. Als Auslöser für viele psychischen Erkrankungen kann unter anderem auch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn verantwortlich gemacht werden, womit insbesondere Veränderungen der Dopamin-, Serotonin- und Noradrenalinverteilung gemeint sind. Diese Botenstoffe sind an Stimmungen wie Antriebslosigkeit oder Erregung beteiligt, weil sie der Signalübertragung dienen. Das Arzneimittel Sulpirid kann die Rezeptoren (Andockstellen) des Neurotransmitters Dopamin direkt an den Nervenzellen blockieren.

Der Grund dafür, dass es bei Sulpirid seltener zu extrapyramidalen Bewegungsstörungen kommt als bei der Einnahme anderer Neuroleptika, ist die Tatsache, dass sich das Medikament stärker im mesolimbischen System (positiven Belohnungssystem) des Gehirns ansammelt, als im striatonigralen System.

 

Wirkungseintritt

Sulpirid blockiert In niedriger Dosierung zunächst nur die Dopamin-D3- und -D4-Rezeptoren sowie die dopaminergen Autorezeptoren. In hohen Dosen blockiert das Medikament hingegen alle Dopaminrezeptoren und kann somit das dopaminerge System inhibieren. Dieser dosisabhängige Effekt von Sulpirid setzt bereits wenige Stunden nach der ersten Einnahme ein.

 

Nebenwirkungen

Bei Sulpirid treten im Vergleich zu anderen klassischen Neuroleptika deutlich seltener Bewegungsstörungen (extrapyramidal-motorische-Symptome) als Nebenwirkung auf.

Die bekannten Nebenwirkungen, die häufig mit der Einnahme von Sulpirid einhergehen, sind:

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Appetitsteigerung
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Verstopfung
  • beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)
  • Erbrechen
  • übermäßiger Speichelfluss

Zudem beeinflusst Sulpirid den Hormonhaushalt, was zu Menstruationsbeschwerden und Brustschmerzen führen kann. Bei Männer können die Potenz sowie die sexuelle Lust (Libido) abnehmen. Auch Sehstörungen, Blutdruckabfall, allergische Reaktionen der Haut, Blasenentleerungsstörungen und Sitzunruhe (Akathisie) gehören zu den möglichen Nebenwirkungen von Sulpirid.

Wer unter starken Nebenwirkungen oder nicht bekannten Beschwerden leidet, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen.

 

Wechselwirkungen

Wer allergisch auf Benzamide reagiert, sollte von der Einnahme von Sulpirid absehen. Auch wenn der Patient bereits in der Vergangenheit unter epileptischen Anfällen litt, ist von einer Einnahme abzusehen. Kinder unter sechs Jahre dürfen das Medikament nicht einnehmen.

Sulpirid verstärkt beispielsweise die beruhigende Wirkung von Schlafmitteln oder anderen zentraldämpfenden Medikamenten. Zudem kann es in Verbindung mit ZNS-stimulierenden Wirkstoffen zu verstärkter Unruhe, Angstzuständen und Nervosität kommen. Darüber hinaus können Blutdrucksenkende Mittel (Antihypertonike) durch Sulpirid in der Wirkung eingeschränkt oder abgeschwächt werden, was zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckanstieg (Blutdruckkrise) führen kann. Auch sollten zusammen mit Sulpirid keine Medikamente eingenommen werden, die die Erregungsleitung am Herzen beeinflussen, wie etwa Abführmittel, Betablocker oder Glukokortioide.

Wegen der unvorhersehbaren Wirkung ist der gleichzeitige Genuss von Sulpirid und alkoholhaltigen Speisen und Getränken unbedingt zu vermeiden.

Während der Schwangerschaft darf Sulpirid nicht verwendet werden, da nicht bekannt ist, wie sich das Arzneimittel auf die Gesundheit des Kindes auswirkt. Der Wirkstoff kann zudem durch die Plazenta auf das Baby übergehen, was insbesondere in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu Fehlbildungen beim Ungeborenen führen kann. Auch in der Stillzeit ist die Einnahme von Sulpirid untersagt, denn das Mittel kann ansonsten durch die Muttermilch auf das Baby übertragen werden, sodass das Kind unter Umständen Nebenwirkungen entwickelt.

 

Dosierung von Sulpirid

Der Wirkstoff wird dem Patient meist in oraler Form, also beispielsweise als Tablette (Sulpirid 50)verabreicht. Diese wird mit etwas Flüssigkeit unzerkaut geschluckt. Zerkleinert werden sollte die Tablette dabei nicht, da sich ansonsten die Nebenwirkungen gegebenenfalls verstärken können.

In der Regel wird die Behandlung einschleichend begonnen. Demnach erhält der Patient zunächst eine niedrige Dosis, die dann teilweise solange Schritt für Schritt erhöht wird, bis das Medikament Wirkung zeigt. Bei Patienten, die unter Schizophrenie leiden, beträgt diese Erhaltungsdosis 300 bis 1000 Milligramm Sulpirid täglich. Die Gesamtdosis wird dabei in mehrere Einzeldosen aufgeteilt.

Bei besonders starken psychischen Störungen kann der Arzt die maximale Dosis auf 1600 mg pro Tag erhöhen. Bei einer antidepressiven Therapie beträgt die Erhaltungsdosis bei einem Erwachsenen 100 bis 300 mg täglich.

Ältere Menschen, Kinder sowie Patienten mit einer gestörten Nierenfunktion erhalten eine geringere Dosis. Sulpirid wird in einigen Fällen auch als Injektionslösung direkt in einen Muskel gespritzt. Dies wird unter anderem bei starken Schwindelzuständen praktiziert.

 

Sulpirid absetzen

Ein plötzliches Absetzen von Sulpirid ist nicht zu empfehlen, da es sonst zu starken Beschwerden und Problemen kommen kann. Die Behandlung sollte aus diesem Grund stets langsam beendet werden, indem die Dosis nach und nach reduziert wird. Hierfür sollten sich Patienten am besten immer von einem Arzt beraten lassen.

Abbau, Aufnahme und Ausscheidung von Sulpirid

Der Wirkstoff wird bei oraler Gabe langsam aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Im Körper wird er kaum umgewandelt, sodass er fast unverändert wieder ausgeschieden wird. Dies geschieht hauptsächlich über den Urin und die Nieren. Nach rund acht Stunden ist der Wirkstoffpegel, der sich noch im Blut befindet, wieder um die Hälfte gesunken.

Erfahrungen mit Sulpirid

Wie die veröffentlichten Erfahrungen von Patienten zeigen, wird dem Medikament Sulpirid in den meisten Fällen eine Wirksamkeit bestätigt. Die Dosierung des Medikaments ist Anwenderfreundlich, sodass es in der Regel zu keiner Überdosierung oder sonstigen Einnahmefehlern kommen kann. Auch im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis punktet das Medikament bei deinem Großteil der Anwender.

Zu den oben genannten Nebenwirkungen kommt es laut Aussage einiger Patienten deutlich seltener, als im Vergleich zu anderen Medikamenten mit ähnlicher Wirksamkeit. Allerdings berichten fast die Hälfte aller Anwender, an Gewicht zugenommen zu haben. Zudem kommt es bei jedem zehnten Patient zu starker Müdigkeit sowie zu einem Verlust der sexuellen Lust. Etwa ein Viertel aller Patienten bemerken während der Einnahme keinerlei Nebenwirkungen.

Quellen: