Sertralin

Sertralin: Anwendungsgebiete, Wirkung und Nebenwirkungen

Sertralin ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI. Es ist ursprünglich unter dem Originalnamen Zoloft erschienen, heute aber von vielen Firmen als günstiges Generikum zu erhalten.

Es wird als Antidepressivum verwendet. Es wird zur Behandlung von Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Zwangserkrankungen und auch der sozialen Phobie und der Posttraumatischen Belastungsstörung auschließlich ärztlich verordnet. Sertralin ist in Deutschland und den meisten anderen Ländern in denen es zur Behandlung psychischer Erkrankungen zugelassen ist, verschreibungspflichtig.

Die Wirkungsweise

Sertralin wirkt durch die Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzelle und sorgt auf diese Weise dafür, dass sich das Hormon Serotonin somit länger im synaptischen Spalt zwischen den Zellfortsätzen zweier Nervenzellen befindet. Auf diese Weise bleibt das für seine stimmungshebende Wirkung bekannte Serotonin länger im Gehirn verfügbar. Dies ist die Wirkungsweise aller selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer und trifft nicht nur auf Sertralin zu. Einen tatsächlichen physischen Beweis für die stimmungsaufhellende Wirkung gibt es nicht, der genaue Mechanismus ist noch unbekannt.
Sertralin wird ausschließlich oral eingenommen und sehr langsam vom menschlichen Körper resorbiert, erst nach 6-8 Stunden ist die volle Plasmakonzentration erreicht, nur 32% des Wirkstoffes können vom menschlichen Körper überhaupt aufgenommen werden. Nach etwa einer Woche ist der sogenannte Steady State erreicht, bei dem das Medikament seine volle Wirksamkeit erreichen kann. Bei den meisten Patienten dauert es bis zum Wirkungseintritt im Sinne einer Stimmungsaufhellung aber mehrere Wochen, während ein rein antriebssteigernder Effekt bereits früher wahrgenommen werden kann.

Die Wirksamkeit von Sertralin

Die Wirksamkeit von Sertralin konnte in vielen von den Pharmaunternehmen durchgeführten Studien belegt werden. So wirkt Sertralin in jeder stattgefundenen Doppelblindstudie gegen die Indikationen Depression oder Dysthymia, Panik, soziale Phobie und Zwangsstörung nachweislich besser als ein Placebo und ebenso gut wie ein klassisches trizyklisches Antidepressivum. Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung, insbesondere bei Kriegsgeschädigten, stellte sich Linderung erst nach längerer Behandlungsdauer und bei höherer Dosierung ein.

Die Risiken und Nebenwirkungen bei Sertralin sind geringer ausgeprägt als bei trizyklischen Antidepressiva. Die Messinstrumente zur Feststellung der Wirksamkeit, beziehungsweise zur Festlegung der Stimmung und einer Stimmungsaufhellung waren klassische Fragebögen wie die Hamilton Depression Rating Scale und die Clinical Global Impression Scale, wie sie auch tagtäglich zur Diagnostik von psychischen Erkrankungen verwendet werden. Höhere Dosierungen zeigten von Beginn der Studien an auch bessere Wirkungen.

Die Nebenwirkungen

Leider sind auch die Arzneimittel aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer nicht nebenwirkungsfrei. So gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen Übelkeit, Erbrechen, unspezifische Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und auch erektile Dysfunktion. Auch die Nebenwirkungen stehen in starkem Zusammenhang mit der Höhe der Dosierung, so dass zu Minimierung der Nebenwirkungen Sertralin langsam aufdosiert werden sollte.

MAO-Hemmer dürfen nicht mit Sertralin kombiniert eingenommen werden, da diese die Gefahr für ein lebensgefährliches Serotonin-Syndrom signifikant erhöhen. Für Kinder und Jugendliche ist Sertralin aufgrund der starken Nebenwirkungen nur zur Behandlung von ausgeprägten Zwangsstörungen zugelassen. Bei Kindern und Jugendlichen zeigte sich unter Einnahme von Sertralin eine massiv erhöhte Suizidalität, was bereits 2004 zu kontroversen Diskussionen über den Einsatz von SSRI geführt hat.

Kritik

Die gesamte Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, darunter auch Sertralin, muss sich einer herben Kritik aussetzen. Tatsächlich konnten unabhängige Studien die Wirksamkeit der SSRI nicht belegen, stattdessen blieb laut dieser Studien die Wirkung auf dem reinen Placeboniveau. Auch wurde im Jahr 2004 belegt, dass die SSRI-produzierenden Pharmaunternehmen in einigen Studien zum gleichen Ergebnis gekommen waren, diese Ergebnisse jedoch nicht veröffentlicht hatten und unter Verschluss hielten.

Auch die Tatsache, dass es sich um Medikamente mit einem hohen Potenzial an unerwünschten Nebenwirkungen handelt und dass die Einnahme bei Kindern und Jugendlichen sogar zu Selbstmordversuchen geführt hat, kann nicht ohne Kritik bleiben.

Daten und Fakten

Weltweit nehmen Millionen Menschen Antidepressiva ein, circa 45 Millionen Menschen setzen auf Linderung durch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Circa 30-50% der Patienten leiden während der Einnahme unter mehr oder minder ausgeprägten Nebenwirkungen. Bei den meisten Patienten stellt sich innerhalb der ersten 12 Wochen der Einnahme eine stimmungsaufhellende Wirkung ein, unter denjenigen Patienten, die innerhalb dieser Zeitspanne keine Linderung verspürt haben, stellt sich bei 50% unter Dosiserhöhung und längerer Einnahme auch noch eine Linderung ein.

Auch die zunehmende Kritik hat den Verordnungszahlen der selektiven Wiederaufnahmehemmern keinen Einbruch beschert, der Trend zur Einnahme von Antidepressiva, und aktuell eben den SSRI, hält weiter an und die Verordnungen weltweit steigen unvermindert an. Inzwischen halten viele Neurologen die SSRI für die Antidepressiva der ersten Wahl, was bislang den trizyklischen Antidepressiva zukam. Tatsächlich werden die meisten Verordnungen über Antidepressiva allerdings nicht von Neurologen, sondern von Hausärzten vorgenommen. SSRI sind dabei erheblich teurer als trizyklische Antidepressiva.

Fazit

Bei Sertralin handelt es sich um einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der die Wiederaufnahme von Serotonin an den Verbindungsstellen der Nervenzellen blockiert, so dass es länger verfügbar bleibt. In zahlreichen Studien konnte die Wirksamkeit von Sertralin belegt werden, wenn auch die Pharmaunternehmen wegen zurückgehaltener Studienergebnisse sowie den Nebenwirkungen des Präparates, insbesondere bei der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen, stark kritisiert werden. Insgesamt aber werden SSRI, und eben auch Sertralin immer häufiger verordnet, weil fachärztlich tätige Neurologen von den positiven Wirkeffekten überzeugt sind.

Quellen: