Reboxetin

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Anwendungsgebiete von Reboxetin

Das Anwendungsgebiet für Reboxetin ist die Behandlung von stark ausgeprägten Depressionen und depressiven Episoden.

Die Geschichte von Reboxetin

Die ersten Medikamente der aus der Gruppe der Serotonin-Norardrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wurden 1993 auf den Markt gebracht. Sie zählen als Nachfolger der älteren, trizyklischen Antidepressiva.

SNRI haben aufgrund ihrer selektiven Wirkung auf die Botenstoffe Serotonin und Norardrenalin wesentlich weniger Nebenwirkungen als ihre Vorgänger-Medikamente gegen Depressionen.

Reboxetin wurde als Medikament zuerst um 1997 auf den Markt gebracht. Es ist dort unter dem Handelsnamen Edronax(R) gelistet. Es ist in vielen europäischen Staaten zugelassen. Im Jahr 2000 wurde es auch in der Schweiz zugelassen.

Wirkung / Wirkstoff

Reboxetin ist ein Wirkstoff, der antidepressiv wirkt. Er ist aus der Gruppe der Serotonin-Norardrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Reboxetin wirkt im Körper an den Transportwegen für die Neurotransmitter Serotonin und Norardrenalin.

Durch ein Verhindern der Wiederaufnahme nach Ausschüttung an den Synapsen der Nervenzellen, wird durch Reboxetin die Transmitterkonzentration im Nervensystem erhöht.

Die erhöhte Konzentration verstärkt die Wirkungen dieser Botenstoffe. Für die Behandlung einer Depression von Bedeutung sind hierbei die stimmungsaufhellende Wirkung von Serotonin und die aktivierende Wirkung von Norardrenalin.

Wirkungseintritt

Der Wirkungseintritt von Reboxetin ist, wie bei Serotonin-Norardrenalin-Wiederaufnahmehemmern üblich, verzögert.

Aufgrund des Wirkmechanismus an den Synapsen der Nervenzellen, muss eine Anpassung der entsprechenden Nervenrezeptoren stattfinden.

Erst wenn diese Anpassung passiert ist, tritt die vollständige Wirkung eines Serotonin-Norardrenalin-Wiederaufnahmehemmers ein.

Ist die Wirkung eingetreten, so hält sie auch nach dem Absetzen des Medikaments für längere Zeit an (ein bis sieben Tage).

Gegenanzeigen

Folgende Umstände sprechen gegen die Anwendung von Reboxetin:

  • Überempfindlichkeit gegen das Medikament
  • Vorerkrankungen des Herzens
  • Vorliegen einer Epilepsie
  • Vorliegen einer Manie
  • Einschränkung der Nierenfunktionen
  • Prostatahyperplasie
  • Einschränkung der Leberfunktionen
  • Störungen des Salzhaushaltes
  • Erhöhter Augendruck

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten Reboxetin nicht einnehmen.
Auch ältere Menschen ab 65 Jahren sollten Reboxetin nicht einnehmen.

In der Schwangerschaft oder Stillzeit sollte von einer Einnahme von Reboxetin abgesehen werden.
Es ist nicht untersucht, ob Reboxetin fruchtschädigende Wirkungen hat oder durch die Muttermilch aufgenommen werden kann.

Nebenwirkungen

Durch die Einnahme von SNRI treten wesentlich weniger und schwächere Nebenwirkungen auf als durch trizyklische Antidepressiva.

Trotzdem sind durch die Einnahme von Reboxetin folgende Nebenwirkungen bekannt:

  • Beschwerden des Magen-Darm Traktes
    Ein Medikament zum Magenschutz kann eingenommen werden, um diese Beschwerden zu verhindern bzw. zu verringern.
  • Probleme mit der Sinneswahrnehmung wie Schwindel oder Sehstörungen
  • Herz-Kreislauf Probleme wie Herzrasen oder Blutdruckprobleme
  • Probleme beim Wasserlassen
  • Störungen der Sexualfunktion wie Orgasmus- oder Potenzstörungen
  • Schmerzen in Gliedmaßen und Kopfschmerzen

Wechselwirkungen

Reboxetin sollte nicht in Kombination mit MAO-Hemmern oder serotoninfördernden Mitteln wie Tryptophan oder 5-HTP eingenommen werden.

Die gleichzeitige Einnahme dieser Medikamente führt zu einer Erhöhung des Risikos des Serotonin-Syndroms. Dieses Syndrom tritt als Folge der starken Erhöhung des Serotoninspiegels im Gewebe auf. Symptome eines Serotoninsyndroms sind neben neuromotorischen und kognitiven Störungen auch Verhaltensveränderungen. Eine generelle Unruhe und unwillkürliche Muskelzuckungen sind typisch. Es kann auch zu Blutdruck- und Pulsanstieg sowie einer beschleunigten Atmung kommen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Krampfanfällen und Halluzinationen.

Dosierung

Bei der Standard-Dosierung von 4mg Reboxetin sollte zweimal täglich eine Tablette eingenommen werden.

Die Einnahme sollte morgens und abends, unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen erfolgen.

Die Einnahme des Medikaments sollte mit ausreichend Flüssigkeit erfolgen (z.B. ein Glas Wasser).

Die Tageshöchstdosis von 3 Tabletten sollte nicht überschritten werden.

Reboxetin absetzen

Beim schnellem Absetzen des Medikaments kann es zu dem sogenannten SNRI-Absetzsyndrom kommen.

Dies ist eine Kombination körperlicher Entzugserscheinungen durch die Verringerung der Botenstoffe Serotonin und Norardrenalin. Durch die Hemmung der Wiederaufnahme gewöhnt sich der Körper an die erhöhte Konzentration der Botenstoffe.

Setzt man das Medikament schnell ab, so fällt der Spiegel der Botenstoffe ebenso schnell und der Körper kann sich nicht anpassen.

Die Absetzerscheinungen treten nach einem bis sieben Tage nach dem Absetzen des Medikaments auf. Symptome des SNRI-Absestzsyndroms sind unter anderen:

  • Kreislaufbeschwerden
  • Schwindel sowie Gleichgewichtsstörungen
  • Wesensveränderungen wie Aggression, Manie, Depression, Suizidgedanken
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Fieberartige Zustände
  • Kopfschmerzen
  • Motorische Störungen

Um diesem Syndrom vorzubeugen sollte eine Behandlung mit Reboxetin nicht abrupt beendet werden. Die Behandlung sollte unter Ausschleichen, d.h. langsamer, aber stetiger Dosisverringerung beendet werden.

Erfahrungen mit Reboxetin

Es ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass der Wirkstoff Reboxetin einen positiven Nutzen für Patienten mit Depressionen hat.

Das Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat am 24. November 2009 den Abschlussbericht einer Bewertung des Medikaments veröffentlicht. Das IQWiG ist eine unabhängige Stiftung die 2004 unter anderem, zur Untersuchung und Bewertung diagnostischer und therapeutischer Verfahren und Medikamente gegründet wurde.

In diesem Bericht hat das Institut 17 Studien ausgewertet.

Die Auswertung zeigt, dass es weder einen Nutzen für die Akuttherapie von Depressionen noch für die Verhinderung eines Rückfalls in eine Depression gibt. Im Vergleich zwischen Patienten, die ein Placebomedikament einnahmen, sprachen Patienten die Reboxetin einnahmen, nicht besser auf die Therapie an. Auch eine positive Auswirkung auf die Alltagsbewältigung konnte nicht nachgewiesen werden.

Nur in zwei speziellen Studien gab es Hinweise auf eine positive Wirkung: In einer begrenzten Studie mit 52 Patienten, die stationär behandelt wurden, wurde ein Hinweis auf positive Wirkung von Reboxetin gefunden. In dieser Studie sprachen Patienten die Reboxetin einnahmen besser auf die Therapie an als eine Testgruppe auf Placebo. Allerdings konnten auch diese Studien nicht nachweisen, dass für eine Depression typische Symptome gänzlich verschwinden.

Hinweise auf eine Rückfallprävention hinsichtlich einer überstandenen Depression gibt eine weiter, ambulant durchgeführte Studie. Im Vergleich zu anderen Medikamenten aus der Wirkstofffamilie der SNRI, lindert Reboxetin in der Kurzzeittherapie die Symptome der Depression weniger gut.

Dem fehlenden positiven Wirkungsnutzen von Reboxetin stehen Studien mit Nachweisen über negative Nebenwirkungen gegenüber.

Studien belegten, dass Reboxetin im Vergleich zu Placebo aber auch im Vergleich zu anderen Serotonin-Norardrenalin-Wiederaufnahmehemmern, mehr und stärkere Nebenwirkungen hat. Mehr Patienten brachen die Therapie mit Reboxetin aufgrund von Nebenwirkungen ab als die Patienten aus anderen Kontrollgruppen.

Quellen: