Paroxetin

Paroxetin

Paroxetin gilt als sogenannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und wird zur Behandlung von Angststörungen, Depressionen, Zwängen und posttraumatischen Belastungsstrungen eingesetzt. Eingenommen wird das Mittel in Tablettenform, obwohl auch Tropfen zur Verfügung stehen.

Wie wirken Medikamente mit Paroxetin?

Paroxetin wirkt auf die gleiche Weise wie andere SSRI, indem es direkt in den Stoffwechsel des Hirns eingreift. Die Kommunikation der Nervenzellen findet über chemische Botenstoffe statt, auch Neurotransmitter genannt. Sie wandern von Zelle zu Zelle, wo sie von den Rezeptoren wahrgenommen werden. Durch die Einnahme von Paroxetin verbleibt der Neurotransmitter Serotonin länger an den Andockstellen, die Wiederaufnahme wird gehemmt. Da Depressionen und andere, psychiatrische Erkrankungen oft auf einen Mangel an Serotonin zurückzuführen sind, kann auf diese Weise das Beschwerdebild gelindert werden.

Paroxetin wird in der Regel einmal täglich, bevorzugt in den Morgenstunden, eingenommen. Die Aufnahme in den Blutkreislauf erfolgt über den Darm, die Verstoffwechselung findet in der Leber statt. Ausgeschieden wird Paroxetin sowohl über den Stuhlgang, als auch über den Urin. Die Halbwertszeit liegt bei 24 Stunden, weswegen bei Beendigung der Therapie eine langsame Reduktion des Wirkstoffs nötig ist. Auch bei Therapiebeginn wird nicht sofort die volle Dosis verabreicht, sondern in 10mg-Schritten gesteigert. Dieses Einschleichen hat eine bessere Verträglichkeit zur Folge und reduziert die Gefahr von Nebenwirkungen.

Hat Paroxetin unerwünschte Nebenwirkungen?

Besonders zu Beginn der Therapie kann es passieren, dass neben der gewünschten Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Am häufigsten kommt es zu Übelkeit, der mit der Gabe eines Magenschutzmittels entgegengewirkt werden kann. In den meisten Fällen verschwindet diese Übelkeit aber auch ohne Medikamenteneinnahme innerhalb weniger Tage wieder.

Die gängigsten Nebenwirkungen, welche häufig auftreten sind: Müdigkeit, Zittern, verschwommenes Sehen, Schwitzen, Gähnen, Schwindel und Kopfschmerzen. Auch Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt sind möglich, besonders häufig werden Durchfall und Verstopfung beobachtet.

Bei jungen Menschen besteht in den ersten sechs Wochen der Einnahme das Risiko von stark impulsivem Verhalten und suizidalen Gedanken. Auch erwachsene Personen können diese Nebenwirkung bekommen und sollten umgehend ihren Arzt verständigen. Es liegen bis dato keine ausreichenden Studien darüber vor, ob Paroxetin bei Kindern und Jugendlichen einen therapeutischen Nutzen hat. Die Anwendung wird daher kontrovers diskutiert und sollte vermieden werden.

Verträgt sich Paroxetin mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln?

Paroxetin hat einen maßgeblichen Einfluss auf den Serotoninspiegel. Werden zusätzlich andere Medikamente eingenommen, die ebenfalls den Serotoningehalt im Körper beeinflussen, verstärken sich die Präparate gegenseitig. Dies gilt für alle anderen Antidepressiva aus der Klasse der SSRI, aber auch für tri- und tetrazyklische Antidepressiva, sowie für MAO-Hemmer. Wegen der Gefahr des potentiell tödlichen Serotoninsyndroms dürfen diese Medikamente nicht zusammen genommen werden. Auch die Einnahme von L-Tryptophan, Tramadol, Fentanyl, Penthidin und Triptanen darf nur nach strenger Abwägung des Kosten-Nutzen-Risikos erfolgen.

Während der Anwendung von Paroxetin sollte darüber hinaus der Konsum von Alkohol vermieden werden. Die Wirkung von Alkohol kann deutlich verstärkt werden, außerdem ist das Risiko von starker Übelkeit und Unwohlsein gegeben. Selbst am Tag nach dem Alkoholkonsum können sich Anwender von Paroxetin übermäßig schlecht fühlen.

Gibt es besondere Warnhinweise für die Verwendung von Paroxetin?

Der Wirkstoff darf von schwangeren Frauen nicht eingenommen werden, da das Risiko von Fehlbildungen beim ungeborenen Kind besteht. Auch kann der Säugling nach der Geburt unter starken Entzugssymptomen leiden, die die ersten Lebenswochen erschweren können. Da Paroxetin in die Muttermilch übergeht sollten stillende Mütter das Präparat nicht einnehmen.

Wird Paroxetin abgesetzt, besteht das Risiko von Absetzsymptomen. Diese treten besonders häufig dann auf, wenn das Medikament von heute auf morgen abgesetzt wird. Langsames Ausschleichen kann die Wahrscheinlichkeit von Absetzsymptomen stark vermindern. Mitunter kann es nötig sein die Dosierung wöchentlich um eine geringe Menge zu reduzieren, der gesamte Absetzvorgang kann mehrere Wochen oder gar Monate dauern.

Als häufigste Absetzsymptomatik wird eine Verschlimmerung der ursprünglichen Symptomatik geschildert. Darüber hinaus kann es zu Schwindel, Kopfschmerzen, starken Angstzuständen und pathologischem Weinen kommen. Viele Nutzer beschrieben nach dem Absetzen sogenannte Brainzapps. Hierbei handelt es sich um Missempfindungen des Gehirns, die ähnlich wie ein Blitzschlaggefühl wahrgenommen werden. Ein ähnliches Phänomen berichten Paroxetin-Nutzer auch bei Fieber, wenn es unter der Einnahme des Medikaments auftritt.

Die kleinste Dosierungseinheit von Tabletten reicht oft nicht aus, um die letzten Milligramm des Wirkstoffs auszuschleichen. Zu diesem Zweck gibt es Paroxetin in Tropfenform. Der Vorteil dieser Darreichungsform liegt darin, dass die Substanz tropfenweise reduziert werden kann, um den Entzug möglichst schonend zu gestalten.