Panikattacken: Ursachen, Behandlung, Medikamente und Vorbeugung

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Panikattacken treten oft anfallartig auf und sind mit einem starken Gefühl der Bedrohung verbunden. Diese ist meist nicht real, der Körper reagiert jedoch sehr heftig darauf. Der Patient leidet unter Herzrasen, Schweißausbrüchen, Zittern der Knie und andere körperliche Symptome. Die körperlichen Beschwerden können so gravierend sein, dass die ihr zugrundliegende Angst fast nicht mehr sichtbar ist. Manche Ärzte behandeln jahrelang nur die Symptome, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, dass sich dahinter eine Panikattacke verbergen könnte. Im folgenden Ratgeber erfahren Betroffene, woher Panikattacken kommen und wie man diese behandeln kann.

 

I.: Theoretische Grundlagen

Typische Symptome einer Panikattacke

Die Panikattacke selbst dauert in der Regel nur wenigen Minuten. Der Patient erlebt ein starkes Gefühl der Angst. Die Angst kann ohne einen bestimmten Auslöser plötzlich auftreten. Viele Menschen haben Angst vor Menschenansammlungen, Kinos, Busse oder Fahrstühle. Diese Form der Angst nennt man Agoraphobie.

Zu den Angstgefühlen kommen fast immer körperliche Symptome. Diese können sein:

  • Schweißausbrüche
  • Herzklopfen
  • Zittern der Beine, Hände oder Arme
  • Mundtrockenheit

Manche Panikattacken fühlen sich wie ein Herzanfall aus, sodass Betroffene den Notarzt rufen. Dieser erklärt zwar, dass das Herz vollkommen gesund ist, die Angst jedoch bleibt.

Neben den körperlichen Symptomen kommen noch psychische Symptome wie Schwindel, Unsicherheit und Versagensgefühle.
Für viele Patienten ist jedoch das größte Problem, dass sich der Anfall nicht ankündigt. Dadurch entsteht ein Gefühl der Unsicherheit. Viele Patienten versuchen angstauslösende Situationen zu vermeiden. Sie achten den ganzen Tag ängstlich auf körperliche Symptome, die eine Panikattacke ankündigen. Im besonders schlimmen Fällen gehen Betroffene nicht mehr aus dem Haus, weil sie fürchten, bei einer Panikattacke nicht mehr nach Hause zu kommen.

 

Ursachen einer Panikattacke

Panikattacken können viele Ursachen haben. Wie sie genau entstehen ist noch nicht restlos geklärt. Möglicherweise spielt die Vererbung dabei eine Rolle. Bei manchen Angstpatienten wirken bestimmten Botenstoffe im Gehirn nicht richtig.
Panikattacken treten oft in Zusammenhang mit körperlichen Krankheiten auf. Dies muss zunächst geklärt werden. Kann diese Krankheit erfolgreich behandelt werden, hören auch die Ängste auf. Unter anderem führen folgende Krankheiten zu Ängsten:

  • Angina Pectoris
  • COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung)
  • Schlafmangel
  • Unterzuckerung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Epilepsie
  • Drogen (Alkohol, Opiate, Kokain und andere)
  • Asthma

Viele Ängste lassen sich jedoch auf konkrete Erfahrungen zurückführen. Diese liegen oft in der Kindheit. Alkoholabhängige Eltern oder sexueller Missbrauch können zu Panikattacken führen. Selbst im Erwachsenenalter lösen bestimmten negative Lebenserfahrungen Panikattacken aus. Dazu gehören Scheidung, der Verlust eines nahen Angehörigen, ein schwerer Verkehrsunfall und andere Ereignisse.

Stark gefährdet sind sensible Menschen mit einem Hang zur Ängstlichkeit. Sie erleben körperliche Beschwerden intensiver als andere Menschen und reagieren mit starken Gefühlen darauf.

Bestimmte Stoffe können Angstattacken auslösen. Es genügt oft schon eine Tasse Kaffee. Das Koffein führt zu einem leichten Zittern im Körper, was ängstliche Menschen als Beginn einer Panikattacke interpretieren. Innerhalb von Sekunden entsteht nun tatsächlich eine Attacke mit den bekannten körperlichen Symptomen. Ähnliche Reaktionen können Nikotin, Alkohol oder Tabletten auslösen.

 

Die Diagnose einer Panikattacke

Auch bei Panikattacken ist der erste Ansprechpartner der Hausarzt. Viele kommen nicht wegen Ängste, sondern wegen körperlichen Beschwerden. Deshalb folgt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung. Diese kann der Hausarzt in der Regel nicht allein leisten, deshalb überweist er den Patienten an Spezialisten. Unter Umständen ist sogar ein Klinikaufenthalt notwendig.

Um die Ausprägung der Krankheit zu ermitteln bedienen sich Ärzte und Psychotherapeuten verschiedener Fragebögen. Diese sollen die schwere der Krankheit ermitteln und welche körperlichen Beschwerden auftreten.
Unter anderem kommen folgende Fragen vor:

  • Haben Sie regelmäßig starke Angstgefühle
  • Kommen immer wieder unklare körperliche Symptome wie Zittern, Schwindel, Gefühllosigkeit in Armen und Beinen vor
  • Haben Sie Angst vor der Angst selbst?
  • Tritt die Angst in bestimmten Situationen auf?
  • Kommt es zu Anfällen nach bestimmten Speisen oder Getränken
  • Tritt der Anfall bei starkem Stress aus?
  • Waren Sie wegen dieser körperlichen Beschwerden schon in Behandlung?

Panikattacken dürfen dabei nicht mit Phobien verwechselt werden. Das sind konkrete Ängste vor bestimmten Tieren oder Situationen. Keine Panikstörung ist es, wenn die Anfälle nach einer starken körperlichen Anstrengung auftreten.

 

Die Behandlung von Panikattacken mit Hilfe einer Psychotherapie

Das Mittel der Wahl ist eine kognitive Verhaltenstherapie. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich ein Verfahren, das oft zum Erfolg führt. Allerdings muss dabei der Patient mitarbeiten. Bei besonders starken Panikanfällen kann diese Behandlung im Rahmen eines Klinikaufenthalts durchgeführt werden.

Ein Teil der Therapie besteht darin, einen Panikanfall bewusst auszulösen. Viele Angstpatienten erschrecken zunächst bei dem Gedanken, denn Anfall selbst herbeizuführen. Die kontrollierte Umgebung einer Arztpraxis oder einer Klinik gibt ihnen die Möglichkeit, die Situation zum ersten Mal zu beherrschen. Als Auslöser wird dabei oft eine leichte sportliche Betätigung gewählt. Die Betroffenen laufen einfach längere Zeit auf der Stelle. Bald stellen sich Beschwerden wie Schwindel und Körperzittern ein. Nun geht es darum, diese Zustände zu beobachten. Die Erfahrungen besprechen die Patienten mit dem Therapeuten oder in der Gruppe.

Ein wichtiger Teil der Behandlung besteht darin, sich den Ängsten bewusst zu stellen. Das bedeutet konkret, dass er Situationen, die ihm Angst machen, bewusst aufsucht. Jedes Mal werden die Angstattacken geringer und schließlich verschwinden sie ganz. Dieses Vorgehen ist bei konkreten Ängsten vor Spinnen und großen Flächen gut wirksam. Bei einer generalisierenden Angststörung dauert es manchmal ein wenig länger, da ein direkter Ansatzpunkt fehlt.

Wie oben erwähnt haben manche Panikattacken ihre Ursache in vergangene Traumata. In diesem Fall ist eine Gesprächstherapie oft wirksam. Diese bringt verdrängte Konflikte an die Oberfläche. Durch die Gespräche wird dem Patienten klar, welchen Gefühlen den Angstzuständen zu Grunde liegen. Dadurch können die Panikanfälle weniger werden und schließlich ganz aufhören.

 

Medikamente gegen Panikattacken

Da Ängste eine Volkskrankheit sind, gibt es eine große Anzahl von Medikamenten dagegen. Diese können Psychiater, Nervenärzte und Hausärzte verschreiben. Psychologen verschreiben keine Medikamente.

Das Mittel der Wahl sind sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente sind eigentlich für depressive Patienten gedacht, wirken jedoch auch bei Angstpatienten. Serotonin ist vielen Menschen als Glückshormon bekannt. Bei einem schönen Erlebnis wird dieser Stoff ausgeschüttet und der Mensch fühlt sich gut. Leider wird Serotonin sehr schnell vom Körper wieder aufgenommen. Wie der Name sagt sollen die Medikamente die Wiederaufnahme hinauszögern. Das gute Gefühl bleibt längere Zeit erhalten. Werden diese Medikamente über eine längere Zeit eingenommen, heben sie die Stimmung und der Patient fühlt sich wohler. Der Vorteil ist, dass diese Medikamentengruppe nicht süchtig macht.

Neben den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern gibt es auch Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Die Wirkung ist ähnlich. Nicht jeder Patient verträgt die Medikamente gleich gut. Manche wirken aufputschend und können sogar einen Panikanfall auslösen. Deshalb sollte der Patient mit dem Arzt sprechen und das Medikament gegebenenfalls gegen ein anderes austauschen.
Neben diesen gut verträglichen Medikamenten gibt es noch Benzodiazepine und Neuroleptika. Diese Medikamente sollten nur für kurze Zeit genommen werden und auch nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Sie machen abhängig, was für den Betroffenen weitere Probleme bedeutet.

 

II.: Tipps zur Selbsthilfe für Betroffene

Was tun bei einer Panikattacke?

Die Panikattacke wirkt deshalb so bedrohlich, weil sie unvermittelt auftritt. Viele Betroffene haben zur Sicherheit ihr Handy dabei, um Hilfe zu holen. Das ist nicht richtig, da es sich um eine Vermeidungsstrategie handelt. Besser ist es, die Situation selbst zu beherrschen. Hier eine Möglichkeit, wie der Patient den Anfall in den Griff bekommt.
Eine gute Methode ist die sogenannte Fokussierung. Man konzentriert sich dabei einfach auf die Umgebung und nimmt alles bewusst wahr. Die Menschen um sich, die Gerüche, den Wind auf der Haut. Der Angstpatient öffnet alle Sinne und lässt damit der Angst keinen Raum.

Manche Ärzte empfehlen den sogenannten Body Scan. Wer sich mit Mediation befasst kennt das vielleicht. Der Patient beobachtet seinen Körper. Diesmal aber nicht ängstlich, sondern wertfrei. Er sieht einfach, was los ist, ohne zu werten und zu urteilen. Dadurch macht er sich mit den körperlichen Zuständen besser vertraut und verliert die Angst. Dadurch vergeht die Panikattacke schneller.

 

Autogenes Training und Panikattacken

Eine Angststörung ist unangenehm und es ist nur zu verständlich, dass Betroffene eine effektive Behandlungsmethode suchen. Bei der Suche nach passenden Verfahren treffen sie auch auf Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Diese Methoden eigenen sich gut um sich zu entspannen. Sie helfen jedoch nicht bei Angststörungen. Der Grund liegt auf der Hand. Alles was Betroffene versuchen, um die Ängste zu bekämpfen, löst einen Anfall aus. Es gibt nur eine Methode, mit den Ängsten umzugehen: Sich der Situation auszusetzen.

 

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie

Diese Methode wenden einige Psychotherapeuten und Kliniken an. Darüber existieren mehrere umfangreiche Bücher. Es würde zu weit führen, hier einen genauen Therapieplan aufzustellen. Der Name der Therapie deutet an, wohin die Reise geht. Der Patient lernt, die Angstzustände und die körperlichen Beschwerden zu akzeptieren und sie in sein Leben zu integrieren. Wenn diese keine Macht mehr über den Patienten haben, verschwinden sie und es bleibt nur noch die Erinnerung daran.

 

Sich der Situation stellen I: Soziale Ängste überwinden

Nun noch zwei Beispiele, wie man sich seinen Ängsten stellen kann. Viele Menschen haben Angst vor Lokalen mit vielen Menschen. Noch stärker wird die Beklemmung, wenn es darum geht, einen anderen Menschen kennenzulernen. Am einfachsten ist es, wenn man mit einer Bar beginnt, die wenig frequentiert ist. Man versucht mit dem Kellner ins Gespräch zu kommen. Im nächsten Schritt spricht der Betroffene jemanden an. Reagiert dieser abweisend, akzeptiert man das und versucht sein Glück bei einem anderen Menschen. Das kostet anfangs Überwindung und vor jedem Besuch in einem Lokal ist die Anspannung hoch. Doch schon bald legt es sich und es stellen sich die ersten Erfolge ein. Schon nach kurzer Zeit findet man den ersten Freund/die erste Freundin und baut seinen Bekanntenkreis stetig aus.

 

Sich der Situation stellen II: Angst beim Autofahren

Da Ängste mit körperlichen Problemen verbunden sind, haben viele Patienten Angst vor dem Autofahren. Es ist anfangs nicht ratsam, das Problem allein in den Griff zu bekommen. Das Risiko, einen Unfall zu verursachen ist größer als bei angstfreien Fahrern. Besser ist es, zunächst mit einer Fahrschule zusammenzuarbeiten. Der Lehrer gibt einem zunächst Sicherheit. Je häufiger Betroffene mit dem Auto unterwegs sind, desto mehr geht die Angst zurück. Bald fahren sie die ersten Strecken allein.

 

Fazit: Ängste sind kein unabänderliches Schicksal

Ängste sind unangenehm und sie verhindern eine aktive Teilnahme am Leben. Diese sollten auf jeden Fall überwunden werden. Dabei ist es wichtig, dass es sich der Patient nicht zu einfach macht. Medikamente können diesen Prozess höchstens unterstützen. Die hier beschriebenen Methoden haben sich bewährt und kommen im Rahmen einer Therapie zur Anwendung. Bei leichten Fällen kann der Patient mit den Problemen auch ohne Hilfe fertig werden. Meist ist es besser, einen Psychotherapeuten um Rat zu Fragen. Aufgrund seiner großen Erfahrung kann er dem Angstpatienten einige Tipps geben, sodass die Beschwerden schneller verschwinden.