Oxazepam

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Oxazepam ist eines der wichtigsten Mittel gegen Angstzustände und Schlafstörungen überhaupt. Oxazepam ist in zahlreichen Medikamenten enthalten, die Wirksamkeit ist seit der Entwicklung im Jahre 1965 gut untersucht. Markennamen des Präparates in Deutschland sind beispielsweise Adumbran, Praxiten und Durazepam, in Österreich und der Schweiz ist das Mittel außerdem unter dem Namen Anxiolit erhältlich. Oxazepam ist im Allgemeinen sehr gut verträglich, kann allerdings zu einer Abhängigkeit führen. Schwangere, Stillende und Kinder sollten Oxazepam nur in Absprache mit einem Arzt einnehmen.

 

Anwendungsgebiete

Oxazepam wird als Anxiolytikum gegeben. Als Anxiolytika werden angstlösende Medikamente bezeichnet, die zur Behandlung von Angst- und Panikerkrankungen verwendet werden. Oxazepam wirkt außerdem sedierend, das bedeutet, dass es entspannend, beruhigend und schlaffördernd wirkt.

Geschichte des Oxazepam

Oxazepam gehört zu den Benzodiazepinen. Spuren dieses Wirkstoffes lassen sich im menschlichen und tierischen Blut nachweisen, sie kommen ebenso auch in verschiedenen Pflanzen und Früchten wie in Weizen und Kartoffeln vor. Die beruhigende Wirkung verschiedener sehr alter Hausmittel beruht vermutlich mit auf dieser Wirkstoffklasse.

1957 wurden Benzodiazepine erstmalig chemisch synthetisiert, seitdem zählen sie zu den meistgebrauchten Beruhigungsmitteln und spielen auch als Schlafmittel eine wichtige Rolle. Auch heute noch gehören Benzodiazepine zu den weltweit am häufigsten verordneten Psychopharmaka.

Im Jahr 1963 wurde der Wirkstoff erstmals von Hoffman-La Roche patentiert, ein weiteres Patent wurde 1965 von American Home Products erreicht. Oxazepam wurde schließlich von der damaligen Dr. Karl Thomae GmbH, heute Boehringer Ingelheim, im Jahr 1965 erstmals auf den Markt gebracht.

Wirkung / Wirkstoff

Das zentrale Nervensystem (ZNS) des Menschen verfügt über eine Vielzahl an Botenstoffen, sogenannten Neurotransmitter. Diese befinden sich in einem ausgewogenen, fein abgestimmten Gleichgewicht. So wird eine angemessene Reaktion auf äußere Reize moduliert. Gerät das feine Gleichgewicht dieser molekularen Botenstoffe durcheinander resultieren daraus verschiedene Symptome, wie Angst, Panik, Unruhe oder Schlafstörungen.

Einer dieser Neurotransmitter ist die Gammaaminobuttersäure, kurz GABA. GABA bindet an bestimmte Andockstellen im Gehirn, die GABA-Rezeptoren und hemmt so die Reizweiterleitung bestimmter Signale, vor allen Dingen unter Stress. Insgesamt sind 40% aller neuronalen Synapsen GABAerg. Die Mehrzahl dieser GABA-Neurone werden als sogenannte “Interneurone” bezeichnet. Interneurone kontrollieren die Aktivität anderer Neurone. Der Neurotransmitter Serotonin stimuliert die GABA-Synthese und die GABA-Rezeptoraffinität. Bei einem Mangel an Serotonin, wie bei manchen Formen der Depression ist auch die Wirksamkeit von GABA eingeschränkt.

Oxazepam verstärkt die Wirkung von GABA im Gehirn und wirkt mittels des GABA-A-Rezeptors schlaffördernd und anxiolytisch.

Wirkungseintritt und Wirkungsdauer

Oxazepam wird als Tablette mit reichlich Wasser geschluckt, diese Darreichungsform wird als oral bezeichnet. Die Aufnahme des Wirkstoffes erfolgt peroral, Oxazepam wird also langsam und vollständig aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Über den Blutkreislauf wird Oxazepam über den kompletten Körper verteilt und landet schlussendlich auch im Gehirn. Teilweise reichert sich Oxazepam auch im Fettgewebe an. Der Wirkstoff wird in der Leber abgebaut, die Abbauprodukte werden größtenteils über die Niere ausgeschieden.

Nach einer bis drei Stunden ist die höchste Wirkstoffkonzentration im Blut und damit auch der fühlbare Wirkungseintritt erreicht, Oxazepam gehört zu den mittellang wirksamen Benzodiazepinen. Die Wirkdauer ist individuell sehr unterschiedlich und kann zwischen 5 und 15 Stunden betragen.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen von Oxazepam gehören Müdigkeit und Schläfrigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, Schwindelgefühl, verlängerte Reaktionszeit, Konzentrationsstörungen und niedriger Blutdruck.

Seltenere Nebenwirkungen sind Magen-Darm- und Atembeschwerden, Patienten berichten außerdem über eine Muskelschwäche. Es kann zu einer Abnahme der Libido und depressiven Verstimmungen kommen. Weitere seltene Nebenwirkungen können Mundtrockenheit und einen Abfall des Blutdrucks umfassen.

Eine weitere Nebenwirkung ist die Muskelschwäche, in Verbindung mit der sehr häufig auftretenden Benommenheit kann die Einnahme von Oxazepam zu einer erhöhten Sturzgefahr führen, von der vor allem ältere Patienten betroffen sind.

Durch die individuell sehr unterschiedliche Wirkdauer kann Oxazepam, wenn es als Schlafmittel eingesetzt wird, über die Nacht hinaus andauern. Morgens sollte also sehr gut auf die individuelle Reaktion auf das abends eingenommene Mittel geachtet werden.

Oxazepam kann Depressionen verstärken, es ist nicht als Antidepressivum vorgesehen, sondern wird als Mittel bei chronischen und akuten Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen gegeben.

Durch die starke Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens sollten Patienten unter der Einwirkung des Medikamentes nicht am Straßenverkehr teilnehmen und keine schweren Maschinen bedienen.
Gegenanzeigen

Oxazepam darf nur mit besonderer Vorsicht verschrieben werden, wenn der Patient unter Atemwegserkrankungen, Herzkreislauferkrankungen oder Depressionen leidet.

Bei einem erhöhten Suchtrisiko oder Muskelerkrankungen wie beispielsweise Myasthenia gravis dürfen Medikamente mit Oxazepam nicht eingenommen werden.

Wechselwirkungen

Oxazepam und Medikamente, die Oxazepam enthalten können sich mit folgenden Stoffen in ihrer Wirkung verstärken:
  • Wirkstoffe, die auf das zentrale Nervensystem wirken wie z. B. Schlaf- und Beruhigensmittel, opioide Schmerzmittel, Narkosemittel, H1-Antihistaminika und Alkohol
  • Medikamente gegen Krampfleiden
  • Muskelrelaxantien, Schmerzmittel und Lachgas

Oxazepam bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen nur sehr wenige Behandlungserfahrungen mit Oxazepam vor. Der Nutzen sollte sehr gut gegen das Risiko abgewogen werden, eine Behandlung mit Oxazepam sollte nur in Ausnahmefällen stattfinden.

Oxazepam in der Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Oxazepam nur eingesetzt werden, wenn es gar nicht anders geht. Oxazepam wirkt auch auf das ungeborene Kind, nach der Entbindung kann es zu Entzugssymptomen beim Neugeborenen und so auch zu Anpassungsstörungen kommen.

Oxazepam geht in die Muttermilch über und wird so auch vom Säugling aufgenommen. Es kann zu einer Sedierung des Babys kommen, auch hier kann das Kind starke Entzugserscheinungen erleiden, wenn das Medikament abgesetzt oder das Kind abgestillt wird.

Dosierung

Bei Angstzuständen wird Oxazepam in der Regel in einer Dosierung von 30 bis 60 mg über den Tag verteilt gegeben. Bei Schlafstörungen werden abends 10 – 30 Milligramm eingenommen.

Kinder, ältere Patienten und Patienten mit einer Störung der Leberfunktion, mit Kreislaufbeschwerden oder Atemproblemen nehmen in der Regel nur eine geringere Dosis ein.

Oxazepam absetzen

Oxazepam sollte ausgeschlichen werden. Das bedeutet, dass die Dosis über einen langen Zeitraum immer stärker verringert wird, bevor schlussendlich gar kein Wirkstoff mehr eingenommen wird. Da Oxazepam sehr schnell zu starken Abhängigkeiten führen kann, werden durch das Ausschleichen des Wirkstoffes Entzugssymptome vermieden.

Erfahrungen mit Oxazepam

Oxazepam wird von vielen Patient als sehr gut verträglich und sehr wirksam beschrieben. Gerade bei Schlafstörungen haben viele Patienten positive Erfahrungen auch über einen langen Einnahmezeitraum gemacht.

Gegen Angstzustände wird Oxazepam häufig nur tageweise eingenommen, Patienten berichten hier über relativ starke Entzugserscheinungen, wenn das Medikament länger als einen oder zwei Tage in Folge genommen wird. Durch die nur mittellange Wirkdauer treten die Entzugserscheinungen im Vergleich zu anderen Benzidiazepinen stärker auf.

Die Wirksamkeit von Oxazepam überwiegt für viele Patienten die Nebenwirkungen des Medikamentes. Als kurzfristiges Mittel zur Behandlung von akuten Zuständen sind die meisten Patienten überwiegend zufrieden mit der Wirksamkeit, häufig wird das Medikament abgesetzt, wenn die Nebenwirkung zu stark werden.

Quellen