Moclobemid

Moclobemid

Bei dem Wirkstoff Moclobemid handelt es sich um einen selektiven MAO-A-Hemmer. Der Zusatz selektiv sagt aus, dass dieser Wirkstoff nur auf einen Teil des Monoaminoxidase-Enzyms wirkt, das sogenannte MAO-A. Aminosäuren wie L-Tyramin bleiben ungestört und werden nicht gespaltet. Dies sorgt für eine bessere Verträglichkeit, da die Hemmung des Abbaus von L-Tyramin zu Bluthochdruckkrisen führen kann! Diese treten insbesondere dann auf, wenn Lebensmittel mit hohem Tyramingehalt verzehrt werden. Hierzu gehören Rotwein, Käse und weiße Bohnen. MAO-A-Hemmer haben diesbezüglich keine Auswirkung und bei der Einnahme muss auf den Verzehr dieser Lebensmittel nicht verzichtet werden.

Wie wirkt Moclobemid?

Die Einnahme von Moclomebid hemmt den Abbau sogenannter Monoamine im Gehirn. Hierfür wird die Monoaminoxidase gehemmt. Das hat zur Folge, dass die Botenstoffe Noradrenalin, Serotonin, Adrenalin und Dopamin in höherer Konzentration vorliegen und Depressionen gelindert werden. Medikamente mit dem Wirkstoff Moclobemid wirken daher vierfach, sie steigern den Antrieb, erhellen die Stimmung, dämpfen die Angst und aktivieren die Psyche.

Wann ist die Einnahme von Moclobemid angezeigt?

MAO-A-Hemmer sind nicht das Mittel erster Wahl bei Depressionen, sie werden nur bei äußerst schweren Fällen eingesetzt. Oft erfolgt zunächst eine Therapie mit den modernen SSRI oder den etwas älteren, trizyklischen Antidepressiva. Ist die Wirkung unzureichend, kann ein MAO-A-Hemmer zum Einsatz kommen. Auch Angststörungen und Psychosen können ein Indikator für die Verwendung von Moclobemid sein.

Verträgt sich Moclobemid mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln?

Da unter Moclobemid keine Verstoffwechselung von L-Tyramin stattfindet, gibt es keine nennenswerten Wechselwirkungen mit tyraminhaltigen Lebensmitteln. Dennoch sollte auf Käse, Rotwein und weiße Bohnen in großen Mengen verzichtet werden. Insbesondere die gemeinsame Einnahme ist zu vermeiden.

Auf keinen Fall darf Moclobemid gleichzeitig mit anderen Medikamenten eingenommen werden, die für eine Steigerung des Serotoningehalts sorgen. Hierzu gehören SSRT (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) und alle Antidepressiva aus unterschiedlichen Gruppen. Auch Triptane – Schmerzmittel welche bei Migräne verabreicht werden – dürfen nicht zeitgleich mit MAO-A-Hemmern genutzt werden. Ebenfalls verboten ist das Hustenmedikament Dextromethorphan, sowie die Schmerzmittel Tramadol und Pethidin. Die gemeinsame Einnahme dieser Substanzen kann zu starken Nebenwirkungen im zentralen Nervensystem führen. Die Anwendung von Antidepressiva kann zum Serotonin-Syndrom führen, welches mit starken Krämpfen, Schwitzen, Angstattacken, Muskelkontraktionen bis hin zum Tod einhergeht.

Zwischen der Einnahme von Antidepressiva und MAO-A-Hemmern muss eine Frist von mindestens 14 Tagen eingehalten werden, da erst nach diesem Zeitpunkt eine vollständige Verstoffwechselung garantiert ist.

Kann Moclobemid zu Nebenwirkungen führen?

Nahezu jedes Arzneimittel birgt die Gefahr von Nebenwirkungen, so auch Moclobemid. Diese treten am häufigsten in den ersten Einnahmewochen auf und reduzieren sich dann von selbst. Am häufigsten kommt es zu Übelkeit, Mundtrockenheit, Schwindel, Störungen des Schlafs und Kopfschmerzen. Gelegentlich können Hautreaktionen auftreten, zu denen auch Nesselsucht gehört. Das zentrale Nervensystem kann auf die Einnahme mit einer erhöhten Reizbarkeit und Angstzuständen reagieren. Eher selten kommt es zu Störungen im Bereich des Magen-Darm-Trakts, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung gehören dazu. Ab und an können Paresthesien (Kribbelempfindungen in den Extremitäten) und Sehstörungen auftreten. Bei Frauen besteht die Gefahr eines krankhaften Milchflusses, obwohl keine Schwangerschaft vorliegt.

Zu Beginn der Behandlung sollten regelmäßig die Blutwerte des Patienten kontrolliert werden. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Leberwerten, da sich diese in seltenen Fällen unter der Einnahme von Moclobemid erhöhen können.

Ärztlicher Rat ist erforderlich, wenn es während der Einnahme von MAO-A-Hemmern zu Bluthochdruckkrisen kommt. Es besteht die Gefahr einer Blutung im inneren des Schädels, bei einer Überdosis Moclobemid ist eine maligne Hyperthermie möglich.

Was muss bei der Einnahme von Moclobemid beachtet werden?

Es kann unter der Einnahme von Moclobemid zu einer extrem aufgedrehten Stimmungslage, der Manie, kommen. Auch kann es passieren, dass sich bestehende, depressive Symptome verschlimmern. In diesem Fall ist die sofortige Hinzuziehung eines Arztes erforderlich. Moclobemid muss bei einer auftretenden Manie abgesetzt und gegebenenfalls durch ein anderes Präparat ersetzt werden.

Ein weiteres Risiko besteht bei Patienten, die an einer schizophrenen Psychose leiden. Die Symptomatik der Psychose kann durch die Einnahme von MAO-A-Hemmern verstärkt werden. Es ist daher erforderlich, dass parallel hierzu eine Therapie mit geeigneten Neuroleptika erfolgt. Die Diagnose Psychose ist kein grundsätzliches Ausschlusskriterium für eine Therapie mit Moclobemid, allerdings ist eine besondere, medizinische Überwachung nötig.

Wird die Therapie beendet, ist es erforderlich die Dosierung schrittweise zu reduzieren. Es besteht bei einer zu schnellen Reduktion die Gefahr von Absetzsymptomen, die sich durch Benommenheit, Verwirrtheitszustände, Schwindel, Angst, Panik oder Halluzinationen äußern können. In der Regel sind diese Symptome selbstlimitierend.

Quellen: