Mirtazapin

Mirtazapin gehört zu den tetrazyklischen Antidepressiva, die als Nachfolger der früheren, trizyklischen Antidepressiva gelten. Medikamente mit diesem Wirkstoff blockieren verschiedene Rezeptoren des zentralen Nervensystems und führen so zur Linderung der Symptomatik bei Depressionen. Mirtazapin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, welches nur gegen ein Rezept vom Arzt ausgehändigt wird.

Welcher Wirkungsmechanismus liegt Mirtazapin zugrunde?

Durch die Blockade der Rezeptoren des zentralen Nervensystems, kommt es zur Hemmung jener Mechanismen, die eigentlich zur Unterdrückung von Noradrenalin und Serotonin dienen. Die Folge ist eine höhere Verfügbarkeit beider Neurotransmitter und somit eine Auswirkung auf die Befindlichkeit des Anwenders.

Der erhöhten Verfügbarkeit von Noradrenalin wird bei der Wirkung von Mirtazapin ein höherer Stellenwert beigemessen. Der Neurotransmitter wirkt stimulierend und aktivierend auf das sympathische Nervensystem. Die Leistungsfähigkeit wird gesteigert, der Stoffwechsel aktiviert.

Neben der antriebsteigernden Wirkung ist die Einnahme des Medikaments jedoch auch mit einer sedativen Komponente asoziiert. Dies lässt sich durch die Hemmung der H1-Rezeptoren erklären. Histamin ist für die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich. Durch die geringere Verfügbarkeit durch Mirtazapin kann eine erhöhte Schläfrigkeit die Folge sein.

 

In welchen Fällen kommt Mirtazapin zur Anwendung?

Medikamente mit dem Wirkstoff Mirtazapin werden zur Behandlung der Symptome einer depressiven Erkrankung verordnet. Im sogenannte Off-Label-Use-Verfahren wird das Präparat jedoch auch bei Angst- und Panikstörungen, sowie Schlafstörungen verordnet.

Die Anwendung erfolgt in der Regel oral, es stehen Tabletten oder Tropfen zur Verfügung. Pro Tag ist die Einnahme einer Dosis ausreichend, da die Halbwertszeit bei 20 – 40 Stunden liegt. Unter Umständen, wenn die Wirkung nicht ausreicht, kann die Dosis auf eine Einnahme morgens und eine Einnahme abends aufgeteilt werden.

Kann die Einnahme von Mirtazapin Nebenwirkungen verursachen?

Mirtazapin wird mit einigen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, die jedoch im Allgemeinen selbstlimitierend sind. Die Gefahr unerwünschter Wirkungen steigt parallel zur Höhe der Dosierung an. Insbesondere bei raschen Dosiserhöhungen kann es zur kurzfristigen Ausbildung von Nebenwirkungen kommen. Zu den häufigsten, ungewollten Symptomen gehören:
  • Müdigkeit und das Gefühl der Erschöpfung
  • Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt (Durchfall, Verstopfung, Blähungen)
  • Erhöhung der Blutfettwerte
  • Gewichtszunahme
  • Schwindel und Kopfschmerzen
  • Parästhesien (Kribbelerscheinungen auf der Haut)
  • Halluzinationen
  • Benommenheit

In der Regel ist es eine Reaktion des Körpers auf die Veränderung im zentralen Nervensystem. Es wird daher empfohlen den Wirkstoff langsam einzuschleichen und die Dosis schrittweise zu erhöhen.

Unter Antidepressiva, zu denen auch Mirtazapin gehört, kommt es manchmal zur Entstehung von suizidalen Gedanken. Patienten werden daher in den ersten sechs Wochen der Einnahme besonders engmaschig überwacht.

 

Darf Mirtazapin von jedem eingenommen werden?

Es gibt einige Kontraindikationen, die gegen die Einnahme des Medikaments sprechen. Hierzu gehört eine vorhandene Erkrankung namens Leukopenie, bei der es nur eine geringe Anzahl an weißen Blutkörperchen im Blut gibt.

Auch eine Kombination mit sogenannten MAO-Hemmern ist nicht ratsam, es kann zu massiven Wechselwirkungen kommen.

Bei vorhandenen Erkrankungen der inneren Organe sollte der behandelnde Arzt entscheiden, ob eine Therapie mit Mirtazapin empfehlenswert ist. Es wird in der Regel das Kosten- Nutzen Verhältnis abgewogen.

 

Was gibt es bei der Einnahme zu beachten?

Mirtazapin darf immer nur in der vom Arzt vorgeschriebenen Dosis eingenommen werden. Insbesonders eigenmächtige Erhöhungen der Dosierung sind nicht ratsam, es können unvorhergesehene Nebenwirkungen auftreten.

Bei einer Überdosis kommt es zu stark ausgeprägter Schläfrigkeit und teilweise sogar zu Benommenheit und Verlust der Orientierung. Auch wenn Mirtazapin gemeinsam mit Alkohol konsumiert wird, kann es zu derlei Symptomen kommen.

Einige Medikamente, zu denen auch Benzodiazepine gehören, verstärken die Wirkung des Antidepressivums. Die Wirkungsverstärkung zeigt sich insbesondere im sedierenden Bereich.

 

Wie lange wird Mirtazapin eingenommen?

Es gibt keine genauen Vorschriften, wie lange eine Therapie mit Mirtazapin zu erfolgen hat. Gemeinhin wird eine Einnahmedauer von einem halben Jahr als Richtwert genannt.

Es ist zu beachten, dass Medikamente aus der Gruppe der tetrazyklischen Antidepressiva nicht einfach abgesetzt werden sollten. Es ist erforderlich die Dosierung langsam zu reduzieren, um Absetzerscheinungen zu vermeiden.

Ein zu rasches Absetzen kann ein Wiederaufflammen der ursprünglichen Symptomatik zur Folge haben, was dann oft zu einer erneuten Medikamenteneinnahme führt. Häufige Absetzsymptome bei einer zu schnellen Reduktion sind:

  • Schwindel und Kopfschmerzen
  • vermehrte Angstzustände
  • Zittern
  • Benommenheitsgefühl
  • Antriebsstörungen
  • Schlaflosigkeit
  • annormale Träume

Eigenmächtig sollte kein Patient auf sein Medikament verzichten, eine Reduktion von Mirtazapin ist immer mit dem Arzt zu besprechen. Auch falls Nebenwirkungen der Grund für den Absetzwunsch sein sollten, ist von einem rapiden Abbruch der Therapie abzuraten. Oftmals gibt es die Möglichkeit das Präparat zu wechseln oder leichte Nebenwirkungen symptomatisch zu therapieren.

 

Quellen: