Maprotilin

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Anwendungsgebiete von Maprotilin

Dieses Medikament wird zur Behandlung verschiedener Arten von Depressionen und damit verbundenen Angstzuständen eingesetzt. Maprotilin kann helfen, die Stimmung und das Wohlbefinden zu verbessern. Dieses Medikament gehört zu einer Klasse von Medikamenten, die als tetracyclische Antidepressiva (TCA) bezeichnet werden. Es beeinflusst das Gleichgewicht bestimmter natürlicher Chemikalien (Neurotransmitter) im Gehirn.

 

Kurze Geschichte des Medikaments

Maprotilin wurde vom Schweizer Arzneimittelhersteller Ciba (heute Novartis) entwickelt. Der Wirkstoff wurde 1966 patentiert und 1969 erstmals in der Literatur beschrieben. Für medizinische Zwecke wurde das Medikament 1974 in Europa eingeführt. Maprotilin war das erste TCA-Arzneimittel, das auf den Markt kam. Mittlerweile sind Generika weit verbreitet.

Die deutsche Bezeichnung Maprotilium stammt von Methansulfonat, einem Salz, das auch als Maprotilinmethansulfonat bekannt ist. Maprotilin wird weltweit hauptsächlich unter dem Markennamen Ludiomil vermarktet. Das Medikament ist auch unter einer Vielzahl anderer Markennamen erhältlich, darunter Deprilept, Maprolu und Psymion. Obwohl sich Maprotilin in den meisten Fällen als Antidepressivum der ersten Generation verhält, wird es allgemein als Antidepressivum der zweiten Generation bezeichnet.

 

Wirkung und Wirkstoff

Maprotilin zeigt starke Wirkungen als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer mit nur schwachen Wirkungen auf die Wiederaufnahme von Serotonin und Dopamin. Der zentrale Mechanismus von Maprotilin besteht darin, dass das Medikament hauptsächlich auf die zentralen adrenergen Synapsen wirkt, indem es die Wiederaufnahme von Noradrenalin an Nervenenden blockiert. Es wird angenommen, dass diese pharmakologischen Ursachen hauptsächlich für die Wirkungen des Arzneimittels verantwortlich ist.

Das Medikament besitzt antidepressive, beruhigende, anxiolytische (angstlösende) und sympathomimetische (den Sympathikus verstärkende) Eigenschaften. Dadurch ist Maprotilin sehr gut zur Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und Unruhe geeignet. Bei höheren Dosen erhöht Maprotilin die serotonerge Übertragung und erhöht den verfügbaren Serotoninspiegel.

Der Wirkungseintritt von Maprotilin

Bei oraler Anwendung wird das Medikament gut absorbiert. Die maximale Plasmakonzentration wird 6 Stunden nach Einnahme erreicht. Die mittlere Wirkungszeit beträgt bis zu 12 Stunden. Die Halbwertszeit beträgt durchschnittlich 51 Stunden.

Dieses Medikament wirkt eventuell nicht sofort. Möglicherweise sehen Patienten innerhalb einer Woche einen gewissen Nutzen. Es kann jedoch bis zu 3 Wochen dauern, bis sie die volle Wirkung spüren.

 

Was vor der Einnahme zu beachten ist

Vor der Einnahme sollte der behandelnde Arzt über alle Medikamente (verschreibungspflichtig oder nicht verschreibungspflichtig, natürliche Produkte, Vitamine) und Gesundheitsprobleme informiert werden. Dieser wird überprüfen, ob es für den Patienten sicher ist, Maprotilin mit den anderen Medikamenten und Gesundheitsproblemen einzunehmen. Die Dosis eines Arzneimittels sollte nicht geändert werden, ohne dies mit dem Arzt zu besprechen. Über die folgenden Probleme sollte der Arzt vor der Einnahme von Maprotilin informiert werden:
  • die komplette Krankengeschichte
  • vorhandene Allergien, besonders gegen trizyklische Antidepressiva
  • Probleme mit Blutungen, Atemprobleme, Nierenprobleme, Leberprobleme
  • kürzlich aufgetretener Herzinfarkt
  • Hirntumor
  • Prostata-Probleme
  • Glaukom (Augen-Erkrankung)
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • familiäre Vorgeschichte von psychischen Störungen
  • erhöhtes Anfall-Risiko
  • Alkohol- oder Cannabis-Konsum
  • Hirnerkrankungen
  • Diabetes

Patienten, die sich einer Operation einschließlich einer Zahnoperation unterziehen müssen, sollten dem Arzt oder Zahnarzt mitteilen, dass sie Maprotilin einnehmen. Das Medikament sollte bei Raumtemperatur zwischen 20 und 25 ° C gelagert und vor Licht und Feuchtigkeit geschützt werden. Das Badezimmer ist zur Lagerung nicht geeignet. Das Arzneimittel ist außer Reichweite von Kindern und Tieren aufzubewahren.

Nicht benötigte Medikamente sollten auf besondere Weise entsorgt werden, um sicherzustellen, dass Haustiere, Kinder und andere Personen sie nicht konsumieren können. Patienten sollten dieses Medikament jedoch nicht in der Toilette entsorgen, sondern in einer Apotheke oder bei einer Stelle zur Rücknahme von Medikamenten abgeben.

Die Dosierung von Maprotilin

Das Medikament wird in Tablettenform zu 25 mg, 50mg und 75 mg angeboten. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen werden für Erwachsene verordnet:

  • anfänglich 75 mg pro Tag (für ca. 2 Wochen)
  • Erhöhung der Dosis bis maximal 150 mg pro Tag ist möglich
  • bei Kontrolle der Symptome (Erhaltungsdosis) 75 mg bis 150 mg pro Tag
  • Geriatrie: 50 mg bis 75 mg pro Tga

Bei stationäre Behandlung von schweren Depressionen

  • anfänglich 100 mg bis 150 mg pro Tag (für ca. 2 Wochen)
  • Erhöhung bis maximal 225 mg pro Tag
  • Geriatrie: 50 mg bis 75 mg pro Tag

Bei Verdacht auf Überdosierung sollte umgehend der behandelnde Arzt oder ein Notarzt kontaktiert werden. Zu den Symptomen gehören: extreme Schläfrigkeit, Halluzinationen, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, Ohnmacht, langsame und flache Atmung, Krampfanfälle.

Die Dosierung hängt von gesundheitlichen Zustand des Patienten und der Reaktion auf die anfängliche Dosis ab. Das Medikament wird oral eingenommen, normalerweise 1 bis 3 Mal täglich oder wie vom Arzt verordnet. Wird Maprotilin nur einmal täglich eingenommen, sollte die Einnahme vor dem Schlafengehen erfolgen, um die Schläfrigkeit am Tag zu verringern. Es ist außerdem wichtig, das Medikament weiter einzunehmen, auch wenn der Patient sich gut fühlt.

Patienten, die eine Dosis verpassen, sollten diese einnehmen, sobald sie sich daran erinnern. Wenn es kurz vor der Zeit für die nächste Dosis ist, kann die vergessene Dosis übersprungen und zur normalen Einnahmezeit zurückgekehrt werden. Keinesfalls sollten zwei Dosen gleichzeitig eingenommen werden.

 

Die Nebenwirkungen von Maprotilin

Zusammen mit den erforderlichen Wirkungen kann Maprotilin einige unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Obwohl nicht alle dieser Nebenwirkungen auftreten können, benötigen Patienten möglicherweise ärztliche Hilfe, wenn sie auftreten. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Hautausschlag, Rötung, Schwellung oder Juckreiz
  • Mundtrockenheit

Seltener sind:

  • schwere Verstopfung
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Zittern
  • Anfälle (Krämpfe)
  • ungewöhnliche Aufregung
  • Gewichtsverlust
  • Brustvergrößerung (bei Frauen und Männern)
  • Verwirrung (besonders bei älteren Menschen)
  • Ohnmacht
  • Halluzinationen
  • Halsschmerzen, Fieber
  • unregelmäßiger Herzschlag

Bei einer Überdosierung können Symptome wie Krämpfe, Schwindel, Erbrechen, Fieber, Schläfrigkeit, Unruhe und Atembeschwerden auftreten.

Die Einnahme dieses Medikaments kann Patienten empfindlicher für die Einwirkungen der Sonne machen. Deshalb sollte die Aufenthaltszeit im starken Sonnenlicht begrenzt und der Besuch von Bräunungs-Studios vermieden werden. Möglicherweise sollten Patienten Sonnenschutzmittel verwenden oder im Freien Schutzkleidung tragen. Bei Sonnenbrand, Hautrötungen oder Blasen sollte sofort der Arzt benachrichtigt werden.

Schwangere sollten das Medikament nur auf ärztliche Anordnung einnehmen. Bei Kindern unter 12 Jahre sollte Maprotilin nur unter erhöhten Vorsichtsmaßnahmen verabreicht werden. Antidepressiva erhöhen das Risiko von Selbstmordgedanken und -verhalten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Bei Erwachsenen über 60 Jahre kann die Sedierung kognitive Beeinträchtigungen verschlimmern und das Sturzrisiko erhöhen. Bei Herz-Kreislauf-Problemen können höhere Dosen eine Hypotonie (niedriger Blutdruck) verursachen. Im Magen-Darm-Bereich kann sich eine bestehende Verstopfung verschlimmern. Das Gleiche gilt für Patienten, die Schwierigkeiten beim Wasserlassen haben.

Diese Nebenwirkungen können während der Behandlung verschwinden, wenn sich der Körper an das Arzneimittel anpasst hat. Möglicherweise kann der Arzt Aufschluss darüber geben, wie einige dieser Nebenwirkungen verhindert oder verringert werden können.

 

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Wirkstoffen

Arzneimittel wie Maprotilin können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Dazu gehören unter anderem:

  • Medikamente gegen Schilddrüsen-Erkrankungen
  • Anticholinergika
  • Medikamente gegen Bluthochdruck
  • Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) Psychopharmarka
  • Medikamente zur Behandlung unregelmäßiger Herzfrequenz
  • Antihistaminka
  • Schlafmittel
  • Muskelrelaxantien
  • narkotische Schmerzmittel wie Codein
  • Alkohol, Drogen
  • u.a.

 

Maprotilin absetzen

Eine Verschlechterung des Verhaltens und Suizidtendenzen, die nicht Teil der vorliegenden Symptome sind, können ein Absetzen der Therapie erforderlich machen. Ein Absetzen kann zu Symptomen wie Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder starker Müdigkeit führen und sollte keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Der Arzt kann nach Möglichkeit die Dosierung verringern.

 

Erfahrungen von Patienten mit Maprotilin

Viele Patienten verwenden Maprotilin als Antidepressivum seit viele Jahren und haben durchweg gute Erfahrungen damit gemacht. Das Medikament wird als sehr wirksam beschrieben, allerdings treten auch viele Nebenwirkungen auf. Angegeben werden häufig Müdigkeit, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme und Zittern. Die Beschwerden klingen jedoch nach vier bis sechs Wochen ab.

Maprotilin hilft vielen Patienten bei Depressionen, Schlafstörungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe und gibt ihnen neuen Lebensmut.

Quellen und weiterführende Informationen