Lamotrigin

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Lamotrigin ist ein Medikament zur Behandlung von epileptischen Anfällen und zur Vorbeugung depressiver Episoden bei verschiedenen psychischen Erkrankungen. Alle wichtigen Informationen zu Nebenwirkungen, Dosierung und Wirkung finden Sie in diesem Artikel.

 

Anwendungsgebiete des Medikamentes

Am bekanntesten ist Lamotrigin als Antiepileptikum, also als Medikament zur Behandlung von Krampfanfällen, die durch Epilepsie induziert werden. Bei dieser Krankheit ist der Wirkstoff häufig die erste Wahl, denn er führt bei vierzig bis sechzig Prozent der Patienten zu einer Anfallsfreiheit. Heruntergesetzt ist diese Prozentzahl bei Myoklonien. Zusätzlich wird Lamotrigin bei neuropathischen Schmerzen verwendet, da schmerzlindernde Effekte zum Beispiel bei Betroffenen von HIV oder Schlaganfällen festgestellt wurden.

Lamotrigin ist außerdem dafür bekannt, die Stimmung zu erhellen und zu stabilisieren. Dementsprechend wird der Wirkstoff immer häufiger auch zur Behandlung von Depressionen oder zur Vorbeugung einer depressiven Phase im Rahmen einer bipolaren Störung genutzt. Nach neuesten Erkenntnissen kann Lamotrigin auch bei der Migränebehandlung eingesetzt werden. Hier wirkt es jedoch nicht den Kopfschmerzen entgegen, sondern in erster Linie den durch die Migräne entstehenden Auren mit Lähmungserscheinungen und Wahrnehmungsstörungen.

 

Die Geschichte von Lamotrigin

Seit 1993 ist Lamotrigin als Wirkstoff gegen epileptische Anfälle bekannt. Entwickelt wurde das Medikament von dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline, seit 1994 ist es auch in der Schweiz zugelassen. Bereits in den Anfängen des Vertriebs wurde festgestellt, dass Lamotrigin auch antriebssteigernde, stimmungsausgleichende und stabilisierende Eigenschaften besitzt. Nachdem Lamotrigin zunächst bloß als Antiepileptikum eingesetzt wurde, entwickelte sich daher in den letzten Jahren auch ein großer Vertrieb als Medikament gegen depressive Zustände.

Zugelassen wurde Lamotrigin ab dem Alter von zwölf Jahren, jüngere Kinder sollten es aufgrund von unzureichend vorliegenden Studien nicht erhalten. Lamotrigin läuft unter mehreren Handelsnamen. In Deutschland sind die bekanntesten Namen Lamotrigin Desitin Quadro, Lamictal und Elmendos. Zudem ist das Medikament seit 2005 als Generikum erhältlich.

 

Wie und wann wirkt Lamotrigin?

Lamotrigin ist ein antikonvulsiver Wirkstoff, also ein Mittel zur Verhinderung und Behandlung von epileptischen Anfällen. Die Stoffe dieser Klasse blockieren die Kanäle bestimmter Nervenzellen im Gehirn und senken so die Erregungsschwelle des Gehirns, die bei Epileptikern und Patienten von Affektstörungen höher ist als normal. Dadurch entstehen weniger Krampfanfälle und eine stabilere Stimmung. Im Falle von Lamotrigin handelt es sich bei den blockierten Zellen vorrangig um Natrium- und Calciumkanäle.

Lamotrigin wirkt dementsprechend stimmungsaufhellend und prophylaktisch gegen Krampfanfälle. Der Wirkstoff wird aus dem Darm schnell und vollständig ins Blut aufgenommen, die maximale Wirkung tritt nach ungefähr zwei Stunden ein. Die Halbwertszeit von Lamotrigin ist mit 24 bis 36 Stunden im Vergleich recht hoch. Der Wirkstoff wird in der Leber wieder abgebaut und schließlich durch die Nieren ausgeschieden wie die meisten Medikamente.

 

Nebenwirkungen von Lamotrigin

Obwohl Lamotrigin im Allgemeinen als sehr gut verträglich beschrieben wird, können wie bei jedem anderen Medikament auch Nebenwirkungen auftreten. Die häufigsten Probleme sind hierbei Hautausschläge und Kopfschmerzen. Etwas seltener treten Schwindelgefühle, Übelkeit, Zittern und Schlafstörungen auf. Anfänglich kann es zu einer paradoxen Verstärkung der Probleme kommen, die jedoch wieder sinken sollte. Es besteht zusätzlich das Risiko von Lymphohistiozytose, die jedoch selten auftritt.

Lamotrigin verringert die Reaktionsgeschwindigkeit und Bewegungsfähigkeit der Patienten. Es kann daher, gerade bei älteren Patienten, zu häufigeren Stürzen kommen. Weiterhin sollten weder große Maschinen bedient noch am Straßenverkehr teilgenommen werden, sofern diese Nebenwirkungen auftreten. Sollten nach ungefähr acht Wochen der Behandlung mit Lamotrigin keine Nebenwirkungen festgestellt worden sein, ist davon auszugehen, dass das Medikament gut vertragen wird. Wenn Lamotrigin zu schnell hoch dosiert wird, treten mehr Nebenwirkungen auf als bei einem langsamen Einschleichen.

Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen

Bei der Behandlung von Patienten mit Lamotrigin und einem weiteren Antiepileptikum wurden mehrere Wechselwirkungen festgestellt. So verstärkt das Medikament den Wirkstoff Carbamazepin, seine eigene Wirkung wird davon allerdings verringert. Auch Primidon und das gegen Tuberkulose eingesetzte Medikament Rifampicin mindern die Wirkung von Lamotrigin. Valproinsäure kann die Wirkung von Lamotrigin steigern, sodass hier eine geringere Dosis des Medikamentes empfohlen wird. Patienten sollten während der Behandlung mit Lamotrigin außerdem kein Paracetamol einnehmen, denn dieses verringert die Wirkung.

Die Dosierung von Lamotrigin muss aus diesem Grund stets an andere eingenommene Medikamente angepasst und eventuell erhöht werden. Parkinson-Patienten wird von einer Behandlung mit Lamotrigin abgeraten, denn bei ihnen kann sich die Parkinson-Krankheit eventuell verschlimmern. Ein weiterer Faktor ist bei Frauen die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel wie der Pille. Hier ist eine erhöhte Dosis Lamotrigin nötig, doch gleichzeitig kann das Medikament die Wirkung des Verhütungsmittels stören. Jegliche Veränderungen im Zyklus der Frau sollten daher sofort mit dem Arzt besprochen werden.

Dosierung, Einschleichen und Absetzen von Lamotrigin

Lamotrigin ist ein Medikament, das langsam eingeschlichen wird. Es wird meist mit einer niedrigen Tagesdosis von 25 Milligramm begonnen. Je nach Patient wird diese Dosis in den folgenden Wochen gesteigert und endet für Erwachsene zumeist bei 100 bis 200 Milligramm täglich. Kinder und Jugendliche erhalten geringere Dosen. Genau wie es eingeschlichen wurde, muss Lamotrigin auch ausschleichend abgesetzt werden. Von einem plötzlichen Absetzen ohne Absprache wird dringend abgeraten, stattdessen sollten Betroffene sich stets mit ihrem behandelnden Arzt beraten und die Absetzung überwachen lassen. Das Ein- und Ausschleichen dauert ungefähr sechs Wochen.

Lamotrigin wird meist einmal oder zweimal täglich eingenommen. Dies sollte stets zur selben Tageszeit geschehen, am besten vor oder nach einer Mahlzeit. Fast immer wird Lamotrigin in Tablettenform angeboten, diese können je nach Form mit einem Glas Wasser geschluckt oder auch zerkaut werden. Wer mit der Einnahme von Tabletten nicht gut zurechtkommt, kann Lamotrigin in Form von Suspensionen einnehmen.

Erfahrungen mit Lamotrigin

Lamotrigin wird im Allgemeinen als gut verträgliches Medikament mit wenigen Nebenwirkungen beschrieben. Einige sehr selten auftretende Nebenwirkungen erfordern jedoch einen sofortigen Besuch beim behandelnden Arzt. Dazu zählen zum Beispiel unbegründetes Bluten aus Mund oder Nase, anhaltende Übelkeit und Schwindelgefühl, sowie aggressives Verhalten. In diesen Fällen kann eine Unverträglichkeit gegenüber Lamotrigin bestehen.

Während der Schwangerschaft ist Lamotrigin ein beliebtes Medikament. Wenn es in Monotherapie, also nicht kombiniert mit einem anderen Medikament, verwendet wird, bestehen deutlich weniger Risiken für das Ungeborene als bei anderen Medikamenten der selben Wirkungsklasse. Dazu sollte jedoch Folsäure eingenommen werden, da Lamotrigin die Versorgung mit diesem Stoff stören kann. Zusätzlich muss beachtet werden, dass das Medikament sich nicht zur Nutzung während der Stillzeit eignet, da der Wirkstoff in die Milch übergehen kann.

Quellen: