Imipramin

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Imipramin ist ein Antidepressivum und gehört strukturell zur Klasse der trizyklischen Antidepressiva.

Anwendungsgebiete

Imipramin ist zugelassen zur Behandlung von

  • Depressionen
  • chronischen Schmerzen
  • Nachtangst und Einnässen bei Kindern über 5 Jahren
  • Zwangs- und Panikstörungen

 

Geschichte von Imipramin

Imipramin wurde ursprünglich als Antipsychotikum von der Pharmafirma Geigy, heute Novartis entwickelt. Es sollte gegen Psychosen und Wahnvorstellungen helfen. In klinischen Studien stellte sich jedoch heraus, dass es dahingehend wirkungslos war.
Der Psychiater Roland Kuhn fand allerdings heraus, dass es sich zur Behandlung von Depressionen gut eignete. Daraufhin kam Imipramin 1958 unter dem Namen Tofranil auf den Markt. Es diente fortan als Standard- und Vergleichssubstanz, mit der die Wirksamkeit aller neuen Entwicklungen verglichen werden konnte.

 

Wirkung / Wirkstoff

Imipramin wirkt auf die Übermittlung von Signalen im Gehirn, indem es die Wiederaufnahme stimmungsaufhellender Botenstoffe, sogenannter Neurotransmitter in die Nervenzellen hemmt. Somit wird die Konzentration derjenigen Botenstoffe erhöht, deren Mangel ein typisches Zeichen bei depressiven Erkrankungen ist.
Die Kommunikation von Nervenzellen findet über chemische Botenstoffe statt. Dabei gibt eine Nervenzelle einen Neurotransmitter ab, eine andere Nervenzelle registriert diesen über Rezeptoren. Dies sind Strukturen, die den Neurotransmitter empfangen und somit die Signalweiterleitung in der Nervenzelle auslösen. Normalerweise werden anschließend die Neurotransmitter wieder in die abgebende Zelle aufgenommen. Man unterscheidet dabei zwischen Neurotransmittern, die erregend (z.B. Noradrenalin, Serotonin) oder hemmend (z.B. Gamma-Aminobuttersäure) auf die Nervenzelle wirken. Es gibt ebenfalls Botenstoffe, die sowohl erregend als auch hemmend (z.B. Dopamin) wirken.
Die medikamentöse Erhöhung der Konzentration dieser Neurotransmitter, durch Hemmung der Wiederaufnahme in die Nervenzelle kann die Symptome einer depressiven Verstimmung damit bessern.
Imipramin erhöht hauptsächlich die Konzentration der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Blutplasma.
Das Medikament weist eine antriebsneutrale Wirkung auf, das bedeutet antriebsaktivierende und -dämpfende Wirkmechanismen gleichen sich aus.
Imipramin wirkt außerdem auf weitere Prozesse im Gehirn und verursacht so die charakteristischen Nebenwirkungen von Antidepressiva dieser Substanzklasse.

 

Wirkungseintritt

Imipramin wird nach der oralen Einnahme über den Darm ins Blut aufgenommen, anschließend wird es sofort zur Leber transportiert, wo bis zu 70% des Arzneistoffs abgebaut wird. Nach etwa zwei Stunden kann die höchste Konzentration des Wirkstoffes im Blutplasma gemessen werden. Die in der Leber entstehenden Abbauprodukte, vor allem Desipramin haben ebenfalls noch antidepressive Wirkung. Die Ausscheidung der Wirkstoffe geschieht über die Nieren mit dem Urin. Nach etwa 6 Stunden hat sich die Wirkstoffkonzentration im Körper halbiert.
Der stimmungsaufhellende Effekt stellt sich aber zumeist erst nach zwei- bis vierwöchiger Einnahme von Imipramin ein. Die mit der Einnahme einher gehenden unerwünschten Wirkungen lassen aber zumeist mit zunehmender Einnahmedauer nach.

 

Nebenwirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Imipramin treten gehäuft bei beginnender Behandlung mit diesem Medikament auf und verringern sich mit zunehmender Behandlungsdauer oder bleiben dann vollständig aus.
Bei etwa 1 aus 10000 der mit Imipramin Behandelten zeigt sich

  • Erschöpfung
  • Müdigkeit
  • gestörter Schlaf
  • Beschwerden des Magen-Darm Traktes, wie Überkeit, Erbrechen und Verstopfung
  • verringerter Appetit
  • trockener Mund
  • Zunahme von Gewicht
  • Kopfschmerz
  • Schwindelgefühle
  • Schweißausbrüche
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • Orientierungslosigkeit
  • körperliche Missempfindungen, wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • paradoxe Gedanken, wie Selbstmordgedanken, Angstattacken, Unruhe, Erregung
  • Sehstörungen, wie gestörte Anpassungsfähigkeit des Nah- und Fernsehens, Verschwommenheit
  • trockene Augen
  • Hautirritationen, wie Ausschlag
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzrasen
  • geringer Blutdruck
  • Störungen der Leberfunktion
  • verändertes Blutbild
  • gestörte Sexualfunktionen
  • Zittern

 

Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen und Beschränkungen der Einnahme

Wenn Imipramin eingenommen wird, sollte auf die gleichzeitige Einnahme von alkoholischen Getränken oder Nahrungsmitteln verzichtet werden.

Eine Verstärkung der beruhigenden Wirkung ist zu erwarten bei gleichzeitiger Einnahme von

  • dämpfenden Medikamenten, wie etwa Schlaf-, Schmerz-, Allergiemitteln
  • Mitteln, die die Harnausscheidung und Sekretabsonderung hemmen
  • weiterer Antidepressiva
  • zusätzlicher Einnahme von Blutdrucksenkern
  • Eine wirkungsschwächender Effekt stellt sich ein bei gleichzeitiger Einnahme von
  • hormonellen Verhütungsmitteln (z.B. Anit-Baby-Pille)
  • Schlafmitteln
  • Medikamenten gegen Epilepsie

Nicht eingenommen werden sollte Imipramin bei

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Schwangerschaft, Stillzeit

 

Schwangerschaft und Stillzeit

Es sind bisher keine eindeutigen Ergebnisse bekannt, nach denen die Imipramin-Einnahme zu Fehlbildungen des ungeborenen Kindes führen könnte. Dennoch sollte die Einnahme des Medikaments besonders im ersten Trimester der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung von Nutzen zu Risiken eingesetzt werden. Wurde das Antidepressivum vom 2. Trimester bis zur Geburt durch die Mutter eingenommen, so sind in einigen Fällen Anpassungsstörungen des Neugeborenen beobachtet worden. Diese Störungen traten in den ersten Tagen nach der Geburt auf und betrafen den Magen-Darm-Trakt, das Atmungssystem und das Nervensystem des neugeborenen Kindes.
In jedem Falle muss das Neugeborene nach der Geburt intensiv hinsichtlich möglicher Nachwirkungen des Arzneimittels beobachtet werden.
Da das Medikament in die Muttermilch übergeht, gilt auch hier Nutzen zu Risiken abzuwägen, bevor Imipramin eigenommen wird. Eventuell ist es ratsam, vor Einnahme von Imipramin abzustillen.

 

Dosierung

Imipramin wird oral als Tablette außerhalb der Mahlzeiten mit ausreichend Wasser eingenommen.
Üblicherweise wird die Behandlung mit einer geringen Konzentration des Wirkstoffes begonnen und bis zum Erreichen der gewünschten Wirkung gesteigert. 50 bis 150 mg beträgt die übliche Tagesdosis, welche auf 2-3 Einnahmen aufgeteilt werden sollte.

 

Imipramin absetzen

Um das Medikament abzusetzen, sollte die Dosierung unter ärztlicher Anleitung langsam abnehmend ausgeschlichen werden, um Entzugserscheinungen so gering wie möglich zu halten.
Bei manchen Patienten kann das Medikament über einige Wochen ausgeschlichen werden, bei anderen ist es nötig, dies über mehrere Monate auszudehnen. Ein zu abruptes Absetzen von Imipramin kann zu Symptomen wie Übelkeit/Erbrechen, Kopfschmerzen oder grippeähnlichen Symptomen führen. Weiterhin wurden Schlafstörungen, Unruhe und Stimmungsschwankungen beobachtet. Es kann im Weiteren zu Entzugserscheinungen kommen, die den Symptomen der ursprünglich behandelten Depression entsprechen.

 

Erfahrungen mit Imipramin

Die Erfahrungen mit dem Medikament Imipramin sind von Mensch zu Mensch verschieden. Jeder Körper mit seiner ihm eigenen genetischen und epigenetischen Ausstattung reagiert völlig verschieden auf dasselbe Medikament. Je nach Schwere der Depression, körperlicher Konstitution und medizinischer Vorgeschichte erlebt jeder die Wirkungen und Nebenwirkungen des Arzneimittels anders. Einige kommen gut damit zurecht, für andere wiegen die Nebenwirkungen schwerer als der Nutzen.
In jedem Falle sollte die Einnahme von Medikamenten gegen depressive Verstimmungen sorgfältig abgewogen und mit einem Arzt besprochen werden. Chemische Antidepressiva sind in der Lage, einen Menschen in einen Zustand zu versetzen, in dem dieser seine Umwelt in geringerer Intensität wahrnimmt und möglicherweise dadurch weniger am Leben teil hat. Die chemischen Antidepressiva sollten nicht der erste Schritt im Kampf gegen die Depression sein.

Quellen: