Folgen der Depression

Auswirkungen und Folgen einer Depression

Bei rechtzeitiger Diagnose, passender medikamentöser Behandlung und psychologischer Begleitung ist eine Depression heute eine gut therapierbare Erkrankung. Dennoch ist die Situation der Betroffenen auf Grund einer starken Einschränkung der Lebensqualität und einer möglichen Lebenszeitverkürzung (Suizidalität) überaus ernst zu nehmen. Insbesondere eine nicht oder nur unzureichend behandelte depressive Episode kann erhebliche (negative) berufliche, medizinische und soziale Auswirkungen haben und die Erkrankten insbesondere in Verbindung mit Begleitfaktoren – wie beispielsweise einer generalisierten Angststörung – im Schlimmsten Fall in die Frührente führen.

Soziale Isolierung

Da die Krankheit „Depression“ gesellschaftlich immer noch mit einem Stigma besetzt ist, haben Betroffene häufig das Gefühl, von ihrem sozialen Umfeld nicht verstanden zu werden. Wenn man es zum wiederholten Male nicht schafft, einer „scheinbar“ vergnüglichen Freizeitaktivität mit Freunden nachzugehen, wird man als Person schnell isoliert. Dieses „Verlassenwerden“ ist ein Mechanismus, mit dem sich auch viele andere chronisch Erkrankte auseinandersetzten müssen, jedoch ist dieser Effekt im Rahmen psychischer Beeinträchtigungen schwerer zu ertragen, da die typischen Symptome oder Begleiterscheinungen sich hier deutlich verstärken können. Die für eine Depression kennzeichnende „Selbstverurteilung“ kann durch die hinzukommende soziale Ausgrenzung zwanghaft werden oder eskalieren.

Auswirkungen auf die (berufliche) Leistungsfähigkeit

Eine Depression ist zwar gut behandelbar, dennoch ist der Leidensdruck der Betroffenen auch bei schneller Diagnose häufig sehr groß und es vergeht ein längerer Zeitraum, bis eine Stabilisierung eintritt. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die üblicherweise im Rahmen depressiver Episoden verschriebenen Medikamente – wie beispielsweise die sogenannten „Wiederaufnahmehemmer“ – meistens erst nach einigen Wochen die gewünschte Wirkung zeigen. Da Patienten auch individuell sehr unterschiedlich auf diese Präparate reagieren, die in die den Stoffwechsel des Gehirns eingreifen, muss der behandelnde Arzt manchmal mit verschiedenen Wirkstoffen experimentieren – auch um unerwünschte Effekte zu vermeiden. Die Wartezeiten auf eine Gesprächstherapie, die Teil des multimodalen Behandlungskonzeptes ist, das bei Depressionen Hilfe verspricht, sind häufig ebenfalls sehr lang.

Da die Erkrankung Menschen insbesondere in ihrer Motivation, ihrer Stimmung und ihrer Tatkraft einschränkt, ist es für Patienten fast unmöglich, ihren „normalen“ Tagesablauf zu bestreiten. Ein fehlendes Verständnis für das Krankheitsbild „Depression“ erschwert die Situation. Insbesondere bei mittelschweren bis schweren Depressionen wird daher auch häufig ein stationärer Behandlungsversuch in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik angeraten, da der Patient nur in einem solchen geschützten Rahmen die Möglichkeit hat, aus dem nicht mehr zu bewältigenden Alltag vorübergehend „auszusteigen“.

„Körperliche“ Auswirkungen

Bei einer Depression handelt es sich nicht um eine rein psychische Erkrankung (und es ist – nebenbei gesagt – auch bei anderen Störungen fraglich, ob die Unterscheidung in psychisch/physisch überhaupt jemals so klar zu treffen ist). Eine Depression kann daher schwerwiegende Auswirkungen auf unterschiedliche Organbereiche haben, zu denen beispielsweise das Herz- Kreislaufsystem und die körpereigene Immunabwehr zählen. Im Rahmen depressiver Episoden können die Stresshormone im Blut deutlich ansteigen und chronische Entzündungsprozesse auslösen, die auf Dauer und in Verbindung mit anderen Risikofaktoren zu einer Arteriosklerose, d.h. zu Ablagerungen in den Gefäßen führen.

Solche Entzündungsprozesse im Körper können die Entstehung bösartiger Erkrankungen im menschlichen Organismus begünstigen, bzw. eine bestehende Krebserkrankung verschlimmern. Das bedeutet zwar nicht, dass eine Depression die alleinige Ursache für die Entstehung eines Tumors darstellt, jedoch erhöht die Auswirkung die immunologischen Beeinträchtigung die statistische Wahrscheinlichkeit eine solche Erkrankung zu entwickeln.

Die Folgen atypischer Depressionen

Es ist wissenschaftlich umstritten, ob das Phänomen der „male depression“ tatsächlich existiert und ob sich die Erkrankung bei Frauen und Männern tatsächlich so stark unterscheidet. Immer wieder wird aber betont, dass das „starke Geschlecht“ die negativen Gefühle stärker ignoriert und unterdrückt, während Frauen eher bereit sind, sich für eine mögliche Behandlung zu öffnen. Statistisch gesehen werden Männer schneller aggressiv als Frauen, so dass die Aggression auch ein Mechanismus ist, Form derer sich eine „male depression“ äußern könnte. In diesem Sinne ist es denkbar, dass an Depression erkrankte Männer in manchen Fällen in Form von Straftaten auffällig werden. Auch hier ist eine weitergehende Forschung und Aufklärung notwendig.

Sven M. Piepenburg, Georg Ertl, Christiane E. Angermann (2016): Depression und Herzinsuffizienz – eine gefährliche Kombination/Depression and heart failure – a dangerous combinationIn: Dtsch med Wochenschr; 141(17): 1222-1227.

Ulfert Hapke; Ulrike Maske; Christa Scheidt-Nave; Liv Bode; Robert Schlack; Markus Busch: Chronischer Stress bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 56 (5/6). S. 749-754