Flupentixol

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Flupentixol gehört zur Wirkstoffgruppe der Thioxanthene. Es gehört zu den Antipsychotika und wird hauptsächlich zur Behandlung von Schizophrenie und Psychosen verwendet. Flupentixol ist unter dem Handelsnamen Fluanxol erhältlich. In der Schweiz und Österreich ist Flupentixol als Wirkstoffkombination mit dem antidepressiv-wirkenden Stoff Melitracen als Kombipräparat unter dem Namen Deanxit erhältlich, in Deutschland ist diese Wirkstoffkombination nicht als Medikament zugelassen.

Anwendungsgebiete

Flupentixol wird sehr häufig in der Akut- und auch der Langzeittherapie von Psychosen eingesetzt, weitere Anwendunsgebiete findet der Wirkstoff bei der Behandlung von Schizophrenie. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen wirkt Flupentixol stimmungsaufhellend. Die anxiolytische, also angstlösende Wirkungen macht Flupentixol auch für den Einsatz als Therapeutikum bei Angststörungen geeignet.

Geschichte von Flupentixol

In den 1950er Jahren wurden antihistaminisch wirkende Stoffe zunächst als Anästhetika erforscht. Dabei entdeckte der französische Chirurg Henri Marie Laborit, die angstlösende und beruhigende Wirkung von Chlorpromazin. Erst 1955 wurde die antipsychotische Wirkung von Chlorpromazin entdeckt, im Zuge weiterer Forschungen wurden 1957 zahlreiche weitere Substanzen mit antipsychotischer Wirkung, unter anderem das Flupentixol entdeckt. Durch die Entdeckung der Antipsychotika war erstmal eine medikamentöse Therapie von Psychosen möglich, die Verwendung setzte sich vor allem in Europa schnell durch. In den USA blieben noch bis weit in die 1960er Jahre Behandlungen wie Elektroschocks, kalte Duschen bis hin zur sehr beliebten Lobotomie durchgeführt. Flupentixol wurde in Deutschland 1966 zugelassen, in der Schweiz bereits im Jahr 1964.

Wirkung / Wirkstoff

Flupentixol gehört zur Gruppe der Thioxanthene und wirkt als Antagonist der Dopamin-Rezeptoren. Ein Überschuss des Neurotransmitters Dopamin kann im Gehirn dazu führen, dass die normalen Wirkungen von Dopamin stark übersteigert auftreten. Dopamin ist maßgeblich an den Gefühlen der Freude under Motivation beteiligt, es beeinflusst außerdem das Lernen, die Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistung. Außerdem hilft Dopamin beim Erlernen von kleinen, zielgerichteten Bewegungen und spielt so eine große Rolle in der Feinmotorik.

Eine Übersteigerung dieser Gebiete kann zu einer übersteigerten Freude, auch als Manie bekannt führen, zu Wahn, Halluzinationen bis hin zum Realitätsverlust, während ein Mangel an Dopamin zu Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit, einer schlechten Merkfährigkeit und Gedächtnisleistung führen kann.

Flupentixol wirkt bisphasisch, in niedrigen Dosierungen blockiert es die präsynaptischen Dopamin-Rezeptoren und sorgt so für eine klinische Erhöhung des Dopaminspiegels. So wirkt Flupentixol in niedrigen Dosierungen wirksam als Antidepressivum, in hohen Dosierungen dagegen blockiert es die postsynaptischen Dopamin-Rezeptoren, dadurch kann auch bei einem Überschuss von Dopamin keine gesteigerte Reizweiterleitung stattfinden. In diesem Fall wirkt Flupentixol als Antipsychotikum.

Flupentixol hemmt außerdem die Serotonin-Rezeptoren im Gehirn und sorgt so für einen länger anhaltenden Effekt von Serotonin. Dies hat eine stimmungsaufhellende Wirkung, die bei milden bis mittelschweren Depressionen gut wirksam zur Therapie eingesetzt werden kann.

Weitere Wirkungen von Flupentixol sind seine enthemmende und angstlösende Wirkung.

 

Wirkungseintritt

Flupentixol gehört zu den Spiegelmedikamenten, das bedeutet, dass sich im Blut zunächst eine gewisse Menge des Wirkstoffes ansammeln muss. Eine antipsychotische Wirkung tritt üblicherweise nach ungefähr zwei Tagen ein, eine antidepressive Wirkung bei niedriger Dosierung tritt dagegen frühestens nach drei Tagen auf.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Flupentixol treten unter anderem in der Motorik auf. Es kann eine Bewegungsarmut auslösen, die sich beispielsweise durch eine Verminderung des Tempos im Alltag, reudzierte Mitbewegungen wie der Arme beim Gehen und einer eingeschränkten Mimik äußert. Generell kann Flupentixol Störungen der extrapyramidalen Motorik auslösen und Zittern, Krämpfe oder Krampfanfälle hervorrufen.

Flupentixol kann orthostatisch dysregulierend wirken, das bedeutet, dass es die Herzfrequenz, den Puls und den Blutdruck sowohl in die Höhe treiben als auch stark erniedrigen kann. Dies ist individuell verschieden und zieht weitere Symptome wie Schwindel, Schwäche oder Mattigkeit nach sich.

Weitere Nebenwirkungen können ein starker Ruhetremor, ein erhöhter Speichelfluss oder ein Schiefhals sein.
Flupentixol kann starke Müdigkeit bzw. eine Sedierung auslösung.

Weiterhin kann durch die Einnahme von Flupentixol eine sehr hohe Freisetzung von ADH auslösen. Schlussendlich kommt es dadurch zu einer vermehrten Rückresorption von Wasser über die Niere, es wird also zu viel Urin gebildet und ausgeschieden. Dadurch kann es zu einem Natriummangel im Blut kommen.

 

Wechselwirkungen

Flupentixol zeigt eine Reihe von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Substanzen.

  • Alkohol: Verstärkung der Alkoholwirkung, starke Senkung des Blutdrucks
  • dämpfende Wirkstoffe (Schlafmittel, Schmerzmittel, Antihistaminika, Beruhigungsmittel): Ausgeprägte Dämpfung und Beruhigung, kann zu einer gefährlichen Abflachung des Atems führen
  • Antibiotika: Verstärkung der Wirkung von Flupentixol
  • Blutdrucksenker: starker Blutdruckabfall, ärztliche Überwachung notwendig
  • Koffein: Abschwäschung der Wirkung von Flupentixol
  • Parkinson-Medikamente (Dopaminagonisten) und Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (Dopaminantagonisten): Wirkung der Medikamente kann abgeschwächt sein, verstärktes Auftreten von Nebenwirkungen.
  • Pentetrazol: Kombination kann Schüttelkrämpfe auslösen.
  • Barbiturate und Antiepileptika: Beschleunigung des Flupentixol-Abbaus
  • Trizyklische Antidepressiva, Lithium, Betablocker, Adrenalin, Phenytoin: Erhöhung der Flupentixol-Konzentration im Blut.Generell zeigt Flupentixol mit so vielen anderen Substanzen Wechselwirkungen, dass eine Kombination nur in Absprache mit einem Arzt und unter engmaschiger Beobachtung sinnvoll ist.

Dosierung

Flupentixol ist sowohl zur oralen Einnahme als Tablette oder Tropfen als auch als intramuskuläre Injektion erhältlich. Dosierungen reichen von 40 bis 200 mg täglich. Die Depot-Injektion wird nur einmal alle zwei bis vier Wochen durchgeführt, der Wirkstoff wird anschließend langsam ins Blut freigesetzt.

Flupentixol absetzen

Generell ist es sehr schwierig, Neuroleptika abzusetzen. Gerade wenn Flupentixol über einen sehr langen Zeitraum eingenommen wurde ist eine sehr langsame Reduktion des Medikamentes, die schlussendlich auch zum kompletten Absetzen führen kann sinnvoll. Generell sollte die Einnahme des Medikamentes immer in sehr langsam, kleinen Schritten erfolgen, ein zu schnelles Absetzen kann zu einer Verschlechterung des psychischen und körperlichen Befindens führen. Häufig treten den Rebound- bzw. Absetz-Effekte auf. Diese Effekte treten normalerweise innerhalb der ersten 2 bis 4 Tage nach der Reduktion auf, die erneute Einnahme von Flupentixol ist deswegen nicht zwingend notwendig. Rebound-Effekte bessern sich im Normalfall innerhalb von 2 – 4 Wochen. Kurzfristige Behandlungen mit niedriger Dosierung machen weniger Probleme, auch hier ist ein Ausschleichen allerdings nötig.

Erfahrungen mit Flupentixol

Die Erfahrungen mit Flupentixol sind relativ gemischt. Gerade die Depot-Injektion wird von vielen Patienten als Erlösung empfunden, die Nebenwirkungen scheinen generell bei einer Gabe des Medikamentes als Injektion weniger stark und häfuig aufzutreten. Auch bei einer oralen Einnahme berichten viele Patienten von einem Gefühl der Befreiung, die angstlösende Wirkung von Flupentixol wird als sehr effektiv wahrgenommen. Einige Patienten berichten nach einer langjährigen Einnahme von Antriebslosigkeit und Apathie, die durch das schleichende Auftreten nur sehr mühsam bekämpft werden kann.

Quellen