Fluoxetin

Fluoxetin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, kurz SSRI genannt. Die Pharmafirma Eli Lilly untersuchte den Wirkstoff bereits 1972, in den USA erfolgte die Zulassung im Jahr 1987 unter dem Handelsnamen Prozac (in Deutschland 1990 als „Fluctin“). Dort gehört das Medikament zu den am häufigsten verabreichten Substanzen bei Depressionen und anderen, psychiatrischen Erkrankungen. Fluoxetin gilt als Vorreiter der ganzen Wirkstoffgruppe, da es eines der ersten Medikamente dieser Art war.

 

Auf welche Art wirkt Fluoxetin?

Die Wirkungsweise von Fluoxetin besteht auf einem direkten Eingriff in den Hirnstoffwechsel. Durch Neurotransmitter werden verschiedene Signale zwischen Nervenzellen transportiert. Diese docken dann an die entsprechenden Rezeptoren an und übermitteln so das Signal. Ein Ungleichgewicht des Botenstoffs Serotonin gilt unter anderem als Auslöser für Depressionen. Die Einnahme von Fluoxetin bewirkt, dass bereits ausgeschüttetes Serotonin wieder zurück in die Zelle findet und für eine langfristige, stimmungsaufhellende Wirkung sorgt. Bis zum Wirkungseintritt vergehen rund 14 Tage.

Wie lange wirkt Fluoxetin und wie wird es verstoffwechselt?

Der Wirkstoff von Fluoxetin gelangt über die Darmwand ins Blut. Bis zur maximalen Konzentration vergehen ab der Einnahme rund sechs Stunden. Verstoffwechselt wird Fluoxetin in der Leber, durch eine extrem lange Halbwertszeit von ca. vier Tagen (bei regelmäßiger Einnahme) wird der Wirkstoff langsam abgebaut. Die Wirkung entfaltet das Medikament direkt im Hirn.

Welche Menschen werden mit Fluoxetin behandelt?

Grundsätzlich wird der Wirkstoff vor allem zur Linderung von Depressionen eingesetzt. Auch bei Zwangsstörungen konnte die Wirkung nachgewiesen werden und das Medikament ist hiergegen zugelassen. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Essstörung Bulimie, allerdings wird Fluoxetin hier nur in Kombination mit einer Psychotherapie empfohlen.

Die Anwendungsdauer ist abhängig von der Grunderkrankung. Bei Depressionen sollte ein halbes Jahr nicht unterschritten werden. In der Praxis hat es sich bei Zwangsstörungen hingegen gezeigt, dass auch kurzfristige Einnahmezeiträume, insbesondere in Kombination mit einer Verhaltenstherapie, möglich sind.

 

Gibt es bei der Einnahme von Fluoxetin Nebenwirkungen?

Ein großer Nachteil der langen Halbwertszeit von Fluoxetin sind Nebenwirkungen. Treten sie auf, können sie aufgrund der langen Verweildauer im Körper noch tagelang anhalten. Das ist insbesondere bei schweren Nebenwirkungen gefährlich, die jedoch nur sehr selten auftreten. Im Zweifel kann medizinische Beratung und Behandlung erforderlich sein.

Zu den häufigsten, unerwünschten Wirkungen gehören eine rasche Gewichtsabnahme, gastrointernale Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, sowie Beschwerden des zentralen Nervensystems (Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen). Gelegentlich kann es zu Missempfindungen wie Kribbeln in den Extremitäten, Juckreiz oder Schmerzen in der Brust kommen. Bei Männern ist eine sehr unbeliebte Nebenwirkung die Störung der männlichen Potenz. In sehr seltenen Fällen kann sich außerdem eine schmerzende Dauererrektion entwickeln, die ärztlich therapiert werden muss.

Herzpatienten und auch alle gesunden Patienten müssen auf eine mögliche Veränderung des Herzrhythmus hingewiesen werden. Vor Beginn der Einnahme und regelmäßig im Verlauf sollte eine EKG-Untersuchung durchgeführt werden, um den Herzrhythmus zu überprüfen. Der QT-Intervall ist relevant, denn dieser kann sich durch die Einnahme von Fluoxetin verlängern, was zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Verträgt sich Fluoxetin mit anderen Medikamenten?

Bei der Einnahme von SSRI, zu denen auch Fluoxetin gehören, besteht das Risiko eines Serotoninsyndroms. Dies tritt besonders häufig dann auf, wenn andere Präparate eingenommen werden, die eine Wirkung auf das zentrale Nervensystem haben. Hierzu gehören u.a. Tramadol, Migränemittel sowie MAO-Hemmer. Die gemeinsame Einnahme ist nur nach Absprache mit dem Arzt erlaubt und sollte nie eigenmächtig erfolgen.

Die Einnahme von Benzodiazepinen, Medikamenten gegen Epilepsie und Bluthochdrucksenker wie Metoprolol können zu Wechselwirkungen führen. Eine genaue Auflistung aller inkompatiblen Medikamente sind im Beipackzettel zu finden. Bevor die Therapie mit Fluoxetin begonnen wird, sollte der behandelnde Arzt über alle Medikamente informiert werden, die der Patient einnimmt.

Der Konsum von Alkohol ist während der Therapie nicht empfehlenswert, da die Leber bereits mit der Verstoffwechselung von Fluoxetin ausgelastet ist.

Gibt es besondere Hinweise bei der Einnahme von Fluoxetin?

Unter nahezu allen SSRI gibt es das Risiko von Suizidgedanken, die insbesondere während der ersten sechs Wochen der Einnahme auftreten. Auch bei Fluoxetin gab es bereits derartige Fälle, die schließlich tatsächlich zum vollendeten Suizid geführt haben. Es ist daher erforderlich die Patienten in den ersten Wochen sorgfältig zu überwachen.

Besonders junge Menschen sind gefährdet, allerdings ist die Ursache hierfür wissenschaftlich noch nicht belegt.

Bei großer Gefahr empfiehlt sich die Einleitung der Therapie unter stationären Bedingungen. Patienten werden dazu angehalten im Fall von Suizidgedanken ihren Arzt zu kontaktieren.