Elektrokrampftherapie

Die Elektrokrampftherapie bzw. Elektrokonvulsionstherapie als Behandlung gegen schwere Depressionen

Wissenschaftlich begründet ist, dass die Elektrokrampftherapie (EKT) eine der besten Behandlung gegen Depressionen ist. Für den Patienten ist mit ihr nur ein minimales Risiko verbunden.

Zu beachten bei dieser Aussage ist, dass die Elektrokrampftherapie (EKT) zu einem Gesamtbehandlungskonzept einer Behandlung gehört.

Geschichtlicher Hintergrund

Präzise nachgewiesen wurde in den 1930er Jahren, dass Krampfanfälle unter kontrollierten Bedingungen, zu einer erhöhten Ausschüttung von Neurohormonen und Neurotransmittern führten. Die Auswirkungen dieser vermehrten Produktion ähnelten antidepressiven Substanzen.

Ladislas von Meduna (Ungarn) begann im Jahr 1934 wandte als Therapie das Auslösen von Krampfanfällen pharmakologisch an. Die Innovation dieses Prinzips stellten Ugo Cerletti und Lucio Bini (Italiener) 1938 in Form der Elektrokrampftherapie (EKT) vor.

Überholt und veraltet ist die Verbreitung, dass es sich bei Elektrokrampftherapie (EKT) um eine unmenschliche und grausame Methode der Behandlung handelt. Im Gegenteil. Ethisch ist der Verzicht auf diese Behandlungsmethode kaum vertretbar.

Zu dieser Erkenntnis trägt die Tatsache bei, dass das Urteil der Patienten bezüglich ihrer Behandlung retrospektiv als äußerst positiv ausfiel. Der logische Schluss ist, dass auch in der modernen Medizin die EKT noch eine große Bedeutung hat.

 

Wirkmechanismus

Der Patient wird bei der Elektrokrampftherapie (EKT) relaxiert mit einer Kurznarkose. Kontrolliert wird ein generalisierter Krampfanfall provoziert. Hierfür wird das Gehirn kurzen, elektrischen Reizen ausgesetzt.

Stetig wurden die Methoden der Anästhesie verbessert. Dieser Umstand kommt den Patienten bei der Elektrokrampftherapie (EKT) heutzutage zugute.

Trotz der nachweislich guten Erfolge mit dieser Behandlungsmethode wird sie in Deutschland nicht so oft angewandt, wenn im Vergleich Länder wie Großbritannien, etc. betrachtet werden.

Etwa 30.000 Mal wird die Elektrokrampftherapie (EKT) in Deutschland jährlich an 2.800 Patienten bis zu 4.000 Patienten angewandt.

Diese Tatsache ist eigentlich unverständlich, zumal es mit der Elektrokrampftherapie (EKT) unter Umständen möglich ist, Leben zu retten. Selbstverständlich geht der Anwendung eine korrekte Indikation voraus.

 

Indikation

Ehe die Elektrokrampftherapie (EKT) angewandt wird, sind die Anamnese und die Diagnose der einzelnen Patienten zu erheben bzw. zu stellen. Des Weiteren wird überprüft, welche anderen Behandlungsmethoden bei dem vorliegenden Krankheitsbild der Depressionen zum Erfolg führen würden. Es ist vor Therapiebeginn ein Abwägen von Für und Wider.

Nicht zuletzt gibt die Meinung des Patienten den Ausschlag für den Einsatz der Elektrokrampftherapie (EKT).

Dieser Behandlung, um Depressionen zu bekämpfen, gehen meist medikamentöse Behandlungen voraus. Waren diese erfolglos und es ist dringender Handlungsbedarf (suizidgefährdet) angezeigt, sollte mit dem Beginn der Elektrokrampftherapie (EKT) nicht mehr gezögert werden.

Schweregrade der Depression

Um zu verstehen, welche Behandlungsmethoden erfolgsversprechend sind, ist zunächst durch den Neurologen, den Psychiater oder einem anderen kompetenten Arzt zu ermitteln, welcher Schweregrad der Depression bei seinem Patienten vorliegt.
  • Leichte depressive Episode
  • Mittelschwere depressive Episode
  • Schwere Episode

Um eine leichte depressive Episode handelt es sich, wenn wenigstens über einen Zeitraum von 2 Wochen, 2 der Hauptsymptome zuzüglich 2 der Zusatzsymptome, auftreten.

Mindestens 2 Wochen müssen bei einer mittelschweren depressiven Episode 2 Hauptsymptome und 3 – 4 Zusatzsymptome gleichzeitig auftreten.

Vom Arzt diagnostiziert wird eine schwere depressive Episode, wenn 2 Wochen lang die 3 Hauptsymptome und wenigstens 4 der Zusatzsymptome auftreten.

 

Symptome einer Depression

Eben wurde differenziert zwischen den Haupt- und den Zusatzsymptomen.

Gekennzeichnet sind die 3 Hauptsymptome von:

  • Depressiven Stimmungen
  • Antriebslosigkeit
  • Interessenverlust und Lustlosigkeit
Attribute der Zusatzsymptome sind:
  • Schlafstörungen
  • Schuldgefühle
  • Appetitmangel
  • Störungen der Konzentration
  • Erschüttertes Selbstwertgefühl
  • Pessimismus bezüglich der Zukunft

Charakteristisch für Depressionen sind auch eine innerliche Unruhe, gepaart mit Alexithymie (Gefühlsarmut). Patienten grübeln sehr viel und leiden an einem Libidoverlust. Unspezifische Symptome sind bei Depressionen ebenfalls zu verzeichnen.

 

Therapieablauf

8 bis 12 Behandlungen sind erfahrungsgemäß erforderlich, bis mit Therapieerfolgen zu rechnen ist. Diese werden in der Regel mindestens 25 Sekunden bis 30 Sekunden dauern. Der ausgelöste Krampfanfall wird zeitgleich mit einer Elektroenzephalografie (EEG) überwacht. 2 bis 3 Tage beträgt der Abstand zwischen den Behandlungen.

Ferner wird während der Elektrokrampftherapie (EKT) die Pulsoxymetrie dokumentiert und ein EKG-Monitor angeschlossen.

Zur Vorbereitung des Patienten gehört der Zahnschutz. Eine Muskelrelaxation wird für die Kurznarkose verabreicht.

Die Elektroden werden in der Regel einseitig platziert. Geringe Nebenwirkungen, wie Gedächtnisstörungen, sind bei der Anwendung von Kurzpulsströmen, nicht ausgeschlossen.

 

Resümee

Es waren politische Gründe, weshalb die Elektrokrampftherapie (EKT) in Deutschland, trotz der guten Erfolge, kaum durchgeführt wurde. In Fachkreisen jedoch ist die Elektrokrampftherapie (EKT) wieder in den Fokus gerückt.

Es lagen wenig dokumentierte Erfahrungsberichte vor. Danach wurden Unterlagen von 12 Personen im Alter zwischen 64 und 69 Jahren, welche sich dieser Behandlung unterzogen haben, ausgewertet. Angewandt wurden zuvor wenigstens 3 unterschiedliche Antidepressiva. Ein Erfolg bei der Behandlung der Depression war jedoch nicht zu verzeichnen.

Bei 75 % der Patienten konnte eine erhebliche Verbesserung der Depressionen diagnostiziert werden. Die Elektrokrampftherapie (EKT) gilt als zuverlässige und sichere Behandlungsmethode bei schweren Depressionen.

 

Quellennachweis: