Duloxetin

Duloxetin

Bei Duloxetin handelt es sich um einen sogenannten, selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, der als Therapeutikum gegen Angststörungen, Polyneuropathie, Depressionen und Inkontinenz eingesetzt wird. In Europa fehlt bislang die Zulassung gegen Fibromyalgie, in den USA ist das Medikament hierfür schon zugelassen.

Welcher Wirkungsmechanismus steht hinter Duloxetin?

Die interne Kommunikation des Hirns funktioniert über Neuronen und Neurotransmitter. Jede Zelle schüttet bestimmte Transmitter aus, die dann von anderen Zellen und ihren Rezeptoren erkannt werden. Es entsteht ein riesiges, kommunikatives Netzwerk, welches selbst Wissenschaftlern noch nicht vollständig begreiflich ist. Einige dieser Botenstoffe rufen bestimmte Wirkungen hervor, so gilt Serotonin beispielsweise als Glückshormon. Fehlt Serotonin oder ist die Konzentration zu niedrig, können Depressionen entstehen. Noradrenalin hingegen gilt als erregender Neurotransmitter und sorgt für den Antrieb des Menschen. Zu wenig Noradrenalin kann zu einer ausgeprägten Antriebslosigkeit führen.

Duloxetin verstärkt die Wirkung der einzelnen Neurotransmitter und sorgt dafür, dass diese länger an einer Zelle verweilen. Serotonin und Noradrenalin wirken stärker, was den antidepressiven Effekt erklärt. Doch auch die schmerzstillende Eigenschaft des Medikaments ergibt sich im Gehirn. Durch ein übersensibilisiertes Schmerzzentrum werden bei Fibromyalgie und Polyneuropathie schon kleinste Schmerzreize überstark wahrgenommen. Duloxetin normalisiert das Schmerzzentrum und sorgt somit für eine Verminderung des Leidensdrucks. Ein weiterer Aspekt des Medikaments ist der stärkere Harnröhrenverschluss, der sich bei Belastungsinkontinenz als sehr hilfreich erwiesen hat.

Das Medikament wird oral eingenommen und gelangt durch den Darm ins Blut. Es dauert rund sechs Stunden, bis die höchste Konzentration im Blut erreicht ist. Verstoffwechselt wird Duloxetin teilweise über die Leber, unwirksame Restprodukte werden von der Niere ausgeschieden. Etwa 12 Stunden nach der Einnahme ist der Wirkstoff aus dem Körper wieder entfernt, was einer kurzen Halbwertszeit entspricht. In der Regel werden gerade bei Depressionen und Angststörungen zwei Einnahmen täglich favorisiert, um den Blutspiegel hoch zu halten.

Hat Duloxetin unerwünschte Nebenwirkungen?

Am Anfang der Behandlung mit Duloxetin kann es vermehrt zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Viele davon verschwinden innerhalb der ersten 14 Tage der Einnahme wieder. Ausnahme stellen schwerwiegende Nebenwirkungen dar, die einen sofortigen Abbruch der Therapie erfordern.

Sehr häufig kommt es zu Symptomen wie Müdigkeit, Schlaflosigkeit, stärkere Angst, Einschränkungen der Libido und Impotenz. Auch Schwindel, Ohrgeräusche, Sehstörungen, ein Anstieg des Blutdrucks, gastrointernale Symptome und Hautausschlag kann häufig vorkommen. Meist sind diese Nebenwirkungen leichter Natur und limitieren sich von selbst.

Sollte es während der Einnahme von Duloxetin zu starken Beschwerden kommen, wie beispielsweise hohem Fieber, Atemnot oder schwerer Hautausschlag, ist der Besuch beim Arzt unumgänglich. Gleiches gilt für das Auftreten schwerer Suizidgedanken, denn dieses Phänomen kann innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Tabletteneinnahme auftreten.

Darf Duloxetin mit anderen Medikamenten kombiniert werden?

Es gibt Medikamente, die bei gleichzeitiger Einnahme von Duloxetin in ihrer Wirkung verstärkt oder abgeschwächt werden. Keinesfalls sollte das Medikament gemeinsam mit anderen Präparaten eingenommen werden, welche die Serotoninkonzentration erhöhen. Es besteht das Risiko eines Serotonin-Syndroms, welches sich durch Muskelkrämpfe, starkes Schwitzen und hohes Fieber zeigt. Zu diesen Medikamentengruppen gehören MAO-Hemmer (zur Behandlung von Depressionen), Antidepressiva vom Typ SSRI oder tri- und tetrazyklische Antidepressiva, Johanniskraut, Triptane, Opiode und auch das frei verkäufliche L-Tryptophan.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn gleichzeitig mit Duloxetin Gerinnungshemmer wie Marcumar, ASS, Warfarin oder Phenprocoumon eingenommen werden. Es ist mitunter nötig die Dosis der Gerinnungshemmer zu ändern.

Wie wird die Einnahme von Duloxetin beendet?

Auch wenn Medikamente mit dem Wirkstoff Duloxetin nicht klassisch abhängig machen, dürfen sie nicht von heute auf morgen abgesetzt werden. Es besteht das Risiko schwerer Nebenwirkungen, auch als Absetzsymptomatik bezeichnet. Dies ist nicht immer ein Hinweis darauf, dass die eigentliche Grunderkrankung noch besteht. Häufig sind Absetzsymptome ein Zeichen dafür, dass der Hirnstoffwechsel Zeit benötigt um sich wieder umzustellen.

Eine Dosisreduktion sollte ausschließlich nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen und schrittweise vorgenommen werden. Mitunter kann es mehrere Wochen oder gar Monate dauern, bis die letzte Dosis Duloxetin eingenommen wurde.

Zu den Absetzsymptomen gehört nicht nur eine Intensivierung der ursprünglichen Symptome, sondern auch eine heftige Reaktion des zentralen Nervensystems. Hierzu gehören Schwindel, Sehstörungen, Zittern, unkontrolliertes Weinen und eine Überreizung des Magen-Darm-Trakts mit Durchfall.

Wichtige Hinweise während der Therapie mit Duloxetin

Es handelt sich bei Duloxetin um ein stark wirksames Medikament, welches zu verschiedenen, therapeutischen Zwecken eingesetzt wird. Es ist das erste Präparat, welches in Europa auch bei Belastungsinkontinenz zugelassen ist. Ärzte und Wissenschaftler sind sich jedoch nicht einig, ob es sich um die beste Therapieoption handelt. Das Risiko schwerwiegender, psychischer Nebenwirkungen ist groß, daher ist die Kosten-Nutzen-Rechnung sehr sorgfältig abzuwägen.

Patienten, die erstmals mit einem Psychopharmaka behandelt werden, sollten in den ersten Wochen der Therapie engmaschig überwacht werden. Im Zweifel oder bei Suizidgefahr muss die Einstellung in stationärer Umgebung erfolgen.

Es ist zu beachten, dass der Konsum von Alkohol und Nikotin während der Therapie unterbleiben sollte. Es wurde nachgewiesen, dass Raucher den Wirkstoff schneller abbauen und somit keinen konstanten Wirkspiegel erzielen können.

Quellen: