Diagnose

Die Diagnose von Depressionen

Depressionen sind ernstzunehmende Erkrankungen, deren Behandlungserfolg auch stark davon abhängt, ob eine zeitnahe Diagnose erfolgt. Da die auftretenden Symptome unspezifisch sind und damit auch auf zahlreiche weitere Erkrankungen hinweisen können, ist es selbst für erfahrene Mediziner schwierig die Beschwerden korrekt zuzuordnen. Gleichzeitig muss betont werden dass die Diagnose „Depression“ durchaus auch eine Fehldiagnose sein kann, da beispielsweise eine Unterfunktion der Schilddrüse zu Erschöpfung, einer Antriebsschwäche und einer gedrückten Stimmung führen kann, die eine Depression „imitieren“; letztere kann jedoch mit Hilfe der Gabe von Jod und/oder Hormonen relativ einfach wieder beseitigt werden kann.

Depression vs. Stimmungstief

Wesentlich ist also, dass beim Verdacht auf das Vorliegen einer Depression zunächst einmal ausgeschlossen wird, dass es sich um eine „normale“ vorübergehende Stimmungsstörung handelt, oder dass es eine „körperliche“ Ursache für die Beschwerden gibt. Üblicherweise landet man also als Patient zunächst beim Hausarzt, der mit einer einfachen Blutentnahme häufig schon einen Hinweis auf möglicherweise bestehende Probleme gewinnen kann. Unabhängig von der Altersgruppe des Patienten ist es beispielsweise sinnvoll, die Entzündungswerte im Blut zu analysieren, nach den Spiegeln der Schilddrüsenhormone zu schauen und die Eisenwerte zu kontrollieren. Falls sich hier keine Hinweise auf eine Anämie, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder entzündliche Prozesse finden, ist es sinnvoll, die Symptome erneut in Hinsicht auf möglicherweise vorliegende Depression zu evaluieren.

 

Neurologische Kontrollen

Allerdings ist immer noch Vorsicht geboten. Entscheidend ist auch eine Kontrolle des neurologischen Status. Bei Vorliegen von Ausfällen, d.h. Auffälligkeiten, wie Sensibilitätsstörungen oder Einschränkungen der Motorik (etwa im Bereich der Augen) muss dringend auch eine Abklärung von neurologischer Seite erfolgen, da Müdigkeit, Schwäche und eine gedrückte Stimmung dann auch auf eine beginnende Multiple Sklerose oder (in höherem Alter) auf ein sich entwickelndes Parkinsonsyndrom hinweisen können. In fortgeschrittenen Lebensalter muss der Arzt darüber hinaus vorsichtig mit einer zu schnellen Alzheimer-Diagnose sein. Eine vorliegende Depression wird nicht selten für eine beginnende Demenz gehalten.

Der Psychiater als Ansprechpartner

Eine rein körperliche Ursache der Beschwerden lässt sich nicht immer vollständig ausschließen; nach Kontrolle der oben genannten Parameter und nach weiterer Befragung des Patienten ist eine Überweisung an einen Psychiater sinnvoll, der über die geeigneten Methoden verfügt, das Vorliegen einer Depression zu bestätigen oder auszuschließen. Häufig wird der Unterschied zwischen Psychiatern und Psychotherapeuten missverstanden. Ein Psychiater hat Medizin studiert und sich auf den Bereich Neurologie/Psychiatrie spezialisiert. Ein Psychologe oder Psychotherapeut hat Psychologie studiert und bietet Gesprächstherapie an. Im Gegensatz zum Psychotherapeuten kann der Psychiater Medikamente verschreiben und er ist auch der erste Ansprechpartner, wenn es um die Vermittlung von Therapieplätzen geht.

Im Rahmen der Diagnostik hält sich der an die weltweit gültigen und statistisch evaluierten Angaben der International Classification of Diseases (ICD). Die folgenden Hauptsymptome geben dabei einen Hinweis auf ein mögliches Vorliegen einer leichten, mittelschweren oder schweren Depression:

(1) eine über einen längeren Zeitraum andauernde gedrückte Stimmung UND/ODER
(2) Verlust von Interesse UND/ODER
(3) Erschöpfung oder Energiemangel

Wenigstens eines dieser Symptome muss über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen fast täglich/fast ununterbrochen auftreten, damit eine depressive Episode diagnostiziert werden kann. Bei dauerhaftem Vorliegen von mindestens einem der genannten Beschwerden, wird der behandelnde Arzt folgende Nebensymptome abfragen:

(1) Schlafstörungen
(2) Störungen der Konzentration oder Unentschlossenheit
(3) Geringes Selbstbewusstsein
(4) verringerter oder gesteigerter Appetit
(5) Suizidgedanken oder Suizidversuche
(6) Erregtheit oder Bewegungsverlangsamung
(7) Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe

Für die Diagnose einer leichten Depression müssen mindesten vier der oben genannten Symptome vorliegen (davon mindestens eines der Hauptsymptome). Gibt der Betroffene vier bis sechs der oben genannten Beschwerden an, leidet er an einer mittelschweren Depression, beim Vorliegen von mehr als sechs der genannten „Signale“ wird von einer schweren depressiven Episode ausgegangen.

Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Je nach Schweregrad der Episode kann der Psychiater den Versuch einer medikamentösen Behandlung starten und den Betroffenen an einen Psychotherapeuten vermitteln. Manchmal ist die Einweisung in eine stationäre Therapie in einer psychosomatischen und psychiatrischen Klinik der richtige Schritt, da dem Patienten so die Möglichkeit gegeben wird, die Stressfaktoren des Alltags zumindest vorübergehend hinter sich zu lassen. Außerdem kann der Beginn der medikamentösen Therapie so auch unter ständiger ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Quellen:

AM Möller-Leimkühler DFP – Depression bei Männern- eine Einführung- Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2010; 11 (3), 11-20
http://www.kup.at/kup/pdf/9154.pdf

Bettina Gerste und Christiane Rock (2014) : Prävalenz und Inzidenz sowie Versorgung depressiver Erkrankungen in Deutschland – Eine Analyse auf Basis der in Routinedaten dokumentierten Depressionsdiagnosen. In: Versorgungsreport 2013/2014: Schwerpunkt: Depressionen. Stuttgart: Schattauer(S. 21-54)

Roselinde H. Kaiser (2017): Neurocognitive Markers of Depression. In: Biological Psychiatry 81 (4) S. 29-31

https://www.aerzteblatt-sachsen-anhalt.de/ausgabe/fachartikel/53-fachartikel-01-2013/89-therapieresistente-depressionen.html