Clomipramin

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Anwendungsgebiete

Clomipramin wird zur Behandlung von Menschen mit Zwangsstörungen angewendet. Das ist ein Zustand, der wiederholt zu unerwünschten Gedanken und der Notwendigkeit, bestimmte Verhaltensweisen immer wieder auszuführen. Das Mittel wird außerdem bei Patienten mit Depressionen und chronischen Schmerzen eingesetzt.

Clomipramin gehört zu einer Gruppe von Medikamenten, die als trizyklische Antidepressiva bezeichnet werden. Der Wirkstoff erhöht die Menge an Serotonin, einer natürlichen Substanz im Gehirn, die zur Aufrechterhaltung des geistigen Gleichgewichts benötigt wird.

Kurze Geschichte des Medikaments

Clomipramin wurde von Schweizer Arzneimittelhersteller Geigy (heute Novartis) entwickelt. Das Medikament wurde erstmals 1961 in der Literatur erwähnt und 1963 patentiert. 1970 wurde der Wirkstoff erstmals für die medizinische Verwendung in Europa zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Strenge klinischen Studien, die die Wirksamkeit des Medikaments festigten, wurden in den 1980er Jahren durchgeführt.

Viele Jahre war Clomipramin ein wirksames Medikament gegen Zwangsstörungen, bis es durch die Einführung der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor, SSRI) aufgrund der stark verbesserten Verträglichkeit und Sicherheit weitgehend abgelöst wurde. Clomipramin wird weltweit hauptsächlich unter den Markennamen Anafranil und Clomicalm zur Anwendung bei Menschen und Tieren vermarktet. In der Tiermedizin hat sich das Medikament bei der Behandlung von Zwangsstörungen bei Hunden und Katzen als wirksam erwiesen.

Wirkstoff und Wirkung

Clomipramin ist ein Wiederaufnahmehemmer für Serotonin und Noradrenalin, auch als Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) bezeichnet. Das heißt, der Wirkstoff blockiert die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in Neuronen, indem verhindert wird, dass sie mit ihren Transportern interagieren. Dadurch erhöht sich ihre extrazelluläre Konzentrationen im synaptischen Spalt, so dass eine erhöhte Neurotransmission von Serotonin und Noradrenalin entsteht.

Es wird angenommen, dass die antidepressiven Wirkungen von Clomipramin auf die Wiederaufnahmehemmung von Serotonin und Noradrenalin zurückzuführen sind. Dagegen ist die Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin nur für die Wirksamkeit von Clomipramin bei der Behandlung von Zwangsstörungen verantwortlich.

Wie soll dieses Arzneimittel angewendet werden?

Clomipramin gibt es als Kapsel zum Einnehmen. Zu Beginn der Behandlung wird Clomipramin normalerweise dreimal täglich zu den Mahlzeiten eingenommen, damit sich der Körper an das Medikament anpasst. Nach mehrwöchiger Behandlung wird Clomipramin normalerweise einmal täglich vor dem Schlafengehen eingenommen. Die Einnahme sollte streng nach ärztlicher Anordnung erfolgen.

Der Arzt kann die Verordnung mit einer niedrigen Dosis Clomipramin beginnen und Ihre Dosis schrittweise erhöhen. Das Medikament sollte nicht öft eingenommen werden, als es vom Arzt verschrieben wurde.

Welche besonderen Vorsichtsmaßnahmen sollten vor der Einnahme beachtet werden?
Patienten sollten vor der Einnahme von Clomipramin den Arzt oder Apotheker informieren, wenn sie allergisch gegen trizyklische Antidepressiva sind oder wenn sie andere Allergien haben. Dieses Medikament kann inaktive Inhaltsstoffe enthalten, die allergische Reaktionen oder andere Probleme verursachen können.

Vor der Anwendung dieses Arzneimittels sollte der Arzt außerdem über Blutprobleme, Atemprobleme, Herz-, Darm- und Leberprobleme informiert werden. Er wird den Patienten auch über die familiäre Vorgeschichte anderer psychischer Störungen befragen. Auch Erkrankungen, die das Risiko eines Anfalls erhöhen (Alkohol, Epilepsie etc.) sollten vorab geklärt werden. Personen, die kürzlich einen Herzinfarkt erlitten haben, können Clomipramin möglicherweise nicht einnehmen.

Das Medikament kann Patienten schwindelig oder schläfrig machen. Deshalb sollte kein Fahrzeug oder keine Maschine gesteuert werden, die Aufmerksamkeit erfordern. Der Genuss alkoholischer Getränke sollte eingeschränkt werden. Clomipramin geht in die Muttermilch über und kann unerwünschte Auswirkungen auf das Kind haben.

Wirkungseintritt von Clomipramin

Bis zum Wirkungseintritt von Clomipramin dauert es in der Regel bis zu vier Wochen. Seine maximale Wirkung erreicht das Medikament meistens nach acht bis zwölf Wochen.

Häufige Nebenwirkungen

Clomipramin Kapsel zum Einnehmen kann Schläfrigkeit und andere Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen können sein:
  • trockener Mund
  • Verstopfung
  • Übelkeit
  • Sodbrennen
  • gesteigerter Appetit
  • Schläfrigkeit
  • Tremor (Muskelzittern)
  • Schwindel
  • Nervosität
  • Probleme mit der Ejakulation
  • Impotenz
  • vermindertes sexuelles Verlangen (bei Männern und Frauen)
Wenn diese Effekte mild sind, können sie innerhalb weniger Tage oder Wochen verschwinden. Wenn sie schwerer sind oder nicht verschwinden, sollte sich der Patient an den Arzt wenden.

Schwerwiegende Nebenwirkungen

Medikamente wie Clomipramin erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Selbstmordgedanken oder -handlungen bei Kindern und jungen Erwachsenen. Das Risiko kann bei Menschen größer sein, die diese Gedanken oder Handlungen in der Vergangenheit hatten. Alle Menschen, die Clomipramin einnehmen, müssen genau beobachtet werden. Bei Anzeichen wie schlechte Laune,  Depression, Nervosität, Unruhe, Panik-Attacken, Selbstmordgedanken oder Stimmungs- oder Handlungsänderungen sollte umgehend der Arzt benachrichtigt werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Clomipramin kann mit anderen Arzneimitteln, Kräutern oder Vitaminen interagieren, die Patienten möglicherweise einnehmen. Von Wechselwirkung spricht man, wenn eine Substanz die Wirkungsweise eines Arzneimittels verändert. Dies kann für den Patienten schädlich sein oder verhindern, dass das Medikament richtig wirkt.

Um Wechselwirkungen zu vermeiden, wird der Arzt alle Medikamente sorgfältig aufeinander abstimmen. Deshalb ist es wichtig, den Arzt unbedingt über alle Medikamente, Vitamine oder Kräuter, die eingenommen werden, zu informieren.

Einige Produkte, die mit diesem Medikament interagieren können, umfassen:
  • Anticholinergika (zum Beispiel: Atropin, Belladonna, Alkaloide, Scopolamin)
  • bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck
  • Mittel für die Schilddrüse
  • Blut-Verdünner wie Heparin uns Aspirin
  • Anti-Thrombozyten-Medikamente

Die Kombination von Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmer) mit Clomipramin kann zu schwerwiegenden oder möglicherweise tödlichen Wechselwirkungen führen. Die meisten MAO-Hemmer sollten auch zwei Wochen vor und nach der Behandlung mit diesem Medikament nicht eingenommen werden.

Das Risiko für Serotonin-Syndrom-Toxizität steigt, wenn zusätzlich auch andere Medikamente eingenommen werden, die den Serotoninspiegel erhöhen. Beispiele sind Drogen wie MDMA (Ecstasy), Johanniskraut und bestimmte Antidepressiva.

Andere Medikamente können die Entfernung von Clomipramin aus dem Körper beeinflussen, was sich auf die Wirkungsweise auswirken kann. Beispiele hierfür sind Barbiturate, Medikamente für den Herzrhythmus und bestimmte HIV-Inhibitoren. Auch bei Medikamenten die Schläfrigkeit verursachen, kann es zu Wechselwirkungen kommen.

Übliche Dosierung für Erwachsene

Anfangsdosis: 25 mg oral einmal täglich vor dem Schlafengehen
Erhaltungsdosis: 100 mg oral pro Tag
Maximale Dosis: 250 mg pro Tag
  • Die Dosis kann in den ersten 2 Wochen schrittweise auf 100 mg erhöht werden. Nach der ersten Überprüfung kann die Dosis in den nächsten Wochen schrittweise auf maximal 250 mg pro Tag erhöht werden.
  • Während der anfänglichen Einnahme sollte das Medikament in geteilten Dosen zu den Mahlzeiten verabreicht werden, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu reduzieren.
  • Die tägliche Gesamtdosis sollte einmal täglich vor dem Schlafengehen verabreicht werden, um die Sedierung am Tag zu minimieren.
  • Eine Anpassung der Dosierung sollte vorgenommen werden, um den Patienten auf der niedrigsten wirksamen Dosierung zu halten.

Im Falle einer Überdosierung kann es zu schwerwiegenden Symptomen wie Ohnmacht, Delirium, Krampfanfällen oder Atembeschwerden kommen. In diesem Fall ist umgehend ein Notarzt anzufordern.

Was tun, wenn eine Dosis vergessen wurde?

Patienten sollten die vergessene Dosis einnehmen, sobald sie sich daran erinnern. Wenn es jedoch fast Zeit für die nächste Dosis ist, sollte die vergessene Dosis übersprungen und der reguläre Dosierungsplan fortgesetzt werden. Keinesfalls sollte die doppelte Dosis eingenommen werden, um eine versäumte auszugleichen.

Clomipramin absetzen

Es kann mehrere Wochen oder länger dauern, bis Patienten den vollen Nutzen von Clomipramin spüren. Patienten sollten Clomipramin weiterhin einnehmen, auch wenn sie sich gut fühlen. Die Einnahme von Clomipramin sollte niemals abgebrochen werden, ohne vorher mit dem Arzt zu sprechen. Wird die Einnahme von Clomipramin plötzlich abgebrochen, können Entzugssymptome wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwäche, Schlafstörungen, Fieber und Reizbarkeit auftreten. Der Arzt kann die Dosis jedoch schrittweise verringern.

Erfahrungen mit Clomipramin

Zu den Erfahrungen mit Clomipramin gehört, dass Patienten mit Zwangsstörungen, Depressionen oder Angstzuständen nach ein paar Wochen eine signifikante Verbesserung ihres Zustandes erlebt haben. Das Medikament beruhigt und befreit oft von Angst, Obsessionen und Schmerz. Viele Menschen können das Leben seit der Einnahme von Chlomipramin unbeschwert genießen.

Bei vielen Patienten kann die tägliche Dosis auf 25 mg reduziert werden. Als hauptsächliche Nebenwirkungen wurden Schläfrigkeit, Verstopfung und ein trockener Mund erwähnt. Dafür konnten viele Patienten ihre Schlaftabletten absetzen.

Quellen