5-HTP gegen Depressionen und Angststörungen: Wirkung, Nebenwirkungen, Dosierung und Erfahrungen

In diesem Beitrag geht es um die Aminosäure 5-HTP gegen Depressionen. Ich möchte auf die Wirkung von Serotonin und 5-HTP in seiner Wirkunsgsweise auf den Organismus in Zusammenhang mit Depressionen und Schlafstörungen eingehen.

Depressionen zählen zu den größten Erkrankungen in Deutschland. Studien zufolge leidet jeder fünfte Bundesbürger im Laufe seines Lebens an einer Depression. Entsprechend befinden sich etwa 4 Millionen Menschen in einer ärztlichen Behandlung.

Die Kombination von Therapie und Medikamenten ist oft nicht von langfristigem Erfolg geprägt. Daher greifen immer mehr Menschen zu natürlichen Präparaten, da vor allem die starken Nebenwirkungen von Psychopharmaka nicht zu unterschätzen sind.

 

Grundlegendes zur Depression

Was sind typische Anzeichen von Depressionen?

Eine Person mit depressiver Störung fühlt sich in der Regel bedrückt oder niedergeschlagen. Abhängig vom Grad der Erkrankung sind die Symptome mal mehr und mal weniger ausgeprägt. Entscheidend ist aber, dass eine Depression maßgeblichen Einfluss auf das Leben der betroffenen Person haben kann.

Wie entsteht eine Depression?

Es wird oft versucht herauszufinden was nun genau die Ursachen für die Depression sind. Grundsätzlich sind die Ursachen einer Depression sehr komplex. Daher ist man in medizinischer Hinsicht bis heute nicht zu einer ganzheitlichen Lösung gekommen.

Depressionen entstehen oft aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Als Begleiterscheinung von Krankheiten, falsche Ernährung, Mangelerscheinungen, anhaltender Stress im Beruf, Arbeitslosigkeit, ein traumatisches Ereignis oder veränderte Stoffwechselprozesse im Gehirn können eine Depression verursachen. Dazu gehört auch ein Mangel an Serotonin.

 

Wie kann eine Depression behandelt werden?

Klassische Behandlungsformen

Behandlungen erfolgen in der Regel über eine Psychotherapie. Es werden hier spezifische Gespräche geführt, um mehr über das Verhalten und die Ursachen der betroffenen Person herauszufinden.

Eine weitere klassische Behandlungsform stellt die medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka oder Antidepressiva dar.

Normalerweise werden diese beiden Formen der Behandlung am Patienten kombiniert.

 

Die Behandlung mit den Glückshormonen Serotonin und Dopamin

In vielen Fällen hat sich die Behandlung mit den sogenannten Glückshormonen Serotonin und Dopamin als hilfreich erwiesen.

Als Neurotransmitter übernehmen Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin wichtige Funktionen im Gehirn. Ohne sie wäre kein Glücksgefühl, keine Hochstimmung spürbar. Aus diesem Grund sind sie umgangssprachlich auch als „Glückshormone“ bekannt.

Der Stoff Serotonin nimmt im menschlichen Körper eine sehr wichtige Rolle ein. Er sorgt für eine bessere mentale Stimmung und erhöht das Wohlbefinden. Personen mit einer Depression haben in der Regel bis zu 50% weniger Serotonin im Blutserum. Mit einer Verabreichung von diesem Neurotransmitter kann ein Stimmungstief kompensiert werden.

Der Begriff „Glückshormon“ beschreibt sehr gut die Bedeutung und Funktion im Gehirn. Einer der zentralen Punkte ist die Informationsverarbeitung , die stetig im Gehirn stattfindet. Hier gibt es ein riesiges Netzwerk der Nervenzellen selbst, aber auch der Synapsen, die eine chemische Kommunikation innerhalb des komplizierten Nervensystems eingehen. Für diese Übertragung von Informationen sind chemische Synapsen beteiligt. Als Botenstoffe erhalten sie deshalb auch den Begriff Neurotransmitter, die zahlreich im Gehirn vorhanden sind. Die wichtigsten sind die bereits angesprochenen Glückshormone Dopamin und Serotonin. Ihre messbaren Werte verändern sich laufend. Bei geringerem Gehalt an Serotonin oder Dopamin erhöht sich vereinfacht dargestellt das fehlende Glücksgefühl, das dauerhaft in depressive Verstimmungen übergehen kann.

Serotonin transportiert demzufolge wichtige Signale zwischen den Zellen. Ein Mangel wiederum führt dazu, dass diese wichtigen Signale nicht übertragen und im Gehirn geregelt werden. Es entstehen Auswirkungen wie Fibromyalgie und Schlaflosigkeit bis hin zur Depression – basierend auf der Tatsache, dass wichtige Prozesse im Gehirn unvollständig ausgeführt werden.

Nun ist die Frage wie der Serotoninmangel bei einer depressiv gestörten Person ausgeglichen werden kann. Fakt ist, dass die betroffene Person unbedingt mehr Serotonin braucht, um die Depression, Stimmungsschwankungen oder Angstzustände systematisch zu reduzieren.

 

Die Bekämpfung von Depressionen mit 5-HTP

Was ist 5-HTP?

5-HTP ist eine Aminosäure und als Vorstufe von Serotonin zu betrachten. Der Inhaltsstoff steht für „5-Hydroxytryptophan“. Dies impliziert, dass 5-HTP im menschlichen Körper zum stimmungsfördernden Serotonin umgewandelt wird.

Serotonin ist das Hormon, welches die Stimmung reguliert, Aggressionen reduziert und Ängste erst gar nicht aufkommen lässt. Daher wird bei einer Depression auch ein Mangel an Serotonin vermutet. Eine mögliche Maßnahme zur Erhöhung des Serotoninspiegels ist die Einnahme von 5-HTP.

Von vielen Experten wird dieser Stoff als eine natürliche Alternative zu Beruhigungsmitteln angesehen, um leichte bis mittelschwere Depressionen zu bekämpfen. 5-HTP ist aufgrund der geringen Nebenwirkungen eine sehr attraktive und rein pflanzliche Alternative zu klassischen Medikamenten.

Die meisten Menschen vertragen diesen Inhaltsstoff auch sehr gut über einen längeren Zeitraum hinweg.

Eine Ration für ein halbes Jahr 5-HTP kann bereits ab ca. 20 Euro z.B. bei amazon gekauft werden.

 

Der Einsatz von 5-HTP in der Vergangenheit

5-HTP wurde in den 1970er und 1980er Jahren sehr häufig bei Depressionen eingesetzt. Dann kamen aber die Antidepressiva auf den Markt.

Diese haben den Stoff 5-HTP soweit verdrängt, dass es inzwischen nicht mehr als Arzneimittel gilt, sondern lediglich als Nahrungsergänzungsmittel.

Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, denke aber, dass 5-HTP als nicht patentierbarer Rohstoff kaum lukrativ ist und das der Grund für die Ablösung der milliardenschweren Industrie der Psychopharmaka ist.

 

Wie ist die Wirkung von 5-HTP?

5-HTP wird meistens aus den Samen der afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia) gewonnen.

Die hohen 5-HTP-Gehalte wurden in den Samen der afrikanischen Pflanze (Griffonia Simplicifolia) entdeckt. Diese Pflanze wurde seit diesem Zeitpunkt überwiegend als Rohstoff genutzt, um isolierte 5-HTP-Präparate herzustellen. Möchte man sich also gezielt mit 5-HTP-Mengen versorgen, so stellen diese Präparate eine sehr gute Lösung dar. 5-HTP kann zudem nicht nur gegen Depressionen, sondern auch gegen Schlafstörungen und Migräne helfen. Of auch typische Erscheinungsformen, die bei einer Depression auftreten.

Einigen Studien zufolge ist 5-HTP genauso wirksam gegen Depressionen wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Antidepressiva. Der Inhaltsstoff ist gegenüber den Antidepressiva deutlich im Vorteil, was auf die sofortige Wirkung direkt nach der Einnahme zurückzuverfolgen ist.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass beide Stoffe in der Wirkung ähnlich sind, aber 5-HTP den klaren Vorteil habe, dass keine schweren Nebenwirkungen auftreten. Es gibt zudem keine problematischen Entzugserscheinungen, wie es bei den meisten Antidepressiva der Fall ist. Die Einnahme von 5-HTP kann daher jederzeit problemlos beendet werden.

Im Journal of Psychopharmacology wurde aufgezeigt, dass täglich 200 mg 5-HTP hilft, Panikattacken bei Frauen zu mindern. Dieser Effekt konnte aber bei Männern nicht gesehen werden.

 

Studien in Zusammenhang mit 5-HTP

Die Wissenschaft hat sich in den letzten 30 Jahren ausgiebig mit der Wirkung von 5-HTP beschäftigt. In der Gesamtheit bestätigen diese Studien die positiven Effekte von 5-HTP auf den menschlichen Organismus. Bei einer dieser Studien in den frühen 70er Jahren zeigten ca. 56 Prozent eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome. Eine weitere Studie behandelte die Wirksamkeit von 5-HTP als natürliches Antidepressivum. Die Probanden nahmen dazu täglich eine Menge zwischen 150 und 300 mg 5-HTP ein. Schon nach einer Woche zeigten bereits 68 Prozent der Patienten positive Reaktionen.

 

Die richtige Dosierung von 5-HTP

Die Gesamtmenge sollte nicht über 300 mg am Tag betragen. Bei Menschen mit starken Angststörungen können in Einzelfällen auch höheren Dosen sinnvoll sein.

Da 5-HTP nach ca. vier Stunden nach der Einnahme vom Körper zur Hälfte bereits wieder aufgebraucht ist, sind mehrere kleinere Dosen über den Tag verteilt sinnvoller als eine große Einzeldosis.

[su_box title=“Beispiel einer Dosierung“]Starte mit einer Dosis von 50mg am Nachtmittag und erhöhe auf 100 mg, wenn Du nach einer Stunde noch keine Besserung spürst. Eine weitere Dosis von 100-150 mg kann dann noch mal zum Abendessen eingenommen werden.[/su_box]

Wenn Du Dich nach einer Woche mit einer Dosis von 300 Milligramm 5-HTP am Tag nicht besser fühlst, solltest Du es stattdessen mit Tryptophan versuchen.

 

Studien besagen: 5-HTP fördert die Schlafqualität

In einer Studie an der Stanford Universität wurde die Auswirkung von 5-HTP auf die Schlafqualität in Bezug der REM-Schlafphasen beobachtet. Hierbei wurde noch einmal deutlich, dass ein stabiler Serotonin-Spiegel ein ausschlaggebender Faktor sowohl für die Einschlafphase als auch für das Durchschlafen ist. Die Resultate zeigten ebenso, dass 5-HTP in unterschiedlicher Dosierung die REM-Schlafphasen verändern kann. Das bedeutet, Menschen mit Schlafproblemen können durch die Einnahme von 5-HTP für eine Verbesserung der Schlafqualität sorgen. Ein maßgebliches Ziel insbesondere für Menschen, die bereits länger Schlafprobleme haben und unter verminderter Leistungsfähigkeit leiden. Denn wie jeder Mensch weiß, ist im unausgeschlafenen Zustand Konzentration und Leistung besonders schwierig. In Verbindung mit Depressionen oder depressiven Verstimmungen kann bereits die Verbesserung der Schlafqualität deutlich spürbare Verbesserungen nach sich ziehen.

 

So dicht stehen Schlaflosigkeit und 5-HTP zusammen

Befragt man drei Personen, so leidet mindestens eine davon unter Schlaflosigkeit oder starken Schlafproblemen. Dazu zählt auch die Unfähigkeit einzuschlafen. Ein typisches Stresssymptom: Der Kopf kann nicht abschalten. Meist sind es Gedanken über die Arbeit und private Sorgen, die den Schlaf verhindern. Kommt es hierbei gleichzeitig zu depressiven Verstimmungen kann es an einem zu niedrigen Serotonin-Spiegel liegen, der als Botenstoff an diesen Prozessen beteiligt ist. Als natürliches Ergänzungsmittel bei Einschlafproblemen kann 5-HTP deshalb durchaus eine Alternative sein.

Grundsätzlich wird der nächtliche Schlaf in unterschiedliche Phasen eingeteilt. Während einer Nacht von ca. sieben Schlafstunden gibt es sieben Phasen, die sich über den gesamten Zeitraum verteilen. Jede einzelne dieser Schlafphasen besteht aus zwei detaillierten Abschnitten. Im ersten Abschnitt reduziert sich das Niveau des Bewusstseins, ein Hypnose ähnlicher Zustand entsteht durch die verlangsamte Gehirnaktivität. Der zweite Abschnitt ist der allgemein bekannte REM-Schlaf, indem wir auch träumen. Der während der Nacht wechselnde Rhythmus erzeugt bis zum Morgen die gewünschte Erholung. Bei Menschen mit Schlafproblemen hingegen sind diese Schlafphasen gestört, und dies ist der Grund warum der nächste Morgen meist unausgeschlafenen beginnt. 5-HTP glättet sozusagen diese Schlafphasen. Dabei wird die Tiefschlafphase deutlich verlängert. Denn genau diese Traumphase ist für die seelische wie körperliche Regeneration entscheidend. Die Anzahl der Schlafstunden wird hingegen nicht erhöht. Solltest Du bisher über einen längeren Zeitraum klassische Schlafmittel eingenommen haben, ist es wichtig, diese nicht abrupt abzusetzen und in fließenden Übergängen mit 5-HTP zu ersetzen.

 

Wie sind die Erfahrungen mit 5-HTP?

Viele Menschen, die 5-HTP eingenommen haben, haben nach einer Woche bereits deutliche Resultate verzeichnen können.

Angstzustände konnten bei betroffenen Personen so stark reduziert werden, dass wieder Mut geschöpft werden konnte. Für andere Menschen hat die Einnahme von 5-HTP ihr Leben radikal geändert. Betroffene Menschen konnten besser einschlafen, mit Stress besser umgehen und sich insgesamt viel besser fühlen.

Weiterhin haben betroffene Personen angegeben, dass sie mit dem ständigen Nachdenken aufgehört haben und sich nicht mehr herumquälen mussten. Stimmungsschwankungen sind komplett verschwunden und das Wohlbefinden konnte durch den steigenden Optimismus ungemein erhöht werden.

 

5-HTP im Vergleich zu Antidepressiva

Da Antidepressiva meist mit schwerwiegenden Nebenwirkungen und dem Risiko zur Medikamentenabhängigkeit einhergehen, liegt es nahe, hier ein natürliches Präparat zu finden.

Da die Aminosäure 5-HTP schon seit längerem für ihre positive Wirkung bekannt ist, wurde eine weitere Studie in die Wege geleitet. Sie behandelte die Therapiemöglichkeit bestimmter Aminosäuren bei der Behandlung einer Depression. Also 5-HTP im direkten Vergleich zu Antidepressiva. Durchgeführt wurde diese Studie an der Psychiatrischen Universitäts-Klinik Basel von Prof. Pöldinger. Seine Überlegung war folgende:

Wenn während einer Depression reduzierte Botenstoffe aufgebaut werden, könnte ein höheres Angebot an Serotonin zu einer vermehrten Bildung des Neurotransmitters führen. Diese Überlegung liegt nahe, da Aminosäuren körpereigene Stoffe sind und vom Organismus gebildet werden können. Ein demzufolge höherer Serotonin-Spiegel, ausgelöst durch 5-HTP, könnte demnach die Symptomatik von Depressionen verbessern und zur Heilung beitragen.

In seiner Studie wurden zwei Gruppen von Patienten mit Depressionen behandelt. Eine Gruppe mit der Aminosäure 5-HTP und eine Gruppe, die das Medikament Fluvoxamin erhielt. Dieses Medikament verstärkte seinerzeit die Wirkung von Serotonin, ohne jedoch den Spiegel zu erhöhen. 5-HTP erhöht den Serotonin-Spiegel. Die Studie verlief über sechs Wochen. Während dieser Zeit wurde die Schwere der Depression an jedem einzelnen Patienten gemessen.

Die Ergebnisse sprachen eine deutliche Sprache. In beiden Gruppen konnte der Schweregrad der depressiven Störung reduziert werden. Die Beschwerdebilder gingen zurück. Ein wichtiges Detail unterschied jedoch die Ergebnisse: Die Gruppe der Patienten, die mit 5-HTP behandelt wurde, hatte deutlich geringere Nebenwirkungen als die Gruppe, die das Anti-Depressivum erhielt.

Oft sind es nur depressive Verstimmungen, die uns das Leben schwer machen. Damit es nicht zu einer langwierigen Depression kommt, kann Dir eine zeitlich begrenzte Einnahme von 5-HTP helfen, über diese depressiven Verstimmungen hinweg zu kommen.

Gerade in lichtarmen Wintermonaten verspüren viele Menschen eine gedämpfte, innere Stimmung. Wenn dann der Alltag schwierig zu bewältigen ist, entstehen schon in kurzer Zeit Schlafprobleme und Depressionen. Auch die Aktivität des Einzelnen wird deutlich gemindert.

Aus eigener Kraft schaffen es viele Menschen nicht, wieder auf die Beine zu kommen. Bei mehreren abnormalen Stimmungen, die Deinen Alltag einschränken, kann die Einnahme von 5-HTP sinnvoll sein.

 

Bedenken bei der Einnahme von 5-HTP

Der Inhaltsstoff 5-HTP hat sehr viele Vorteile. Doch ist kein Inhaltsstoff perfekt. Ich will kurz auf die Mängel von 5-HTP eingehen, auch wenn diese im Vergleich mit den zahlreichen Vorteilen sehr gering sind. Im Vergleich mit 5-HTP kann die Aminosäure sehr leicht über die Ernährung gesteuert werden. Dazu isst man viele Lebensmittel wie Nüsse, Getreide, und Erdnüsse. Beim 5-HTP ist dies allerdings nicht der Fall. Der Stoff ist nämlich in den Lebensmitteln so gut wie gar nicht enthalten.

Weiterhin sollte man auch beachten, dass Antidepressiva mit 5-HTP interagieren. Die Einnahme von 5-HTP mit Antidepressiva lässt den Serotoninspiegel zu stark ansteigen. Dies verursacht schwerwiegende Nebenwirkungen. Es können Herzprobleme, Schüttelfrost und Ängste hervorgerufen werden. Daher sollte man bei der Einnahme von 5-HTP den Stoff nicht einnehmen, wenn während Antidepressiva eingenommen werden.

Eine Überdosierung könnte auch das Serotoninsyndrom auslösen. In diesem Fall wird dem Körper zu viel Serotonin zugeführt. Dadurch verspürt man eine Ruhelosigkeit, Muskelzuckungen, Schüttelfrost, Schwitzen oder Zittern. Das Aufsuchen eines Arztes ist dann dringend zu empfehlen.

[su_note note_color=“#f49893″]Ein zu hoher Serotoninspiegel kann zu ernsthaften Schäden am Herz führen. Daher darf 5-HTP niemals überdosiert werden. Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, nutze lieber L-Tryptophan anstatt 5-HTP. [/su_note]

 

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Es ist bekannt, dass 5-HTP mit zahlreichen Arzneimitteln unerwünschte Wechselwirkungen verursachen kann. Dies gilt insbesondere für Antidepressiva und die sogenannten „Triptane“, welche als Therapie bei Migräneerkrankungen eingenommen werden.

Wenn Du bereits Medikamente zu Dir nimmst, solltest Du die Einnahme von 5-HTP vorher mit einem Arzt abklären. Das gleiche gilt chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck.

Darüber hinaus sollten schwangere und noch stillende Mütter das natürliche Antidepressivum nicht zu sich nehmen. Dasselbe gilt auch für Kinder.

Ich würde Dir raten, Dich zusätzlich selbst gründlich zu informieren, da Du davon ausgehen kannst, dass die meisten Ärzte wenig bis keine Ahnung zum Thema Aminosäuren haben und im Zweifelsfall aus Unwissenheit sogar von der Einnahme abraten.

 

Der Zusammenhang von 5-HTP mit der Aminosäure L-Tryptophan

Auch die Aminosäure L-Tryptophan hat einen guten Ruf bekommen die Stimmung aufzuhellen. Der Inhaltsstoff wurde nicht nur für die Bekämpfung von Depressionen verwendet, sondern auch für die Förderung des Schlafes. Ein guter Serotoninspiegel hat nachts einen gesunden Melatoninspiegel zur Folge. Dies wiederum führte zu einem erholsamen und ungestörten Schlaf. Sicherlich kann jetzt die Vermutung entstehen, dass diese Aminosäure ebenfalls perfekt ist, um Depressionen zu bekämpfen. Allerdings hat 5-HTP gegenüber der Einnahme von L-Tryptophan einige Vorteile.

Was sind die Vorteile von 5-HTP gegenüber L-Tryptophan?

Unter 5-HTP versteht man die direkte Vorstufe des Serotonins. Bei der Aminosäure L-Tryptophan handelt es sich um die Vorstufe von 5-HTP. Hier ist schon der erste wichtige Vorteil von 5-HTP zu erkennen. Es wird ein wichtiger Schritt übersprungen, womit die Serotoninherstellung wesentlich vereinfach und beschleunigt wird. Es ist nämlich gerade der erste Schritt, der sehr kompliziert ist.

Die Umwandlung zu 5-HTP ist kompliziert

Die Umwandlung von L-Tryptophan zu 5-HTP ist nicht ganz so einfach. Es gibt viele Faktoren, welche die Umwandlung beeinträchtigen können. Wenn beispielsweise ein hoher Vitalstoffmangel, ein hoher Stresshormonspiegel oder starke Blutzuckerschwankung vorliegt, dann muss man mit zahlreichen Risikofaktoren rechnen, die eine einfache Serotoninbildung beeinträchtigen können.

Beförderung von L-Tryptophan ins Gehirn oft problematisch

Damit L-Tryptophan im Gehirn zu Serotonin umgewandelt werden kann, muss der Stoff zunächst einmal ins Gehirn transportiert werden. Hier fangen auch schon die ersten Probleme an. Die Aminosäure ist nämlich nicht die einzige Aminosäure, die ins Gehirn will. Es sind viele anderen Aminosäuren schneller, was die Beförderung in das Gehirn angeht. So ist es auch kein Wunder, dass die Aminosäure oftmals auf den letzten Plätzen endet und keinen Platz mehr bekommt.

Es gelangt mehr 5-HTP in den Körper als L-Tryptophan

Die Aminosäure L-Tryptophan ist leider nicht nur für die Bildung von Serotonin zuständig. In der Tat werden nur 3 Prozent der mit der Nahrung aufgenommenen Aminosäure in Serotonin umgewandelt. Im Vergleich ist der Anteil von 5-HTP weitaus höher. Problematisch ist auch, dass Serotonin nicht nur im Gehirn erforderlich ist, sondern auch gebraucht wird für die Gefäße und den Appetit. Somit ist ersichtlich, dass der größte Teil dieser geringen Menge an L-Tryptophan zur Bildung von Körperserotonin eingesetzt wird. Was die Bildung von dem Serotonin für das Gehirn angeht, so bleibt am Ende nicht so viel übrig.

Dagegen wird 5-HTP fast vollständig zu Serotonin umgewandelt

Man kann behaupten, dass fast 100 Prozent von 5-HTP in Serotonin umgewandelt wird. Dadurch erscheint die Einnahme von 5-HTP auch als sehr attraktiv. Es kann der Serotoninspiegel erhöht werden und Depressionen, Stimmungsschwankungen und Ängste vollständig verschwinden.

Die Vorteile von 5-HTP bei Depressionen und Angststörungen im Überblick

  • Renommierte Universitäten und Studien über drei Jahrzehnte bestätigen die Erhöhung des Serotonin-Spiegels
  • Im Vergleich zu Anti-Depressiva entstehen keine Nebenwirkungen
  • Depressionen können leichter behandelt werden
  • Mit 5-HTP kann die Schlafqualität verbessert werden
  • 5-HTP gilt als Nahrungsergänzungsmittel und erfordert kein Rezept. Somit kann es eigenverantwortlich ausprobiert werden.

Quellen

Die 8 größten Irrtümer über Depressionen

1. Eine Depression ist keine Krankheit

Ein überaus gefährlicher Irrtum, der im kollektiven Bewusstsein immer noch fest verankert scheint! Tatsächlich ist eine Depression eine schwere Erkrankung (mit „realer“ biochemischer Grundlage und körperlichen Folgen), die die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Patienten erheblich und dauerhaft einschränken, sowie bis zum Tode führen kann. Man darf keinesfalls den Fehler machen, von den „normalen“ seelischen Höhen und Tiefen, die jeder durchmacht und die meist schnell wieder verschwinden auf den Leidensdruck der Betroffenen zu schließen. Die Idee, dass man sich „nur zusammenreißen muss“ ist grundfalsch und hat noch keinem Depressiven geholfen.

2. Nur Frauen werden depressiv

Statistisch gesehen erkranken Männer ebenso häufig an Depressionen, wie Frauen. Es mag (trotz aller Aufklärungsarbeit) immer noch dem unterschiedlichen Erziehungsstil geschuldet sein, dass Männer größere Schwierigkeiten haben, sich die angebliche „Schwäche“ einzugestehen. Insofern ist es tatsächlich so, dass Männer über einen längeren Zeitraum hinweg bemüht sind, die Symptome zu kompensieren oder zu kaschieren. Ärztliche Hilfe nehmen sie erst vergleichsweise spät in Anspruch, was die Behandlungsmöglichkeiten verringern kann. Es ist wichtig, dass mit Hilfe von Informationen und einer offenen Kommunikationskultur weitere Hilfestellungen geleistet werden, die es Männern wie Frauen ermöglichen, ohne Scham über ihr Leiden zu sprechen.

3. Eine Depression ist Folge einer Charakterschwäche

„Reiß Dich doch einfach zusammen“ ist ein Spruch, den Depressive in unserer Gesellschaft vermutlich nicht selten zu hören bekommen. Eine Depression entwickelt sich aber nachgewiesenermaßen nicht aus irgendeiner übertriebenen Sensibilität oder aus fehlender Selbstkontrolle. Es handelt sich um eine Erkrankung mit einer Vielzahl von umweltbedingten, genetischen und biochemischen Ursachen, die Menschen jeder Gesellschaftsschicht treffen kann. In manchen Fällen tritt sie zunächst in maskierter Form auf und äußert sich dann möglicherweise eher in Aggressivität, einer Burn-Out-Symptomatik oder einer sogenannten agitierten Depression. Letztere präsentiert sich dann in Form einer Hyperaktivität: Betroffenen bemühen sich, Phasen der Reflexion möglichst zu vermeiden.

4. Depressionen sind nicht heilbar

Die Behandlung einer Depression kann in Einzelfällen langwierig sein und erfordert viel Selbstbeobachtung, damit „ungesunde“ Mechanismen der Stressverarbeitung im Alltag erkannt und „abtrainiert“ werden können. Dennoch handelt es sich bei den meisten Formen der Depression durchaus um sehr gut behandelbare und auch heilbare Erkrankungen. Therapiert wird eine Depression üblicherweise mit einem „multimodalen Ansatz“ der eine medikamentöse Therapie mit einer psychotherapeutischen Begleitung verbindet. Diese Behandlungsmethode erzielt insbesondere dann sehr gute Erfolge, wenn sie rechtzeitig eingeleitet wird. In manchen Fällen kann auch ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik eine große erste Hilfestellung bieten, da den Patienten dadurch die Möglichkeit eingeräumt wird zu „entschleunigen“ und ihren Alltagsstress für eine Weile hinter sich zu lassen.

5. Kinder bekommen keine Depressionen

Studien haben gezeigt, dass auch schon Kinder und Jugendliche an Depressionen erkranken können. Oft versteckt sich die typische anhaltende Traurigkeit hier aber zunächst hinter anderen Symptomen, wie Angstzuständen, Aggressivität oder Konzentrationsproblemen. Darüber hinaus können Depressionen im Kindesalter auch auf zugrundeliegende Lernstörungen oder Störungen der sozialen Interaktion hinweisen, die durch andauernde Frustration zu mentalen Problemen führen können. Vorübergehende Stimmungsschwankungen sind unabhängig von der Altersgruppe nichts Ungewöhnliches. Aber (ganz gleich, ob es sich um Kinder, Jugendliche oder Erwachsene handelt): wenn solche Schwierigkeiten länger als 14 Tage andauern, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

6. Antidepressiva machen abhängig

Das stimmt heute nicht mehr, da in den letzten Jahrzehnten viele Präparate auf den Markt gekommen sind, die die früher übliche Langzeitbehandlung mit abhängig machenden Benzodiazepinen (Schlaf- und Beruhigungsmittel) obsolet gemacht haben. Die heute üblicherweise eingesetzten trizyklischen Antidepressiva oder die sogenannten Wiederaufnahmehemmer, die die Spiegel bestimmter Botenstoffe im Gehirn auf erhöhen, führen in der Regel auch bei längerfristiger Einnahme nicht zu einer Sucht. Allerdings ist eine gewisse vorübergehende Absetzsymptomatik bei zu schnellem Weglassen der Medikamente möglich, Antidepressiva sollten deshalb immer „ein- und ausgeschlichen“ werden (das heißt: langsame Dosissteigerung bei Beginn der Einnahme und schrittweise Senkung der eingenommenen Menge bei Abschluss der Behandlung).

7. Eine Depression ist rein psychisch

Ja und nein! Letztlich stehen alle im Körper ablaufenden sogenannten „psychischen“ Prozesse mit Veränderungen im Stoffwechsel des Gehirnes in Verbindung. Insofern ist eine Unterscheidung der Form „rein körperlich“ vs. „rein psychisch“ eigentlich unsinnig. Darüber hinaus gibt es familiäre Prädispositionen für die Entwicklung von Depressionen, die eine Beteiligung von genetischen Faktoren nahelegen. Aktuelle Studien haben auch zeigen können, dass sich Strukturen des Gehirns im Rahmen einer depressiven Erkrankung verändern. Diese Veränderungen können durch Psychotherapie in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung rückgängig gemacht werden.

8. Gut gemeinte Ratschläge helfen

„Gut gemeint“ ist manchmal das Gegenteil von gut . Die Gesellschaft muss dringend ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass eine Depression – ebenso wie jede andere psychische Störung – eine „reale“ Erkrankung ist, für die man sich nicht schämen muss. Empathie von Freunden und Familienmitgliedern ist für den Heilungsprozess förderlich und teilweise überlebenswichtig. Wer einer an Depressionen erkrankten Person wirklich helfen möchte, der sollte vor allem Geduld und ein „offenes Ohr“ mitbringen, sich umfassend informieren und den Betroffenen auf seinem Weg begleiten. Verurteilungen, das Ausüben von Druck oder die Abwertung der Erkrankung bieten den Patienten keine Erleichterung.

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Genetik und Resilienz

Auf Grund der jeweiligen genetischen Ausstattung und der frühkindlichen Bindungserfahrung verfügen Menschen über individuell ganz unterschiedliche Ausprägungen des Faktors „Resilienz“ (psychische Widerstandsfähigkeit). Ob und in welchem Alter Menschen Depressionen entwickeln, hängt also teilweise davon ab, ob sie familiär vorbelastet sind. Gleichzeitig kann aber eine Stabilität innerhalb der Kernfamilie einen deutlichen Nestschutz bieten, der einen Ausbruch der Erkrankung trotz angeborener „Neigung“ zu Depressionen auch noch bis ins Erwachsenenalter verhindern kann.

Checkliste: Depressionen bei Kindern und Jugendlichen erkennen

  • Stimmungsschwankungen
  • Ein- oder Durchschlafstörungen und Probleme mit der Konzentration
  • Deutlicher Leistungsabfall in der Schule
  • Häufiges Weinen oder Gefühle von Traurigkeit
  • Rückzugstendenzen: Begegnung mit Freunden wird zunehmend vermieden
  • Änderung der Essgewohnheiten (etwa mangelnder Appetit)
  • Schulverweigerung
  • Störungen des Sozialverhaltens durch Aggressionen
  • Geringes Selbstbewusstsein

Die genannten Symptome sind allesamt unspezifisch und können Teil einer (von selbst) vorübergehenden Stimmungsproblematik sein. Eltern müssen sich bewusst machen, dass es für die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zwingend notwendig ist, dass sie lernen, Frust und Enttäuschung zu verarbeiten. Wut, Tränen oder Rückzugstendenzen können Teil einer vollkommen gesunden Reaktion sein. Falls die Symptomatik jedoch länger als 14 Tage andauert, besteht jedoch Handlungsbedarf. Ein sofortiges Einschreiten ist selbstverständlich nötig, wenn Kinder oder Jugendliche Selbsstötungsgedanken haben.

 

Atypische Präsentation
Somatisierungstendenzen

Depressionen existieren auch bei Kindern, jedoch sehen die Symptome hier manchmal anders aus als bei Erwachsenen. Die Ursache dafür liegt hauptsächlich darin, dass Kinder noch nicht gelernt haben, ihre seelischen Konflikte als solche wahrzunehmen und die Problematik entsprechend zu kommunizieren. Daher sind Depressionssymptome insbesondere bei Kindern sehr unspezifischer Natur und können sich beispielsweise in Form von Oberbauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Appetitlosigkeit äußern. Dieser Prozess der „Umleitung“ psychischer Probleme auf die körperliche Ebene, wird als Somatisierung bezeichnet. Ebenso treten sogenannte maskierte Depressionen auf, die sich beispielsweise auch in Form von Aggressivität äußern können. Je nach Reifegrad und kommunikativer Kompetenz eines Kindes äußert sich eine depressive Verstimmung häufig aber auch exakt in der selben Form, wie bei Erwachsenen, also als wahrnehmbare Traurigkeit oder Fehlen von Motivation.

 

Die Pubertät als kritische Phase

Durch massive Veränderungen der Nervenbahnen im Gehirn sind Jugendliche anfällig für Stimmungsschwankungen. Eine Unterscheidung zwischen dem potenziell lebensbedrohlichen Krankheitsbild der „Depression“ und den „normalen“ Auswirkungen der Pubertät kann ein schwieriges Unterfangen sein und es ist wichtig, dass Eltern und Ärzte rechtzeitig eingreifen, ohne den Zustand der/des Jugendlichen unnötig zu pathologisieren. Eltern sollten beispielsweise dann aufmerksam werden, wenn die Jugendlichen sich über einen langen Zeitraum hinweg zurückziehen, ein deutlich erhöhtes Schlafbedürfnis zeigen, die Leistungen in der Schule erheblich nachlassen oder liebgewonnene Freizeitgewohnheiten plötzlich keine Attraktivität besitzen. Auch bei Jugendlichen können Aggressionsausbrüche Ausdruck depressiver Verstimmungen sein.

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe sind im Vorschulalter ca. 1% der Kinder und im Grundschulalter ca. 2% betroffen. Etwa 3-10% aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren erkranken an einer Depression.

 

Exogene und endogene Depression

Ursächlich für die Entwicklung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen ist – ähnlich wie bei Erwachsenen – eine Kombination verschiedener exogener und endogener Faktoren. Dabei beschreiben die exogenen Faktoren die Einflüsse, die „von außen“ kommen und sich in Form von zu verarbeitenden traumatischen Erlebnissen (etwa: eigene körperliche Erkrankungen, Verlust von Familienmitgliedern, Mobbing in der Schule oder im Freundeskreis) präsentieren. Die endogenen Mechanismen, die eine Depression fördern, bzw. verursachen können sind ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der hirneigenen Botenstoffe wie Serotonin, sowie die angesprochenen genetischen Vorbelastungen.

 

Frühes Auftreten der Erkrankung

Die Frage, ob man schon im Vorschulalter Depressionen diagnostizieren kann und sollte ist umstritten. Aktuelle Studien kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass das Auftreten der Erkrankung in diesem Alter zwar selten ist, aber durchaus vorkommt. Bedenken muss man dabei jedoch, dass nicht jedes ungewöhnlich ängstliche oder traurige Verhalten gleich eine Depression ist. Die Anzahl an Differentialdiagnosen ist im Kindes- und Jugendalter auch noch relativ groß. Bisher nicht diagnostizierte Lernstörungen oder auch Hochbegabungen können beispielsweise depressive Verstimmungen auslösen, wenn ein Kind konstant über- oder unterfordert ist. Bei Teenagern kommen durch die hormonellen Veränderungen oder die Veränderung des Körperbildes möglicherweise Essstörungen oder soziale Ängste hinzu, die ebenfalls häufig mit Depressionen einhergehen.

 

Mögliche Differentialdiagnosen/Komorbiditäten bei Depressionen im Kindes- und Jugendalter

 

  • Lern- und Leistungsstörungen
  • Störungen des Sozialverhaltens (Formen des Autismus)
  • ADS/ADHS
  • depressive Verstimmung als Folge schulischer Unter- oder Überforderung
  • Störungen des Körperbildes (insbesondere im Jugendalter)
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung (Jugendalter)
  • Generalisierte Angststörung (häufig in Komorbidität mit Depressionen)

 

Therapieansätze

Eine Depression ist eine ernstzunehmende aber relativ gut therapiebare Erkrankung. Ebenso wie im Erwachsenenalter wird bei Kindern und Jugendlichen auf einen multimodalen Therapieansatz zurückgegriffen, der sich durch eine Kombination aus gesprächstherapeutischen Maßnahmen und medikamentöser Hilfe auszeichnet. Der Einsatz von Antidepressiva ist bei Kindern und Jugendlichen selbstverständlich noch kritischer zu betrachten als bei Erwachsenen, da die Folgen eines Eingriffes in das prekäre Gleichgewicht der Neurotransmitter schwer zu kontrollieren sind. Dennoch ist die Gabe von Medikamenten bei Vorliegen einer echten Depression zumindest über einen kurzen Zeitraum zu empfehlen (dabei ist zu beachten, dass es häufig mehrere Anläufe braucht, bis man das richtige Präparat findet und dass die tatsächliche Wirkung erst nach mehreren Wochen spürbar wird).

 

Möglichkeiten der Prävention

Das Auftreten einer Depression im Kindes- und Jugendalter lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit verhindern, aber bei entsprechender Aufklärung ist es möglich, die Symptomatik rasch zu erkennen und Behandlungsschritte einzuleiten. Eine vertrauensvolles Miteinander und ein gewisses Mass an Stabilität innerhalb der Familie vermittelt den Kindern darüber hinaus die notwendige psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz), um mit Krisensituationen umgehen zu können. Falls in der Familiengeschichte bereits Depressionen aufgetreten sind, kann dies einen Hinweis liefern, dass eine genetische Prädisposition vorliegt. Allerdings führt diese Prädisposition nicht notwendigerweise zum Ausbruch der Erkrankung.

 

Quellen

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Groen, Gunter/Petermann, Franz (2011): Depressive Kinder und Jugendliche. (Klinische Kinderpsychologie
Band 6). Göttingen: Hogrefe.

Horn, Hildegard; Geiser-Elze, Annette; Reck, Corinna; Hartmann, Mechthild; Stefini, Annette; Victor, Daniela; Winkelmann, Klaus & Kronmüller, Klaus-Thomas: Zur Wirksamkeit psychodynamischer Kurzzeitpsychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Depressionen. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 54 (2005) 7, S. 578-597.
http://psydok.psycharchives.de/jspui/bitstream/20.500.11780/2863/1/54.20057_4_45838.pdf_new.pdf

Kipman, Ulrike (2013): Psychologische Diagnostik moderierender Persönlichkeitsmerkmale bei Kindern und Jugendlichen
Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) http://www.oezbf.at/cms/tl_files/Publikationen/Veroeffentlichungen/Testverfahren-persoenlichkeit_WEB.pdf#page=140

Rat für Angehörige

 

Bei der Früherkennung helfen

Manchmal beginnen die Arbeit und die Unterstützung durch den Angehörigen schon vor der ärztlichen Diagnose einer Depression. Denn für den Betroffenen selber ist das langsame Hineinrutschen in die tiefe Traurigkeit oft kaum wahrnehmbar. Hier kann es von großem Nutzen sein, wenn man von Menschen umgeben ist, die auf einen achten, ohne gleich „ein Urteil zu sprechen“. Eine Depression beginnt nämlich häufig mit einem sozialen Rückzug, der von außen möglicherweise als Zeichen von Schwäche wahrgenommen wird und den der Betroffene nicht unbedingt „rational“ erklären kann. Besonders wichtig ist eine solche informierte und offene Haltung bei Eltern oder Lehrern: allein auf Grund der fehlenden Kommunikationsmittel kann es einem Kind, das an einer depressiven Episode leidet, schwer fallen, sich den Eltern oder gar anderen Personen anzuvertrauen.

 

Ein offenes Ohr (und Geduld) haben

Empathie bedeutet manchmal einfach nur, dass man seinem Gegenüber zuhört, ohne gleich mit gut gemeinten Ratschlägen „aufzuwarten“. Selbst wenn man glaubt, den Betroffenen gut zu kennen, so ist eine Depression immer eine Ausnahmesituation, die Menschen jeden Charakters treffen kann. Man muss sich darüber bewusst sein, dass das Gegenüber an einer organisch und psychosozial bedingten Krankheit leidet und es ihm oder ihr ebenso wenig wie bei einem Beinbruch möglich ist, die Beschwerden zu ignorieren oder sich „einfach mal zusammenzureißen“. Ebenso wie bei einer chronischen oder langwierigen Erkrankung mit „rein organischer“ Ursache verlieren Freunde und Angehörige aber häufig schnell die Geduld. Bei einer vorübergehenden Störung stattet man gerne Krankenbesuche ab, aber früher oder später ist die Neigung sehr groß, den Kontakt abzubrechen, weil sich soviel „Leid“ nur schwer in den eigenen „Alltag“ integrieren lässt, Es soll hier Freunden und Angehörigen nahegelegt werden, dass ein Mensch mit einer langwierigen Erkrankung – wie einer Depression – dringend eine Begleitung benötigt. Seien Sie der Freund, den Sie im Ernstfall gerne an Ihrer Seite hätten (auch wenn es länger dauert).

 

Die eigenen Grenzen kennen

Das heißt nicht, dass man sich als Freund oder Angehöriger einer an Depressionen erkrankten Person bedingungslos aufopfern sollte, da man sonst Gefahr läuft, selber eine Burn-Out-Symptomatik zu entwickeln. Für Familienangehörige ist es wichtig, auch auf soziale Hilfestellungen zurückzugreifen, die angeboten werden. Dies ist besonders im Rahmen mittelschwerer oder schwerer depressiver Episoden des Partners aktuell, da hier in vielen Fällen zunächst ein stationärer Aufenthalt des Betroffenen empfohlen wird. Diese stationären Aufenthalte in psychosomatischen oder psychiatrischen Kliniken dauern üblicherweise mehrere Monate, da sich die Evaluierung einer psychischen Erkrankung und die Planung der besten Behandlungsoptionen in vielen Fällen nur durchführen lässt, wenn der Patient es schafft, sich zu öffnen. Da verdrängte Traumata häufig die psychosoziale Ursache für die Entwicklung einer Depression oder einer anderen seelischen Erkrankung darstellen, kann diese Aufgabe nur mit ausreichend Zeit bewältigt werden.

 

Rechtzeitig eingreifen – wenn möglich

Selbstmordgedanken oder -versuche kommen insbesondere im Rahmen von mittelschweren, bzw. schweren depressiven Episoden leider gar nicht selten vor. Allerdings ist es für Außenstehende fast unmöglich, die Warnzeichen zu erkennen. Alleine das Bewusstsein, dass eine Gefährdungssituation theoretisch jederzeit eintreten kann, sollte jedoch bei Angehörigen entwickelt sein. Hier ist es ebenfalls wichtig, dass man sich als Erkrankter und als Angehöriger nicht schämt, Hilfe und Beratung von „Dritten“ anzunehmen und authentisch und klar mit dem Betroffenen kommuniziert, ohne diesen zu „bevormunden“. Sprechen Sie auch als Angehöriger ehrlich über ihre Ängste und machen Sie ihrem Gegenüber möglichst deutlich, dass er/sie für Sie auch in Zeiten der „Schwäche“ wichtig ist.

 

Wenn es Kinder (oder Jugendliche) trifft

Wenn das eigene Kind an Depressionen leidet, neigt man häufig zu „Fehlreaktionen“. Stimmungstiefs werden in diesem Alter in manchen Fällen banalisiert; es kann aber auch vorkommen dass Eltern „überempfindlich“ reagieren. Als Mutter oder Vater sollte man sich bewusst machen, dass professionelle Hilfe notwendig ist falls die Episode länger als 2 Wochen andauert. Man muss ebenfalls wissen, dass sich Depressionen in diesem jungen Alter häufig atypisch präsentieren und dass hier zum Beispiel eine Schmerzsymptomatik im Vordergrund stehen kann. Ist eine Depression nach Ausschluss aller anderen möglichen Ursachen schließlich diagnostiziert, kann man dem Kind helfen, indem man offen (aber nicht „aufdringlich“) über Ängste redet, mögliche Stressfaktoren im Alltag reduziert und dem Kind die Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Begleitung klar macht. Zu einem Vertrauensverhältnis gehört es aber selbstverständlich auch, dem Kind im Zweifel einen Wechsel des Therapeuten zu „erlauben“. Nicht immer stimmt die „Chemie“ und es soll dem Kind ja möglich sein, sich zu öffnen.

Bei Jugendlichen kann die Situation noch schwieriger sein, da eine gewisse Abwehr- und Abgrenzungstendenz im Rahmen der Pubertät ganz „normal“ ist. Üblicherweise gehen aber auch in diesem Alter Vorlieben und Interessen an bisher mit Freude ausgeübten Tätigkeiten nicht gleich völlig verloren. Eltern sollten wissen, dass ein gewisser Rückzug „gesund“ sein kann, dass bei einem persistieren dieser Symptomatik jedoch auch Unterstützung gesucht werden sollte. Das Jugendalter ist eine Zeit, in der auch das Mobbing in der Schule zunehmen kann – insofern sind Vorsicht und Unterstützung geboten. Die Eltern sind dann auch gefragt, wenn es um das „Durchhalten“ der (im Minimum) wöchentlich stattfindenden Therapiesitzungen geht.

 

Co-Depression

Im Rahmen von Suchtverhalten sind Phänomene der Co-Abhängigkeit beschrieben worden, die sich darin äußern, dass man auch als „Nicht-Betroffener“ in ein selbstschädigendes Verhalten hineingezogen wird, da es einem nicht möglich ist, die entsprechende Distanz zu wahren. Ähnliche Auswirkungen können auch in Familienverbänden beobachtet werden, in denen ein Mitglied an einer Depression erkrankt ist. Häufig kommt es hier zu ausgeprägten Schuldgefühlen, da die Familie oder der Partner (fälschlicherweise) glauben, für das Leid des Betroffenen zumindest mitverantwortlich zu sein. Selbstverständlich ist während depressiver Phasen ein normaler Alltag innerhalb der Familie kaum aufrecht zu erhalten. Personen, die an Depressionen leiden, verlieren das Interesse an Dingen, die früher Spass gemacht haben. Die Familienmitglieder sollten versuchen, den Betroffenen zu motivieren, ohne selber zum Therapeuten zu „mutieren“, was manchmal ein „Drahtseilakt“ ist. In einer Beziehung kann das depressive Gegenüber die Wünsche des Partners kaum mehr wahrnehmen oder erfüllen; Die Freude an Intimität oder sexuellem Kontakt geht üblicherweise deutlich zurück. Innerhalb einer in gewissem Sinne von Depression geprägten Partnerschaft muss man also darauf achten, dass man nicht selber pathologische Rückzugstendenzen entwickelt.

Folgen der Depression

Auswirkungen und Folgen einer Depression

Bei rechtzeitiger Diagnose, passender medikamentöser Behandlung und psychologischer Begleitung ist eine Depression heute eine gut therapierbare Erkrankung. Dennoch ist die Situation der Betroffenen auf Grund einer starken Einschränkung der Lebensqualität und einer möglichen Lebenszeitverkürzung (Suizidalität) überaus ernst zu nehmen. Insbesondere eine nicht oder nur unzureichend behandelte depressive Episode kann erhebliche (negative) berufliche, medizinische und soziale Auswirkungen haben und die Erkrankten insbesondere in Verbindung mit Begleitfaktoren – wie beispielsweise einer generalisierten Angststörung – im Schlimmsten Fall in die Frührente führen.

Soziale Isolierung

Da die Krankheit „Depression“ gesellschaftlich immer noch mit einem Stigma besetzt ist, haben Betroffene häufig das Gefühl, von ihrem sozialen Umfeld nicht verstanden zu werden. Wenn man es zum wiederholten Male nicht schafft, einer „scheinbar“ vergnüglichen Freizeitaktivität mit Freunden nachzugehen, wird man als Person schnell isoliert. Dieses „Verlassenwerden“ ist ein Mechanismus, mit dem sich auch viele andere chronisch Erkrankte auseinandersetzten müssen, jedoch ist dieser Effekt im Rahmen psychischer Beeinträchtigungen schwerer zu ertragen, da die typischen Symptome oder Begleiterscheinungen sich hier deutlich verstärken können. Die für eine Depression kennzeichnende „Selbstverurteilung“ kann durch die hinzukommende soziale Ausgrenzung zwanghaft werden oder eskalieren.

Auswirkungen auf die (berufliche) Leistungsfähigkeit

Eine Depression ist zwar gut behandelbar, dennoch ist der Leidensdruck der Betroffenen auch bei schneller Diagnose häufig sehr groß und es vergeht ein längerer Zeitraum, bis eine Stabilisierung eintritt. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die üblicherweise im Rahmen depressiver Episoden verschriebenen Medikamente – wie beispielsweise die sogenannten „Wiederaufnahmehemmer“ – meistens erst nach einigen Wochen die gewünschte Wirkung zeigen. Da Patienten auch individuell sehr unterschiedlich auf diese Präparate reagieren, die in die den Stoffwechsel des Gehirns eingreifen, muss der behandelnde Arzt manchmal mit verschiedenen Wirkstoffen experimentieren – auch um unerwünschte Effekte zu vermeiden. Die Wartezeiten auf eine Gesprächstherapie, die Teil des multimodalen Behandlungskonzeptes ist, das bei Depressionen Hilfe verspricht, sind häufig ebenfalls sehr lang.

Da die Erkrankung Menschen insbesondere in ihrer Motivation, ihrer Stimmung und ihrer Tatkraft einschränkt, ist es für Patienten fast unmöglich, ihren „normalen“ Tagesablauf zu bestreiten. Ein fehlendes Verständnis für das Krankheitsbild „Depression“ erschwert die Situation. Insbesondere bei mittelschweren bis schweren Depressionen wird daher auch häufig ein stationärer Behandlungsversuch in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik angeraten, da der Patient nur in einem solchen geschützten Rahmen die Möglichkeit hat, aus dem nicht mehr zu bewältigenden Alltag vorübergehend „auszusteigen“.

„Körperliche“ Auswirkungen

Bei einer Depression handelt es sich nicht um eine rein psychische Erkrankung (und es ist – nebenbei gesagt – auch bei anderen Störungen fraglich, ob die Unterscheidung in psychisch/physisch überhaupt jemals so klar zu treffen ist). Eine Depression kann daher schwerwiegende Auswirkungen auf unterschiedliche Organbereiche haben, zu denen beispielsweise das Herz- Kreislaufsystem und die körpereigene Immunabwehr zählen. Im Rahmen depressiver Episoden können die Stresshormone im Blut deutlich ansteigen und chronische Entzündungsprozesse auslösen, die auf Dauer und in Verbindung mit anderen Risikofaktoren zu einer Arteriosklerose, d.h. zu Ablagerungen in den Gefäßen führen.

Solche Entzündungsprozesse im Körper können die Entstehung bösartiger Erkrankungen im menschlichen Organismus begünstigen, bzw. eine bestehende Krebserkrankung verschlimmern. Das bedeutet zwar nicht, dass eine Depression die alleinige Ursache für die Entstehung eines Tumors darstellt, jedoch erhöht die Auswirkung die immunologischen Beeinträchtigung die statistische Wahrscheinlichkeit eine solche Erkrankung zu entwickeln.

Die Folgen atypischer Depressionen

Es ist wissenschaftlich umstritten, ob das Phänomen der „male depression“ tatsächlich existiert und ob sich die Erkrankung bei Frauen und Männern tatsächlich so stark unterscheidet. Immer wieder wird aber betont, dass das „starke Geschlecht“ die negativen Gefühle stärker ignoriert und unterdrückt, während Frauen eher bereit sind, sich für eine mögliche Behandlung zu öffnen. Statistisch gesehen werden Männer schneller aggressiv als Frauen, so dass die Aggression auch ein Mechanismus ist, Form derer sich eine „male depression“ äußern könnte. In diesem Sinne ist es denkbar, dass an Depression erkrankte Männer in manchen Fällen in Form von Straftaten auffällig werden. Auch hier ist eine weitergehende Forschung und Aufklärung notwendig.

Sven M. Piepenburg, Georg Ertl, Christiane E. Angermann (2016): Depression und Herzinsuffizienz – eine gefährliche Kombination/Depression and heart failure – a dangerous combinationIn: Dtsch med Wochenschr; 141(17): 1222-1227.

Ulfert Hapke; Ulrike Maske; Christa Scheidt-Nave; Liv Bode; Robert Schlack; Markus Busch: Chronischer Stress bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 56 (5/6). S. 749-754

Diagnose

Die Diagnose von Depressionen

Depressionen sind ernstzunehmende Erkrankungen, deren Behandlungserfolg auch stark davon abhängt, ob eine zeitnahe Diagnose erfolgt. Da die auftretenden Symptome unspezifisch sind und damit auch auf zahlreiche weitere Erkrankungen hinweisen können, ist es selbst für erfahrene Mediziner schwierig die Beschwerden korrekt zuzuordnen. Gleichzeitig muss betont werden dass die Diagnose „Depression“ durchaus auch eine Fehldiagnose sein kann, da beispielsweise eine Unterfunktion der Schilddrüse zu Erschöpfung, einer Antriebsschwäche und einer gedrückten Stimmung führen kann, die eine Depression „imitieren“; letztere kann jedoch mit Hilfe der Gabe von Jod und/oder Hormonen relativ einfach wieder beseitigt werden kann.

Depression vs. Stimmungstief

Wesentlich ist also, dass beim Verdacht auf das Vorliegen einer Depression zunächst einmal ausgeschlossen wird, dass es sich um eine „normale“ vorübergehende Stimmungsstörung handelt, oder dass es eine „körperliche“ Ursache für die Beschwerden gibt. Üblicherweise landet man also als Patient zunächst beim Hausarzt, der mit einer einfachen Blutentnahme häufig schon einen Hinweis auf möglicherweise bestehende Probleme gewinnen kann. Unabhängig von der Altersgruppe des Patienten ist es beispielsweise sinnvoll, die Entzündungswerte im Blut zu analysieren, nach den Spiegeln der Schilddrüsenhormone zu schauen und die Eisenwerte zu kontrollieren. Falls sich hier keine Hinweise auf eine Anämie, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder entzündliche Prozesse finden, ist es sinnvoll, die Symptome erneut in Hinsicht auf möglicherweise vorliegende Depression zu evaluieren.

 

Neurologische Kontrollen

Allerdings ist immer noch Vorsicht geboten. Entscheidend ist auch eine Kontrolle des neurologischen Status. Bei Vorliegen von Ausfällen, d.h. Auffälligkeiten, wie Sensibilitätsstörungen oder Einschränkungen der Motorik (etwa im Bereich der Augen) muss dringend auch eine Abklärung von neurologischer Seite erfolgen, da Müdigkeit, Schwäche und eine gedrückte Stimmung dann auch auf eine beginnende Multiple Sklerose oder (in höherem Alter) auf ein sich entwickelndes Parkinsonsyndrom hinweisen können. In fortgeschrittenen Lebensalter muss der Arzt darüber hinaus vorsichtig mit einer zu schnellen Alzheimer-Diagnose sein. Eine vorliegende Depression wird nicht selten für eine beginnende Demenz gehalten.

Der Psychiater als Ansprechpartner

Eine rein körperliche Ursache der Beschwerden lässt sich nicht immer vollständig ausschließen; nach Kontrolle der oben genannten Parameter und nach weiterer Befragung des Patienten ist eine Überweisung an einen Psychiater sinnvoll, der über die geeigneten Methoden verfügt, das Vorliegen einer Depression zu bestätigen oder auszuschließen. Häufig wird der Unterschied zwischen Psychiatern und Psychotherapeuten missverstanden. Ein Psychiater hat Medizin studiert und sich auf den Bereich Neurologie/Psychiatrie spezialisiert. Ein Psychologe oder Psychotherapeut hat Psychologie studiert und bietet Gesprächstherapie an. Im Gegensatz zum Psychotherapeuten kann der Psychiater Medikamente verschreiben und er ist auch der erste Ansprechpartner, wenn es um die Vermittlung von Therapieplätzen geht.

Im Rahmen der Diagnostik hält sich der an die weltweit gültigen und statistisch evaluierten Angaben der International Classification of Diseases (ICD). Die folgenden Hauptsymptome geben dabei einen Hinweis auf ein mögliches Vorliegen einer leichten, mittelschweren oder schweren Depression:

(1) eine über einen längeren Zeitraum andauernde gedrückte Stimmung UND/ODER
(2) Verlust von Interesse UND/ODER
(3) Erschöpfung oder Energiemangel

Wenigstens eines dieser Symptome muss über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen fast täglich/fast ununterbrochen auftreten, damit eine depressive Episode diagnostiziert werden kann. Bei dauerhaftem Vorliegen von mindestens einem der genannten Beschwerden, wird der behandelnde Arzt folgende Nebensymptome abfragen:

(1) Schlafstörungen
(2) Störungen der Konzentration oder Unentschlossenheit
(3) Geringes Selbstbewusstsein
(4) verringerter oder gesteigerter Appetit
(5) Suizidgedanken oder Suizidversuche
(6) Erregtheit oder Bewegungsverlangsamung
(7) Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe

Für die Diagnose einer leichten Depression müssen mindesten vier der oben genannten Symptome vorliegen (davon mindestens eines der Hauptsymptome). Gibt der Betroffene vier bis sechs der oben genannten Beschwerden an, leidet er an einer mittelschweren Depression, beim Vorliegen von mehr als sechs der genannten „Signale“ wird von einer schweren depressiven Episode ausgegangen.

Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Je nach Schweregrad der Episode kann der Psychiater den Versuch einer medikamentösen Behandlung starten und den Betroffenen an einen Psychotherapeuten vermitteln. Manchmal ist die Einweisung in eine stationäre Therapie in einer psychosomatischen und psychiatrischen Klinik der richtige Schritt, da dem Patienten so die Möglichkeit gegeben wird, die Stressfaktoren des Alltags zumindest vorübergehend hinter sich zu lassen. Außerdem kann der Beginn der medikamentösen Therapie so auch unter ständiger ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Quellen:

AM Möller-Leimkühler DFP – Depression bei Männern- eine Einführung- Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2010; 11 (3), 11-20
http://www.kup.at/kup/pdf/9154.pdf

Bettina Gerste und Christiane Rock (2014) : Prävalenz und Inzidenz sowie Versorgung depressiver Erkrankungen in Deutschland – Eine Analyse auf Basis der in Routinedaten dokumentierten Depressionsdiagnosen. In: Versorgungsreport 2013/2014: Schwerpunkt: Depressionen. Stuttgart: Schattauer(S. 21-54)

Roselinde H. Kaiser (2017): Neurocognitive Markers of Depression. In: Biological Psychiatry 81 (4) S. 29-31

https://www.aerzteblatt-sachsen-anhalt.de/ausgabe/fachartikel/53-fachartikel-01-2013/89-therapieresistente-depressionen.html

Ursachen

Ursachen von Depressionen

Die Entstehung einer depressiven Episode kann grundsätzlich nicht auf eine alleinige Ursache zurückgeführt werden und sie unterscheidet sich dadurch von „mechanischen“ körperlichen Störungen, wie etwa einem Beinbruch. Während die Suche nach möglichen Auslösern der Erkrankung immer noch Teil der gegenwärtigen Forschung ist, sind sich die Mediziner heute einig, dass sowohl Umweltfaktoren und „äußere“ Einflüsse als auch eine neurologische, bzw. genetische Veranlagung eine Rolle spielen. Die Frage, ob es sich bei einer Depression um eine körperliche oder eine psychische Erkrankung handelt, ist damit ebenfalls nicht einseitig zu beantworten.

Psychisch oder organisch?

Möglicherweise ist die Unterscheidung psychisch/organisch angesichts der aktuellen Ergebnisse der neurologischen Forschung irreführend. Eine Depression ist ganz klar mit einem veränderten Stoffwechsel im Gehirn verbunden. Spannender Weise verbessert sich die Zusammensetzung der Botenstoffe aber nicht nur im Rahmen eines medikamentösen Eingriffes, sondern auch unter Einsatz einer Gesprächstherapie. Die psychosoziale Seite und die neurobiologische Seite des Krankheitsbildes „Depression“ hängen also sehr eng zusammen und bilden sozusagen zwei Seiten der selben Medaille.

In diesem Zusammenhang ist auch zu betonen, dass die Unterscheidung zwischen einer endogenen, bzw. exogenen Depression – wie sie früher recht häufig getroffen wurde – heute grundsätzlich veraltet ist. In dieser Begrifflichkeit beschrieb der Ausdruck „exogen“ eine depressive Episode, die auf Umwelteinflüsse zurückzuführen war, während die endogene Depression als anlagebedingt zu betrachten war. Heute weiß man, dass genetische, bzw. neurobiologische Faktoren immer Teil der Erkrankung sind, dass diese aber nur zum Ausbruch kommt, wenn bestimmte Stressfaktoren als Auslöser dazu treten. Zu solchen Auslösern gehören Situationen, wie beispielsweise Todesfälle in der Familie, schwere eigene Erkrankungen, Stress in zwischenmenschlichen Beziehungen oder Mobbing am Arbeitsplatz. Eine Person, die auf Grund ihrer genetischen Ausstattung keine Neigung zu Depressionen hat, kann mit einer großen Zahl der genannten Faktoren umgehen, ohne jemals eine depressive Episode zu entwickeln. Die Begriffe „genetisch“ oder „erblich“ dürfen hier aber nicht missverstanden werden. Auch wenn jemand aus einer Familie kommt, in der bereits Depressionen aufgetreten sind, kann man keine prozentual keine genauen Angaben über die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs der Erkrankung machen. Vererbt wird eben nicht die Erkrankung selber, sondern lediglich eine gewisse Neigung dazu.

Neurobiologische Ursachen

Die Zusammensetzung der sogenannten Neurotransmitter im Gehirn ist mitverantwortlich für die Entstehung einer Depression und auch im Rahmen einer bereits diagnostizierten Erkrankung kann bei den Patienten mit Hilfe von Methoden, wie der funktionellen Kernspintomographie, eine Veränderung des entsprechenden Stoffwechsels beobachtet werden. In vereinfachter Form wird gerne gesagt, ein „Mangel“ des Glückshormones Serotonin sei für Depressionen verantwortlich. Ganz so einseitig ist es aber nicht. Vielmehr ist das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure im Gehirn überaus komplex und es sind meistens mehrere Botenstoffe, die im Rahmen einer Depression ins Ungleichgewicht geraten. Der Großteil der antidepressiv wirkenden Medikamente greift allerdings tatsächlich besonders in den Stoffwechsel des Neurotransmitters Serotonin ein. Aber auch das sogenannte Noradrenalin steht häufig im Zentrum einer medikamentösen antidepressiven Therapie. Seine Funktion wird mit dem emotionalen Antrieb eines Menschen in Zusammenhang gebracht, der im Kontext depressive Störungen häufig sehr stark beeinträchtigt ist. Neuere Antidepressiva – wie der Wirkstoff Buproprion – hemmen teilweise auch die Wiederaufnahme von Dopamin und halten dadurch den Spiegel des entsprechenden Stoffes ausreichend hoch. Das Dopamin ist Teil des sogenannten „Belohnungssystems“ im Gehirn und Wiederaufnahmehemmer, die auf dieses Hormon ausgerichtet sind, sollen insbesondere eine Stimmungsstabilität gewährleisten.

Psychosoziale Ursachen

Die psychosozialen Auslöser einer Depression hängen sehr stark von der Altersgruppe der Betroffenen ab. Depressionen treten auch schon bei Kindern und Jugendlichen auf und müssen hier sehr ernst genommen werden. Die umweltbedingten Ursachen für Depressionen in dieser Altersgruppe sind hauptsächlich in Traumata innerhalb der Familie oder in Bindungsstörungen zu den Eltern zu suchen. Insbesondere bei Kindern, die zusätzlich an Lernstörungen leiden, die schüchtern sind oder sonst irgendwie „auffallen“, kann es schnell zu Konflikten mit anderen – scheinbar „stärkeren“ – Mitschülern kommen, so dass die Schule hier einen sehr hohen Stresspegel erzeugen kann. Bei Jugendlichen strukturiert sich das Gehirn praktisch vollkommen neu und die „Vulnerabilität“ – also die Verletzlichkeit – ist in diesem Alter sehr hoch. Kommt darüber hinaus eine erbliche Veranlagung hinzu, kann es schnell zu einer depressiven Episode kommen, die dann in vielen Fällen mit der Schul- oder Ausbildungslaufbahn kollidiert. Im Erwachsenenalter sind es insbesondere Beziehungskonflikte, berufliche Unzufriedenheit oder körperlich schwere Erkrankungen (etwa Krebs) die zu einer dauerhaften Stimmungsstörung führen, bzw. diese in Verbindung mit der entsprechenden genetischen Veranlagung auslösen. Die Depression ist also in jedem Fall eine multifaktorielle Erkrankung und kann damit nicht auf eine alleinige Ursache zurückgeführt werden.

Quellen:

Jacqueline Schwartz; Martin Neukirchen; Marie-Christine De Vilder; Beate Hornemann; Carolin Wolf; Jan Gärtner; Michael Thomas: SOP – Depression und Angst in der Palliativmedizin. In: Der Onkologe 23 (9), S. 756-763.

M. Berger; C. Schneller; W. Maier (2012): Arbeit, psychische Erkrankungen und Burn-out.Konzepte und Entwicklungen in Diagnostik, Prävention und Therapie. In: Der Nervenarzt 83 (11), S. 1364-1372.

Naoi, M., Maruyama, W. & Shamoto-Nagai, M. (2017): Type A monoamine oxidase and serotonin are coordinately involved in depressive disorders: from neurotransmitter imbalance to impaired neurogenesis.In: Journal of Neural Transmission.

Symptome

Symptome von Depressionen – Die Notwendigkeit einer „körperlichen“ Abklärung

Eine Depression ist eine sehr ernsthafte Erkrankung, die von vorübergehenden Stimmungsschwankungen abgegrenzt werden muss. Es gibt verschiedene Indikatoren, die nahe legen, dass jemand an der entsprechenden Störung leidet; eine Diagnose kann aber natürlich nur in der Zusammenschau und von einem Experten (d.h. Psychiater oder Psychotherapeut) gestellt werden. Einzeln betrachtet können die auftretenden Symptome ebenso auf eine Vielzahl anderer Erkrankungen hinweisen; beispielhaft wäre dafür etwa (besonders bei Personen ab 60) eine beginnende Parkinson-Erkrankung, die auf Grund der bestehenden Antriebslosigkeit sehr häufig mit einer Depression verwechselt wird. Ähnliches gilt für eine Schilddrüsenunterfunktion, die den Betroffenen unbehandelt auch in eine gedrückte Stimmung verfallen lässt. Aus diesem Grund ist eine genaue Abklärung möglicher „körperlicher“ Ursachen immer zwingend notwendig.

 

„Normale“ Stimmungsschwankung oder „Depression“?

Typischerweise zeigt sich eine echte Depression in einer gedrückten Stimmung, die von einem Interessenverlust und einer ausgeprägten Antriebslosigkeit begleitet wird. Die genannten Beschwerden verschwinden nicht „von alleine“ wieder, sondern bleiben über einen langen Zeitraum hinweg bestehen. Bei stark ausgeprägter Symptomatik kann es zu einer „Kompensation“ in Form von übertriebener Aktivität oder einem Missbrauchs von Suchtmitteln kommen, was dazu dienen soll, das Gefühl der „inneren Leere“ in irgendeiner Form zu kompensieren. Die Betroffenen sind nicht mehr in der Lage, positive Emotionen zu empfinden und es kann zu Suizidgedanken oder -versuchen kommen. Manchmal beginnt eine Depression auch „untypisch“, da bei manchen Menschen eine Tendenz dazu besteht, seelische Konflikte auf den eigenen Körper zu projizieren. Dieser Prozess wird als Somatisierung bezeichnet und er führt dazu, dass reale körperliche Beschwerden entstehen, für die es aber keine erkennbare organische Ursache gibt.

 

Die Depression in der International Classification of Diseases (ICD)

In der sogenannten International Classification of Diseases (ICD) – einer regelmäßig aktualisierten internationalen Aufstellung aller bekannten Krankheitsbilder und ihrer Symptome – werden die leichten, mittelschweren und schweren Depressionen unter den Ziffern F32.0 – F32.3 aufgeführt, wobei es sich bei der letzten Ziffer um schwere Formen der Depression handelt, die von psychotischen Symptomen (also etwa „Halluzinationen“) begleitet werden. Der ICD, der ein Standardwerk darstellt, auf das Mediziner weltweit zurückgreifen, listet folgende drei Hauptsymptome von Depressionen auf:

(1) dauerhaft gedrückte Stimmung UND/ODER
(2) Unfähigkeit, Freude oder Interesse zu empfinden UND/ODER
(3) Mangel an Energie und Erschöpfung

Eine Depression liegt vor, wenn mindestens eines der genannten Symptome über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen vorliegt und wenn die Betroffenen einen Großteil der Zeit (fast) täglich unter einem oder mehreren der genannten Beschwerden leiden. Darüber hinaus bestehen bei einer Depression immer auch „sekundäre“ Beschwerden, die ebenfalls sehr stark ausgeprägt sein können und mit Hilfe derer ein Arzt auch den Schweregrad der Störung einschätzen kann. Der ICD zählt folgende „Nebensymptome“ auf:

(1) Schlafstörungen
(2) Störungen der Konzentration und /oder Unentschlossenheit
(3) Verringerung des Selbstwertgefühls
(4) verminderter oder verstärkter Appetit
(5) Suizidgedanken- oder versuche
(6) Agitiertheit oder Verlangsamung von Bewegungsabläufen
(7) Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe

Der Schweregrad der Erkrankung wird an Hand der oben genannten 10 Haupt- und Nebensymptome in folgender Weise bestimmt:

Weniger als vier der genannten Symptome = es liegt keine Depression vor
Vier der genannten Symptome = es besteht eine leichtgradige Depression
Fünf bis sechs der aufgeführten Symptome = es liegt eine mittelschwere Depression vor
Mehr als sechs der aufgeführten Symptome = der Betroffene leidet an einer schweren Depression

 

Wahnhafte Depressionen

Bei schweren depressiven Episoden können auch Zwangsgedanken und Halluzinationen auftreten. Die Betroffenen fühlen sich verfolgt, hinterfragen ihr eigenes Verhalten unablässig und finden keinen Ausweg aus ihrem „Gedankenkarussell“. Bei einer solch ausgeprägten Form der Depression benötigen die betroffenen eine sofortige Hilfe in Form von antidepressiv und antipsychotisch wirkenden Medikamenten, da hier die Gefahr einer Selbsttötung besonders hoch ist. Tatsächlich können Suizidversuche oder zumindest Suizidgedanken unabhängig vom Schweregrad einer Depression auftreten und man muss sich immer im Klaren darüber sein, dass die Erkrankung potenziell lebensbedrohlich ist.

 

Somatisierung – Körperliche Symptome als Signal der Psyche

Im Falle eines Somatisierungsprozesses („Soma“ = griechisch für Körper) stehen physische Beschwerden im Mittelpunkt der primär „seelischen“ Erkrankung. Dies ist insbesondere bei Kindern häufig der Fall, da diese noch nicht gelernt haben, ihre (negativen) Emotionen entsprechend zu artikulieren. Aber auch bei Erwachsenen, die sich die scheinbare Schwäche einer depressiven Episode nicht eingestehen wollen, kommt eine solche „Umleitung“ auf den Körper vor. Letztlich äußert sich eine Depression in verschiedenen kulturellen Kontexten auch in jeweils unterschiedlicher Form. In manchen Kulturen ist das Reden über (negative) Gefühle eher „verpönt“, so dass sich die „Traurigkeit“ einen anderen Kanal suchen muss. Bei den zu beobachtenden physischen Präsentationsformen einer Depression handelt es sich häufig um eine Schmerzsymptomatik (Kopf- oder Rückenschmerzen), es treten aber auch Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen, Erregtheit oder ein Libidoverlust auf. Der sehr typische Appetitverlust, bzw. die – seltener auftretende – Steigerung des Appetits wurden oben bereits erwähnt.

 

Male Depression

Studien konnten zeigen, dass Männer ebenso häufig an Depressionen erkranken, wie Frauen. Auf Grund eines immer noch stark in unserer Gesellschaft verankerten traditionellen Rollenbildes („ein Indianer kennt keinen Schmerz“), äußert sich die Erkrankung bei Männern aber häufig in einer atypischeren Form. Kennzeichnend für die „Male Depression“ sind eher eine Burnout-Symptomatik, ein aggressives Verhalten oder eine „Flucht“ in den Missbrauch von Suchtmitteln (insbesondere Alkohol). Hier muss noch ein großes Mass an Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit Frauen und Männer erkennen, dass eine Depression eine Krankheit ist und damit auch nichts für das man sich schämen müsste oder sollte.

 

Quellen:

https://www.gpnotebook.co.uk/simplepage.cfm?ID=x20091123152205182440

Eiko I.Frieda, Sacha Epskamp, Randolph M. Nessec, Francis Tuerlinck, Denny Borsboomb (2016): What are ‚good‘ depression symptoms? Comparing the centrality of DSM and non-DSM symptoms of depression in a network analysis. In: Journal of Affective Disorders, Volume 189, Pages 314-320
https://ppw.kuleuven.be/okp/_pdf/Fried2016WAGDS.pdf

Oliffe, J.L., Ogrodniczuk, J.S., Gordon, S.J. et al. (2016): Stigma in Male Depression and Suicide: A Canadian Sex Comparison Study Community Ment Health J 52: 302.

Was ist eine Depression?

Ursachen für eine Depressionen

Im Gegensatz zu organischen Erkrankungen, wie beispielsweise einem gebrochenen Bein, lässt sich eine depressive Episode nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Stattdessen gibt es eine große Zahl von Faktoren, die zusammenwirken müssen, damit eine solche Erkrankung sich entwickelt. Kurz zusammengefasst ist eine Depression eine über mindestens 2 Wochen fast ununterbrochen anhaltende Störung der Stimmung, die sich in Antriebslosigkeit, Traurigkeit und dem Verlust von Interesse an sonst favorisierten Aktivitäten zeigt. Hinzu kommen Nebensymptome, wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Unruhe. Keinesfalls darf man eine Depression mit einem vorübergehenden Stimmungstief verwechseln, das wohl jeden Menschen mal treffen kann. Eine Depression ist eine sehr ernsthafte Erkrankung mit potentiell tödlichem Ausgang (die Selbstmordgefährdung kann hoch sein).

Die Diagnosekriterien des ICD

Der behandelnde Allgemeinarzt oder Psychiater wird sich bei der Diagnostik im Rahmen des Patientengespräches an die statistisch validierten (also „bestätigten“) Angaben der International Classification of Diseases (ICD) halten. In der folgenden Auflistung sollen die Hauptsymptome- oder Kriterien angegeben werden, die einen Hinweis auf ein mögliches Vorliegen einer leichten, mittelschweren oder schweren Depression bieten können:

(1) eine über einen längeren Zeitraum andauernde gedrückte Stimmung UND/ODER
(2) Verlust von Interesse UND/ODER
(3) Erschöpfung oder Energiemangel

Für die Diagnose „Depression“ muss mindestens eines der genannten Merkmale über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen fast täglich/fast ununterbrochen auftreten. Bei dauerhaftem Vorliegen von mindestens einem der genannten Beschwerden, wird der Mediziner im Patientengespräch folgende Nebensymptome abfragen:

(1) Schlafstörungen
(2) Störungen der Konzentration oder Unentschlossenheit
(3) Geringes Selbstbewusstsein
(4) verringerter oder gesteigerter Appetit
(5) Suizidgedanken oder Suizidversuche
(6) Erregtheit oder Bewegungsverlangsamung
(7) Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe

Bei Vorliegen von vier der oben genannten Symptome (davon mindestens eines der Hauptsymptome), geht der behandelnde Arzt von einer leichten depressiven Episode aus.. Gibt der Betroffene vier bis sechs der oben genannten Beschwerden an, hat er n eine mittelschweren Depression. Leidet der Patient an mehr als sechs der genannten „Merkmale“ muss man von einer schweren depressiven Episode ausgehen.

 

Neurobiologische Faktoren

Obwohl eine Depression als psychische Erkrankung beschrieben wird, liegen ihr immer sowohl neurobiologische Faktoren, wie auch Umwelteinflüsse zugrunde. Hier gilt einerseits, dass nicht jeder, der bestimmten Stressfaktoren ausgesetzt ist, notwendigerweise eine Depression entwickelt. Auf der anderen Seite entwickeln manche Menschen Depressionen, obwohl die äußeren Umstände vergleichsweise harmonisch sind oder zumindest „erscheinen“. Psychische Syndrome der genannten Art entstehen also immer dann, wenn eine genetische/neurobiologische Grundlagenstörung auf umweltbedingte Stressoren trifft. Neurobiologisch wird die Basis für eine Depression durch eine angeborenes, bzw. vererbtes Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn verursacht. Diese Botenstoffe, die man auch als Neurotransmitter bezeichnet sorgen im menschlichen Gehirn dafür, dass Informationen weitergeleitet werden. Insbesondere die Botenstoffe Serotonin oder Noradrenalin sorgen für Glücksgefühle, Stimmungshochs, sowie für Antrieb und Motivation.

Vulnerabilität – Erbliche Vorbelastung

Die aktuellen Behandlungsansätze, die beim Vorliegen einer Depression Anwendung finden, orientieren sich an den multiplen Faktoren, die ihr zugrunde liegen. Hier wird ein kombinierter Ansatz genutzt, der üblicherweise eine medikamentöse Therapie mit einer psychologischen Begleitung verbindet. Je nachdem, ob die psychosoziale Ursache der Depression eher in frühkindlichen traumatischen Erlebnissen liegt, oder ob es eher aktuelle Stressoren sind, die die Probleme hervorrufen, werden teilweise eher tiefenpsychologische Verfahren genutzt, teilweise steht aber auch eine etwas „pragmatischere“ verhaltenstherapeutische Begleitung im Zentrum. Die Tiefenpsychologie arbeitet anfangs mit einer hohen Frequenz von Sitzungen (2-3 mal die Woche) und möchte verdrängte Emotionen aufdecken. Die Verhaltenstherapie denkt weniger über die Ursache der vorliegenden Depression nach, sondern ist eher bemüht, den Patienten dazu zu bringen, dass er in der Diskussion mit dem Therapeuten lernt, Stressfaktoren im Alltag zu vermeiden.

Wenn wir von genetischer Veranlagung im Kontext von Depressionen sprechen, kann man sich die Frage stellen, ob Depressionen vererbt werden. Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, aber zusammenfassend kann man vielleicht betonen, dass die Anlage durchaus vererbt wird, dass ein Ausbruch der Krankheit aber nur unter Einfluss von zusätzlichen Stressfaktoren vorkommt. Wenn man weiß, dass in den vorhergehenden Generationen Depressionen vorgekommen sind, dann kann das im Rahmen der Diagnostik sicher ein hilfreicher Hinweis sein, da die Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken in diesem Fall etwas größer ist. Allerdings kann kein eindeutiger Prozentsatz angegeben werden, wie das etwa bei dominant oder rezidiv vererbten genetischen Defekten der Fall ist.

 

Psychotherapie und Medikamente

Bei eher leichten depressiven Episoden kann eine medikamentöse Behandlung auch zunächst ausbleiben. Studien zeigen, dass sich die Verfügbarkeit der Botenstoffe im Gehirn auch im Rahmen einer Psychotherapie verändert, bzw. verbessert. Problematisch ist in diesem Fall, dass die Therapieplätze teilweise rar sind und man häufig längere Zeit auf einen Psychotherapeuten warten muss. Häufig wird eine medikamentöse Therapie angeraten. Die „neu“ eingesetzten Medikamente, die meistens die Spiegel der entsprechenden Neurotransmitter innerhalb des Gehirnes anheben, machen im Gegensatz zu den ursprünglich eingesetzten Schlaf- und Beruhigungsmitteln aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine nicht abhängig, so dass eine Behandlung mit Hilfe von Tabletten durchaus vertretbar ist. Dabei ist nur zu bedenken, dass jeder Betroffene individuell ganz unterschiedlich auf die Wirkstoffe reagiert, so dass der Psychiater, der das Rezept ausstellt eventuell anfangs ein wenig „experimentieren“ muss, bis der geeignete Wirkstoff gefunden wird. Eine engmaschige Kontrolle sollte daher am Anfang der medikamentösen Behandlung unbedingt gewährleistet sein.

Antidepressiv agierende Wirkstoffe beeinflussen die Zusammensetzung und Verfügbarkeit der Botenstoffe im Gehirn. Hierbei sind es insbesondere die Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin, die im Kontext einer Depression und ihrer Behandlung im Zentrum des Interesses stehen, Serotonin ist auch als „Glücksbotenstoff“ bekannt. Im „Volksmund“ heißt es gerne, eine Depression sei auf einen Mangel an Serotonin zurückzuführen, was aber eine vereinfachte Erklärung ist, da die glücklich machende Wirkung eher auf ein Interaktion – also das Zusammenspiel – der unterschiedlichen Botenstoffe zurückzuführen ist. Dennoch kann man davon ausgehen, dass Medikamente, die den Spiegel des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn erhöhen oder auf einem erhöhten Level halten auch die Fähigkeit verbessern, wieder Freude an bestimmten Ereignissen oder Tätigkeiten zu gewinnen, fier im Kontext von depressiven Episoden verloren geht. Wirkstoffe, die die Level des Botenstoffes Noradrenalin erhöhen wirken sich eher auf die Verbesserung der Entschlussfähigkeit und auf die Motivation aus. An dieser Stelle ist sicher auch ein Warnhinweis angebracht. Die Suizidalität ist im Rahmen von Depressionen ein grundlegendes Problem. Da die Einnahme von antidepressiv wirkenden Medikamenten die Entschlussfähigkeit bei den Betroffenen verbessert, kann das dazu führen, dass die Selbstmordgefährdung in der ersten Zeit der Einnahme der genannten Wirkstoffe kurzfristig zunimmt. Auch aus diesem Grund ist eine nahtlose Kontrolle in der Anfangsphase einer medikamentösen Behandlung von Depressionen zwingend notwendig.

 

Sonderformen von Depressionen

Abhängig vom kulturellen Hintergrund, vom Alter und vom Geschlecht der Betroffenen, kann sich eine Depression in sehr unterschiedlicher Form äußern. Betroffene Kinder verfügen beispielsweise noch nicht unbedingt über die Fähigkeit, ihre emotionalen Konflikte in Worte zu fassen, so dass sich eine Depression bei ihnen häufig in Somatisierungsprozessen äußert, also einer Übertragung seelischer Konflikte auf den Körper. Kinder, die an Depressionen endogener oder exogener Art leiden, klagen beispielsweise gerne über Kopf- oder Bauchschmerzen. Die Interkulturelle Psychiatrie hat ebenfalls zeigen können, dass dies auch bei Erwachsenen typisch sein kann, wenn diese aus einem kulturellen Kontext kommen, in dem der Ausdruck negativer Gefühle, wie Traurigkeit oder Wut, mehr oder weniger verpönt ist.

Das Konzept der „Male Depression“

Auch die Frage der „Männergesundheit“ hat sich den letzten zwei Jahrzehnten immer stärker zu einem zentralen Thema entwickelt. Genauso wie sich ein Herzinfarkt bei Frauen häufig in verdeckter Form und mit ganz anderen Symptomen äußert, als bei Männern ist auch die sogenannte „male depression“, also die „männliche“ Form der Depression als Sonderfall zu betrachten und man muss als Arzt darüber informiert sein, dass die Symptome sich hier zumindest ein wenig anders präsentieren. Dies hat etwas mit dem Rollenbild zu tun, dem das „starke Geschlecht“ in unsererGesellschaft immer noch allzu häufig folgen soll. Eine beginnende Depression kann sich bei Männern aus diesem Grund unter dem Deckmantel einer zunehmenden Aggressivität präsentieren oder mit einem Erschöpfungssyndrom im Sinne eines Burn-Outs verwechselt werden. Problematisch ist auch, dass Männer dazu neigen, erst sehr spät psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und über die Problematik insgesamt erst mit einer gewissen Verzögerung sprechen wollen/können. Hier muss Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Auf der anderen Seite werden Frauen mit körperlich verursachten Beschwerden von Ärzten gerne schnell in die „Psycho-Schublade“ einsortiert. Hier ist daher ebenfalls Vorsicht geboten und man muss sicherstellen, dass zunächst alle denkbaren körperlichen Ursachen ausgeschlossen werden, bevor die Aufgabe an den Psychiater oder Psychologen weitergegeben wird.

 

Zusammenfassung:

(1) Eine Depression ist eine schwerwiegende aber gut zu behandelnde Erkrankung, deren Ursache zum Teil in der Neurobiologie und Genetik zu finden ist, die aber eigentlich immer erst durch „Umwelteinflüsse“ (Traumata, schwierige Erlebnisse, etc) zum Ausbruch kommt.

(2) Eine Depression ist nicht immer einfach zu diagnostizieren. Mögliche körperliche Ursachen müssen zunächst dringend ausgeschlossen werden.

(3) Depressive Episoden treffen Männer und Frauen gleichermaßen – die Symptomatik kann sich auf Grund des Rollenverständnisses unterschiedlich präsentieren. Auch Kinder und Jugendliche können depressiv werden. Manchmal zeigt sich eine Depression in diesem Fall durch körperliche Symptome (etwa: Bauch – oder Kopfschmerzen)

Quellen:

http://www.who.int/classifications/icd/en/bluebook.pdf

AM Möller-Leimkühler DFP – Depression bei Männern- eine Einführung- Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2010; 11 (3), 11-20
http://www.kup.at/kup/pdf/9154.pdf

Nils Opel, Ronny Redlich, Peter Zwanzger, Dominik Grotegerd, Volker Arolt, Walter Heindel, Carsten Konrad, Harald Kugel & Udo DannlowskiHippocampal Atrophy in Major Depression: a Function of Childhood Maltreatment Rather than Diagnosis?Neuropsychopharmacology (2014) 39, 2723-2731 (2014)

Roselinde H. Kaiser (2017): Neurocognitive Markers of Depression. In: Biological Psychiatry 81 (4) S. 29-31
1. NICE (December 2004). Management of depression in primary and secondary care