Die Nebennierenschwäche als Ursache für Depressionen? Symptome, Test und Behandlung

Die Nebennieren befinden sich direkt über den Nieren. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des endokrinen Systems. Dort werden mehrerer wichtiger Hormone produziert, die für die Stressreaktion entscheidend verantwortlich sind. Die Nebennierenschwäche ist eine stressbedingte Erkrankung, die zu Symptomen wie Erschöpfung, geschwächter Immunität, Schlafstörungen und Heißhungerattacken führt. Die Nebennieren sind nach einer langen Zeit emotionalen Stresses oder chronischer Krankheit erschöpft und dysreguliert.

 

So funktionieren die Nebennieren

Die Nebennieren sind zwei kleine Organe, die sich oberhalb der Nieren befinden. Sie bestehen hauptsächlich aus zwei Teilen: dem Nebennierenmark und der Nebennierenrinde. Zu den Aufgaben dieser Hormondrüse gehört unter anderem die Produktion der lebenswichtigen Hormone Adrenalin und Noradrenalin (Nebennierenmark) und Aldosteron, DHEA und Cortisol (Nebennierenrinde). Cortisol ist ein starkes entzündungshemmendes Hormon. Das Hormon kontrolliert Entzündungen im Körper beeinflusst Allergien, Wundheilung, Asthma, um nur einige zu nennen.

Wie die Nebennieren unsere Energie beeinflussen

Die Nebennieren produzieren die Hormone in einem komplexen System, das von zwei Strukturen im Gehirn, dem Hypothalamus und der Hypophyse, koordiniert wird. Wenn Stress und schlechte Ernährung zu einem veränderten Hormonspiegeln führen, kann ein Ungleichgewicht der endokrinen Funktion zu erheblicher Müdigkeit führen. Die Arten von Stressoren, die die Nebennieren belasten, umfassen:

  • körperliches Trauma
  • emotionales Trauma
  • chemische Toxine
  • Infektionen
  • schlechte Ernährung
  • Angst, Depressionen
  • Schwangerschaft
  • verschreibungspflichtige Medikamente
  • Schlafmangel

Die meisten Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass sie sich bei einer Nebennierenschwäche ständig müde und erschöpft fühlen. Wenn wir Angst haben und unser Herz zu rasen beginnt, scheidet die Nebenniere Adrenalin und andere stressbedingte Hormone aus, um eine Reaktion auszulösen oder mit emotionalem Stress zurechtzukommen.

Wenn das Gehirn ein Ereignis als bedrohlich interpretiert, beginnen die Nebennieren zu wirken. Sie signalisieren dem Nervensystem, sich auf den Kampf oder die Flucht vorzubereiten. Dieses Signal mobilisiert die Atmungs- und Kreislaufsysteme des Körpers für Notfallmaßnahmen.

In diesem Fall benötigt der Körper Reserve-Energie und fährt deshalb alle homöostatischen Körperfunktion einschließlich der des Immunsystems herunter. Auch wenn die Kampf- oder Fluchtreaktion vorbei ist, verbleibt der Hormonspiegel noch eine Weile auf hohem Niveau, bis alle Auswirkungen unseres Alarmsystems abgeklungen sind.

Wird dieser Ausnahmezustand für längere Zeiträume aufrechterhalten, werden die Reserven des Körpers erschöpft und das Immunsystem geschwächt. Eine langfristige Überaktivierung dieser Hormone kann die Nieren und Nebennieren schwächen und die Funktionsfähigkeit des Immunsystems erheblich beeinträchtigen.

Wenn die Nebennierenfunktion beeinträchtigt oder schwach ist, kann eine Person an niedrigem Blutzucker, niedrigem Blutdruck, niedriger Körpertemperatur und einem völligen Gefühl der Erschöpfung leiden. Wenn der Stress länger anhält, beginnen die Organe zu schwächeln und andere gesundheitliche Probleme wie Hypoglykämie (Unterzuckerung) können auftreten.

Einige der häufigsten Ursachen, die zur Schwächung der Nebennieren beitragen, sind anhaltender Stress, schlechte Ernährung, übermäßiger Konsum von Zucker und raffinierten Kohlenhydraten, übermäßiger Konsum von Koffein, Alkohol, Drogen, Nikotin sowie Vitamin B- und C-Mangel.

Der menschliche Körper reagiert auf reale und imaginäre Bedrohungen immer auf die gleiche Weise. Zum Beispiel kann eine ungelöste Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes die gleiche Überlastung der Nebennieren und die daraus resultierende Unterdrückung des Immunsystems verursachen wie der tatsächliche Verlust des Arbeitsplatzes.

 

Symptome: Wie ist eine Nebennierenschwäche zu erkennen?

Zu den häufigsten Anzeichen von Nebennierenschwäche gehören Symptome wie Müdigkeit und Heißhungerattacken. Es gibt aber auch weniger häufigen Symptome, die nur bei einer kleineren Gruppe von Patienten auftreten. Dazu gehören niedriger Blutdruck und häufiges Wasserlassen. In der Regel hat eine Person mit Nebennierenschwäche mehrere Symptome, die auf die Erkrankung hinweisen. Hier sind die wichtigsten:

 

Müdigkeit, trotz ausreichendem Schlaf

Patienten, mit einer Nebennierenschwäche leiden in den frühen Stadien ihres Zustands unter erheblichem Stress. Daher sind ihre Adrenalin- und Cortisol-Spiegel sehr hoch. Dies unterbricht den natürlichen 24-Stunden-Zyklus des Cortisol-Spiegels und führt abends zu einem Zustand der Wachsamkeit, der einen erholsamen Schlaf verhindert.

In einem späteren Stadium der Erkrankung haben viele Patienten meistens einen niedrigeren Cortisol-Spiegel. Auch der Blutzucker ist in der Nacht und am frühen Morgen tendenziell viel niedriger (Cortisol reguliert auch den Blutzucker). Der Körper erkennt, dass er hungrig ist und der Patient wacht auf. Viele Menschen mit Nebennierenschwäche essen genau diesem Grund häufig in der Nacht.

Bei Patienten mit Nebennierenschwäche haben ein dauerhaft niedrigeres Energieniveau als früher. Das Altern ist oft ein Faktor, aber auch chronischer Stress kann auch einen wesentlichen Beitrag zur Erschöpfung leisten. Bei Menschen, die immer mehr Kaffee trinken , um den Tag zu überstehen, ist es möglicherweise an der Zeit, die Ursache für die Müdigkeit zu untersuchen.

In den späteren Stadien der Nebennierenschwäche sind die Nebennieren erschöpft und können nicht mehr genügend Hormone produzieren. Dies bedeutet, dass der Cortisol-Spiegel zusammen mit Neurotransmittern wie Adrenalin und Noradrenalin im Allgemeinen niedriger ist, als sie sein sollten.

 

Die Unfähigkeit mit Stress umzugehen

Wenn wir körperlichen oder emotionalen Stress erleiden, sind wir auf unsere Nebennieren angewiesen, um Hormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin freizusetzen. Diese Hormone regulieren unsere Stressreaktion und ermöglichen es uns, unsere Kraft, unseren Fokus und unser Bewusstsein zu steigern, wenn wir es brauchen.

Sind die Nebennieren jedoch schwach, haben diese Menschen Schwierigkeiten, die notwendige Menge dieser Hormone freizusetzen. Patienten mit Nebennierenschwäche berichten häufig von mangelnder Begeisterung, Apathie oder Desinteresse, Reizbarkeit und Angstzuständen.

 

Heißhunger auf salzige Lebensmittel

Personen mit erschöpftem endokrinen System berichten oft von häufigem Wasserlassen. Das kann auf das Alter zurückzuführen sein, kann aber auch durch eine schwache Nebennierenfunktion verursacht werden.

Dies bedeutet, dass Patienten mit Nebennierenschwäche die Fähigkeit verlieren, den Gehalt an Mineralien wie Natrium, Kalium und Magnesium in ihrem Blut auszugleichen. Dies führt wiederum zu Heißhunger auf Lebensmittel, die das verlorene Natrium ersetzen. Menschen, die plötzlich Lust auf salzige Snacks haben, leiden möglicherweise an einer Nebennierenschwäche.

 

Höheres Energieniveau am Abend

Bei einigen Patienten mit Nebennierenschwäche treten am späten Nachmittag und Abend Cortisol-Spitzen auf, die häufig zu Schlaflosigkeit führen. Meistens fühlen sie sich den ganzen Tag über müde, um dann am späten Abend plötzlich einen Schwung Energie zu bekommen. Dies tritt tendenziell in früheren Stadien der Nebennierenschwäche auf, wenn die Nebennieren noch in der Lage sind, erhebliche Mengen an Cortisol und Adrenalin zu produzieren.

Übermäßiger Gebrauch von Stimulanzien wie Zucker und Koffein

Millionen von Menschen verlassen sich täglich auf Stimulanzien wie Kaffee und Zucker, um die Müdigkeit zu vertreiben. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen dem gelegentlichen Trinken eines Kaffees und dem Konsum von Stimulanzien den ganzen Tag über.

Das Problem ist, dass Stimulanzien dazu neigen, ihre Wirksamkeit im Laufe der Zeit zu verlieren. Da chronischer Stress das endokrine System belastet, gibt jede Tasse Kaffee oder zuckerhaltige Snack einen geringeren Energieschub. Je gestresster und müder die Patienten werden, desto mehr Stimulanzien benötigen sie. In diesem Teufelskreis beschleunigen viele Menschen unabsichtlich ihre hormonelle Dysregulation und chronische Müdigkeit.

 

Geschwächtes Immunsystem

Cortisol hat eine entzündungshemmende Wirkung, die zur Regulierung des Immunsystems beiträgt. Eine Entzündung ist oft nur ein Zeichen dafür, dass der Körper gegen eine Infektion kämpft. Cortisol verhindert, dass diese Reaktion außer Kontrolle gerät. Die Aufrechterhaltung eines ausgeglichenen Cortisol-Spiegels ist ein wichtiger Teil unserer Gesundheit.

Wenn Stress dazu führt, dass der Cortisol-Spiegel erhöht ist, wird diese entzündungshemmende Wirkung zu stark. Dies verhindert effektiv, dass das Immunsystem so funktioniert, wie es sollte. Ohne ein ordnungsgemäß funktionierendes Immunsystem werden wir anfällig für Krankheiten. Umgekehrt lässt ein niedrigerer Cortisol-Spiegel das Immunsystem häufig auf Krankheitserreger überreagieren. Dies kann zu chronischen Entzündungen und einer Reihe von Atemwegserkrankungen oder Autoimmunerkrankungen führen.

 

Weitere Symptome einer Nebennierenschwäche

Es gibt noch einige weitere Symptome, die in Zusammenhang mit einer Nebennierenschwäche stehen können.

  • Angstzustände
  • Reizbarkeit
  • Schwindel
  • Depressionen
  • trockene Haut
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • häufiges Wasserlassen
  • geringer Sexualtrieb
  • niedriger Blutzucker
  • Gewichtszunahme

Die Behandlung der Nebennierenschwäche

Die Wiederherstellung der normalen Nebennierenfunktionen ist keine unmögliche Aufgabe. Glücklicherweise ist der Weg zur Genesung meistens sehr einfach und durch ein paar Änderungen im Lebensstil zu erreichen. Hier sind vier Möglichkeiten, um mit der Wiederherstellung zu beginnen.

Die Ernährung verbessern

Wichtig ist, zum richtigen Zeitpunkt zu essen. Der Blutzuckerspiegel spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Energieniveaus. Um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten, sollten Patienten kleine, regelmäßige Mahlzeiten mit einem niedrigen glykämischen Index zu sich nehmen. Regelmäßige Snacks sind eine gute Idee. Dies hilft bei der Bewältigung des Cortisol-Einbruchs, der am späten Nachmittag auftreten kann.

 

Die besten Lebensmittel bei Nebennierenschwäche

Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist für einen gesunden Zustand von Körper und Geist unerlässlich. Forscher haben einen Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Unterernährung gefunden, insbesondere in der westlichen Ernährung. Diäten, die reich an Zucker, Natrium und gesättigten Fettsäuren sind, wurden mit einer stärkeren Erschöpfung der Nebennieren in Verbindung gebracht. Die folgenden Nahrungsmitteln benötigt ein Körper, um sich von einer Nebennierenschwäche zu erholen:

 

Proteine

Menschen benötigen Proteine, um den Aufbau und die Reparatur von Muskelgewebe, Haaren, Haut, Nägeln und fast jedem Organ im Körper zu unterstützen.

Die Proteinaufnahme variiert von Individuum zu Individuum, aber die meisten Ernährungsrichtlinien empfehlen etwa 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Gute Proteinquellen sind Bio-Fleisch, Eier und Organfleisch wie Leber.

 

Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index

Der glykämische Index (GI) eines Lebensmittels zeigt an, um wie viel jedes Gramm Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel erhöht. Lebensmittel mit hohem GI (> 70 auf der Glukoseskala) sind einfache Zucker, die plötzliche Blutzuckerspitzen verursachen. Lebensmittel mit niedrigem GI (<55) sind normalerweise komplexe Kohlenhydrate, die langsam verdaut werden und daher den Blutzuckerspiegel weniger beeinflussen.

Dies bedeutet, dass komplexe Kohlenhydrate über einen längeren Zeitraum nachhaltige Energie liefern. Lebensmittel mit niedrigem GI können Vollkornprodukte, Bohnen, Linsen und Sojaprodukte enthalten. Patienten sollten ihrem Speiseplan einige Früchte mit niedrigem GI wie Beeren und grüne Äpfel hinzufügen.

 

Vermeiden Sie bei Versacht auf eine Nebennierenschwäche Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index.

 

Gesunde Fette

Fette sind die Hauptquelle des Körpers für gespeicherte Energie und wirken als Vorläufer für andere vom Körper hergestellte Substanzen. Essentielle Fettsäuren (EFAs) umfassen Linolsäure und Alpha-Linolsäure. Diese werden nicht im Körper hergestellt und müssen daher aus der Nahrung gewonnen werden.

Die besten Quellen für gesundes Fett sind fettiger Fisch (Lachs, Makrele, Sardine), Avocados, Olivenöl, Kokosöl, Nüsse und Samen.

 

Genügend Flüssigkeit aufnehmen

Flüssigkeiten sind nötig, um Nährstoffe zu den Zellen zu befördern, die Verdauung zu ermöglichen und den Nieren zu helfen, die Giftstoffe aus dem Körper zu spülen. Flüssigkeiten unterstützen auch die Bildung von Verdauungssäften im Magen, sodass wir Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen können. Wasser reguliert auch unsere Körpertemperatur und unseren Stoffwechsel. Die meisten Ernährungswissenschaftler empfehlen, mindestens 6 Gläser frisches, gefiltertes Wasser pro Tag zu trinken.

 

Meditation und Yoga können helfen

Traditionelle Heilpraktiker wissen seit Jahrhunderten, dass auf Achtsamkeit basierende Übungen wie Meditation und Yoga helfen, Stress und Angst abzubauen . Regelmäßiges Üben verbessert die Fähigkeit auf Stress richtig zu reagieren. In einem meditativen Zustand können bestimmte Gedanken oder Gefühle vorbeiziehen, ohne Stress oder Angst zu verursachen. Das bedeutet, dass Patienten weniger Zeit damit verbringen, sich auf negative Gedanken zu konzentrieren.

Bei der Meditation wird das Zwerchfell verwendet, um Sauerstoff in den Körper zu bekommen und einen vollständigen Sauerstoffaustausch in der Lunge zu ermöglichen. Dies führt dazu, dass der Körper die Reaktion “Kampf oder Flucht” deaktiviert, da er plötzlich erkennt, dass er keiner Bedrohung ausgesetzt ist. Die Produktion von Cortisol wird vorübergehend eingestellt, wodurch sich Patienten entspannter und ruhiger fühlen.

Zu Beginn sollten Patienten nicht länger als 2-3 Minuten meditieren. Wenn sie sich daran gewöhnt haben, still zu sitzen und sich auf den Atem zu konzentrieren, kann die Dauer erhöht werden. Es gibt beim Meditieren keinen richtigen oder falschen Weg. Die Techniken können zwischen verschiedenen Tutoren und Schulen variieren, aber die Gesamtidee ist dieselbe.

 

Nebennierenschwäche – Realität oder Mythos?

Nebennierenschwäche ist ein Begriff, der auf eine Sammlung unspezifischer Symptome wie Körperschmerzen, Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Verdauungsprobleme angewendet wird. Der Begriff taucht häufig in populären Gesundheitsbüchern und auf Websites für alternative Medizin auf, ist jedoch keine akzeptierte medizinische Diagnose.

Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die eine Nebennierenschwäche belegen. Die Endocrine Society, die weltweit größte Organisation von Endokrinologen (Ärzte, die Patienten mit Drüsen- und Hormon-Erkrankungen behandeln), sagt, das Nebennierenschwäche keine echte Krankheit ist. Die Symptome sind häufig so allgemein, dass sie auf viele Krankheiten, Zustände oder auf einen stressigen Alltag zurückzuführen sind.

Manche Endokrinologen warnen sogar davor, dass einige Behandlungen gefährlich sein können. Wer bestimmte Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, die Cortisol produzieren, das gar nicht nicht benötigt wird, kann auf Dauer die Nebennieren schädigen.

 

Was ist der Unterschied zu einer Nebenniereninsuffizienz?

Im Gegensatz zur Nebennierenschwäche ist die Nebenniereninsuffizienz eine anerkannte Krankheit, die diagnostiziert werden kann. Es gibt zwei Formen dieser Erkrankung, und beide werden durch Schäden oder Probleme der Nebennieren verursacht, die dazu führen, dass sie nicht genug vom Hormon Cortisol produzieren.

Die Symptome beider Formen sind chronische Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Muskelschwäche, Gewichtsverlust und Magenschmerzen. Sie können auch Übelkeit, Erbrechen, niedrigen Blutdruck, Durchfall, Depressionen oder Verdunkelung der Haut hervorrufen.

Die Nebenniereninsuffizienz wird mit einem Test durch eine Blutuntersuchung diagnostiziert. Dabei wird überprüft, ob der Cortisol-Spiegel im Körper zu niedrig ist. Patienten, die davon betroffen sind müssen einen Hormonersatz einnehmen.

Depression Selbsthilfe: Was kann ich selbst tun?

Depression ist eine Krankheit, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Sie hat nichts mit einer normalen Traurigkeit nach einem schweren Schicksalsschlag zu tun. Trauer ist eine normale Reaktion des Körpers und klingt mit der Zeit ab. Depression ist ein andauernder Zustand der Niedergeschlagenheit, der von selbst nicht vergeht. Betroffene müssen dringend einen Arzt und Psychotherapeuten aufsuchen. Oft sind sogar Medikamente notwendig. Dies reicht jedoch nicht aus. Der Patient muss selbst aktiv mithelfen, damit die Depression nicht die Oberhand über sein Leben gewinnt. Nachfolgend ein paar Tipps, wie sich jeder Mensch mit Depressionen bis zu einem gewissen Punkt selbst helfen kann.

 

Erste Schritte der Depression Selbsthilfe: Dem Leben eine feste Struktur geben

Depressive Menschen bleiben oft den ganzen Tag im Bett und sind kaum zu motivieren. Diese Untätigkeit begünstigt die Depression. Betroffene brechen am besten aus diesem Teufelskreis mit einer festen Struktur aus. Berufstätige haben es einfach, denn der Tag wird ohnehin durch ihre Aufgaben bestimmt. Wer das nicht hat, muss sich selbst eine Struktur geben. Ein Tagesplan könnte so aussehen:
  • 7:30 Uhr Aufstehen
  • 7:30 Uhr bis 8:30 Uhr Frühstück
  • 8:30 Uhr bis 9:00 Uhr Morgenspaziergang
  • 9:00 Uhr bis 9:30 Uhr Zeitung lesen
  • 9:30 Uhr bis 10:30 Uhr: Wohnung aufräumen
  • 10:30 Uhr bis 11:30 Uhr: Mittag essen kochen
  • 11:30 Uhr bis 13:00 Uhr Mittag essen
  • 13:00 Uhr bis 13:30 Uhr Meditation
  • 13:30 Uhr bis 14:00 Uhr: Gymnastik
  • 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr: Gartenarbeit
  • 16:00 Uhr bis 17:00 Uhr Freunde anrufen
  • 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr Abendessen
  •  18:00 Uhr bis 20:00 Uhr zur freien Verfügung
  • 20:00 bis 22:00 Uhr Freunde treffen

Das ist nur ein Beispiel, das jeder auf seine persönlichen Bedürfnisse anpassen kann. Ist der Tag gut strukturiert, tritt eine Depression nicht so häufig auf.

Die Gedankenspirale stoppen

Depressionen beginnen im Kopf. Es ist die Flut an negativen Gedanken, die sich im Kopf im Kreis drehen. Viele Patienten bemerken das zunächst gar nicht und gleiten so immer stärker in eine negative Stimmung ab.

Um das erst gar nicht aufkommen zu lassen ist Aufmerksamkeit eine gute Lösung. Diese Technik ist eigentlich eine buddhistische Meditationstechnik. Der Patient beobachtet wertfrei sich und seine Umgebung. Das hört sich einfach an, ist aber in der Durchführung anspruchsvoll. Es gibt sogar Apps, welche die User entsprechend anleiten.

Vor allem depressiven Menschen fällt es schwer, sich längere Zeit auf einen Gegenstand zu konzentrieren. Schnell beginnt sich das Gedankenrad zu drehen. Bemerkt der Patient das, soll er bewusst stopp sagen. Ist er allein spricht nichts dagegen, es laut auszusprechen. Dadurch bricht der Strom an negativen Gedanken zunächst ab. Beginnen die negativen Gedanken den Patienten erneut zu quälen, wiederholt er dies einfach.

Für mehr Glückshormone im Körper sorgen

Moderne Antidepressiva sind Serotonin- oder Nordadrenalinwiederaufnahmehemmer. Serotonin und Noradrenalin sind sogenannte Glückshormone. Diese schüttet der Körper nach einem schönen Erlebnis aus und man fühlt sich einfach gut. Leider verschwinden die Stoffe sehr schnell wieder aus dem Körper. Um Nachschub muss sich der Patient selbst kümmern. Wer mehr Glückshormone möchte, muss für schöne Erlebnisse sorgen.
Folgende Aktivitäten schütten Glückshormone aus:

  • Einen schönen Film mit Freunden sehen
  • Ein anregendes Gespräch mit netten Menschen
  • Sex
  • Massage
  • Sportliche Aktivitäten

Sport ist fast eine Art Wunderwaffe gegen Depressionen. Damit lösen Betroffene mehrere Probleme. Viele Aktivitäten finden im Freien statt. Wer in einem Sportverein trainiert, kommt mit vielen Menschen zusammen, die das gleiche Ziel haben. Hinzu kommt, dass vor allem Ausdauersport Serotonin ausschüttet. Bekannt ist das vor allem bei Laufsportler. Wer intensiv trainiert erlebt einen sogenannten “Runners High”. Das ist eine Art Rauschzustand während des Joggens. Das Erlebnis ist so intensiv, dass manche davon sogar süchtig werden. Diesen Zustand sollte gar nicht das Ziel sein. 30 Minuten Sport am Tag genügt, um sich besser zu fühlen.

Ähnlich verhält es sich mit Sex. Jeder kennt das euphorische Gefühl nach einer schönen Liebesnacht. Das funktioniert aber nur, wenn das Liebesspiel selbst keinen Stress erzeugt. Wer Angst hat zu versagen oder den Ansprüchen des Partners nicht zu genügen, hat Stresshormone statt Glückshormone im Körper, was eine Depression eher begünstigt.

Auf die Ernährung achten

Zu einer Depression kommt oft noch eine Essstörung hinzu. Einige Betroffene beginnen zu essen, wenn sie sich schlecht fühlen. Andere verweigern die Nahrung und nehmen stark ab, sodass die Gewichtsabnahme sogar lebensbedrohlich werden kann.
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hilft nicht nur bei der Normalisierung des Gewichts, sondern auch gegen Depressionen. Die Ernährung sollte aus möglichst viel Obst und Gemüse bestehen. Dadurch enthält sie viele Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe. Bei einer Essstörung ist es wichtig, die Nahrungsaufnahme bewusst zu gestalten. Der Betroffene nimmt sich zum Beispiel vor, drei Mahlzeiten am Tag zu essen. Außerdem dieser Zeiten trinkt er höchstens Wasser. Dadurch verhindert er Essattacken. Durch eine ausgewogene Ernährung fühlt sich der depressive Mensch besser und die Stimmung hellt sich auf.

Für die richtige Menge an Schlaf sorgen

Beim Schlaf kommt es auf die richtige Menge an. Wer zu lange schläft, stellt oft fest, dass er sich sogar schlechter fühlt. Die meisten Menschen benötigen ungefähr sieben Stunden Schlaf. Depressive Menschen fühlen sich oft müde und niedergeschlagen. Sie dürfen dem Schlafbedürfnis nicht nachgeben, da das die Depression steigert.

Wie viel Schlaf man wirklich benötigt, kann jeder nur für sich selbst beantworten. Wer es nicht genau weiß, darf ruhig ein wenig experimentieren. Junge Menschen schlafen meist ein wenig länger als Ältere. Übrigens: Moderater Schlafentzug kann stimmungsaufhellend wirken. Auch hier spielt eine vermehrte Ausschüttung von Serotonin eine Rolle. Das sollte aber nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Selbstmedikation bei Depressionen

Depression ist ein komplexes Krankheitsbild und es gibt nur wenige frei verkäufliche Medikamente. Diese eignen sich nur bei leichten Formen und sollten auch nur vorübergehend genommen werden. Das Mittel der Wahl ist ein Johanniskrautpräparat. Dieses können sich Betroffene in der Apotheke kaufen.

Leiden Betroffene zusätzlich an Schlafstörungen oder innere Unruhe könne Präparate mit den Wirkstoffen Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Lavendel oder Melisse helfen.

Depression muss behandelt werden

Depressionen sind eine ernste Krankheit. Die vorgeschlagenen Methoden der Depression Selbsthilfe lindern zwar die Beschwerden ein wenig, doch muss auf jeden Fall begleitend eine Psychotherapie und eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Wichtig ist vor allem, dass der Betroffene möglichst lange zur Arbeit geht. Die Versuchung ist groß, sich einfach längere Zeit krankschreiben zu lassen. Das kann die Depression verstärken, da die Arbeit dem Tag Struktur gibt. Ist der Patient krankgeschrieben, muss er erst selbst einen eigenen Tagesablauf finden. Das ist übrigens auch ein Grund, warum viele Rentner nicht die erhoffte Erholung finden, sondern in die Depression abgleiten. Der gewohnte Tagesablauf fehlt ihnen und sie schaffen es nicht, dem Tag einen eigenen Sinn zu geben.

Tryptophan bei Depressionen: Wirkung, Einnahme, Dosierung und Nebenwirkungen

Tryptophan bei Depressionen

Tryptophan ist kein Medikament, sondern eine körpereignee Aminosäure. Nahrungsergänzungsmittel mit diesem Inhaltsstoff können Körper und Psyche beim Kampf gegen Depressionen unterstützen. Dieser Text handelt davon, was Depressionen überhaupt sind. Hauptsächlich wird jedoch die Wirkung des Nahrungsergänzungsmittels Tryptophan betrachtet, sowie Lebensmittel, die viel Tryptophan enthalten und die Behandlung von Depressionen unterstützen können.

 

Depressionen – ein kurzer Exkurs

Bei einer Depression handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die mitunter auch körperliche Symptome hervorrufen kann. Betroffene können an unterschiedlichen Symptomen leiden. Dazu zählen gedrückte Stimmung, Appetitlosigkeit, Angstzustände, Antrieblosigkeit und die Hemmung zu denken, sowie Schlaflosigkeit. Bei einer starken Depression sind es nicht selten Suizidgedanken, die aus den Symptomen resultieren. Umso wichtiger ist es, eine Depression früh zu erkennen und zu behandeln.

Bei der Behandlung kann ein körpereigener Stoff helfen: Tryptophan. Dieser kann über die Nahrung oder als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden, um die Behandlung von Depressionen zu unterstützen. Die Hauptbehandlung erfordert jedoch immer die Therapie mit einem Psychologen oder einem Psychiater, um die Symptome von Depressionen schnellstmöglich zu behandeln und die Auswirkungen auf das Leben und den Alltag so schnell wie möglich zu minimieren.

 

Was ist Tryptophan?

Wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich bei Tryptophan um eine Aminosäure. Sie wird in der Regel über die Nahrung aufgenommen. Da sie jedoch nicht wasserlöslich ist, beläuft sich die Aufnahme über Nahrungsmittel in kleinen und manchmal zu geringen Mengen. Dies liegt an der chemischen Bindung der Aminosäure an Proteine. Die Einnahme von Tryptophan als Nahrungsergänzungsmittel hat viele positive Auswirkungen. Es kann Depressionen und Angstzustände mildern.

 

Wirkungsweise von Tryptophan

Nun stellt sich natürlich die Frage, was Tryptophan mit Depressionen zu tun hat. Schlicht: Tryptophan gilt als Stimmungsaufheller in natürlicher Form. Im Körper wird die Aminosäure Tryptophan in Serotonin, ein körpereigener Transmitter, umgewandelt. Damit handelt es sich bei Tryptophan um eine Vorstufe des Transmitters, durch welche sich die Gefühlslage im Menschen von Natur aus regulieren kann. Darüber hinaus wird die sogenannte Niacin-Synthese angeregt, aus welcher die Produktion des Vitamins B3 hervorgeht.

Daraus folgend ergibt sich die Tatsache, dass es auch zu depressiven Verstimmungen führen kann, wenn der Körper an einem Mangel an Tryptophan leidet. Depressive Verhaltensweisen, sowie Stimmungsschwankungen liegen häufig einem Mangel zugrunde. Dies beruht darauf, dass eine gesunde psychische Verfassung nur dann möglich ist, wenn sich der Hormonhaushalt im Gleichgewicht befindet. So kommt es ohne die passenden Neurotransmitter, wie beispielsweise Serotonin, dazu, dass depressive Stimmungen verstärkt oder gar hervorgerufen werden können. Darüber hinaus kann der Stress, der bei manchen Betroffenen ebenfalls zu depressiven Verhaltensweisen führt, durch ungesunde Handlungen hervorgerufen werden, wozu nicht zuletzt die Ernährung zählt. Dies sollte auch bei der Behandlung von Depressionen berücksichtigt werden. Im Folgenden wird daher die Rolle von Nahrungsergänzungsmitteln und einer tryptophanhaltigen Ernährungsweise betrachtet.

 

Die Geschichte von Tryptophan und Depressionen

Bereits in den 70er Jahren wurde die Wirkung von Trypthophan entdeckt. Der appetitzügelnde Wirkstoff wird von da an bei leichten und mittelschweren Depressionen als Nahrungsergänzungsmittel verschrieben, da Studien dessen Wirkung bei diesen Krankheitsbildern nachweisen. Etlichen Studien ist es außerdem zu verdanken, dass der Wirkstoff Tryptophan in Nahrungsergänzungsmitteln frei verkäuflich ist.

 

Wenn der Stress steigt

Wie bei anderen Nährstoffen ist der Bedarf von Tryptophan von Person zu Person unterschiedlich. Als Faustregel gilt jedoch: Je höher der Stress, desto wahrscheinlicher ist ein Mangel an Tryptophan. Wenn dieser durch Stress und Hektik entsteht, kommt es nicht selten zu Stimmungsschwanken, Depressionen, sowie zu Müdigkeit und Schlafstörungen. Dies kann durch eine tryptophanhaltige Ernährung und vor allem durch Nahrungsergänzungsmittel wieder eingependelt werden.

 

Tryptophanhaltige Lebensmittel – Health Food ist Soul Food

Oft ist es ein Teufelskreis. Der Mangel an Tryptophan führt zu Depressionen, welche sich in Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit auswirken. Umso schlimmer sind die Folgen. Denn diese Antriebslosigkeit macht sogenanntes Soulfood besonders verführerisch. Schließlich müssen Schokolade, Pommes, Pizza und Co nicht aufwendig zubereitet werden. Die ungesunde Ernährung zieht in den Alltag ein und macht es immer schwieriger, Tryptophan über die Ernährung aufnehmen zu können, da gesunde Lebensmittel weniger konsumiert werden. Umso wichtiger ist es, sich eine gesunde Ernährung mit jenen Lebensmitteln zu entwickeln, die viel Tryptophan enthalten. Dazu zählen besonders Lebensmittel mit viel pflanzlichem oder tierischem Eiweiß. Besonders viel Tryptophan ist in Sojabohnen enthalten. Aber auch Cashewkerne, Kakaopulver und Lachs sind zu empfehlen, um den Tryptophanhaushalt wieder aufzustocken und Depressionen zu bekämpfen. Denn gesunde Ernährung trägt nicht nur zur körperlichen, sondern auch zur seelischen Gesundheit bei.

 

Einnahme von Tryptophan

Da Tryptophan in der Nahrung an Proteine gebunden ist und die Bioverfügbarkeit von Tryptophan in Form von Nahrungsmitteln daher gering ist, lohnt sich die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, um gegen leichte bis mittelschwere Depressionen anzugehen. Der Bedarf an Tryptophan beträgt zwischen 3,5 und 6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Kann dies durch die Nahrung nicht gewährleistet werden oder besteht ein großer Mangel an Tryptophan, kommen Nahrungsergänzungsmittel zum Einsatz. Deren Dosierung liegt je nach Bedarf zwischen 400 und 1000 Milligramm täglich. Bei einer Überdosierung sind keine toxischen Wirkungen und demnach auch keine Nebenwirkungen zu erwarten, da es sich bei Tryptophan um einen körpereigenen Stoff handelt. Bei der Einnahme gilt es lediglich zu bedenken, dass Tryptophan zu Schläfrigkeit führen kann. Daher sollte das Nahrungsergänzungsmittel ungefähr eine Stunde vor dem Schlafen eingenommen werden, um den Alltag weiterhin meistern zu können.

Wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln ist es wichtig, die Einnahme im Vorhinein mit dem Hausarzt zu besprechen, um den Serotoninspiegel nicht zu sehr zu beeinflussen.

 

Tryptophan oder 5-HTP?

Bevor herausgefunden werden kann, welcher der beiden Stoffe geeigneter ist, gilt es zu klären, was 5-HTP eigentlich ist. Wie bei Tryptophan handelt es sich hierbei um eine Aminosäure. Der Körper verwendet sie ebenfalls, um Serotonin herzustellen. Dabei handelt es sich bei 5-HTP um ein Nebenprodukt von Tryptophan, welches gewonnen wird, während Tryptophan im Körper aufgegliedert wird.

In Nahrungsergänzungsmitteln werden Samen des afrikanischen Strauchs Griffonia simplicifolia verwendet, die 5-HTP enthalten. Nahrungsmittel mit 5-HTP werden eingesetzt, um Stress zu lindern, die Stimmung aufzuhellen und Appetit zu steigern.

Die Beschreibung von 5-HTP zeigt die Gemeinsamkeit, die zwischen diesem Stoff und seinem Vorgänger Tryptophan bestehen. Da stellt sich die Frage, welchen Stoff das Nahrungsergänzungsmittel enthalten soll, mit dem Depressionen gelindert werden sollen.

Ein Vorteil von 5-HTP ist die Tatsache, dass dieser Stoff nur für die Herstellung von Serotonin zur Verfügung steht, während Tryptophan für andere Vorgänge im Körper verwendet wird.

Die Beantwortung der Frage, welcher der Stoffe besser ist, orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und Leiden des Einzelnen, da sich die beiden Stoffe in ihrer Wirkung unterscheiden. Für Momente depressiver Stimmung, die nur ab und zu aufkommen, eignet sich 5-HTP besser, während Tryptophan für eine dauerhafte Anwendung von Vorteil ist.

 

Angstzustände: Symptome, Ursachen und Therapien

Was versteht man unter Angstzuständen?

Normalerweise ist Angst eine gesunde Reaktion, die jeder Mensch kennt. Angst ist eine Art Selbstschutz des Körpers, der damit bezweckt, dass die auslösende Situation schnellstmöglich verlassen wird. Sie gehört, wie unzählige alltägliche Empfindungen, zum Leben dazu und ist in gesundem Maße kein Grund zur Beunruhigung.

In seinem Angstempfinden ist jeder Mensch unterschiedlich veranlagt.

Wenn Angst besonders stark empfunden wird, so, dass es im Alltag immer wieder zu Einschränkungen kommt und die Lebensqualität stark darunter leidet, spricht man Angstzuständen.

Unter dem Begriff “Angststörung” sind verschiedene psychische Erkrankungen zusammengefasst. Von Phobien, über die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bis hin zur generalisierten Angststörung ist das Feld der Erkrankungen, die sich durch krankhaft empfundene Angst charakterisieren, groß.

Unter einer Angststörung kann jeder Mensch unabhängig seines Alters erkranken. Eine Veranlagung, beispielsweise durch familiäre Vorbelastung, kann die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen.

Wie kommt es zu Angstzuständen?

Die Ursachen für Angstzustände sind meist ein Zusammenspiel erblicher, neurobiologischer und psychologischer Faktoren.
Verschiedene Faktoren begünstigen Angstzustände. Folgende Punkte können der Auslöser für krankhafte Angst sein:
  • Traumata
  • Suchterkrankungen
  • Nebenwirkungen spezieller Medikamente
  • Schilddrüsenunter- oder Überfunktionen
  • Übermäßiger Stress
  • Nicht entdeckte Erkrankungen
  • Genetische Veranlagung
Oft lässt sich nicht die eine Ursache ausfindig machen. Es handelt sich eher um ein Zusammenspiel verschiedener Auslöser.

Symptome: Wie äußern sich Angstzustände?

Von Betroffenen werden Angstzustände als sehr unangenehm empfunden. Die einhergehenden Symptome werden häufig für einen nahenden Herzinfarkt gehalten. Angstzustände äußern sich unter anderem durch:
  • Herzrasen
  • Kreislaufprobleme, z.B. Schwindel
  • Todesangst
  • Kontrollverlust
  • Engegefühle
  • Panik
  • Todesangst
  • Schweißausbrüche
  • Atemnot
  • Zittern
  • Körperliche Schmerzen (z.B. in der Brust)
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Muskelverspannungen

Was kann man gegen Angstzustände tun?

Haben Sie das Gefühl, an Angstzuständen zu leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und ihm die Symptome schildern. Zuerst sollten körperliche Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen ausgeschlossen werden, ehe mit der Behandlung begonnen wird.
Angstzustände werden meist mit kognitiven oder tiefenpsychologischen Therapien behandelt. Nicht bei jeder Form der Angststörung ist eine Behandlung nötig. Doch wenn das Leben massiv eingeschränkt wird und die Symptome zunehmen, ist sie ratsam.

Wie kann man Angstzustände überwinden?

Wenn Sie unter Angstzuständen leiden, kennen Sie das Gefühl, in einem ewigen Kreislauf gefangen zu sein.

Es gibt verschiedene Wege, diesen Kreislauf zu durchbrechen und die Angst in den Griff zu bekommen. Die folgenden fünf Punkte sollen einen kleinen Leitfaden darstellen, der Ihnen dabei helfen kann, das zu schaffen.

1. Die Angst akzeptieren

Angstzustände sind etwas Abstraktes. Es kann schwerfallen, sich einzugestehen, dass sie Einfluss auf das Leben und Entscheidungen haben. Die permanente Sorge davor, wieder eine Angstattacke zu erleiden, beeinflusst den Tagesablauf.
Der erste Schritt ist, die Angst zu akzeptieren. Es geht nicht darum, sich damit abzufinden und das Leiden als Teil des Lebens zu akzeptieren, sondern zuzugeben, dass ein Problem besteht und man als als solches erkannt hat.
Nur, wer ehrlich zu sich selbst ist, schafft es, den Kreislauf zu verlassen.

2. Das Muster durchbrechen

Auf die Akzeptanz folgt der zweite wichtige Schritt. Angstzustände verlaufen nach einem Muster. Dieses Muster zu erkennen ist wichtig, um es zu durchbrechen.

Um Regelmäßigkeiten zu erkennen, kann es helfen, ein Tagebuch zu führen. In welchen Situationen empfinden Sie die Angst? Wann ist sie besonders ausgeprägt?

3. Die Angst hinterfragen

In dem Augenblick, in dem Sie die aufkommende Angst bereits spüren, sollten Sie sich fragen, wieso. Wieso haben Sie Angst? Gibt es in diesem Moment etwas Konkretes, das dieses Gefühl in Ihnen auslöst?

Hinterfragen Sie, ob es einen realen Grund dafür gibt, so zu empfinden. Seien Sie ehrlich zu sich. Ist die Angst möglicherweise unbegründet? Können Sie Abstand zu diesen Gedanken aufbauen?

Die Angst verliert viel von ihrer Wirkung, wenn sie in Frage gestellt wird. Das erfordert anfangs etwas Übung, wird aber von Mal zu Mal einfacher werden.

4. Auf den Notfall vorbereitet sein

Trotz aller Strategien kann es dennoch zu einer Angstattacke kommen. Darauf können Sie sich vorbereiten.

Wenn Sie sich in eine Situation begeben, in der Sie zuvor schon Angstattacken erlitten haben, tun Sie es so, dass Sie sie jederzeit verlassen können. Positionieren Sie sich an Ausgängen oder halten Sie etwas bereit, dass sie zur Ablenkung nutzen können.
Ablenkung ist allgemein etwas, auf das Sie achten sollten. Das kann ein gutes Buch sein, ein Hörspiel, ein Podcast oder die Lieblingsmusik. Alles, was Ihnen dabei hilft, runterzukommen und sich zu beruhigen, sollte in greifbarer Nähe sein.

Probieren Sie verschiedene Hilfsmittel aus und entscheiden Sie, welche für Sie am besten geeignet sind.

5. Hilfe in Anspruch nehmen

Letztlich ist es trotzdem ratsam, sich in professionelle Hände zu begeben. Eine Therapie hilft dabei, versteckte Ursachen zu finden und sie aufzuarbeiten. Dazu ist man alleine nur in seltenen Fällen in der Lage.

6. Prophylaxe

Auch, wenn die krankhaft empfundene Angst erfolgreich behandelt worden ist, sollten Sie prophylaktische Maßnahmen ergreifen, um einen “Rückfall” zu vermeiden. Dazu eignen sich verschiedene Entspannungstechniken, die Sie in den Alltag integrieren können.

Ein gesunder Lebensstil ist allgemein eine gute Voraussetzungen, um Angstattacken zu vermeiden und Auslöser frühzeitig zu erkennen.

Lassen Sie sich die Lebensfreude von der Angst nicht nehmen. Finden Sie Dinge, die Sie unternehmen können, ohne Angst vor der Angst zu haben. Schöne ausgedehnte Spaziergänge, ein Wochenende am Meer oder Yoga – alles, was Ihnen gut tut, ist gut gegen die Angst.

 

Welche Medikamente werden zur Behandlung eingesetzt?

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit von Angstzuständen sind Medikamente.

Sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, gehören zu den Antidepressiva und lindern die starke Angst, aber auch einhergehende Symptome, die denen einer Depression ähnlich sind.

Nicht selten treten Depressionen und Angststörungen gemeinsam auf oder bedingen aneinander.

Zu den SSRI gehören unter anderem Paroxetin, Citalopram, Escitalopram und Sertralin.

Nicht jedem Patienten ist mit SSRI geholfen. Die Wirkung setzt nach zwei bis sechs Wochen ein, kann allerdings auch ausbleiben oder nicht die gewünschte Intensität haben. Deshalb werden häufig verschiedene Medikamente getestet, bis die richtige Dosierung gefunden worden ist.

Weitere Medikamente, die zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt werden, sind:

 

Panikattacken: Woher sie kommen und wie man sie loswerden kann

Panikattacken treten oft anfallartig auf und sind mit einem starken Gefühl der Bedrohung verbunden. Diese ist meist nicht real, der Körper reagiert jedoch sehr heftig darauf. Der Patient leidet unter Herzrasen, Schweißausbrüchen, Zittern der Knie und andere körperliche Symptome. Die körperlichen Beschwerden können so gravierend sein, dass die ihr zugrundliegende Angst fast nicht mehr sichtbar ist. Manche Ärzte behandeln jahrelang nur die Symptome, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, dass sich dahinter eine Panikattacke verbergen könnte. Im folgenden Ratgeber erfahren Betroffene, woher Panikattacken kommen und wie man diese behandeln kann.

 

I.: Theoretische Grundlagen

Typische Symptome einer Panikattacke

Die Panikattacke selbst dauert in der Regel nur wenigen Minuten. Der Patient erlebt ein starkes Gefühl der Angst. Die Angst kann ohne einen bestimmten Auslöser plötzlich auftreten. Viele Menschen haben Angst vor Menschenansammlungen, Kinos, Busse oder Fahrstühle. Diese Form der Angst nennt man Agoraphobie.

Zu den Angstgefühlen kommen fast immer körperliche Symptome. Diese können sein:

  • Schweißausbrüche
  • Herzklopfen
  • Zittern der Beine, Hände oder Arme
  • Mundtrockenheit

Manche Panikattacken fühlen sich wie ein Herzanfall aus, sodass Betroffene den Notarzt rufen. Dieser erklärt zwar, dass das Herz vollkommen gesund ist, die Angst jedoch bleibt.

Neben den körperlichen Symptomen kommen noch psychische Symptome wie Schwindel, Unsicherheit und Versagensgefühle.
Für viele Patienten ist jedoch das größte Problem, dass sich der Anfall nicht ankündigt. Dadurch entsteht ein Gefühl der Unsicherheit. Viele Patienten versuchen angstauslösende Situationen zu vermeiden. Sie achten den ganzen Tag ängstlich auf körperliche Symptome, die eine Panikattacke ankündigen. Im besonders schlimmen Fällen gehen Betroffene nicht mehr aus dem Haus, weil sie fürchten, bei einer Panikattacke nicht mehr nach Hause zu kommen.

 

Ursachen einer Panikattacke

Panikattacken können viele Ursachen haben. Wie sie genau entstehen ist noch nicht restlos geklärt. Möglicherweise spielt die Vererbung dabei eine Rolle. Bei manchen Angstpatienten wirken bestimmten Botenstoffe im Gehirn nicht richtig.
Panikattacken treten oft in Zusammenhang mit körperlichen Krankheiten auf. Dies muss zunächst geklärt werden. Kann diese Krankheit erfolgreich behandelt werden, hören auch die Ängste auf. Unter anderem führen folgende Krankheiten zu Ängsten:

  • Angina Pectoris
  • COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung)
  • Schlafmangel
  • Unterzuckerung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Epilepsie
  • Drogen (Alkohol, Opiate, Kokain und andere)
  • Asthma

Viele Ängste lassen sich jedoch auf konkrete Erfahrungen zurückführen. Diese liegen oft in der Kindheit. Alkoholabhängige Eltern oder sexueller Missbrauch können zu Panikattacken führen. Selbst im Erwachsenenalter lösen bestimmten negative Lebenserfahrungen Panikattacken aus. Dazu gehören Scheidung, der Verlust eines nahen Angehörigen, ein schwerer Verkehrsunfall und andere Ereignisse.

Stark gefährdet sind sensible Menschen mit einem Hang zur Ängstlichkeit. Sie erleben körperliche Beschwerden intensiver als andere Menschen und reagieren mit starken Gefühlen darauf.

Bestimmte Stoffe können Angstattacken auslösen. Es genügt oft schon eine Tasse Kaffee. Das Koffein führt zu einem leichten Zittern im Körper, was ängstliche Menschen als Beginn einer Panikattacke interpretieren. Innerhalb von Sekunden entsteht nun tatsächlich eine Attacke mit den bekannten körperlichen Symptomen. Ähnliche Reaktionen können Nikotin, Alkohol oder Tabletten auslösen.

 

Die Diagnose einer Panikattacke

Auch bei Panikattacken ist der erste Ansprechpartner der Hausarzt. Viele kommen nicht wegen Ängste, sondern wegen körperlichen Beschwerden. Deshalb folgt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung. Diese kann der Hausarzt in der Regel nicht allein leisten, deshalb überweist er den Patienten an Spezialisten. Unter Umständen ist sogar ein Klinikaufenthalt notwendig.

Um die Ausprägung der Krankheit zu ermitteln bedienen sich Ärzte und Psychotherapeuten verschiedener Fragebögen. Diese sollen die schwere der Krankheit ermitteln und welche körperlichen Beschwerden auftreten.
Unter anderem kommen folgende Fragen vor:

  • Haben Sie regelmäßig starke Angstgefühle
  • Kommen immer wieder unklare körperliche Symptome wie Zittern, Schwindel, Gefühllosigkeit in Armen und Beinen vor
  • Haben Sie Angst vor der Angst selbst?
  • Tritt die Angst in bestimmten Situationen auf?
  • Kommt es zu Anfällen nach bestimmten Speisen oder Getränken
  • Tritt der Anfall bei starkem Stress aus?
  • Waren Sie wegen dieser körperlichen Beschwerden schon in Behandlung?

Panikattacken dürfen dabei nicht mit Phobien verwechselt werden. Das sind konkrete Ängste vor bestimmten Tieren oder Situationen. Keine Panikstörung ist es, wenn die Anfälle nach einer starken körperlichen Anstrengung auftreten.

 

Die Behandlung von Panikattacken mit Hilfe einer Psychotherapie

Das Mittel der Wahl ist eine kognitive Verhaltenstherapie. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich ein Verfahren, das oft zum Erfolg führt. Allerdings muss dabei der Patient mitarbeiten. Bei besonders starken Panikanfällen kann diese Behandlung im Rahmen eines Klinikaufenthalts durchgeführt werden.

Ein Teil der Therapie besteht darin, einen Panikanfall bewusst auszulösen. Viele Angstpatienten erschrecken zunächst bei dem Gedanken, denn Anfall selbst herbeizuführen. Die kontrollierte Umgebung einer Arztpraxis oder einer Klinik gibt ihnen die Möglichkeit, die Situation zum ersten Mal zu beherrschen. Als Auslöser wird dabei oft eine leichte sportliche Betätigung gewählt. Die Betroffenen laufen einfach längere Zeit auf der Stelle. Bald stellen sich Beschwerden wie Schwindel und Körperzittern ein. Nun geht es darum, diese Zustände zu beobachten. Die Erfahrungen besprechen die Patienten mit dem Therapeuten oder in der Gruppe.

Ein wichtiger Teil der Behandlung besteht darin, sich den Ängsten bewusst zu stellen. Das bedeutet konkret, dass er Situationen, die ihm Angst machen, bewusst aufsucht. Jedes Mal werden die Angstattacken geringer und schließlich verschwinden sie ganz. Dieses Vorgehen ist bei konkreten Ängsten vor Spinnen und großen Flächen gut wirksam. Bei einer generalisierenden Angststörung dauert es manchmal ein wenig länger, da ein direkter Ansatzpunkt fehlt.

Wie oben erwähnt haben manche Panikattacken ihre Ursache in vergangene Traumata. In diesem Fall ist eine Gesprächstherapie oft wirksam. Diese bringt verdrängte Konflikte an die Oberfläche. Durch die Gespräche wird dem Patienten klar, welchen Gefühlen den Angstzuständen zu Grunde liegen. Dadurch können die Panikanfälle weniger werden und schließlich ganz aufhören.

 

Medikamente gegen Panikattacken

Da Ängste eine Volkskrankheit sind, gibt es eine große Anzahl von Medikamenten dagegen. Diese können Psychiater, Nervenärzte und Hausärzte verschreiben. Psychologen verschreiben keine Medikamente.

Das Mittel der Wahl sind sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente sind eigentlich für depressive Patienten gedacht, wirken jedoch auch bei Angstpatienten. Serotonin ist vielen Menschen als Glückshormon bekannt. Bei einem schönen Erlebnis wird dieser Stoff ausgeschüttet und der Mensch fühlt sich gut. Leider wird Serotonin sehr schnell vom Körper wieder aufgenommen. Wie der Name sagt sollen die Medikamente die Wiederaufnahme hinauszögern. Das gute Gefühl bleibt längere Zeit erhalten. Werden diese Medikamente über eine längere Zeit eingenommen, heben sie die Stimmung und der Patient fühlt sich wohler. Der Vorteil ist, dass diese Medikamentengruppe nicht süchtig macht.

Neben den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern gibt es auch Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Die Wirkung ist ähnlich. Nicht jeder Patient verträgt die Medikamente gleich gut. Manche wirken aufputschend und können sogar einen Panikanfall auslösen. Deshalb sollte der Patient mit dem Arzt sprechen und das Medikament gegebenenfalls gegen ein anderes austauschen.
Neben diesen gut verträglichen Medikamenten gibt es noch Benzodiazepine und Neuroleptika. Diese Medikamente sollten nur für kurze Zeit genommen werden und auch nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Sie machen abhängig, was für den Betroffenen weitere Probleme bedeutet.

 

II.: Tipps zur Selbsthilfe für Betroffene

Was tun bei einer Panikattacke?

Die Panikattacke wirkt deshalb so bedrohlich, weil sie unvermittelt auftritt. Viele Betroffene haben zur Sicherheit ihr Handy dabei, um Hilfe zu holen. Das ist nicht richtig, da es sich um eine Vermeidungsstrategie handelt. Besser ist es, die Situation selbst zu beherrschen. Hier eine Möglichkeit, wie der Patient den Anfall in den Griff bekommt.
Eine gute Methode ist die sogenannte Fokussierung. Man konzentriert sich dabei einfach auf die Umgebung und nimmt alles bewusst wahr. Die Menschen um sich, die Gerüche, den Wind auf der Haut. Der Angstpatient öffnet alle Sinne und lässt damit der Angst keinen Raum.

Manche Ärzte empfehlen den sogenannten Body Scan. Wer sich mit Mediation befasst kennt das vielleicht. Der Patient beobachtet seinen Körper. Diesmal aber nicht ängstlich, sondern wertfrei. Er sieht einfach, was los ist, ohne zu werten und zu urteilen. Dadurch macht er sich mit den körperlichen Zuständen besser vertraut und verliert die Angst. Dadurch vergeht die Panikattacke schneller.

 

Autogenes Training und Panikattacken

Eine Angststörung ist unangenehm und es ist nur zu verständlich, dass Betroffene eine effektive Behandlungsmethode suchen. Bei der Suche nach passenden Verfahren treffen sie auch auf Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Diese Methoden eigenen sich gut um sich zu entspannen. Sie helfen jedoch nicht bei Angststörungen. Der Grund liegt auf der Hand. Alles was Betroffene versuchen, um die Ängste zu bekämpfen, löst einen Anfall aus. Es gibt nur eine Methode, mit den Ängsten umzugehen: Sich der Situation auszusetzen.

 

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie

Diese Methode wenden einige Psychotherapeuten und Kliniken an. Darüber existieren mehrere umfangreiche Bücher. Es würde zu weit führen, hier einen genauen Therapieplan aufzustellen. Der Name der Therapie deutet an, wohin die Reise geht. Der Patient lernt, die Angstzustände und die körperlichen Beschwerden zu akzeptieren und sie in sein Leben zu integrieren. Wenn diese keine Macht mehr über den Patienten haben, verschwinden sie und es bleibt nur noch die Erinnerung daran.

 

Sich der Situation stellen I: Soziale Ängste überwinden

Nun noch zwei Beispiele, wie man sich seinen Ängsten stellen kann. Viele Menschen haben Angst vor Lokalen mit vielen Menschen. Noch stärker wird die Beklemmung, wenn es darum geht, einen anderen Menschen kennenzulernen. Am einfachsten ist es, wenn man mit einer Bar beginnt, die wenig frequentiert ist. Man versucht mit dem Kellner ins Gespräch zu kommen. Im nächsten Schritt spricht der Betroffene jemanden an. Reagiert dieser abweisend, akzeptiert man das und versucht sein Glück bei einem anderen Menschen. Das kostet anfangs Überwindung und vor jedem Besuch in einem Lokal ist die Anspannung hoch. Doch schon bald legt es sich und es stellen sich die ersten Erfolge ein. Schon nach kurzer Zeit findet man den ersten Freund/die erste Freundin und baut seinen Bekanntenkreis stetig aus.

 

Sich der Situation stellen II: Angst beim Autofahren

Da Ängste mit körperlichen Problemen verbunden sind, haben viele Patienten Angst vor dem Autofahren. Es ist anfangs nicht ratsam, das Problem allein in den Griff zu bekommen. Das Risiko, einen Unfall zu verursachen ist größer als bei angstfreien Fahrern. Besser ist es, zunächst mit einer Fahrschule zusammenzuarbeiten. Der Lehrer gibt einem zunächst Sicherheit. Je häufiger Betroffene mit dem Auto unterwegs sind, desto mehr geht die Angst zurück. Bald fahren sie die ersten Strecken allein.

 

Fazit: Ängste sind kein unabänderliches Schicksal

Ängste sind unangenehm und sie verhindern eine aktive Teilnahme am Leben. Diese sollten auf jeden Fall überwunden werden. Dabei ist es wichtig, dass es sich der Patient nicht zu einfach macht. Medikamente können diesen Prozess höchstens unterstützen. Die hier beschriebenen Methoden haben sich bewährt und kommen im Rahmen einer Therapie zur Anwendung. Bei leichten Fällen kann der Patient mit den Problemen auch ohne Hilfe fertig werden. Meist ist es besser, einen Psychotherapeuten um Rat zu Fragen. Aufgrund seiner großen Erfahrung kann er dem Angstpatienten einige Tipps geben, sodass die Beschwerden schneller verschwinden.

Tranylcypromin

Tranylcypromin wird vor allem zu Behandlung von Depressionen eingesetzt. Der Einsatz von Tranylcypromin erfolgt bei Patienten mit therapieresistenten Depressionen. Es wird als Reserveantidepressivum eingesetzt, wenn andere Wirkstoffe keinen Erfolg oder wenig Erfolg gezeigt haben oder ein Patient diese nicht verträgt. Des Weiteren wird Tranylcypromin bei Angst- und Panikstörungen eingesetzt oder auch bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

 

Die Geschichte

Tranylcypromin ist bereit seit 1962 auf dem deutschen Markt. Entdeckt würde Tranylcypromin durch einen Zufall, wie viele andere Wirkstoffe und Medikamente auch. Im Jahre 1954 wurde ein MAO-Hemmer bei einem an tuberkulose erkrankten Patienten eingesetzt. Auf die Tuberkulose-Kranken hatte der MAO-Hemmer eine euphorisierende Wirkung, was zu dem Gedanken führte Tranylcypromin gegen Depressionen einzusetzen. Die Nebenwirkungen von Tranylcypromin haben allerdings dazu geführt, dass andere Wirkstoffe gegen Depressionen bevorzugt eingesetzt werden.

Auch die Forschung in Richtung Tranylcypromin wurde weitgehend eingestellt. Das Interesse an dem Wirkstoff stieg erst in den 80er Jahren wieder an, als festgestellt wurde, dass Tranylcypromin hilft, wenn Resistenzen gegen die anderen Wirkstoffe vorhanden sind. Tranylcypromin wurde zu einem Reservemedikament.

 

Tranylcypromin – Wirkung

Eine Depression geht mit einem fehlenden Antrieb einher und mit einer gestörten Stimmung. Dies kann auf einen Mangel an Monoaminen, wie Serotonin und Noradrenalin zurückgeführt werden. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass vermutlich ein genereller Mangel an Neurotransmittern herrscht. Die Monoamine sollen hier erhöht werden. Dies lässt sich mit Medikamenten, wie Tranylcypromin erreichen. Durch den Wirkstoff wird der Abbau der Monoamine gehemmt.

Tranylcypromin ist ein irreversibler und selektiver MAO-Hemmer. In seiner Struktur gleicht er dem Amphetamin. Der Wirkstoff führt dazu, dass Monoaminoxidasen, also körpereigene Amine langsamer abgebaut werden. Monoaminoxidasen (MAO) sind Enzyme, die Amine im Köper abbauen. Sie sind im zentralen Nervensystem als auch in zahlreichen Körpergeweben vorhanden und sorgen für den Abbau von Aminen. Es gibt zwei Arten von Monoaminoxidasen, Typ A und Typ B. Typ A baut in erster Linie Serotonin und Noradrenalin ab. Dopamin und andere werden von Typ B abgebaut. Tranylcypromin hemmt sowohl die Monoaminoxidase A als auch den Typ P. Diese Hemmung kann nicht wieder aufgehoben werden.

 

Darreichungsformen

Tranylcypromin gibt es in Tabletten à 10 Milligramm oder 20 Milligramm. Der Wirkstoff ist unter verschiedenen Handelsnamen auf dem Markt.

 

Dosierung

Die therapeutisch sinnvolle Dosis liegt bei 20 – 60 Milligramm. Die Tabletten sollen morgens oder alternativ morgens und mittags eingenommen werden. Die Dosis wird langsam gesteigert, damit sich der Körper daran gewöhnt. Auf Grund der möglichen aktivierenden Wirkung sollte die letzte Tablette nicht nach 15.00 Uhr genommen werden, um Schlafstörungen zu vermeiden.

 

Nebenwirkungen

Durch den verlangsamten Abbau stehen die Amine bei Stoffwechselvorgängen in höherer Menge zur Verfügung. Auch das körperfremde Tyramin, das mit der Nahrung aufgenommen wird, ist vermehrt vorhanden. Aus diesem Grund muss bei der Einnahme von Tranylcypromin auf Lebensmittel verzichtet werden, die Tyramin enthalten. Zu diesen Lebensmitteln gehören:

  • luftgetrocknete Fleisch- oder Fischprodukte
  • Salzhering
  • Fertigsaucen
  • Fertigsuppen
  • überreifes Obst
  • alkoholische Getränke

Wird nicht auf Nahrung verzichtet, die Tyramin enthalten, ist mit massiven und teils lebensbedrohlichen Folgen und Nebenwirkungen zu rechnen. Hypertensive Krisen können die Folge sein und es kann zu einer Hirnblutung kommen. Dies ist nicht ausschließlich von der Dosis abhängig, sondern auch von Patient zu Patient verschieden.

Auf Grund dieser massiven Folgen ist Tranylcypromin nicht das Mittel der Wahl bei der Behandlung von Depressionen. Der Einsatz erfolgt meist nur dann, wenn andere Wirkstoffe keine oder wenig Wirkung zeigen oder ein Patient kein anderes Medikament verträgt. Weitere Nebenwirkungen sind:

  • Schlafstörungen
  • Gewichtsveränderungen
  • Störungen des Blutkreislaufs mit Schwäche und erhöhtem Kälteempfinden
  • Unruhe
  • Hypotonie
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • erhöhte Temperatur oder auch Fieber
  • Hypertonie, seltener als Hypotonie
  • periphere Ödeme

 

Kontraindikationen – was spricht gegen eine Anwendung von Tranylcypromin?

Tranylcypromin soll nicht angewendet werden bei Patienten, die unter schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Dies gilt insbesondere bei massivem Bluthochdruck. Auch Patienten, die bereits einen Hirninfarkt erlitten haben oder mit Durchblutungsstörungen der Hirngefäße belastet sind, sollten eher auf einen anderen Wirkstoff zurückgreifen. Dies gilt gleichermaßen für Patienten mit erheblichen Leberschäden oder Phäochromozytom.

Zur Anwendung während der Schwangerschaft, der Stillzeit und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten vor. Daher wird auf die Anwendung von Tranylcypromin in diesen Fällen verzichtet. Ein Verzicht auf den Wirkstoff wird ebenfalls bei Epilepsie, einer eingeschränkten Nieren- oder Leberfunktion und Diabetes insipidus empfohlen. Auch bei einer Abhängigkeit, selbst wenn diese schon längere Zeit zurückliegt, sollte Tranylcypromin nicht angewendet werden. Es besteht das Risiko einer erneuten Abhängigkeit. Bei älteren Menschen können die Nebenwirkungen verstärkt auftreten.

Tranylcypromin ist ebenfalls kontraindiziert bei:

  • Phäochromozytom (eine Erkrankung des Nebennierenmarks)
  • sehr hoher Blutdruck
  • geschädigte Blutgefäße des Herzens oder des Gehirns
  • schwere Nieren- oder Leberschäden
  • Diabetes insipidus
  • Porphyrie

Ein sorgfältiges Abwägen sollte bei erniedrigtem oder erhöhtem Blutdruck erfolgen, ebenso wie bei einer erhöhten Krampfneigung oder Epilepsie. Eine Überfunktion der Schilddrüse sollte ebenfalls eine genaue Abwägung nach sich ziehen.

 

Wechselwirkungen

Einige besonders zu beachtende Wechselwirkung besteht mit tyraminhaltiger Nahrung. Diese lässt sich durch eine strikte Diät vermeiden. Weitere Wechselwirkungen treten auf bei Einnahme von Tranylcypromin und gleichzeitiger Einnahme von:

  • Tryptophan
  • Buspiron
  • Amphetamine
  • Pethidin, Tramadol, Dextromethorphan
  • Imipramin
  • selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  • Disulfriram
  • Levodopa
  • indirekte Sympathomimetika
  • Mittel gegen zu hohen Blutdruck, wie Methyldopa unter anderem
  • Insulin
  • Neuroleptika
  • Antidepressiva
  • Schmerzmittel
  • Benzodiazepine
  • direkten Sympathomimetika (z. B. in Medikament zur Steigerung des Blutdrucks, in Nasentropfen oder zur Broncholyse
  • Imipramin
  • indirekte Sympathomimetika

Unterschiedliche Medikamente lösen unterschiedliche Wechselwirkungen aus. Es folgen einige Beispiele der Wechselwirkungen. So können bei der Einnahme von L-Tryptophan delirante Symptome auftreten. Das Medikament Buspiron hat in einigen Fällen zu einem massiven Blutdruckanstieg geführt. Mit schweren Nebenwirkungen ist bei gleichzeitiger Einnahme von Imipramin zur rechnen. Diese reichen von einem massiven Blutdruckanstieg, über Krampfanfälle und Hyperthermie bis hin zum Koma. Die gleichzeitige Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kann zu Reizbarkeit, Hypertension bis zur Hyperthermie mit tödlichem Ausgang führen. Amphetamine haben unter Umständen schwere hypertonische Krisen zur Folge.

Pethidin, Tramadol und Dextromethorphan können lebensbedrohliche Wechselwirkungen im Bereich des ZNS beziehungsweise der Beeinflussung der Kreislauf- und Atemfunktion haben. Ein Delir kann die Folge von gleichzeitiger Einnahme von Tranylcypromin und Disulfriram sein. Levodopa kann einen unkontrollierbaren Blutdruckanstieg zur Folge haben, wenn nicht gleichzeitig Decarboxylase-Hemmstoffe eingenommen werden. Die Verstärkung der Wirkung von Insulin ist möglich. Die Wirkstoffe Atomoxetin und Reserpin können zu einem massiven Anstieg des Blutdrucks oder zu Herzrhythmusstörungen führen. Zwei Wochen vor einer Anästhesie sollte Tranylcypromin nach Möglichkeit abgesetzt werden.

 

Das Absetzen von Tranylcypromin

Das Medikament sollte ausgeschlichen werden und nicht abrupt abgesetzt werden. Auf Grund der strukturellen Ähnlichkeit mit Amphetaminen können ähnliche Entzugserscheinungen auftreten. Das bedeutet, Tranylcypromin muss langsam reduziert werden, bevor es abgesetzt wird. Nach dem Ende der Behandlung können Unruhe, Angst, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Delirium und Halluzinationen auftreten. Die Ursache kann das Absetzen des Wirkstoffs sein oder aber eine wiederkehrende Depression.

 

Überdosierung – Intoxikation

Schläfrigkeit, Zittern, Tachykardie, Tachypnoe, hyper- und hypotoner Blutdruck, Fieber und Agitiertheit können Anzeichen für eine Überdosierung beziehungsweise eine Intoxikation sein.

 

Verträglichkeit

Tranylcypromin weist eine sehr geringe oder fehlende anticholinerge Nebenwirkung auf. Das Krampfrisiko ist sehr gering, wenn überhaupt vorhanden. Allerdings setzt die Anwendung von Tranylcypromin die Einhaltung einer strikten Diät voraus.

 

Wirkungseintritt und Abbau

Die Wirkung von Tranylcypromin tritt sehr schnell ein. Bereits kurz nach der Einnahme ist eine Wirkung vorhanden. Nebenwirkungen und die Wirkung des Wirkstoffs halten ungefähr zwei bis drei Wochen nach dem Absetzen von Tranylcypromin an.

 

Erfahrungen mit Tranylcypromin

Die Erfahrungen mit dem Wirkstoff in Bezug auf eine Depression sind weitgehend gut bis sehr gut. Allerdings machen sich häufig die Nebenwirkungen bemerkbar. Und selbstverständlich muss eine strenge Diät eingehalten werden. Meist fühlen sich die Patienten nach einer Einnahme von Tranylcypromin nach den ersten zwei bis drei Wochen deutlich besser.

 

Tianeptin

Seit November 2012 ist Tianeptin in Deutschland auf dem Markt. Der Wirkstoff ist in Frankreich bereits seit 1988 auf dem Markt. Der Einsatz von Tianeptin erfolgte später in zahlreichen weiteren Ländern der EU. Neu ist er also nur in Deutschland. Die Ergebnisse bis heute sprechen für sich. Das Wirkprinzip von Tianeptin ist einzigartig, da glutamaterge Mechanismen die Neuroplastizität zusätzlich beeinflussen. In der Praxis haben auch die Ergebnisse der Verträglichkeit überzeugt. Heutzutage geht man davon aus, dass neuroplastische und strukturelle Beeinträchtigungen in unterschiedlichen Regionen des Gehirns einen Einfluss auf die Entstehung einer Depression haben.

 

Anwendungsgebiete

Tianeptin wird bei leichten, mittelschweren und schweren Depressionen eingesetzt. Hinweise zur Wirksamkeit bei Zwangsstörungen und Angststörungen liegen ebenfalls vor. Für diesen Bereich existiert jedoch derzeit keine Zulassung, allerdings kann Tianeptin als sogenanntes Off-Label eingesetzt werden. Das bedeutet, dass ein Arzt Tianeptin auch bei anderen Erkrankungen einsetzen kann, obwohl es hierfür keine explizite Zulassung gibt.

 

Tianeptin – die Wirkung

Tianeptin hat eine modulierende Wirkung auf AMPA-Rezeptoren und glutamerge NMDA-Rezeptoren. Es scheint Veränderungen im präfrontalen Cortex und im Hippocampus rückgängig machen zu können oder zu verhindern können. Zumindest wenn diese Veränderungen stressbedingt sind. In der Anfangsphase verhindert Tianeptin die Wiederaufnahme von Serotonin, es ist ein sogenannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Der Erfolg von Tianeptin steht damit in Widerspruch zu den herkömmlichen Depressionstheorien. Dies spricht für die Wirkung des modulierenden Einflusses von Tianeptin auf das glutamerge System.

Im Nucleus accumbens des Vorderhirns erhöht Tianeptin die Dopamin-Konzentration. Die Wirkweise von Tianeptin ist nicht eindeutig geklärt, da der Wirkstoff selbst keine Affinität zu dopaminergen und serotonergen Rezeptoren aufweist. Auch zu den Dopamintransportern oder den Serotonintransportern ist keine Affinität vorhanden.

In erster Linie wird für die Wirkung von Tianeptin der modulierende Einfluss auf das glutamaterge System verantwortlich gemacht. Der Neurotransmitter Glutamat spielt unter anderem eine Rolle bei der Entstehung einer Depression. Im Tierversuch wurde festgestellt, dass stressbedingte, zelluläre und strukturelle Veränderungen im Gehirn durch Tianeptin verhindert oder rückgängig gemacht werden können. Der Stress, der mit einer Depression verbunden ist, hat so keine nachteiligen Folgen auf den präfrontalen Cortex und den Hippocampus.

Das bedeutet, Tianeptin sorgt für eine Wiederherstellung der Neuroplastizität der Amygdala und des Hippocampus. Der Hauptmechanismus scheint eine Hemmung der Hypothalamus-Nebennierenrinde-Achse zu sein. Diese ist bei einer Depression normalerweise überstimuliert. Eine stressinduzierte Atrophie der Dendriten in den Pyramidenzellen des Hippocampus wird so verhindert. Die Lernfähigkeit und das Erinnerungsvermögen und weitere kognitive Fähigkeiten werden positiv beeinflusst.

Tianeptin weist eine strukturelle Ähnlichkeit mit den Benzodiazepinen auf.

 

Darreichungsformen

Tianeptin ist in Form von Tabletten erhältlich. Die Tabletten enthalten 12,5 Milligramm des Wirkstoffs.

 

Dosierung

Tianeptin wird vom Arzt verschrieben und er entscheidet auch über die Dosierung. Die Dosierung für gesunde Erwachsene liegt bei dreimal täglich eine Tablette, morgens, mittags und abends eingenommen. Die empfohlene Dosis liegt also bei 12,5 bis 36 Milligramm. Medikamente mit dem Wirkstoff Tianeptin sollten vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Patienten im Alter von über siebzig Jahren wird eine Dosis von 2 Tabletten pro Tag empfohlen.

 

Wirkungseintritt

Normalerweise setzt die Wirkung innerhalb von ein bis zwei Wochen ein. Bei einer Depression, die nach einem Alkoholentzug auftritt und mit Tianeptin behandelt wird, muss mit einem verzögerten Wirkungseintritt gerechnet werden. Dieser liegt bei vier bis acht Wochen.

 

Nebenwirkungen

Wie bei fast allen Medikamenten treten auch bei Tianeptin die Nebenwirkungen in unterschiedlicher Häufigkeit auf. Nebenwirkungen, die häufig, also bei weniger als einem Patienten von zehn aber mehr als einem Behandelten von einhundert sind:

  • Schläfrigkeit oder Schlaflosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Zittern
  • Kreislaufkollaps
  • eingeschränktes Sehvermögen
  • schnelles oder unnatürliches Herzklopfen
  • Atembeschwerden
  • Schwächegefühl
  • Mundtrockenheit
  • Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall
  • Neuroleptika, Antidepressiva, Schmerzmittel, Benzodiazepine
  • Brustschmerz
  • Sodbrennen
  • Rückenschmerzen

Gelegentlich treten Nesselsucht oder Juckreiz auf. Und selten tritt eine Arzneimittelabhängigkeit auf, in erster Linie dann, wenn bereits schon einmal eine Abhängigkeit aufgetreten ist. Dies kann Drogen- oder Alkoholmissbrauch gewesen sein.

Im Vergleich mit anderen Trizyklika gibt es unter der Einnahme von Tianeptin weniger gastrointestinale Störungen, Gewichtszunahmen, Tremor, Zunahme der Herzfrequenz oder ZNS-Nebenwirkungen. Ebenfalls treten weniger häufig sexuelle Funktionsstörungen unter der Einnahme von Tianeptin auf. Mundtrockenheit tritt hingegen häufiger auf.

 

Kontraindikationen

Bei einer Überempfindlichkeit gegen Tianeptin-Natrium oder sonstige Bestandteile des Medikaments sollte auf die Einnahme von Tianeptin verzichtet werden. Dasselbe gilt bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Medikamenten gegen Depressionen, insbesondere bei MAO-Hemmern. Diese sollten ungefähr einen Tag vor der Einnahme von Tianeptin abgesetzt werden. Werden MAO-Hemmer nach einer Therapie mit Tianeptin verordnet, sollte das Tianeptin ungefähr zwei Wochen vorher abgesetzt werden. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte auf die Einnahme von Tianeptin verzichtet werden. Verzichtet werden sollte auch auf die Einnahme bei Jugendlichen unter 15 Jahren.

 

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Tianeptin

Gedanken an Selbstverletzungen und Suizid können bei Depression oder Angststörungen verstärkt sein, und zwar so lange, bis das Medikament wirkt. Dies dauert meist zwei Wochen. Die Einnahme von Tianeptin sollte vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden vor einer Anästhesie unterbrochen werden. Bei einer eingeschränkten Nieren- oder Leberfunktion muss eine Dosisanpassung erfolgen.

Der Wirkstoff Tianeptin kann zu Sehstörungen führen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Zu Beginn der Behandlung oder bei einer Steigerung der Dosis sollte daher auf das Führen eines Kraftfahrzeugs und die Bedienung von Maschinen verzichtet werden. Der Wirkstoff darf nicht über 30 Grad Celsius gelagert werden und ist verschreibungspflichtig.

 

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen gibt es bei Tianeptin nicht allzu viele. Der Wirkstoff darf nicht eingenommen werden, wenn gleichzeitig MAO-Hemmer verschrieben wurden. Das Risiko für Bluthochdruck, Krämpfe, Kreislaufkollaps, Hyperthermie und Tod wird deutlich erhöht. MAO-Hemmer sollten vierzehn Tage vor der Einnahme von Tianeptin abgesetzt werden. Wie bei den meisten Psychopharmaka sollte auf den Konsum von Alkohol während der Einnahme verzichtet werden. Alkohol verringert die Aufnahme des Wirkstoffs Tianeptin, dies führt zu einer verminderten Wirkung.

 

Tianeptin absetzen

Tianeptin sollte schrittweise über einen Zeitraum von sieben bis vierzehn Tagen reduziert werden. Von einem unmittelbaren, abrupten Absetzen wird abgeraten. Vor Operationen wird ein Absetzen ungefähr ein bis zwei Tage vorher angeraten.

 

Überdosierung und Intoxikation

Eine Überdosierung von Tianeptin zeigt sich mit folgenden Anzeichen und Symptomen:

  • Verwirrungszustände
  • Somnolenz
  • Mundtrockenheit
  • Atemnot
  • Konvulsionen

In Falle einer Überdosierung ist eine Magenspülung erforderlich, sofern das Medikament nicht mehr als zwei Stunden vor der Hospitalisierung eingenommen wurde. Ist der Zeitraum überschritten, kann Aktivkohle helfen. Der Patient muss überwacht werden. Es erfolgt eine symptomatische Behandlung.

 

Erfahrungen mit Tianeptin

Die Erfahrungen von Patienten, die Tianeptin einnehmen, sind im Allgemeinen sehr gut. Nebenwirkungen treten so gut wie nicht auf. Die Patienten fühlen sich wohler als vor der Einnahme. Auch bei Einnahmen über längere Zeiträume wird selten von Nebenwirkungen berichtet. Im Gegenteil, viele Patienten, die im Vorfeld mit anderen Antidepressiva behandelt wurden, sind sehr zufrieden mit Tianeptin. Sie beschreiben eine deutliche Abnahme der Nebenwirkungen im Gegensatz zu den anderen Medikamenten. Teilweise verschwinden auch sämtliche Nebenwirkungen, die andere Medikamente zur Folge hatten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Tianeptin für jeden Patienten die bessere Alternative ist.

 

Imipramin

Imipramin ist ein Antidepressivum und gehört strukturell zur Klasse der trizyklischen Antidepressiva.

Anwendungsgebiete

Imipramin ist zugelassen zur Behandlung von

  • Depressionen
  • chronischen Schmerzen
  • Nachtangst und Einnässen bei Kindern über 5 Jahren
  • Zwangs- und Panikstörungen

 

Geschichte von Imipramin

Imipramin wurde ursprünglich als Antipsychotikum von der Pharmafirma Geigy, heute Novartis entwickelt. Es sollte gegen Psychosen und Wahnvorstellungen helfen. In klinischen Studien stellte sich jedoch heraus, dass es dahingehend wirkungslos war.
Der Psychiater Roland Kuhn fand allerdings heraus, dass es sich zur Behandlung von Depressionen gut eignete. Daraufhin kam Imipramin 1958 unter dem Namen Tofranil auf den Markt. Es diente fortan als Standard- und Vergleichssubstanz, mit der die Wirksamkeit aller neuen Entwicklungen verglichen werden konnte.

 

Wirkung / Wirkstoff

Imipramin wirkt auf die Übermittlung von Signalen im Gehirn, indem es die Wiederaufnahme stimmungsaufhellender Botenstoffe, sogenannter Neurotransmitter in die Nervenzellen hemmt. Somit wird die Konzentration derjenigen Botenstoffe erhöht, deren Mangel ein typisches Zeichen bei depressiven Erkrankungen ist.
Die Kommunikation von Nervenzellen findet über chemische Botenstoffe statt. Dabei gibt eine Nervenzelle einen Neurotransmitter ab, eine andere Nervenzelle registriert diesen über Rezeptoren. Dies sind Strukturen, die den Neurotransmitter empfangen und somit die Signalweiterleitung in der Nervenzelle auslösen. Normalerweise werden anschließend die Neurotransmitter wieder in die abgebende Zelle aufgenommen. Man unterscheidet dabei zwischen Neurotransmittern, die erregend (z.B. Noradrenalin, Serotonin) oder hemmend (z.B. Gamma-Aminobuttersäure) auf die Nervenzelle wirken. Es gibt ebenfalls Botenstoffe, die sowohl erregend als auch hemmend (z.B. Dopamin) wirken.
Die medikamentöse Erhöhung der Konzentration dieser Neurotransmitter, durch Hemmung der Wiederaufnahme in die Nervenzelle kann die Symptome einer depressiven Verstimmung damit bessern.
Imipramin erhöht hauptsächlich die Konzentration der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Blutplasma.
Das Medikament weist eine antriebsneutrale Wirkung auf, das bedeutet antriebsaktivierende und -dämpfende Wirkmechanismen gleichen sich aus.
Imipramin wirkt außerdem auf weitere Prozesse im Gehirn und verursacht so die charakteristischen Nebenwirkungen von Antidepressiva dieser Substanzklasse.

 

Wirkungseintritt

Imipramin wird nach der oralen Einnahme über den Darm ins Blut aufgenommen, anschließend wird es sofort zur Leber transportiert, wo bis zu 70% des Arzneistoffs abgebaut wird. Nach etwa zwei Stunden kann die höchste Konzentration des Wirkstoffes im Blutplasma gemessen werden. Die in der Leber entstehenden Abbauprodukte, vor allem Desipramin haben ebenfalls noch antidepressive Wirkung. Die Ausscheidung der Wirkstoffe geschieht über die Nieren mit dem Urin. Nach etwa 6 Stunden hat sich die Wirkstoffkonzentration im Körper halbiert.
Der stimmungsaufhellende Effekt stellt sich aber zumeist erst nach zwei- bis vierwöchiger Einnahme von Imipramin ein. Die mit der Einnahme einher gehenden unerwünschten Wirkungen lassen aber zumeist mit zunehmender Einnahmedauer nach.

 

Nebenwirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Imipramin treten gehäuft bei beginnender Behandlung mit diesem Medikament auf und verringern sich mit zunehmender Behandlungsdauer oder bleiben dann vollständig aus.
Bei etwa 1 aus 10000 der mit Imipramin Behandelten zeigt sich

  • Erschöpfung
  • Müdigkeit
  • gestörter Schlaf
  • Beschwerden des Magen-Darm Traktes, wie Überkeit, Erbrechen und Verstopfung
  • verringerter Appetit
  • trockener Mund
  • Zunahme von Gewicht
  • Kopfschmerz
  • Schwindelgefühle
  • Schweißausbrüche
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • Orientierungslosigkeit
  • körperliche Missempfindungen, wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • paradoxe Gedanken, wie Selbstmordgedanken, Angstattacken, Unruhe, Erregung
  • Sehstörungen, wie gestörte Anpassungsfähigkeit des Nah- und Fernsehens, Verschwommenheit
  • trockene Augen
  • Hautirritationen, wie Ausschlag
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzrasen
  • geringer Blutdruck
  • Störungen der Leberfunktion
  • verändertes Blutbild
  • gestörte Sexualfunktionen
  • Zittern

 

Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen und Beschränkungen der Einnahme

Wenn Imipramin eingenommen wird, sollte auf die gleichzeitige Einnahme von alkoholischen Getränken oder Nahrungsmitteln verzichtet werden.

Eine Verstärkung der beruhigenden Wirkung ist zu erwarten bei gleichzeitiger Einnahme von

  • dämpfenden Medikamenten, wie etwa Schlaf-, Schmerz-, Allergiemitteln
  • Mitteln, die die Harnausscheidung und Sekretabsonderung hemmen
  • weiterer Antidepressiva
  • zusätzlicher Einnahme von Blutdrucksenkern
  • Eine wirkungsschwächender Effekt stellt sich ein bei gleichzeitiger Einnahme von
  • hormonellen Verhütungsmitteln (z.B. Anit-Baby-Pille)
  • Schlafmitteln
  • Medikamenten gegen Epilepsie

Nicht eingenommen werden sollte Imipramin bei

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Schwangerschaft, Stillzeit

 

Schwangerschaft und Stillzeit

Es sind bisher keine eindeutigen Ergebnisse bekannt, nach denen die Imipramin-Einnahme zu Fehlbildungen des ungeborenen Kindes führen könnte. Dennoch sollte die Einnahme des Medikaments besonders im ersten Trimester der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung von Nutzen zu Risiken eingesetzt werden. Wurde das Antidepressivum vom 2. Trimester bis zur Geburt durch die Mutter eingenommen, so sind in einigen Fällen Anpassungsstörungen des Neugeborenen beobachtet worden. Diese Störungen traten in den ersten Tagen nach der Geburt auf und betrafen den Magen-Darm-Trakt, das Atmungssystem und das Nervensystem des neugeborenen Kindes.
In jedem Falle muss das Neugeborene nach der Geburt intensiv hinsichtlich möglicher Nachwirkungen des Arzneimittels beobachtet werden.
Da das Medikament in die Muttermilch übergeht, gilt auch hier Nutzen zu Risiken abzuwägen, bevor Imipramin eigenommen wird. Eventuell ist es ratsam, vor Einnahme von Imipramin abzustillen.

 

Dosierung

Imipramin wird oral als Tablette außerhalb der Mahlzeiten mit ausreichend Wasser eingenommen.
Üblicherweise wird die Behandlung mit einer geringen Konzentration des Wirkstoffes begonnen und bis zum Erreichen der gewünschten Wirkung gesteigert. 50 bis 150 mg beträgt die übliche Tagesdosis, welche auf 2-3 Einnahmen aufgeteilt werden sollte.

 

Imipramin absetzen

Um das Medikament abzusetzen, sollte die Dosierung unter ärztlicher Anleitung langsam abnehmend ausgeschlichen werden, um Entzugserscheinungen so gering wie möglich zu halten.
Bei manchen Patienten kann das Medikament über einige Wochen ausgeschlichen werden, bei anderen ist es nötig, dies über mehrere Monate auszudehnen. Ein zu abruptes Absetzen von Imipramin kann zu Symptomen wie Übelkeit/Erbrechen, Kopfschmerzen oder grippeähnlichen Symptomen führen. Weiterhin wurden Schlafstörungen, Unruhe und Stimmungsschwankungen beobachtet. Es kann im Weiteren zu Entzugserscheinungen kommen, die den Symptomen der ursprünglich behandelten Depression entsprechen.

 

Erfahrungen mit Imipramin

Die Erfahrungen mit dem Medikament Imipramin sind von Mensch zu Mensch verschieden. Jeder Körper mit seiner ihm eigenen genetischen und epigenetischen Ausstattung reagiert völlig verschieden auf dasselbe Medikament. Je nach Schwere der Depression, körperlicher Konstitution und medizinischer Vorgeschichte erlebt jeder die Wirkungen und Nebenwirkungen des Arzneimittels anders. Einige kommen gut damit zurecht, für andere wiegen die Nebenwirkungen schwerer als der Nutzen.
In jedem Falle sollte die Einnahme von Medikamenten gegen depressive Verstimmungen sorgfältig abgewogen und mit einem Arzt besprochen werden. Chemische Antidepressiva sind in der Lage, einen Menschen in einen Zustand zu versetzen, in dem dieser seine Umwelt in geringerer Intensität wahrnimmt und möglicherweise dadurch weniger am Leben teil hat. Die chemischen Antidepressiva sollten nicht der erste Schritt im Kampf gegen die Depression sein.

Quellen:

Nortroptylin / Amitriptylin

Zur Behandlung von depressiven Erkrankungen kann auch der stimmungsaufhellende Wirkstoff Nortroptylin aus den trizyklischen Antidepressiva eingesetzt werden. Bei dieser Therapie soll vor allem verhindert werden, dass Noradrenalin in das präsynaptische Neuron wieder aufgenommen wird. Wie die Anwendung erfolgen sollte und welche Nebenwirkungen und möglichen Wechselwirkungen es gibt, erfahren Sie im folgenden Artikel.

 

Anwendungsgebiete

Bei einer stark ausgeprägten Depression soll Nortroptylin Anwendung finden. Suchen Sie jedoch sofort einen Arzt auf, wenn sich Ihre Erkrankung nicht bessert oder sogar noch verschlimmert. Gerade auch dann, wenn Ihre Gedanken um Selbstverletzung oder -tötung kreisen.

Bei einer Einnahme sollten die folgenden Anwendungshinweise beachtet werden und ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker die vorgeschlagene Gesamtdosis nicht überschritten werden.

Nortroptylin wird in Form von Filmtabletten verabreicht, diese sollten jeweils mit Flüssigkeit, idealerweise mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Wie lange die Einnahme dauert, richtet sich nach der Art der Beschwerden. Daher wird die Dauer immer vom Arzt bestimmt.

 

Gegenanzeigen

Bei den Gegenanzeigen wird aufgezeigt, wann Sie Nortroptylin Sie nicht einnehmen sollten oder wann Sie nur nach Rücksprache mit dem Arzt dieses Arzneimittel einnehmen können. So sprechen vor allem eine Überempfindlichkeit/Allergie bei Aufnahme eines oder mehrerer der Inhaltsstoffe, ein erst kürzlich erfolgter Herzinfarkt, Herzrythmusstörungen sowie eine koronare Herzkrankheit gegen die Einnahme.

Ebenso sollte auf die Einnahme verzichtet werden, wenn die entsprechende Person das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. In diesem Fall darf Nortroptylin gar nicht verabreicht werden. Bei älteren Patienten hingegen sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen und die Einnahme genau abgestimmt werden. Ebenso sind hier engmaschige Kontrollen durch den Arzt einzuhalten.

Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist die Einnahme ebenfalls nicht empfehlenswert. Sind Sie schwanger, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. So kann das Mittel während einer Schwangerschaft aus ärztlicher Sicht eventuell erforderlich sein. Sind Sie in der Stillzeit ist es ratsam abzustillen, wenn Sie das Arzneimittel einnehmen wollen oder müssen, etwa wegen einer Wochenbettdepression.

Oftmals werden Arzneimittel trotz der aufgeführten Gegenanzeigen vom Arzt verschrieben. Sind Sie sich unsicher, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt der Ihnen erklären kann, warum der therapeutische Nutzen in Ihrem Fall bei der Einnahme höher ist, als das Risiko einer Gegenanzeige.

 

Die Geschichte des Mediakements

Nortroptylin ist ein Arzneimittel der Firma Glenmark Pharmaceuticals Ltd. Hierbei handelt es sich um ein Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Indien, Mumbai. Der Hauptmerk der Forschung liegt auf biologischen und chemischen Wirkstoffen. Seit 2010 hat die Tochtergesellschaft Glenmark Arzneimittel GmbH Ihren Sitz in Deutschland in Gröbenzell in Bayern.

Doch bereits im Jahr 1964 wurde der Wirkstoff in der Schweiz zugelassen und kam hier in Form von Filmtabletten in den Handel. Im Jahr 2016 wurde der Vertrieb in der Schweiz eingestellt. In Deutschland läuft der Vertrieb von Nortroptylin jedoch weiter.

 

Wirkung / Wirkstoff

Der aktive Wirkstoff in dem Arzneimittel besteht zu 10 mg pro einer Filmtablette aus Nortroptylin hydrochlorid. Zusätzlich enthalten sind Lactose-1-Wasser, Maisstärke, Calciumhydrogenphosphat-2-Wasser, pflanzliches Magnesium, Hypromellose sowie Glycorol, Titanoxid und Ethylcellulose.

Der in Nortroptylin enthaltende vorwiegende Wirkstoff greift in die Signalübermittlung im Gehirn ein. Hierbei wird die Dauer der Wirkung der Botenstoffe erhöht, die stimmungsaufhellend das Gehirn beeinflussen. So kann die allgemeine Stimmungslage verbessert und einer Depression gegengewirkt werden.

 

Wirkungseintritt

Das Arzneimittel wird oral mittels einer Filmtablette verabreicht. Durch die hohe Bioverfügbarkeit wird das Arzneimittel hepatisch im Stoffwechsel aufgenommen und schnell verarbeitet. Bis zu 90 Stunden kann die Plasmahalbwertszeit betragen, danach wird der Wirkstoff über den Urin ausgeschieden. So ist der Wirkstoff bereits bei einer täglichen Dosis von nur einer Tablette ständig im Körper verfügbar. Je nach Schwere der Depression wird die Dosis dann entsprechend erhöht.

 

Nebenwirkungen

Es gibt eine Reihe von Nebenwirkungen, die eintreten können, aber nicht zwingend eintreten müssen. Dennoch müssen diese Nebenwirkungen im Beipackzettel aufgeführt werden, auch wenn diese bei der Mehrzahl der Patienten, die das Medikament eingenommen haben, gar nicht aufgetreten sind und diese während der Einnahmezeit keine Nebenwirkungen aufzählen können.

Hinzu kommt, dass die Nebenwirkungen auch vereinzelt auftreten können. So wurden in der Auflistung gerade die Nebenwirkungen berücksichtigt, die bei 1:1000 Patienten und mehr aufgetreten sind. Mögliche Nebenwirkungen sind daher:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Erbrechen, Verstopfung, Durchfall oder Übelkeit
  • Durstgefühl
  • Mundtrockenheit
  • Geschmackstörungen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Gewichtszunahme
  • Schlafstörungen
  • Schlaflosigkeit
  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Alpträume
  • Krampfanfälle
  • Delirium (Verwirrtheit)
  • Zittern
  • Koordinationsstörung
  • Manie
  • Konzentrationsstörungen
  • Missempfindungen
  • Paradoxe (sonderbare) Reaktionen
  • Nervosität, Selbstmordgedanken, Angstzustände
  • Schwitzen
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Nervenschädigungen
  • Sehstörungen
  • gestörtes Nah- und Fern-, oder verschwommenes Sehen
  • Augeninnendruck wird erhöht
  • Nase scheint verstopft
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut
  • Nessel- oder Hautausschlag, Gesichtsschwellungen
  • Niedriger Blutdruck
  • damit verbundene Kreislaufstörungen
  • Kollapsneigung
  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen und bedingte Herzrythmusstörungen
  • Herzklopfen
  • Pulsbeschleunigung
  • Störung der Blase
  • Leberfunktionsstörungen
  • Störung der Sexualfunktion
  • bei Frauen Milchabsonderung (Galaktorrhoe)

Bemerken Sie eine der oben genannten Störungen in der Befindlichkeit und waren diese vor der Einnahme noch nicht in Erscheinung getreten, sollten Sie sich sofort an Ihren Arzt wenden.

 

Wechselwirkungen

Zu den sogenannten Wechselwirkungen kommt es immer dann, wenn Sie mehrere Arzneimittel gleichzeitig anwenden. Hierbei kommt es dann dazu, dass die Nebenwirkungen oder sogar auch die Wirkung der gleichzeitig eingenommenen Arzneimittel sich verändern. Daher sollten Sie bei einer regelmäßigen Einnahme von Arzneimitteln dies vorab mit Ihrem Arzt abklären.

Aber auch sporadisch eingenommene Kopfschmerz- oder Magentabletten können eine Wechselwirkung verursachen oder die eigene Wirkung verlieren.

Die Wirkstoffe der verschiedenen Arzneimittel können sich hierbei unterschiedlich beeinflussen. So kann es zu einer Behinderung der Aufnahme eines der Mittel im Darm kommen. Aber auch das schnellere Ausscheiden über die Nieren ist möglich. So kann ein Arzneimittel die Wirkung des zweiten abschwächen, aufheben oder verstärken. Ebenso können die Nebenwirkungen eines Arzneimittels bei gleichzeitiger Einnahme intensiviert werden.

Auf sämtliche alkoholische Getränke sowie auch Speisen sollten Sie im Fall der Einnahme von Nortroptylin verzichten. Ebenfalls sollten Sie auf Vitamin- oder Mineralstoffpräparate verzichten

 

Dosierung

Haben Sie die Einnahme einmal vergessen, sollten Sie nicht bei der nächsten Einnahme die doppelte Dosierung wählen. Denn dann kann es zu einer Überdosierung kommen, die das Folgende verursachen kann:

  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Pupillenerweiterung,
  • Erbrechen
  • Mundtrockenheit
  • Atemstörungen
  • Blutdruckabfall
  • Krämpfe

Gerade bei älteren Menschen, Kleinkindern und Säuglingen sollte immer auf die richtige Dosierung aller Medikamente besonders gewissenhaft geachtet werden. Eine Dosierung, die der Arzt verordnet hat, kann immer von der Dosierungsangabe in der Packungsbeilage abweichen. Denn bei einer individuellen Dosierung bestimmt der Arzt und Nortroptylin sollte genau nach dessen Anweisungen eingenommen werden.

Wurde die Dosierung nicht von Ihrem Arzt geändert, dann sieht diese bei Nortroptylin Filmtabletten 10 mg wie folgt aus:

Erwachsene sollten auf eine Einzeldosis von einer Tablette bis zu einer täglichen Gesamtdosis von drei bis vier Mal täglich eine Tablette achten. Die Einnahme ist hierbei unerheblich von Mahlzeiten. Alternativ kann auch eine tägliche Einzeldosis von drei bis vier Tabletten einmal am Tag und hier entsprechend am Abend eingenommen werden.

Sie sollten jedoch immer darauf achten, gerade dann, wenn der Arzt die Dosis festgelegt hat, dass Sie nicht mehr als 15 Tabletten pro Tag einnehmen. Gerade ältere Patienten sowie Patienten mit einer Leberfunktionsstörung sollten vor der Einnahme den Arzt für ihre persönliche Dosierung fragen.

 

Nortroptylin / Amitriptylin absetzen

Wurde vom Arzt das Arzneimittel verschrieben, sollte es auf keinen Fall ohne vorherige Rücksprache abgesetzt werden. Bemerken Sie jedoch bei der Selbstmedikation eine oder mehrere der genannten Nebenwirkungen und sind diese vor der Einnahme von Nortroptylinbzw. Amitriptylin  noch nicht aufgetreten, dann sollten Sie das Arzneimittel absetzen und Ihren Arzt aufsuchen.

Ebenso, wenn es zu vermehrt auftretenden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommt. Haben Sie während der Einnahme Alkohol konsumiert ist es hilfreich, die nächsten Stunden auf die Einnahme von Nortroptylin / Amitriptylin zu verzichten und später mit der normalen Dosierung wieder fortzufahren.

 

Erfahrungen mit Nortroptylin / Amitriptylin

Die Erfahrungen, die die meisten Patienten mit Nortroptylin / Amitroptylin gemacht haben, sind in der Wirksamkeit als überdurchschnittlich gut zu bezeichnen. So gaben etwa 70 % an, dass das Mittel sehr wirksam sei. Hierbei wurden vor allem Männer und Frauen in einem Alter zwischen 40 und 60 Jahren befragt, die am häufigsten dieses Mittel einnehmen. Bei über 70 Jahren kam es zu keiner Einnahme mehr, bei den 18 bis 40 jährigen lag die Einnahmequote bei unter 15 %.

Dementgegen wurde jedoch auch ermittelt, dass die Anzahl der Nebenwirkung bei über 50 % im Durchschnitt liegt, wobei hier schon von einem sehr hohen Wert gesprochen werden kann.

Dennoch sind Patienten der Meinung, dass sie aufgrund der guten Wirkung die ein oder andere Nebenwirkung gerne in Kauf nehmen. Häufig wurde jedoch bei Frauen mittleren Alters ein extremer Haarausfall beschrieben.

Bupropion

Bupropion gehört zu den pharmazeutischen Wirkstoffen, die laut § 1 i. V. m. Anlage 1 Arzneimittelverschreibungsverordnung nur gegen ärztliche Verschreibung (in verschreibungspflichtigen Arzneimitteln) an Patienten ausgegeben werden dürfen.

In der offiziellen Arzneimittel-Klassifikation vom staatlichen Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) wird Bupropion in drei verschiedenen Wirkstoffgruppen geführt:

  • N06 Psychoanaleptika (psychoaktive Substanzen, die den Organismus anregen bzw. die Stimmung aufhellen), hier N06A Antidepressiva, ATC-Code N06AX12 Bupropion
  • N07 Andere Mittel für das Nervensystem, hier N07B Mittel zur Behandlung von Suchterkrankungen, N07BA Mittel zur Behandlung der Nikotinabhängigkeit Raucherentwöhnung), ATC-Code N07BA02 Bupropion

Neben diesen Hauptanwendungsgebieten wird Bupropion im Kombination mit Naltrexon als Schlankheitsmittel eingesetzt: AO8, A08A Antiadiposita, exkl. Diätika (Schlankheitsmittel, ohne medizinische Diät-Lebensmittel), hier A08AA Zentral wirkende Antiadiposita, ATC-Code A08AA62 Bupropion und Naltrexon.

Im Off-Label-Use außerhalb der Zulassung wird Bupropion zur Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS eingesetzt.

Kurze Geschichte des Medikaments

Bupropion wurde in den USA 1984 als Antidepressivum zugelassen, zunächst in nicht-retardierter Form und einer sehr viel höheren Dosierung, als heute zugelassen ist. Diese Zulassung wurde 1986 entzogen, weil der Wirkstoff mehrfach Krampfanfälle mit teils tödlichem Ausgang verursacht hatte.

Nun folgten zusätzliche Studien, in denen festgestellt wurde, dass diese Krampfanfälle eine dosisabhängige, seltene Nebenwirkung darstellen. 1989 wurde Bupropion in niedrigerer Dosierung in den USA erneut zugelassen; 1996 ließ die FDA (Food and Drug Administration) eine Retard-Formulierung zu, die 2-mal täglich genommen werden konnte bzw. musste; 2003 wurde eine Extended-Release-Version (XL, XR) zugelassen, die nur einmal pro Tag eingenommen werden muss.

In Deutschland wurde Bupropion als Antidepressivum gleich in der in der retardierten Form mit verzögerter Freisetzung zugelassen. Die Zulassung für das Original-Medikament mit Markennamen Elontril wurde zum 2. April 2007 erteilt; vor dieser amtlichen Zulassung war Bupropion als Antidepressivum bereits im Off-Label-Use in Gebrauch. Inzwischen ist der Patentschutz (der bei Psychopharmaka üblicherweise 10 Jahre beträgt) für Elontril ausgelaufen, neben dem Original-Präparat sind deshalb inzwischen zahlreiche Generika (Nachahmerpräparate) auf dem Markt.

 

Wirkung / Wirkstoff

Wie bei allen Antidepressiva ist der Wirkmechanismus von Bupropion darauf gerichtet, den bei Depressionen höchstwahrscheinlich gestörten Serotonin-Noradrenalin-Hirnstoffwechsel wieder auszugleichen. Wie bei den meisten Antidepressiva soll dazu der Stoffwechsel der körpereigenen Neurotransmitter beeinflusst werden; wobei der genaue Wirkmechanismus von Bupropion noch nicht vollständig geklärt ist.

Bupropion wird meist bei den selektiven Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmern (NDRI) eingeordnet, die die Verfügbarkeit beider Substanzen im Gehirn erhöhen, indem sie die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in ihre Speicher verhindern. Was inzwischen über den genauen Wirkmechanismus bekannt ist, lässt jedoch Zweifel an dieser Einordnung aufkommen:

Die Einordnung als schwacher Dopamin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer basiert auf Tierexperimenten, wobei für die Wiederaufnahmehemmung ein Verhältnis von 2:1 Dopamin zu Noradrenalin beobachtet wurde. Mit modernen Untersuchungsmethoden konnte aber inzwischen festgestellt werden, dass Bupropion zugleich auch die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin verursacht und deshalb in der Wirkung eher Amphetaminen ähnelt (Bupropion ist auch chemisch eng mit den Amphetaminderivaten Amfepramon und Cathinon verwandt, zum Ganzen siehe www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0074774209880094?via%3Dihub).

Je besser Bupropion mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersucht werden kann, desto mehr wird die klinische (praktische) Relevanz seiner dopaminergen Wirkung jedoch auch schon wieder bezweifelt: Bupropion wird intensiv verstoffwechselt (über 87 % Bioverfügbarkeit). Sein Metabolit (Stoffwechselprodukt) Hydroxybupropion, der bereits während des First-Pass-Stoffwechsels (sofortige Verstoffwechslung nach Einnahme) in der Leber gebildet wird, erreicht eine bis zu 20fache Konzentration des Wirkstoffs Bupropion. Hydroxybupropion wirkt als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (und wahrscheinlich auch als Noradrenalin-Freisetzungsmittel) etwa gleich stark wie Bupropion; als Dopamin-Wiederaufnahmehemmer wirkt der Metabolit allerdings wesentlich schwächer. In mehreren Studien unter Einsatz von Positronen-Emissions-Tomographie konnte inzwischen am Patienten gezeigt werden, dass die Dopamin-Transporter nur in geringem Maße (14 %-26 %) durch Bupropion besetzt werden und die extrazelluläre Dopamin-Konzentration nach Einnahme keinen Anstieg des Dopaminspiegels nachweist. Nach aktuellem Stand der Forschung lässt sich die Wirkung von Bupropion daher eher mit der Wirkung von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) vergleichen.

Mit kleinen, aber wichtigen Abweichungen:

  • Bei ängstlicher Depression wirkt Bupropion nachweislich schlechter als SSRI
  • Es gibt Hinweise, dass Bupropion bei der Fatigue (schnellere körperliche und psychische Ermüdung), die oft mit depressiven Syndromen einhergeht, besser wirkt als SSRI
  • In Bezug auf Response (Ansprechen auf die Behandlung, Besserung >=50%) und Remission (Erreichen von Symptomfreiheit) wurde bisher lediglich untersucht, dass Bupropion schlechter als Venlafaxin wirkt
  • Gezeigt wurde auch, dass Bupropion nach Therapieversagen der häufigsten Ersttherapie Citalopram als Zweitlinientherapie ähnlich gut wirkt wie Buspiron, Sertralin, Venlafaxin (Remission bei ca. 1/4 der Patienten)

Bupropion wurde in Kombinationen mit verschiedenen SSRI untersucht und wirkte sich dabei positiv auf die sexuellen Dysfunktionen aus, die die Einnahme von SSRI häufig auslöst. Es gibt Hinweise, dass Bupropion auch bei Kombination mit weiteren Antidepressiva manche Nebenwirkungen wie Müdigkeit ausgleichen kann. Da systematische Untersuchungen dieses Bereichs jedoch noch ausstehen, ist Bupropion bisher nicht zur Anwendung gegen/bei Nebenwirkungen anderer Antidepressiva zugelassen.

Bei der Raucherentwöhnung zeigt sich Bupropion als etwa ebenso wirksam wie Nikotinpflaster und vermutlich etwas weniger wirksam als Vareniclin; ist aber nur bei einer bestimmten (bei europäischstämmigen Menschen weit verbreiteten) Genvariante eine erfolgversprechende Therapie-Option. Im Einsatz zur Appetitminderung und Gewichtsreduktion hat sich die Kombination Bupropion und Naltrexon in klinischen Studien als wirksame Methode für Adipositas-Patienten erwiesen. Die Anwendung auf ADHS ist als ärztliche Einzelfall-Entscheidung an Patienten unter 18 Jahren bisher weder in Bezug auf Sicherheit noch in Bezug aus die Wirksamkeit hinreichend untersucht.

Wirkungseintritt

Laut Fachinformation zu Elontril kann die erste Wirkung gewöhnlich ca. 14 Tage nach Beginn der Therapie festgestellt werden. Die volle antidepressive Wirkung soll sich jedoch – wie bei allen Antidepressiva – möglicherweise erst nach einer mehrwöchigen Behandlung zeigen.

Es wird empfohlen, Patienten mit Depressionen über eine ausreichende Zeit von mindestens 6 Monaten mit Elontril zu behandeln, um die Symptomfreiheit sicher zustellen.

 

Nebenwirkungen von Bupropion

In seinem Nebenwirkungsprofil unterscheidet sich Bupropion ziemlich von den üblichen Antidepressiva; die typischen Nebenwirkungen ähneln eher denen, die bei der Einnahme von Psychostimulanzien auftreten.

Sehr häufig (bei mehr als einem von 10 Patienten) reagieren Patienten mit Schlaflosigkeit (oft vorübergehend, wird meist weniger, wenn Bupropion nicht kurz vor dem Schlafengehen eingenommen wird), Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit oder Erbrechen.

Häufig (bei weniger als jedem 10. und mehr jedem 100. Patienten) treten folgende Nebenwirkungen auf:
Krankhafte Unruhe und Angst, Zittern, Schwindel, Geschmacksstörungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Nesselsucht, Appetitlosigkeit, Sehstörungen und Tinnitus, erhöhter Blutdruck und Gesichtsröte, Hautausschlag, Juckreiz, Schwitzen, Fieber, Brustschmerzen und Kraftlosigkeit.

Gelegentlich (>= 1/1.000, < 1/100) werden depressive Symptome (im Zusammenhang mit bipolaren Störungen), Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Gewichtsverlust und zu schnelle Herzschlagfrequenz beobachtet.

Es gibt weitere seltene und sehr seltene Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, Aggressionen, Reizbarkeit, Immunreaktionen und Blutzuckerschwankungen, Koordinationsstörungen und Herzstolpern und einiges mehr, die nur jeden 10000. Patienten oder noch weniger betreffen und vereinzelte unerwünschte Auswirkungen, deren Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar ist.

Die Chancen und Begleitumstände des Auftretens dieser unerwünschten Wirkungen werden im Beipackzettel unter Nebenwirkungen und noch einmal unter der Überschrift “Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen” ausführlich erläutert. Da solche selteneren Nebenwirkungen vor allem Menschen mit entsprechender Veranlagung bzw. Schwächen betreffen, sollte der Beipackzettel in Bezug auf solche besonderen persönlichen Veranlagungen sorgfältig studiert werden.

Eine Suchtgefahr kann bei längerer und/oder häufiger Anwendung nicht ausgeschlossen werden, das Potenzial wird jedoch insgesamt als gering angesehen.

Gegenanzeigen

In folgenden Fällen sollte Bupropion nicht eingenommen werden:

  • Gleichzeitig mit MAO-Hemmern, da diese auf die gleichen Stoffwechselwege wirken
  • Zusammen mit Alkohol, weil Hinweise auf einzelne neuropsychiatrische Nebenwirkungen existieren
  • Die Sicherheit der Einnahme in der Schwangerschaft ist nicht untersucht und wird deshalb nur empfohlen, wenn sie als unbedingt erforderlich angesehen wird
  • Da Bupropion und Metaboliten in die Muttermilch übertreten, sollte Bupropion in der Stillzeit nicht genommen werden bzw. die Mutter bei Einnahme von Bupropion nicht stillen.

Wechselwirkungen

Bupropion tritt mit folgenden Medikamenten in folgende Wechselwirkungen:

  • Bei allen Trizyklika außer Doxepin, vielen SSRI, dem Schmerzmittel Tramadol, Antipsychotika, Betablockern und Klasse-1C-Antiarrhythmika hemmt Bupropion die Verstoffwechslung und lässt so den Blutspiegel ansteigen
  • Der Spiegel von Citalopram steigt ebenfalls bei gleichzeitiger Einnahme von Bupropion, obwohl die Medikamente in anderen Stoffwechselwegen verarbeitet werden
  • Bupropion vermindert die sedierende Wirkung von Diazepam
  • Die gleichzeitiger Anwendung von Nikotinpflastern kann einen Blutdruckanstieg verursachen

Folgende Medikamente können die Wirkung von Bupropion beeinflussen:

  • Medikamente, die den Cytochrom P450-2B6-Stoffwechselweg beeinflussen (diverse Krebsmedikamente, zentral wirkende Muskelrelaxanzien und Thrombozytenaggregationshemmer) verschieben das Verhältnis Bupropion/Hydroxybupropion, die Auswirkungen sind nicht bekannt
  • Darüber hinaus wird bei Anwendung aller Medikamente zur Vorsicht geraten, die stark in Stoffwechselwege eingreifen
  • Zusammen mit Levodopa und Amantadin sollte Bupropion nur mit Vorsicht eingesetzt werden, weil vermehrte Nebenwirkungen auftreten können.

Da die vielfachen Wechselwirkungen von Bupropion durch medizinische Laien nur schlecht bewertet werden können, sollten Patienten Ihrem Arzt auch jegliche weitere Medikamenteneinnahme nennen.

Dosierung

In der Anwendung als Antidepressivum ist als Normaldosis die Gabe von 150 mg einmal täglich vorgesehen, die auch üblicherweise als Anfangsdosis verordnet wird.

Da in den klinischen Studien jedoch im niedrig dosierten Bereich keine optimale Dosis ermittelt werden konnte (die oben erwähnten Krampfanfälle traten vor allem bei einer Dosis von 600 mg auf), ist das nicht “das letzte Wort”. Wenn sich nach einem Monat 150 mg-Therapie keine Besserung zeigt, kann die Dosis nach Rücksprache mit dem Arzt auf einmal täglich 300 mg gesteigert werden.

Wichtig ist, dass zwischen den jeweiligen Einzeldosen immer eine Zeitspanne von mindestens 24 Stunden liegt.

Das Medikament absetzen

In den klinischen Studien zu Elontril wurden keine Absetzsymptome beobachtet (allerdings auch nicht systematisch erfasst).

Da Bupropion selektiv die neuronale Wiederaufnahme von Neurotransmittern hemmt, können Absetzsymptome oder ein Rebound-Effekt nicht ausgeschlossen werden.

Laut Fachinformation kann eine ausschleichende Therapie deshalb in Betracht gezogen werden; wenn Bupropion zur Raucherentwöhnung eingesetzt wird, wird diese sogar empfohlen.

Die Stiftung Warentest meldet in ihrer Datenbank “Medikamente im Test”, dass einzelne Fallberichte auch bei Absetzen von Bupropion das Auftreten des sogenannten akuten Absetz- oder Entzugssyndroms nahelegen.

Dieses eigenständige Syndrom zeigt sich durch folgende Merkmale:

  • Rasches Auftreten, meist in der 1. Woche nach Absetzen, Höhepunkt nach 36 bis 96 Stunden
  • Spontane (selbsttätige) Rückbildung, abhängig von der Halbwertzeit des Wirkstoffes in 2 (-6) Wochen
  • Meist milde, vollkommen rückbildungsfähige Symptomatik
  • Meist rascher und vollständiger Rückgang bei erneuter Einnahme des Wirkstoffs
  • Typisch sind unspezifische körperliche Symptome
  • Die häufigsten Symptome sind Kopfschmerz und Schwindel, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Übelkeit

Erfahrungen mit Bupropion

Die meisten Erfahrungen mit Medikamenten sind in Deutschland im Gesundheitsportal Sanego zu finden. Zu Elontril sind dort über 500 Erfahrungsberichte zu finden, die das Medikament mit einem Durchschnitt von 6.8 (von 10 möglichen Punkten) bewerten: www.sanego.de/Medikamente/Elontril.

Weitere Erfahrungsberichte mit Elontril und dem Absetzen von Elontril sind hier verzeichnet: https://psylex.de/psychopharmaka/psychopharmakon/bupropion2-erfahrung.html und https://www.mischa-miltenberger.de/antidepressiva-absetzen (unten bei den Kommentaren).