Tranylcypromin

Tranylcypromin wird vor allem zu Behandlung von Depressionen eingesetzt. Der Einsatz von Tranylcypromin erfolgt bei Patienten mit therapieresistenten Depressionen. Es wird als Reserveantidepressivum eingesetzt, wenn andere Wirkstoffe keinen Erfolg oder wenig Erfolg gezeigt haben oder ein Patient diese nicht verträgt. Des Weiteren wird Tranylcypromin bei Angst- und Panikstörungen eingesetzt oder auch bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

 

Die Geschichte

Tranylcypromin ist bereit seit 1962 auf dem deutschen Markt. Entdeckt würde Tranylcypromin durch einen Zufall, wie viele andere Wirkstoffe und Medikamente auch. Im Jahre 1954 wurde ein MAO-Hemmer bei einem an tuberkulose erkrankten Patienten eingesetzt. Auf die Tuberkulose-Kranken hatte der MAO-Hemmer eine euphorisierende Wirkung, was zu dem Gedanken führte Tranylcypromin gegen Depressionen einzusetzen. Die Nebenwirkungen von Tranylcypromin haben allerdings dazu geführt, dass andere Wirkstoffe gegen Depressionen bevorzugt eingesetzt werden.

Auch die Forschung in Richtung Tranylcypromin wurde weitgehend eingestellt. Das Interesse an dem Wirkstoff stieg erst in den 80er Jahren wieder an, als festgestellt wurde, dass Tranylcypromin hilft, wenn Resistenzen gegen die anderen Wirkstoffe vorhanden sind. Tranylcypromin wurde zu einem Reservemedikament.

 

Tranylcypromin – Wirkung

Eine Depression geht mit einem fehlenden Antrieb einher und mit einer gestörten Stimmung. Dies kann auf einen Mangel an Monoaminen, wie Serotonin und Noradrenalin zurückgeführt werden. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass vermutlich ein genereller Mangel an Neurotransmittern herrscht. Die Monoamine sollen hier erhöht werden. Dies lässt sich mit Medikamenten, wie Tranylcypromin erreichen. Durch den Wirkstoff wird der Abbau der Monoamine gehemmt.

Tranylcypromin ist ein irreversibler und selektiver MAO-Hemmer. In seiner Struktur gleicht er dem Amphetamin. Der Wirkstoff führt dazu, dass Monoaminoxidasen, also körpereigene Amine langsamer abgebaut werden. Monoaminoxidasen (MAO) sind Enzyme, die Amine im Köper abbauen. Sie sind im zentralen Nervensystem als auch in zahlreichen Körpergeweben vorhanden und sorgen für den Abbau von Aminen. Es gibt zwei Arten von Monoaminoxidasen, Typ A und Typ B. Typ A baut in erster Linie Serotonin und Noradrenalin ab. Dopamin und andere werden von Typ B abgebaut. Tranylcypromin hemmt sowohl die Monoaminoxidase A als auch den Typ P. Diese Hemmung kann nicht wieder aufgehoben werden.

 

Darreichungsformen

Tranylcypromin gibt es in Tabletten à 10 Milligramm oder 20 Milligramm. Der Wirkstoff ist unter verschiedenen Handelsnamen auf dem Markt.

 

Dosierung

Die therapeutisch sinnvolle Dosis liegt bei 20 – 60 Milligramm. Die Tabletten sollen morgens oder alternativ morgens und mittags eingenommen werden. Die Dosis wird langsam gesteigert, damit sich der Körper daran gewöhnt. Auf Grund der möglichen aktivierenden Wirkung sollte die letzte Tablette nicht nach 15.00 Uhr genommen werden, um Schlafstörungen zu vermeiden.

 

Nebenwirkungen

Durch den verlangsamten Abbau stehen die Amine bei Stoffwechselvorgängen in höherer Menge zur Verfügung. Auch das körperfremde Tyramin, das mit der Nahrung aufgenommen wird, ist vermehrt vorhanden. Aus diesem Grund muss bei der Einnahme von Tranylcypromin auf Lebensmittel verzichtet werden, die Tyramin enthalten. Zu diesen Lebensmitteln gehören:

  • luftgetrocknete Fleisch- oder Fischprodukte
  • Salzhering
  • Fertigsaucen
  • Fertigsuppen
  • überreifes Obst
  • alkoholische Getränke

Wird nicht auf Nahrung verzichtet, die Tyramin enthalten, ist mit massiven und teils lebensbedrohlichen Folgen und Nebenwirkungen zu rechnen. Hypertensive Krisen können die Folge sein und es kann zu einer Hirnblutung kommen. Dies ist nicht ausschließlich von der Dosis abhängig, sondern auch von Patient zu Patient verschieden.

Auf Grund dieser massiven Folgen ist Tranylcypromin nicht das Mittel der Wahl bei der Behandlung von Depressionen. Der Einsatz erfolgt meist nur dann, wenn andere Wirkstoffe keine oder wenig Wirkung zeigen oder ein Patient kein anderes Medikament verträgt. Weitere Nebenwirkungen sind:

  • Schlafstörungen
  • Gewichtsveränderungen
  • Störungen des Blutkreislaufs mit Schwäche und erhöhtem Kälteempfinden
  • Unruhe
  • Hypotonie
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • erhöhte Temperatur oder auch Fieber
  • Hypertonie, seltener als Hypotonie
  • periphere Ödeme

 

Kontraindikationen – was spricht gegen eine Anwendung von Tranylcypromin?

Tranylcypromin soll nicht angewendet werden bei Patienten, die unter schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Dies gilt insbesondere bei massivem Bluthochdruck. Auch Patienten, die bereits einen Hirninfarkt erlitten haben oder mit Durchblutungsstörungen der Hirngefäße belastet sind, sollten eher auf einen anderen Wirkstoff zurückgreifen. Dies gilt gleichermaßen für Patienten mit erheblichen Leberschäden oder Phäochromozytom.

Zur Anwendung während der Schwangerschaft, der Stillzeit und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten vor. Daher wird auf die Anwendung von Tranylcypromin in diesen Fällen verzichtet. Ein Verzicht auf den Wirkstoff wird ebenfalls bei Epilepsie, einer eingeschränkten Nieren- oder Leberfunktion und Diabetes insipidus empfohlen. Auch bei einer Abhängigkeit, selbst wenn diese schon längere Zeit zurückliegt, sollte Tranylcypromin nicht angewendet werden. Es besteht das Risiko einer erneuten Abhängigkeit. Bei älteren Menschen können die Nebenwirkungen verstärkt auftreten.

Tranylcypromin ist ebenfalls kontraindiziert bei:

  • Phäochromozytom (eine Erkrankung des Nebennierenmarks)
  • sehr hoher Blutdruck
  • geschädigte Blutgefäße des Herzens oder des Gehirns
  • schwere Nieren- oder Leberschäden
  • Diabetes insipidus
  • Porphyrie

Ein sorgfältiges Abwägen sollte bei erniedrigtem oder erhöhtem Blutdruck erfolgen, ebenso wie bei einer erhöhten Krampfneigung oder Epilepsie. Eine Überfunktion der Schilddrüse sollte ebenfalls eine genaue Abwägung nach sich ziehen.

 

Wechselwirkungen

Einige besonders zu beachtende Wechselwirkung besteht mit tyraminhaltiger Nahrung. Diese lässt sich durch eine strikte Diät vermeiden. Weitere Wechselwirkungen treten auf bei Einnahme von Tranylcypromin und gleichzeitiger Einnahme von:

  • Tryptophan
  • Buspiron
  • Amphetamine
  • Pethidin, Tramadol, Dextromethorphan
  • Imipramin
  • selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  • Disulfriram
  • Levodopa
  • indirekte Sympathomimetika
  • Mittel gegen zu hohen Blutdruck, wie Methyldopa unter anderem
  • Insulin
  • Neuroleptika
  • Antidepressiva
  • Schmerzmittel
  • Benzodiazepine
  • direkten Sympathomimetika (z. B. in Medikament zur Steigerung des Blutdrucks, in Nasentropfen oder zur Broncholyse
  • Imipramin
  • indirekte Sympathomimetika

Unterschiedliche Medikamente lösen unterschiedliche Wechselwirkungen aus. Es folgen einige Beispiele der Wechselwirkungen. So können bei der Einnahme von L-Tryptophan delirante Symptome auftreten. Das Medikament Buspiron hat in einigen Fällen zu einem massiven Blutdruckanstieg geführt. Mit schweren Nebenwirkungen ist bei gleichzeitiger Einnahme von Imipramin zur rechnen. Diese reichen von einem massiven Blutdruckanstieg, über Krampfanfälle und Hyperthermie bis hin zum Koma. Die gleichzeitige Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kann zu Reizbarkeit, Hypertension bis zur Hyperthermie mit tödlichem Ausgang führen. Amphetamine haben unter Umständen schwere hypertonische Krisen zur Folge.

Pethidin, Tramadol und Dextromethorphan können lebensbedrohliche Wechselwirkungen im Bereich des ZNS beziehungsweise der Beeinflussung der Kreislauf- und Atemfunktion haben. Ein Delir kann die Folge von gleichzeitiger Einnahme von Tranylcypromin und Disulfriram sein. Levodopa kann einen unkontrollierbaren Blutdruckanstieg zur Folge haben, wenn nicht gleichzeitig Decarboxylase-Hemmstoffe eingenommen werden. Die Verstärkung der Wirkung von Insulin ist möglich. Die Wirkstoffe Atomoxetin und Reserpin können zu einem massiven Anstieg des Blutdrucks oder zu Herzrhythmusstörungen führen. Zwei Wochen vor einer Anästhesie sollte Tranylcypromin nach Möglichkeit abgesetzt werden.

 

Das Absetzen von Tranylcypromin

Das Medikament sollte ausgeschlichen werden und nicht abrupt abgesetzt werden. Auf Grund der strukturellen Ähnlichkeit mit Amphetaminen können ähnliche Entzugserscheinungen auftreten. Das bedeutet, Tranylcypromin muss langsam reduziert werden, bevor es abgesetzt wird. Nach dem Ende der Behandlung können Unruhe, Angst, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Delirium und Halluzinationen auftreten. Die Ursache kann das Absetzen des Wirkstoffs sein oder aber eine wiederkehrende Depression.

 

Überdosierung – Intoxikation

Schläfrigkeit, Zittern, Tachykardie, Tachypnoe, hyper- und hypotoner Blutdruck, Fieber und Agitiertheit können Anzeichen für eine Überdosierung beziehungsweise eine Intoxikation sein.

 

Verträglichkeit

Tranylcypromin weist eine sehr geringe oder fehlende anticholinerge Nebenwirkung auf. Das Krampfrisiko ist sehr gering, wenn überhaupt vorhanden. Allerdings setzt die Anwendung von Tranylcypromin die Einhaltung einer strikten Diät voraus.

 

Wirkungseintritt und Abbau

Die Wirkung von Tranylcypromin tritt sehr schnell ein. Bereits kurz nach der Einnahme ist eine Wirkung vorhanden. Nebenwirkungen und die Wirkung des Wirkstoffs halten ungefähr zwei bis drei Wochen nach dem Absetzen von Tranylcypromin an.

 

Erfahrungen mit Tranylcypromin

Die Erfahrungen mit dem Wirkstoff in Bezug auf eine Depression sind weitgehend gut bis sehr gut. Allerdings machen sich häufig die Nebenwirkungen bemerkbar. Und selbstverständlich muss eine strenge Diät eingehalten werden. Meist fühlen sich die Patienten nach einer Einnahme von Tranylcypromin nach den ersten zwei bis drei Wochen deutlich besser.

 

Tianeptin

Seit November 2012 ist Tianeptin in Deutschland auf dem Markt. Der Wirkstoff ist in Frankreich bereits seit 1988 auf dem Markt. Der Einsatz von Tianeptin erfolgte später in zahlreichen weiteren Ländern der EU. Neu ist er also nur in Deutschland. Die Ergebnisse bis heute sprechen für sich. Das Wirkprinzip von Tianeptin ist einzigartig, da glutamaterge Mechanismen die Neuroplastizität zusätzlich beeinflussen. In der Praxis haben auch die Ergebnisse der Verträglichkeit überzeugt. Heutzutage geht man davon aus, dass neuroplastische und strukturelle Beeinträchtigungen in unterschiedlichen Regionen des Gehirns einen Einfluss auf die Entstehung einer Depression haben.

 

Anwendungsgebiete

Tianeptin wird bei leichten, mittelschweren und schweren Depressionen eingesetzt. Hinweise zur Wirksamkeit bei Zwangsstörungen und Angststörungen liegen ebenfalls vor. Für diesen Bereich existiert jedoch derzeit keine Zulassung, allerdings kann Tianeptin als sogenanntes Off-Label eingesetzt werden. Das bedeutet, dass ein Arzt Tianeptin auch bei anderen Erkrankungen einsetzen kann, obwohl es hierfür keine explizite Zulassung gibt.

 

Tianeptin – die Wirkung

Tianeptin hat eine modulierende Wirkung auf AMPA-Rezeptoren und glutamerge NMDA-Rezeptoren. Es scheint Veränderungen im präfrontalen Cortex und im Hippocampus rückgängig machen zu können oder zu verhindern können. Zumindest wenn diese Veränderungen stressbedingt sind. In der Anfangsphase verhindert Tianeptin die Wiederaufnahme von Serotonin, es ist ein sogenannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Der Erfolg von Tianeptin steht damit in Widerspruch zu den herkömmlichen Depressionstheorien. Dies spricht für die Wirkung des modulierenden Einflusses von Tianeptin auf das glutamerge System.

Im Nucleus accumbens des Vorderhirns erhöht Tianeptin die Dopamin-Konzentration. Die Wirkweise von Tianeptin ist nicht eindeutig geklärt, da der Wirkstoff selbst keine Affinität zu dopaminergen und serotonergen Rezeptoren aufweist. Auch zu den Dopamintransportern oder den Serotonintransportern ist keine Affinität vorhanden.

In erster Linie wird für die Wirkung von Tianeptin der modulierende Einfluss auf das glutamaterge System verantwortlich gemacht. Der Neurotransmitter Glutamat spielt unter anderem eine Rolle bei der Entstehung einer Depression. Im Tierversuch wurde festgestellt, dass stressbedingte, zelluläre und strukturelle Veränderungen im Gehirn durch Tianeptin verhindert oder rückgängig gemacht werden können. Der Stress, der mit einer Depression verbunden ist, hat so keine nachteiligen Folgen auf den präfrontalen Cortex und den Hippocampus.

Das bedeutet, Tianeptin sorgt für eine Wiederherstellung der Neuroplastizität der Amygdala und des Hippocampus. Der Hauptmechanismus scheint eine Hemmung der Hypothalamus-Nebennierenrinde-Achse zu sein. Diese ist bei einer Depression normalerweise überstimuliert. Eine stressinduzierte Atrophie der Dendriten in den Pyramidenzellen des Hippocampus wird so verhindert. Die Lernfähigkeit und das Erinnerungsvermögen und weitere kognitive Fähigkeiten werden positiv beeinflusst.

Tianeptin weist eine strukturelle Ähnlichkeit mit den Benzodiazepinen auf.

 

Darreichungsformen

Tianeptin ist in Form von Tabletten erhältlich. Die Tabletten enthalten 12,5 Milligramm des Wirkstoffs.

 

Dosierung

Tianeptin wird vom Arzt verschrieben und er entscheidet auch über die Dosierung. Die Dosierung für gesunde Erwachsene liegt bei dreimal täglich eine Tablette, morgens, mittags und abends eingenommen. Die empfohlene Dosis liegt also bei 12,5 bis 36 Milligramm. Medikamente mit dem Wirkstoff Tianeptin sollten vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Patienten im Alter von über siebzig Jahren wird eine Dosis von 2 Tabletten pro Tag empfohlen.

 

Wirkungseintritt

Normalerweise setzt die Wirkung innerhalb von ein bis zwei Wochen ein. Bei einer Depression, die nach einem Alkoholentzug auftritt und mit Tianeptin behandelt wird, muss mit einem verzögerten Wirkungseintritt gerechnet werden. Dieser liegt bei vier bis acht Wochen.

 

Nebenwirkungen

Wie bei fast allen Medikamenten treten auch bei Tianeptin die Nebenwirkungen in unterschiedlicher Häufigkeit auf. Nebenwirkungen, die häufig, also bei weniger als einem Patienten von zehn aber mehr als einem Behandelten von einhundert sind:

  • Schläfrigkeit oder Schlaflosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Zittern
  • Kreislaufkollaps
  • eingeschränktes Sehvermögen
  • schnelles oder unnatürliches Herzklopfen
  • Atembeschwerden
  • Schwächegefühl
  • Mundtrockenheit
  • Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall
  • Neuroleptika, Antidepressiva, Schmerzmittel, Benzodiazepine
  • Brustschmerz
  • Sodbrennen
  • Rückenschmerzen

Gelegentlich treten Nesselsucht oder Juckreiz auf. Und selten tritt eine Arzneimittelabhängigkeit auf, in erster Linie dann, wenn bereits schon einmal eine Abhängigkeit aufgetreten ist. Dies kann Drogen- oder Alkoholmissbrauch gewesen sein.

Im Vergleich mit anderen Trizyklika gibt es unter der Einnahme von Tianeptin weniger gastrointestinale Störungen, Gewichtszunahmen, Tremor, Zunahme der Herzfrequenz oder ZNS-Nebenwirkungen. Ebenfalls treten weniger häufig sexuelle Funktionsstörungen unter der Einnahme von Tianeptin auf. Mundtrockenheit tritt hingegen häufiger auf.

 

Kontraindikationen

Bei einer Überempfindlichkeit gegen Tianeptin-Natrium oder sonstige Bestandteile des Medikaments sollte auf die Einnahme von Tianeptin verzichtet werden. Dasselbe gilt bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Medikamenten gegen Depressionen, insbesondere bei MAO-Hemmern. Diese sollten ungefähr einen Tag vor der Einnahme von Tianeptin abgesetzt werden. Werden MAO-Hemmer nach einer Therapie mit Tianeptin verordnet, sollte das Tianeptin ungefähr zwei Wochen vorher abgesetzt werden. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte auf die Einnahme von Tianeptin verzichtet werden. Verzichtet werden sollte auch auf die Einnahme bei Jugendlichen unter 15 Jahren.

 

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Tianeptin

Gedanken an Selbstverletzungen und Suizid können bei Depression oder Angststörungen verstärkt sein, und zwar so lange, bis das Medikament wirkt. Dies dauert meist zwei Wochen. Die Einnahme von Tianeptin sollte vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden vor einer Anästhesie unterbrochen werden. Bei einer eingeschränkten Nieren- oder Leberfunktion muss eine Dosisanpassung erfolgen.

Der Wirkstoff Tianeptin kann zu Sehstörungen führen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Zu Beginn der Behandlung oder bei einer Steigerung der Dosis sollte daher auf das Führen eines Kraftfahrzeugs und die Bedienung von Maschinen verzichtet werden. Der Wirkstoff darf nicht über 30 Grad Celsius gelagert werden und ist verschreibungspflichtig.

 

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen gibt es bei Tianeptin nicht allzu viele. Der Wirkstoff darf nicht eingenommen werden, wenn gleichzeitig MAO-Hemmer verschrieben wurden. Das Risiko für Bluthochdruck, Krämpfe, Kreislaufkollaps, Hyperthermie und Tod wird deutlich erhöht. MAO-Hemmer sollten vierzehn Tage vor der Einnahme von Tianeptin abgesetzt werden. Wie bei den meisten Psychopharmaka sollte auf den Konsum von Alkohol während der Einnahme verzichtet werden. Alkohol verringert die Aufnahme des Wirkstoffs Tianeptin, dies führt zu einer verminderten Wirkung.

 

Tianeptin absetzen

Tianeptin sollte schrittweise über einen Zeitraum von sieben bis vierzehn Tagen reduziert werden. Von einem unmittelbaren, abrupten Absetzen wird abgeraten. Vor Operationen wird ein Absetzen ungefähr ein bis zwei Tage vorher angeraten.

 

Überdosierung und Intoxikation

Eine Überdosierung von Tianeptin zeigt sich mit folgenden Anzeichen und Symptomen:

  • Verwirrungszustände
  • Somnolenz
  • Mundtrockenheit
  • Atemnot
  • Konvulsionen

In Falle einer Überdosierung ist eine Magenspülung erforderlich, sofern das Medikament nicht mehr als zwei Stunden vor der Hospitalisierung eingenommen wurde. Ist der Zeitraum überschritten, kann Aktivkohle helfen. Der Patient muss überwacht werden. Es erfolgt eine symptomatische Behandlung.

 

Erfahrungen mit Tianeptin

Die Erfahrungen von Patienten, die Tianeptin einnehmen, sind im Allgemeinen sehr gut. Nebenwirkungen treten so gut wie nicht auf. Die Patienten fühlen sich wohler als vor der Einnahme. Auch bei Einnahmen über längere Zeiträume wird selten von Nebenwirkungen berichtet. Im Gegenteil, viele Patienten, die im Vorfeld mit anderen Antidepressiva behandelt wurden, sind sehr zufrieden mit Tianeptin. Sie beschreiben eine deutliche Abnahme der Nebenwirkungen im Gegensatz zu den anderen Medikamenten. Teilweise verschwinden auch sämtliche Nebenwirkungen, die andere Medikamente zur Folge hatten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Tianeptin für jeden Patienten die bessere Alternative ist.

 

Imipramin

Imipramin ist ein Antidepressivum und gehört strukturell zur Klasse der trizyklischen Antidepressiva.

Anwendungsgebiete

Imipramin ist zugelassen zur Behandlung von

  • Depressionen
  • chronischen Schmerzen
  • Nachtangst und Einnässen bei Kindern über 5 Jahren
  • Zwangs- und Panikstörungen

 

Geschichte von Imipramin

Imipramin wurde ursprünglich als Antipsychotikum von der Pharmafirma Geigy, heute Novartis entwickelt. Es sollte gegen Psychosen und Wahnvorstellungen helfen. In klinischen Studien stellte sich jedoch heraus, dass es dahingehend wirkungslos war.
Der Psychiater Roland Kuhn fand allerdings heraus, dass es sich zur Behandlung von Depressionen gut eignete. Daraufhin kam Imipramin 1958 unter dem Namen Tofranil auf den Markt. Es diente fortan als Standard- und Vergleichssubstanz, mit der die Wirksamkeit aller neuen Entwicklungen verglichen werden konnte.

 

Wirkung / Wirkstoff

Imipramin wirkt auf die Übermittlung von Signalen im Gehirn, indem es die Wiederaufnahme stimmungsaufhellender Botenstoffe, sogenannter Neurotransmitter in die Nervenzellen hemmt. Somit wird die Konzentration derjenigen Botenstoffe erhöht, deren Mangel ein typisches Zeichen bei depressiven Erkrankungen ist.
Die Kommunikation von Nervenzellen findet über chemische Botenstoffe statt. Dabei gibt eine Nervenzelle einen Neurotransmitter ab, eine andere Nervenzelle registriert diesen über Rezeptoren. Dies sind Strukturen, die den Neurotransmitter empfangen und somit die Signalweiterleitung in der Nervenzelle auslösen. Normalerweise werden anschließend die Neurotransmitter wieder in die abgebende Zelle aufgenommen. Man unterscheidet dabei zwischen Neurotransmittern, die erregend (z.B. Noradrenalin, Serotonin) oder hemmend (z.B. Gamma-Aminobuttersäure) auf die Nervenzelle wirken. Es gibt ebenfalls Botenstoffe, die sowohl erregend als auch hemmend (z.B. Dopamin) wirken.
Die medikamentöse Erhöhung der Konzentration dieser Neurotransmitter, durch Hemmung der Wiederaufnahme in die Nervenzelle kann die Symptome einer depressiven Verstimmung damit bessern.
Imipramin erhöht hauptsächlich die Konzentration der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Blutplasma.
Das Medikament weist eine antriebsneutrale Wirkung auf, das bedeutet antriebsaktivierende und -dämpfende Wirkmechanismen gleichen sich aus.
Imipramin wirkt außerdem auf weitere Prozesse im Gehirn und verursacht so die charakteristischen Nebenwirkungen von Antidepressiva dieser Substanzklasse.

 

Wirkungseintritt

Imipramin wird nach der oralen Einnahme über den Darm ins Blut aufgenommen, anschließend wird es sofort zur Leber transportiert, wo bis zu 70% des Arzneistoffs abgebaut wird. Nach etwa zwei Stunden kann die höchste Konzentration des Wirkstoffes im Blutplasma gemessen werden. Die in der Leber entstehenden Abbauprodukte, vor allem Desipramin haben ebenfalls noch antidepressive Wirkung. Die Ausscheidung der Wirkstoffe geschieht über die Nieren mit dem Urin. Nach etwa 6 Stunden hat sich die Wirkstoffkonzentration im Körper halbiert.
Der stimmungsaufhellende Effekt stellt sich aber zumeist erst nach zwei- bis vierwöchiger Einnahme von Imipramin ein. Die mit der Einnahme einher gehenden unerwünschten Wirkungen lassen aber zumeist mit zunehmender Einnahmedauer nach.

 

Nebenwirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Imipramin treten gehäuft bei beginnender Behandlung mit diesem Medikament auf und verringern sich mit zunehmender Behandlungsdauer oder bleiben dann vollständig aus.
Bei etwa 1 aus 10000 der mit Imipramin Behandelten zeigt sich

  • Erschöpfung
  • Müdigkeit
  • gestörter Schlaf
  • Beschwerden des Magen-Darm Traktes, wie Überkeit, Erbrechen und Verstopfung
  • verringerter Appetit
  • trockener Mund
  • Zunahme von Gewicht
  • Kopfschmerz
  • Schwindelgefühle
  • Schweißausbrüche
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • Orientierungslosigkeit
  • körperliche Missempfindungen, wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • paradoxe Gedanken, wie Selbstmordgedanken, Angstattacken, Unruhe, Erregung
  • Sehstörungen, wie gestörte Anpassungsfähigkeit des Nah- und Fernsehens, Verschwommenheit
  • trockene Augen
  • Hautirritationen, wie Ausschlag
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzrasen
  • geringer Blutdruck
  • Störungen der Leberfunktion
  • verändertes Blutbild
  • gestörte Sexualfunktionen
  • Zittern

 

Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen und Beschränkungen der Einnahme

Wenn Imipramin eingenommen wird, sollte auf die gleichzeitige Einnahme von alkoholischen Getränken oder Nahrungsmitteln verzichtet werden.

Eine Verstärkung der beruhigenden Wirkung ist zu erwarten bei gleichzeitiger Einnahme von

  • dämpfenden Medikamenten, wie etwa Schlaf-, Schmerz-, Allergiemitteln
  • Mitteln, die die Harnausscheidung und Sekretabsonderung hemmen
  • weiterer Antidepressiva
  • zusätzlicher Einnahme von Blutdrucksenkern
  • Eine wirkungsschwächender Effekt stellt sich ein bei gleichzeitiger Einnahme von
  • hormonellen Verhütungsmitteln (z.B. Anit-Baby-Pille)
  • Schlafmitteln
  • Medikamenten gegen Epilepsie

Nicht eingenommen werden sollte Imipramin bei

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Schwangerschaft, Stillzeit

 

Schwangerschaft und Stillzeit

Es sind bisher keine eindeutigen Ergebnisse bekannt, nach denen die Imipramin-Einnahme zu Fehlbildungen des ungeborenen Kindes führen könnte. Dennoch sollte die Einnahme des Medikaments besonders im ersten Trimester der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung von Nutzen zu Risiken eingesetzt werden. Wurde das Antidepressivum vom 2. Trimester bis zur Geburt durch die Mutter eingenommen, so sind in einigen Fällen Anpassungsstörungen des Neugeborenen beobachtet worden. Diese Störungen traten in den ersten Tagen nach der Geburt auf und betrafen den Magen-Darm-Trakt, das Atmungssystem und das Nervensystem des neugeborenen Kindes.
In jedem Falle muss das Neugeborene nach der Geburt intensiv hinsichtlich möglicher Nachwirkungen des Arzneimittels beobachtet werden.
Da das Medikament in die Muttermilch übergeht, gilt auch hier Nutzen zu Risiken abzuwägen, bevor Imipramin eigenommen wird. Eventuell ist es ratsam, vor Einnahme von Imipramin abzustillen.

 

Dosierung

Imipramin wird oral als Tablette außerhalb der Mahlzeiten mit ausreichend Wasser eingenommen.
Üblicherweise wird die Behandlung mit einer geringen Konzentration des Wirkstoffes begonnen und bis zum Erreichen der gewünschten Wirkung gesteigert. 50 bis 150 mg beträgt die übliche Tagesdosis, welche auf 2-3 Einnahmen aufgeteilt werden sollte.

 

Imipramin absetzen

Um das Medikament abzusetzen, sollte die Dosierung unter ärztlicher Anleitung langsam abnehmend ausgeschlichen werden, um Entzugserscheinungen so gering wie möglich zu halten.
Bei manchen Patienten kann das Medikament über einige Wochen ausgeschlichen werden, bei anderen ist es nötig, dies über mehrere Monate auszudehnen. Ein zu abruptes Absetzen von Imipramin kann zu Symptomen wie Übelkeit/Erbrechen, Kopfschmerzen oder grippeähnlichen Symptomen führen. Weiterhin wurden Schlafstörungen, Unruhe und Stimmungsschwankungen beobachtet. Es kann im Weiteren zu Entzugserscheinungen kommen, die den Symptomen der ursprünglich behandelten Depression entsprechen.

 

Erfahrungen mit Imipramin

Die Erfahrungen mit dem Medikament Imipramin sind von Mensch zu Mensch verschieden. Jeder Körper mit seiner ihm eigenen genetischen und epigenetischen Ausstattung reagiert völlig verschieden auf dasselbe Medikament. Je nach Schwere der Depression, körperlicher Konstitution und medizinischer Vorgeschichte erlebt jeder die Wirkungen und Nebenwirkungen des Arzneimittels anders. Einige kommen gut damit zurecht, für andere wiegen die Nebenwirkungen schwerer als der Nutzen.
In jedem Falle sollte die Einnahme von Medikamenten gegen depressive Verstimmungen sorgfältig abgewogen und mit einem Arzt besprochen werden. Chemische Antidepressiva sind in der Lage, einen Menschen in einen Zustand zu versetzen, in dem dieser seine Umwelt in geringerer Intensität wahrnimmt und möglicherweise dadurch weniger am Leben teil hat. Die chemischen Antidepressiva sollten nicht der erste Schritt im Kampf gegen die Depression sein.

Quellen:

Nortroptylin / Amitriptylin

Zur Behandlung von depressiven Erkrankungen kann auch der stimmungsaufhellende Wirkstoff Nortroptylin aus den trizyklischen Antidepressiva eingesetzt werden. Bei dieser Therapie soll vor allem verhindert werden, dass Noradrenalin in das präsynaptische Neuron wieder aufgenommen wird. Wie die Anwendung erfolgen sollte und welche Nebenwirkungen und möglichen Wechselwirkungen es gibt, erfahren Sie im folgenden Artikel.

 

Anwendungsgebiete

Bei einer stark ausgeprägten Depression soll Nortroptylin Anwendung finden. Suchen Sie jedoch sofort einen Arzt auf, wenn sich Ihre Erkrankung nicht bessert oder sogar noch verschlimmert. Gerade auch dann, wenn Ihre Gedanken um Selbstverletzung oder -tötung kreisen.

Bei einer Einnahme sollten die folgenden Anwendungshinweise beachtet werden und ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker die vorgeschlagene Gesamtdosis nicht überschritten werden.

Nortroptylin wird in Form von Filmtabletten verabreicht, diese sollten jeweils mit Flüssigkeit, idealerweise mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Wie lange die Einnahme dauert, richtet sich nach der Art der Beschwerden. Daher wird die Dauer immer vom Arzt bestimmt.

 

Gegenanzeigen

Bei den Gegenanzeigen wird aufgezeigt, wann Sie Nortroptylin Sie nicht einnehmen sollten oder wann Sie nur nach Rücksprache mit dem Arzt dieses Arzneimittel einnehmen können. So sprechen vor allem eine Überempfindlichkeit/Allergie bei Aufnahme eines oder mehrerer der Inhaltsstoffe, ein erst kürzlich erfolgter Herzinfarkt, Herzrythmusstörungen sowie eine koronare Herzkrankheit gegen die Einnahme.

Ebenso sollte auf die Einnahme verzichtet werden, wenn die entsprechende Person das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. In diesem Fall darf Nortroptylin gar nicht verabreicht werden. Bei älteren Patienten hingegen sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen und die Einnahme genau abgestimmt werden. Ebenso sind hier engmaschige Kontrollen durch den Arzt einzuhalten.

Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist die Einnahme ebenfalls nicht empfehlenswert. Sind Sie schwanger, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. So kann das Mittel während einer Schwangerschaft aus ärztlicher Sicht eventuell erforderlich sein. Sind Sie in der Stillzeit ist es ratsam abzustillen, wenn Sie das Arzneimittel einnehmen wollen oder müssen, etwa wegen einer Wochenbettdepression.

Oftmals werden Arzneimittel trotz der aufgeführten Gegenanzeigen vom Arzt verschrieben. Sind Sie sich unsicher, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt der Ihnen erklären kann, warum der therapeutische Nutzen in Ihrem Fall bei der Einnahme höher ist, als das Risiko einer Gegenanzeige.

 

Die Geschichte des Mediakements

Nortroptylin ist ein Arzneimittel der Firma Glenmark Pharmaceuticals Ltd. Hierbei handelt es sich um ein Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Indien, Mumbai. Der Hauptmerk der Forschung liegt auf biologischen und chemischen Wirkstoffen. Seit 2010 hat die Tochtergesellschaft Glenmark Arzneimittel GmbH Ihren Sitz in Deutschland in Gröbenzell in Bayern.

Doch bereits im Jahr 1964 wurde der Wirkstoff in der Schweiz zugelassen und kam hier in Form von Filmtabletten in den Handel. Im Jahr 2016 wurde der Vertrieb in der Schweiz eingestellt. In Deutschland läuft der Vertrieb von Nortroptylin jedoch weiter.

 

Wirkung / Wirkstoff

Der aktive Wirkstoff in dem Arzneimittel besteht zu 10 mg pro einer Filmtablette aus Nortroptylin hydrochlorid. Zusätzlich enthalten sind Lactose-1-Wasser, Maisstärke, Calciumhydrogenphosphat-2-Wasser, pflanzliches Magnesium, Hypromellose sowie Glycorol, Titanoxid und Ethylcellulose.

Der in Nortroptylin enthaltende vorwiegende Wirkstoff greift in die Signalübermittlung im Gehirn ein. Hierbei wird die Dauer der Wirkung der Botenstoffe erhöht, die stimmungsaufhellend das Gehirn beeinflussen. So kann die allgemeine Stimmungslage verbessert und einer Depression gegengewirkt werden.

 

Wirkungseintritt

Das Arzneimittel wird oral mittels einer Filmtablette verabreicht. Durch die hohe Bioverfügbarkeit wird das Arzneimittel hepatisch im Stoffwechsel aufgenommen und schnell verarbeitet. Bis zu 90 Stunden kann die Plasmahalbwertszeit betragen, danach wird der Wirkstoff über den Urin ausgeschieden. So ist der Wirkstoff bereits bei einer täglichen Dosis von nur einer Tablette ständig im Körper verfügbar. Je nach Schwere der Depression wird die Dosis dann entsprechend erhöht.

 

Nebenwirkungen

Es gibt eine Reihe von Nebenwirkungen, die eintreten können, aber nicht zwingend eintreten müssen. Dennoch müssen diese Nebenwirkungen im Beipackzettel aufgeführt werden, auch wenn diese bei der Mehrzahl der Patienten, die das Medikament eingenommen haben, gar nicht aufgetreten sind und diese während der Einnahmezeit keine Nebenwirkungen aufzählen können.

Hinzu kommt, dass die Nebenwirkungen auch vereinzelt auftreten können. So wurden in der Auflistung gerade die Nebenwirkungen berücksichtigt, die bei 1:1000 Patienten und mehr aufgetreten sind. Mögliche Nebenwirkungen sind daher:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Erbrechen, Verstopfung, Durchfall oder Übelkeit
  • Durstgefühl
  • Mundtrockenheit
  • Geschmackstörungen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Gewichtszunahme
  • Schlafstörungen
  • Schlaflosigkeit
  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Alpträume
  • Krampfanfälle
  • Delirium (Verwirrtheit)
  • Zittern
  • Koordinationsstörung
  • Manie
  • Konzentrationsstörungen
  • Missempfindungen
  • Paradoxe (sonderbare) Reaktionen
  • Nervosität, Selbstmordgedanken, Angstzustände
  • Schwitzen
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Nervenschädigungen
  • Sehstörungen
  • gestörtes Nah- und Fern-, oder verschwommenes Sehen
  • Augeninnendruck wird erhöht
  • Nase scheint verstopft
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut
  • Nessel- oder Hautausschlag, Gesichtsschwellungen
  • Niedriger Blutdruck
  • damit verbundene Kreislaufstörungen
  • Kollapsneigung
  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen und bedingte Herzrythmusstörungen
  • Herzklopfen
  • Pulsbeschleunigung
  • Störung der Blase
  • Leberfunktionsstörungen
  • Störung der Sexualfunktion
  • bei Frauen Milchabsonderung (Galaktorrhoe)

Bemerken Sie eine der oben genannten Störungen in der Befindlichkeit und waren diese vor der Einnahme noch nicht in Erscheinung getreten, sollten Sie sich sofort an Ihren Arzt wenden.

 

Wechselwirkungen

Zu den sogenannten Wechselwirkungen kommt es immer dann, wenn Sie mehrere Arzneimittel gleichzeitig anwenden. Hierbei kommt es dann dazu, dass die Nebenwirkungen oder sogar auch die Wirkung der gleichzeitig eingenommenen Arzneimittel sich verändern. Daher sollten Sie bei einer regelmäßigen Einnahme von Arzneimitteln dies vorab mit Ihrem Arzt abklären.

Aber auch sporadisch eingenommene Kopfschmerz- oder Magentabletten können eine Wechselwirkung verursachen oder die eigene Wirkung verlieren.

Die Wirkstoffe der verschiedenen Arzneimittel können sich hierbei unterschiedlich beeinflussen. So kann es zu einer Behinderung der Aufnahme eines der Mittel im Darm kommen. Aber auch das schnellere Ausscheiden über die Nieren ist möglich. So kann ein Arzneimittel die Wirkung des zweiten abschwächen, aufheben oder verstärken. Ebenso können die Nebenwirkungen eines Arzneimittels bei gleichzeitiger Einnahme intensiviert werden.

Auf sämtliche alkoholische Getränke sowie auch Speisen sollten Sie im Fall der Einnahme von Nortroptylin verzichten. Ebenfalls sollten Sie auf Vitamin- oder Mineralstoffpräparate verzichten

 

Dosierung

Haben Sie die Einnahme einmal vergessen, sollten Sie nicht bei der nächsten Einnahme die doppelte Dosierung wählen. Denn dann kann es zu einer Überdosierung kommen, die das Folgende verursachen kann:

  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Pupillenerweiterung,
  • Erbrechen
  • Mundtrockenheit
  • Atemstörungen
  • Blutdruckabfall
  • Krämpfe

Gerade bei älteren Menschen, Kleinkindern und Säuglingen sollte immer auf die richtige Dosierung aller Medikamente besonders gewissenhaft geachtet werden. Eine Dosierung, die der Arzt verordnet hat, kann immer von der Dosierungsangabe in der Packungsbeilage abweichen. Denn bei einer individuellen Dosierung bestimmt der Arzt und Nortroptylin sollte genau nach dessen Anweisungen eingenommen werden.

Wurde die Dosierung nicht von Ihrem Arzt geändert, dann sieht diese bei Nortroptylin Filmtabletten 10 mg wie folgt aus:

Erwachsene sollten auf eine Einzeldosis von einer Tablette bis zu einer täglichen Gesamtdosis von drei bis vier Mal täglich eine Tablette achten. Die Einnahme ist hierbei unerheblich von Mahlzeiten. Alternativ kann auch eine tägliche Einzeldosis von drei bis vier Tabletten einmal am Tag und hier entsprechend am Abend eingenommen werden.

Sie sollten jedoch immer darauf achten, gerade dann, wenn der Arzt die Dosis festgelegt hat, dass Sie nicht mehr als 15 Tabletten pro Tag einnehmen. Gerade ältere Patienten sowie Patienten mit einer Leberfunktionsstörung sollten vor der Einnahme den Arzt für ihre persönliche Dosierung fragen.

 

Nortroptylin / Amitriptylin absetzen

Wurde vom Arzt das Arzneimittel verschrieben, sollte es auf keinen Fall ohne vorherige Rücksprache abgesetzt werden. Bemerken Sie jedoch bei der Selbstmedikation eine oder mehrere der genannten Nebenwirkungen und sind diese vor der Einnahme von Nortroptylinbzw. Amitriptylin  noch nicht aufgetreten, dann sollten Sie das Arzneimittel absetzen und Ihren Arzt aufsuchen.

Ebenso, wenn es zu vermehrt auftretenden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommt. Haben Sie während der Einnahme Alkohol konsumiert ist es hilfreich, die nächsten Stunden auf die Einnahme von Nortroptylin / Amitriptylin zu verzichten und später mit der normalen Dosierung wieder fortzufahren.

 

Erfahrungen mit Nortroptylin / Amitriptylin

Die Erfahrungen, die die meisten Patienten mit Nortroptylin / Amitroptylin gemacht haben, sind in der Wirksamkeit als überdurchschnittlich gut zu bezeichnen. So gaben etwa 70 % an, dass das Mittel sehr wirksam sei. Hierbei wurden vor allem Männer und Frauen in einem Alter zwischen 40 und 60 Jahren befragt, die am häufigsten dieses Mittel einnehmen. Bei über 70 Jahren kam es zu keiner Einnahme mehr, bei den 18 bis 40 jährigen lag die Einnahmequote bei unter 15 %.

Dementgegen wurde jedoch auch ermittelt, dass die Anzahl der Nebenwirkung bei über 50 % im Durchschnitt liegt, wobei hier schon von einem sehr hohen Wert gesprochen werden kann.

Dennoch sind Patienten der Meinung, dass sie aufgrund der guten Wirkung die ein oder andere Nebenwirkung gerne in Kauf nehmen. Häufig wurde jedoch bei Frauen mittleren Alters ein extremer Haarausfall beschrieben.

Bupropion

Bupropion gehört zu den pharmazeutischen Wirkstoffen, die laut § 1 i. V. m. Anlage 1 Arzneimittelverschreibungsverordnung nur gegen ärztliche Verschreibung (in verschreibungspflichtigen Arzneimitteln) an Patienten ausgegeben werden dürfen.

In der offiziellen Arzneimittel-Klassifikation vom staatlichen Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) wird Bupropion in drei verschiedenen Wirkstoffgruppen geführt:

  • N06 Psychoanaleptika (psychoaktive Substanzen, die den Organismus anregen bzw. die Stimmung aufhellen), hier N06A Antidepressiva, ATC-Code N06AX12 Bupropion
  • N07 Andere Mittel für das Nervensystem, hier N07B Mittel zur Behandlung von Suchterkrankungen, N07BA Mittel zur Behandlung der Nikotinabhängigkeit Raucherentwöhnung), ATC-Code N07BA02 Bupropion

Neben diesen Hauptanwendungsgebieten wird Bupropion im Kombination mit Naltrexon als Schlankheitsmittel eingesetzt: AO8, A08A Antiadiposita, exkl. Diätika (Schlankheitsmittel, ohne medizinische Diät-Lebensmittel), hier A08AA Zentral wirkende Antiadiposita, ATC-Code A08AA62 Bupropion und Naltrexon.

Im Off-Label-Use außerhalb der Zulassung wird Bupropion zur Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS eingesetzt.

Kurze Geschichte des Medikaments

Bupropion wurde in den USA 1984 als Antidepressivum zugelassen, zunächst in nicht-retardierter Form und einer sehr viel höheren Dosierung, als heute zugelassen ist. Diese Zulassung wurde 1986 entzogen, weil der Wirkstoff mehrfach Krampfanfälle mit teils tödlichem Ausgang verursacht hatte.

Nun folgten zusätzliche Studien, in denen festgestellt wurde, dass diese Krampfanfälle eine dosisabhängige, seltene Nebenwirkung darstellen. 1989 wurde Bupropion in niedrigerer Dosierung in den USA erneut zugelassen; 1996 ließ die FDA (Food and Drug Administration) eine Retard-Formulierung zu, die 2-mal täglich genommen werden konnte bzw. musste; 2003 wurde eine Extended-Release-Version (XL, XR) zugelassen, die nur einmal pro Tag eingenommen werden muss.

In Deutschland wurde Bupropion als Antidepressivum gleich in der in der retardierten Form mit verzögerter Freisetzung zugelassen. Die Zulassung für das Original-Medikament mit Markennamen Elontril wurde zum 2. April 2007 erteilt; vor dieser amtlichen Zulassung war Bupropion als Antidepressivum bereits im Off-Label-Use in Gebrauch. Inzwischen ist der Patentschutz (der bei Psychopharmaka üblicherweise 10 Jahre beträgt) für Elontril ausgelaufen, neben dem Original-Präparat sind deshalb inzwischen zahlreiche Generika (Nachahmerpräparate) auf dem Markt.

 

Wirkung / Wirkstoff

Wie bei allen Antidepressiva ist der Wirkmechanismus von Bupropion darauf gerichtet, den bei Depressionen höchstwahrscheinlich gestörten Serotonin-Noradrenalin-Hirnstoffwechsel wieder auszugleichen. Wie bei den meisten Antidepressiva soll dazu der Stoffwechsel der körpereigenen Neurotransmitter beeinflusst werden; wobei der genaue Wirkmechanismus von Bupropion noch nicht vollständig geklärt ist.

Bupropion wird meist bei den selektiven Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmern (NDRI) eingeordnet, die die Verfügbarkeit beider Substanzen im Gehirn erhöhen, indem sie die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in ihre Speicher verhindern. Was inzwischen über den genauen Wirkmechanismus bekannt ist, lässt jedoch Zweifel an dieser Einordnung aufkommen:

Die Einordnung als schwacher Dopamin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer basiert auf Tierexperimenten, wobei für die Wiederaufnahmehemmung ein Verhältnis von 2:1 Dopamin zu Noradrenalin beobachtet wurde. Mit modernen Untersuchungsmethoden konnte aber inzwischen festgestellt werden, dass Bupropion zugleich auch die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin verursacht und deshalb in der Wirkung eher Amphetaminen ähnelt (Bupropion ist auch chemisch eng mit den Amphetaminderivaten Amfepramon und Cathinon verwandt, zum Ganzen siehe www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0074774209880094?via%3Dihub).

Je besser Bupropion mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersucht werden kann, desto mehr wird die klinische (praktische) Relevanz seiner dopaminergen Wirkung jedoch auch schon wieder bezweifelt: Bupropion wird intensiv verstoffwechselt (über 87 % Bioverfügbarkeit). Sein Metabolit (Stoffwechselprodukt) Hydroxybupropion, der bereits während des First-Pass-Stoffwechsels (sofortige Verstoffwechslung nach Einnahme) in der Leber gebildet wird, erreicht eine bis zu 20fache Konzentration des Wirkstoffs Bupropion. Hydroxybupropion wirkt als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (und wahrscheinlich auch als Noradrenalin-Freisetzungsmittel) etwa gleich stark wie Bupropion; als Dopamin-Wiederaufnahmehemmer wirkt der Metabolit allerdings wesentlich schwächer. In mehreren Studien unter Einsatz von Positronen-Emissions-Tomographie konnte inzwischen am Patienten gezeigt werden, dass die Dopamin-Transporter nur in geringem Maße (14 %-26 %) durch Bupropion besetzt werden und die extrazelluläre Dopamin-Konzentration nach Einnahme keinen Anstieg des Dopaminspiegels nachweist. Nach aktuellem Stand der Forschung lässt sich die Wirkung von Bupropion daher eher mit der Wirkung von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) vergleichen.

Mit kleinen, aber wichtigen Abweichungen:

  • Bei ängstlicher Depression wirkt Bupropion nachweislich schlechter als SSRI
  • Es gibt Hinweise, dass Bupropion bei der Fatigue (schnellere körperliche und psychische Ermüdung), die oft mit depressiven Syndromen einhergeht, besser wirkt als SSRI
  • In Bezug auf Response (Ansprechen auf die Behandlung, Besserung >=50%) und Remission (Erreichen von Symptomfreiheit) wurde bisher lediglich untersucht, dass Bupropion schlechter als Venlafaxin wirkt
  • Gezeigt wurde auch, dass Bupropion nach Therapieversagen der häufigsten Ersttherapie Citalopram als Zweitlinientherapie ähnlich gut wirkt wie Buspiron, Sertralin, Venlafaxin (Remission bei ca. 1/4 der Patienten)

Bupropion wurde in Kombinationen mit verschiedenen SSRI untersucht und wirkte sich dabei positiv auf die sexuellen Dysfunktionen aus, die die Einnahme von SSRI häufig auslöst. Es gibt Hinweise, dass Bupropion auch bei Kombination mit weiteren Antidepressiva manche Nebenwirkungen wie Müdigkeit ausgleichen kann. Da systematische Untersuchungen dieses Bereichs jedoch noch ausstehen, ist Bupropion bisher nicht zur Anwendung gegen/bei Nebenwirkungen anderer Antidepressiva zugelassen.

Bei der Raucherentwöhnung zeigt sich Bupropion als etwa ebenso wirksam wie Nikotinpflaster und vermutlich etwas weniger wirksam als Vareniclin; ist aber nur bei einer bestimmten (bei europäischstämmigen Menschen weit verbreiteten) Genvariante eine erfolgversprechende Therapie-Option. Im Einsatz zur Appetitminderung und Gewichtsreduktion hat sich die Kombination Bupropion und Naltrexon in klinischen Studien als wirksame Methode für Adipositas-Patienten erwiesen. Die Anwendung auf ADHS ist als ärztliche Einzelfall-Entscheidung an Patienten unter 18 Jahren bisher weder in Bezug auf Sicherheit noch in Bezug aus die Wirksamkeit hinreichend untersucht.

Wirkungseintritt

Laut Fachinformation zu Elontril kann die erste Wirkung gewöhnlich ca. 14 Tage nach Beginn der Therapie festgestellt werden. Die volle antidepressive Wirkung soll sich jedoch – wie bei allen Antidepressiva – möglicherweise erst nach einer mehrwöchigen Behandlung zeigen.

Es wird empfohlen, Patienten mit Depressionen über eine ausreichende Zeit von mindestens 6 Monaten mit Elontril zu behandeln, um die Symptomfreiheit sicher zustellen.

 

Nebenwirkungen von Bupropion

In seinem Nebenwirkungsprofil unterscheidet sich Bupropion ziemlich von den üblichen Antidepressiva; die typischen Nebenwirkungen ähneln eher denen, die bei der Einnahme von Psychostimulanzien auftreten.

Sehr häufig (bei mehr als einem von 10 Patienten) reagieren Patienten mit Schlaflosigkeit (oft vorübergehend, wird meist weniger, wenn Bupropion nicht kurz vor dem Schlafengehen eingenommen wird), Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit oder Erbrechen.

Häufig (bei weniger als jedem 10. und mehr jedem 100. Patienten) treten folgende Nebenwirkungen auf:
Krankhafte Unruhe und Angst, Zittern, Schwindel, Geschmacksstörungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Nesselsucht, Appetitlosigkeit, Sehstörungen und Tinnitus, erhöhter Blutdruck und Gesichtsröte, Hautausschlag, Juckreiz, Schwitzen, Fieber, Brustschmerzen und Kraftlosigkeit.

Gelegentlich (>= 1/1.000, < 1/100) werden depressive Symptome (im Zusammenhang mit bipolaren Störungen), Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Gewichtsverlust und zu schnelle Herzschlagfrequenz beobachtet.

Es gibt weitere seltene und sehr seltene Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, Aggressionen, Reizbarkeit, Immunreaktionen und Blutzuckerschwankungen, Koordinationsstörungen und Herzstolpern und einiges mehr, die nur jeden 10000. Patienten oder noch weniger betreffen und vereinzelte unerwünschte Auswirkungen, deren Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar ist.

Die Chancen und Begleitumstände des Auftretens dieser unerwünschten Wirkungen werden im Beipackzettel unter Nebenwirkungen und noch einmal unter der Überschrift “Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen” ausführlich erläutert. Da solche selteneren Nebenwirkungen vor allem Menschen mit entsprechender Veranlagung bzw. Schwächen betreffen, sollte der Beipackzettel in Bezug auf solche besonderen persönlichen Veranlagungen sorgfältig studiert werden.

Eine Suchtgefahr kann bei längerer und/oder häufiger Anwendung nicht ausgeschlossen werden, das Potenzial wird jedoch insgesamt als gering angesehen.

Gegenanzeigen

In folgenden Fällen sollte Bupropion nicht eingenommen werden:

  • Gleichzeitig mit MAO-Hemmern, da diese auf die gleichen Stoffwechselwege wirken
  • Zusammen mit Alkohol, weil Hinweise auf einzelne neuropsychiatrische Nebenwirkungen existieren
  • Die Sicherheit der Einnahme in der Schwangerschaft ist nicht untersucht und wird deshalb nur empfohlen, wenn sie als unbedingt erforderlich angesehen wird
  • Da Bupropion und Metaboliten in die Muttermilch übertreten, sollte Bupropion in der Stillzeit nicht genommen werden bzw. die Mutter bei Einnahme von Bupropion nicht stillen.

Wechselwirkungen

Bupropion tritt mit folgenden Medikamenten in folgende Wechselwirkungen:

  • Bei allen Trizyklika außer Doxepin, vielen SSRI, dem Schmerzmittel Tramadol, Antipsychotika, Betablockern und Klasse-1C-Antiarrhythmika hemmt Bupropion die Verstoffwechslung und lässt so den Blutspiegel ansteigen
  • Der Spiegel von Citalopram steigt ebenfalls bei gleichzeitiger Einnahme von Bupropion, obwohl die Medikamente in anderen Stoffwechselwegen verarbeitet werden
  • Bupropion vermindert die sedierende Wirkung von Diazepam
  • Die gleichzeitiger Anwendung von Nikotinpflastern kann einen Blutdruckanstieg verursachen

Folgende Medikamente können die Wirkung von Bupropion beeinflussen:

  • Medikamente, die den Cytochrom P450-2B6-Stoffwechselweg beeinflussen (diverse Krebsmedikamente, zentral wirkende Muskelrelaxanzien und Thrombozytenaggregationshemmer) verschieben das Verhältnis Bupropion/Hydroxybupropion, die Auswirkungen sind nicht bekannt
  • Darüber hinaus wird bei Anwendung aller Medikamente zur Vorsicht geraten, die stark in Stoffwechselwege eingreifen
  • Zusammen mit Levodopa und Amantadin sollte Bupropion nur mit Vorsicht eingesetzt werden, weil vermehrte Nebenwirkungen auftreten können.

Da die vielfachen Wechselwirkungen von Bupropion durch medizinische Laien nur schlecht bewertet werden können, sollten Patienten Ihrem Arzt auch jegliche weitere Medikamenteneinnahme nennen.

Dosierung

In der Anwendung als Antidepressivum ist als Normaldosis die Gabe von 150 mg einmal täglich vorgesehen, die auch üblicherweise als Anfangsdosis verordnet wird.

Da in den klinischen Studien jedoch im niedrig dosierten Bereich keine optimale Dosis ermittelt werden konnte (die oben erwähnten Krampfanfälle traten vor allem bei einer Dosis von 600 mg auf), ist das nicht “das letzte Wort”. Wenn sich nach einem Monat 150 mg-Therapie keine Besserung zeigt, kann die Dosis nach Rücksprache mit dem Arzt auf einmal täglich 300 mg gesteigert werden.

Wichtig ist, dass zwischen den jeweiligen Einzeldosen immer eine Zeitspanne von mindestens 24 Stunden liegt.

Das Medikament absetzen

In den klinischen Studien zu Elontril wurden keine Absetzsymptome beobachtet (allerdings auch nicht systematisch erfasst).

Da Bupropion selektiv die neuronale Wiederaufnahme von Neurotransmittern hemmt, können Absetzsymptome oder ein Rebound-Effekt nicht ausgeschlossen werden.

Laut Fachinformation kann eine ausschleichende Therapie deshalb in Betracht gezogen werden; wenn Bupropion zur Raucherentwöhnung eingesetzt wird, wird diese sogar empfohlen.

Die Stiftung Warentest meldet in ihrer Datenbank “Medikamente im Test”, dass einzelne Fallberichte auch bei Absetzen von Bupropion das Auftreten des sogenannten akuten Absetz- oder Entzugssyndroms nahelegen.

Dieses eigenständige Syndrom zeigt sich durch folgende Merkmale:

  • Rasches Auftreten, meist in der 1. Woche nach Absetzen, Höhepunkt nach 36 bis 96 Stunden
  • Spontane (selbsttätige) Rückbildung, abhängig von der Halbwertzeit des Wirkstoffes in 2 (-6) Wochen
  • Meist milde, vollkommen rückbildungsfähige Symptomatik
  • Meist rascher und vollständiger Rückgang bei erneuter Einnahme des Wirkstoffs
  • Typisch sind unspezifische körperliche Symptome
  • Die häufigsten Symptome sind Kopfschmerz und Schwindel, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Übelkeit

Erfahrungen mit Bupropion

Die meisten Erfahrungen mit Medikamenten sind in Deutschland im Gesundheitsportal Sanego zu finden. Zu Elontril sind dort über 500 Erfahrungsberichte zu finden, die das Medikament mit einem Durchschnitt von 6.8 (von 10 möglichen Punkten) bewerten: www.sanego.de/Medikamente/Elontril.

Weitere Erfahrungsberichte mit Elontril und dem Absetzen von Elontril sind hier verzeichnet: https://psylex.de/psychopharmaka/psychopharmakon/bupropion2-erfahrung.html und https://www.mischa-miltenberger.de/antidepressiva-absetzen (unten bei den Kommentaren).

Hydroxyzin (Atarax)

Hydroxyzin ist ein Wirkstoff, der gemäß § 1 i. V. m. Anlage 1 Arzneimittelverschreibungsverordnung nur nach ärztlicher Verordnung und in verschreibungspflichtigen Medikamenten an Patienten verabreicht werden darf.

Das Original-Medikament mit Hydroxyzin heißt Atarax und wird vom Hersteller als Medikament gegen allergische Reaktionen mit beruhigenden Eigenschaften beschrieben.

Hydroxyzin wird heute in folgenden Indikationen angewendet:

  • Symptomatische Therapie von Angstzuständen bei psychischen und körperlichen Erkrankungen
  • Behandlung emotional bedingter Erregungs- und Spannungszustände nicht-psychotischer Natur
  • Therapie von Ein- und Durchschlafstörungen, die keine Folgeerscheinung behandlungsbedürftiger Grunderkrankungen sind
  • Symptomatische Behandlung schwerer allergischer Erkrankungen wie Juckreiz bei Nesselsucht (Urtikaria) und Ekzemen bei Neurodermitis
  • Als angstlösende Prämedikation zur Ruhigstellung vor chirurgischen Eingriffen

Hydroxyzin kann auch bei Hauterkrankungen verordnet werden, die starken Juckreiz verursachen, wenn der gleichzeitig “mitgelieferte” stark sedierende, psychotrope Effekt erwünscht ist oder geduldet wird.

In klinischen Studien hat Hydroxyzin bereits 1959 eine ausgeprägt ordnende Wirkung auf durch psychische Störungen gestörte Denkmuster bewiesen. Heute wird Hydroxyzin als Zweitlinientherapie bei Generalisierter Angststörung in Erwägung gezogen. Die Wirksamkeit konnte in einigen kontrollierten Studien gezeigt werden; Rückfallverhinderungsstudien über Zeiträume von 6 – 12 Monaten fehlen allerdings noch.

 

Kurze Geschichte von Hydroxyzin

Das Original-Medikament mit dem Wirkstoff Hydroxyzin wurde vom belgischen Pharma-Unternehmen UCB entwickelt, das 1928 als Union Chimique Belge in der belgischen Hauptstadt Brüssel gründet wurde. Diese Union produzierte lange schwerpunktmäßig Industriechemikalien, gründete jedoch im Aufwind der wissenschaftlichen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg 1952 ein pharmazeutisches Forschungszentrum.

Das konnte bald eine Reihe von Durchbrüchen verzeichnen, zu denen auch die Entwicklung eines der ersten Tranquilizer der Welt gehörte: Dem Benzodiazepin-freien Beruhigungsmittel Atarax mit dem Wirkstoff Hydroxyzin. Die chemisch heterogene Gruppe der Tranquilizer-Psychopharmaka, die zugleich angstlösend und beruhigend wirken, wird noch heute auch mit dem vom Namen Atarax abgeleiteten Synonym “Ataraktika” bezeichnet. Die erst später entdeckte Wirkung als Antihistaminikum schließt den geschichtlichen Bogen zu den modernen Anwendungsausweitungen von Hydroxyzin: Antihistaminika gelten als wichtige Vorläufer der Neuroleptika und der Antidepressiva.

Die UCB Pharma vergab die US-Vertriebslizenz für Atarax noch im letzten Jahrhundert an den US-Pharmakonzern Pfizer und half dem damals noch kleinen US-Unternehmen dadurch beim Aufstieg zum Pharmariesen. UCB Pharma ist inzwischen selbst ziemlich groß geworden, hat seinen Hauptsitz nach wie vor in Brüssel und arbeitet bis heute mit Pfizer zusammen. Für die Produktion von Atarax für den deutschen Markt ist die deutsche Tochter UCB Pharma GmbH in 40789 Monheim verantwortlich.

Da der Patentschutz für Atarax längst ausgelaufen ist, wird das Medikament inzwischen von 11 weiteren Herstellern angeboten.

 

Wirkung / Wirkstoff

Hydroxyzin hemmt diverse Botenstoffsysteme im Gehirn und im Körper: Die 1-Adrenozeptoren, die 5-HT2A-Rezeptoren, die Dopamin D1/D2-Rezeptoren und die Histamin H1-Rezeptoren.

Dadurch wirkt Hydroxyzin in hohem Maße angstlösend und beruhigend auf das Gefühlsleben und die Gedanken, aber auch sedierend.

Oben wurden bereits die klinischen Studien der 1950er Jahre erwähnt, in denen neben der stark angstlösenden Wirkung auch eine deutliche antipsychotische Wirkung und positive Wirkungen auf Denkstörungen und Zwangserkrankungen nachgewiesen wurden. Für diese Indikationen kam es aber nie zu einem Zulassungsantrag, weil zu dieser Zeit auch gerade die Neuroleptika in den Markt eingeführt wurden.

Weitere bewiesene Wirkungen von Hydroxyzin sind die Verminderung von Übelkeit und natürlich die ausgeprägte Linderung von Juckreiz, die auf Unterdrückung der Histamin-Wirkung durch Blockade der Histamin-H1-Rezeptoren zurückgeht.

Durch diese Blockade wird zugleich im Gehirn die anregende Wirkung des Histamins unterdrückt, wodurch sich die beruhigenden Eigenschaften des Wirkstoffs erklären lassen.

 

Wirkungseintritt

Bei einem systemisch und in mehrere Richtungen wirkenden Arzneistoff wie Hydroxyzin hängt die Wirkung sehr von der ausgebrachten Dosierung ab. Auf der anderen Seite wird die Dosierung maßgeblich vom Anwendungszweck und dem individuellen Befinden des Patienten beeinflusst, so dass der Patient im Gespräch mit dem Arzt erheblichen Einfluss auf den Wirkungseintritt nimmt. Allgemeine Ausführungen zum Eintritt der Wirkung bei Anwendung im Bereich von Depressionen und bei Angststörungen sind daher unangebracht, weil sie unseriös wären. Wenn ein Arzt Hydroxyzin in diesen Anwendungsgebieten verordnet, verfügt er über Erfahrungen mit dem Einsatz dieser Substanz und kann Fragen zum Wirkungseintritt beantworten.

Wenn Hydroxyzin zur Linderung allergischer Symptome verordnet wird, sieht es anders aus: Bekannt ist, dass Hydroxyzin durch die Enzyme Alkohol-Dehydrogenase und CYP3A4/5 größtenteils zu Cetirizin verstoffwechselt wird. Dieses Cetirizin lindert die allergischen Symptome, indem es die Histamin-Wirkungen durch Blockade des Histamin-H1-Rezeptors unterbindet. Cetirizin wirkt sehr schnell, zehn bis 30 Minuten nach der Einnahme, weil es rasch und fast vollständig über den Dünndarm aufgenommen wird. Die Wirkung hält bis zu 24 Stunden an, bis der (nicht verbrauchte) Wirkstoff vor allem über die Nieren ausgeschieden wird.

 

Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann auch Hydroxyzin Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jedem Patienten auftreten.

Zu den häufigeren Nebenwirkungen, die bei mindestens 1 von 1.000 behandelten Patienten auftreten, gehören:

  • Appetitsteigerung oder Appetitlosigkeit
  • Benommenheit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel
  • Erhöhung des Augeninnendrucks, verschwommenes Sehen
  • Leberfunktionsstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Übelkeit, Verstopfung
  • Paradoxe Reaktionen wie Alpträume, Erregung, Gefühl verstopfter Nase, Halluzinationen, Schlaflosigkeit, Spannungsgefühl, Unruhe, Verwirrtheit, Zittern
  • Pulsbeschleunigung
  • Störungen beim Wasserlassen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut

Sollten Herzrhythmusstörungen wie Herzklopfen, Atemschwierigkeiten oder Bewusstlosigkeit auftreten, soll die Behandlung beendet werden, der Patient sollte sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Gerade bei systemisch wirkenden Substanzen wie Hydroxyzin gilt jedoch auch, dass sich Häufigkeit und Ausmaß der Nebenwirkungen durch eine sorgfältige und individuelle Einstellung der Dosierung weitgehend reduzieren lassen.

Deshalb sollte die Gebrauchsinformation (der Beipackzettel) immer gründlich studiert werden, was heute vor Verschreibung des Medikaments möglich ist – hier der Link zu der beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information hinterlegten Gebrauchsinformation: portal.dimdi.de/amispb/doc/2017/03/07/2107081/O6b2e497e7aff44dd95b73c2398ada2d3.pdf. Fast jeder Patient weiß, wo seine eventuellen Schwächen liegen, und kann sich vom Arzt beraten lassen, wenn in dieser Richtung Nebenwirkungen zu befürchten sind.

 

Gegenanzeigen

Wenn gerade Medikamente zur Behandlung folgender Erkrankungen eingenommen werden, darf Hydroxyzin nicht genommen werden:

  • Allergien
  • Arzneimittelmissbrauch
  • Bakterielle Infektionen
  • Bluthochdruck
  • Depressionen
  • Herzerkrankungen
  • Krebs
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Malaria
  • Pilzinfektionen
  • Psychosen
  • Starke Schmerzen

 

Wechselwirkungen

Hydroxyzin kann mit sehr vielen Medikamenten in Wechselwirkung treten, hier ein Überblick:

  • Atropin und andere Substanzen mit anticholinergen Wirkungen
  • Biperiden zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit
  • Cimetidin gegen Magen-Darm-Geschwüre
  • Medikamente, die über CYP 2D6-Enzyme abgebaut werden
  • Medikamente, die eine stark hemmende Wirkung auf bestimmte Leberenzyme haben
  • Medikamente, die einen unregelmäßigen Herzschlag auslösen können
  • Medikamente gegen hohen Blutdruck
  • Monoaminoxidase-Hemmer zur Behandlung von Depressionen
  • Phenytoin und andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Zentral wirkende Arzneimittel wie Narkosemittel, Psychopharmaka, Schlafmittel und Schmerzmittel

Da laufend neue Wechselwirkungen entdeckt und erforscht werden, sollte der Patient seinem Arzt bei der Verschreibung eines neuen Medikaments immer alle Medikamente nennen, die er gerade einnimmt oder bis vor kurzer Zeit eingenommen hat (inklusive nicht verschreibungspflichtiger Medikamente).

 

Dosierung

Die Dosierung von Hydroxyzin bzw. dem entsprechenden Arzneimittel muss immer vom behandelnden Arzt bestimmt werden, weil die richtige Dosis auf das Indikationsgebiet, die Schwere der Erkrankung und die individuelle Reaktionslage des Patienten abgestimmt werden muss.

Vom Hersteller von Atarax werden folgende empfohlene Dosierungen für Erwachsene angegeben, falls der Arzt nicht anderes verordnet:

  • Bei symptomatischer Behandlung von Angst- und Spannungszuständen 3mal täglich 37,5 bis 75 mg Hydroxyzindihydrochlorid (3x 0,5 bis 3x 1 Atarax Tablette)
  • Bei Therapie psychogen bedingter Schlafstörungen 37,5 bis 75 mg Hydroxyzindihydrochlorid (1,5 bis 3 Atarax Tabletten), einzunehmen abends vor dem Schlafengehen.
  • Für symptomatische Behandlung von Juckreiz bei Urtikaria) oder Ekzemen bei Neurodermitis 3mal täglich 37,5 bis 75 mg Hydroxyzindihydrochlorid (3x 0,5 bis 3x 1 Atarax Tablette)
  • Zur Ruhigstellung vor chirurgischen Eingriffen 50 mg Hydroxyzindihydrochlorid (1x 2 Atarax Tabletten)

Für ältere Patienten sollte die tägliche Höchstdosis auf 50 mg beschränkt werden, für Kinder und Jugendliche wird in der Gebrauchsinformation ein altersabhängiges Dosierungs-Schema überliefert. Empfohlen wird vom Hersteller weiter, immer die niedrigste wirksame Dosis einzunehmen.

 

Hydroxyzin absetzen

Die Dauer der Anwendung von Hydroxyzin muss ebenfalls ausschließlich vom behandelnden Arzt bestimmt werden, da sie wie die Dosierung ganz individuell auf das Indikationsgebiet, die Schwere der Erkrankung und die individuelle Reaktionslage des Patienten abzustimmen ist.

Vom Atarax-Hersteller wird empfohlen, die Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten.

 

Erfahrungen mit Hydroxyzin / Atarax

Heute ist es üblich, sich vor Medikamenten-Einnahmen im Internet über die Erfahrungen anderer Patienten mit diesem Medikament zu erkundigen; das Gesundheitsportal Sanego ist das größte deutsche Portal zur Sammlung solcher Erfahrungsberichte.

Obwohl auf sanego.de über 85.000 Erfahrungsberichte zur Einnahme von Medikamenten verfügbar sind, ist zum alten und offensichtlich nicht mehr in Mengen verschriebenen Atarax gerade mal ein einziger Erfahrungsbericht verfügbar (bei dem das Medikament allerdings hervorragend abschneidet: https://www.sanego.de/Medikamente/Atarax).

Wer dieses alte Medikament interessant findet, müsste sich daher einen Arzt mit langer Erfahrung suchen, der aus der Praxis über die Wirkungen von Hydroxyzin berichten kann.

Carbamazepin

Anwendungsgebiete

Carbamazepin ist ein Wirkstoff, der gemäß § 1 i. V. m. Anlage 1 Arzneimittelverschreibungsverordnung nur in verschreibungspflichtigen Arzneimitteln nach ärztlicher Verordnung an Patienten ausgegeben werden darf.

Im Umfeld “Depression” wird Carbamazepin in drei Anwendungsfällen zur prophylaktischen Therapie manisch-depressiver Phasen eingesetzt:

  • wenn eine Therapie mit Lithium versagt hat
  • wenn ein Patient unter Lithium-Therapie schnelle Phasenwechsel erlebte
  • wenn die Lithium-Therapie kontraindiziert ist (nicht mit Lithium behandelt werden darf)

In der Akut-Therapie von Manien und schizomanischen Episoden und in der Phasenprophylaxe schizoaffektiver und bipolarer Störungen wird Carbamazepin gerade in zunehmendem Maß von moderneren Medikamenten verdrängt. In der Therapie von Borderline-Persönlichkeitsstörungen kann Carbamazepin bei starken Stimmungsschwankungen und Autoaggressionen eingesetzt werden.

Weitere Anwendungsgebiete sind:

  • Therapie einer Trigeminus-Neuralgie
  • Therapie genuiner Glossopharyngeus-Neuralgien (anfallartige Schmerzen im Bereich des Zungen-Rachen-Nervs) und schmerzhafter diabetischer Neuropathien; Carbamazepin wird häufig als Koanalgetikum bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt
  • Therapie nichtepileptische Anfälle bei Multipler Sklerose (paroxysmale Dysarthrie und Ataxie, tonische Anfälle, paroxysmale Parästhesien, Schmerzanfälle, Trigeminus-Neuralgie)
  • Zur Verhütung von Anfällen beim Alkoholentzugssyndrom und zum Schutz vor Entzugsanfällen im Benzodiazepinentzug

Im Off-Label-Use findet Carbamazepin in der Behandlung des Diabetes insipidus (Hormonmangelerkrankung mit Harnkonzentrationsstörung) und des Hemispasmus facialis (krankhafte Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur) Anwendung.

 

Kurze Geschichte von Carbamazepin

Carbamazepin ist ein rund 60 Jahre alter Arzneistoff, der zur Zeit seiner Entwicklung zusammen mit anderen Neuentwicklungen eine Wende in der Behandlung des “uralten Leidens” Epilepsie einläutete.

Zwei Forscher der Schweizer J.R. Geigy AG, Walter Schindler und Hans Blattner, waren Mitte der 1950er Jahre auf der Suche nach neuen Neuroleptika, um die bisherigen nebenwirkungsreichen und nicht immer wirksamen Antiepileptika zu ergänzen. Sie experimentierten dazu mit Chlorpromazin, dem ersten, 1950 entwickelten Arzneistoff aus der Gruppe der Neuroleptika (der das Fundament der modernen Psychopharmaka-Therapie legte). Ausgehend von dieser neuen Substanz gelang Schindler und Blattner 1957 die Synthese von Carbamazepin. Fünf Jahre danach wurde Carbamazepin in die Epilepsie-Therapie eingeführt, zusammen mit den 1961 entwickelten Benzodiazepinen und der schon 1881 synthetisierten Valproinsäure, deren antikonvulsive Eigenschaften erst 1963 nachgewiesen wurden.

Carbamazepin wurde im deutschsprachigen Raum Mitte der 1960er Jahre direkt von der J.R. Geigy AG zugelassen. In der Schweiz und in Österreich erhielt das Original-Medikament den Markennamen Tegretol, als Warenzeichen in Deutschland wurde der Name Tegretal gewählt.

Die J.R. Geigy AG fusionierte 1970 mit Ciba (zum Firmennamen gewordene Abkürzung der Gesellschaft für Chemische Industrie Basel) zum Pharma- und Chemieunternehmen Ciba-Geigy AG. 1996 fusionierte die Ciba-Geigy AG mit dem ebenfalls in Basel ansässigen Chemieunternehmen Sandoz AG. Aus dieser Fusion entstand das Biotechnologie- und Pharmaunternehmen Novartis AG, das auch heute noch seinen Sitz in Basel hat und auch heute noch die Original-Medikamente Tegretol undTegretal produziert.

Da das Patent für dieses Antiepileptikum mit antimanischer Wirkung jedoch lange ausgelaufen ist, wird Carbamazepin außerdem unter diversen Handelsnamen wie Carbaflux, Carbagamma, Carsol, Deleptin, Finlepsin, Neurotop und Timonil vertrieben; darüber hinaus sind in Deutschland eine ganze Reihe von Generika auf dem Markt.

Insgesamt sind in Deutschland 39 Medikamente mit dem Wirkstoff Carbamazepin zugelassen – ggf. wichtig für den Patienten, weil die Austauschbarkeit von Markenpräparaten durch Generika in der antiepileptischen Therapie seit Jahren kontrovers diskutiert wird. Es existieren Empfehlungen von Fachgesellschaften, bei Carbamazepin einen Präparatewechsel zu vermeiden. Hier ein Überblick über die Diskussion: www.arznei-telegramm.de/html/2013_05/1305044_01.html; der behandelnde Arzt kann Auskunft darüber geben, ob und inwieweit die Diskussion therapeutische Anwendungen im Bereich Depression berührt.

 

Wirkung / Wirkstoff

Carbamazepin ähnelt in seiner chemischen Struktur dem Dibenzazepin Imipramin und wird deshalb chemisch zur Klasse der Dibenzazepine gezählt.

Trotz der langen Geschichte des Wirkstoffs ist der Wirkmechanismus noch nicht vollständig aufgeklärt.

Die allgemein vertretene Annahme ist, dass Carbamazepin die (spannungsabhängigen) Natriumkanäle in den Nervenzellen-Axonen blockiert, was sich auf die Erregungsausbreitung auswirkt und membranstabilisierende Effekt hervorruft.

Dibenzazepine werden als Antikonvulsiva und trizyklische Antidepressiva eingesetzt (Imipramin gehört zu den trizyklischen Antidepressiva), was die Wirkung von Carbamazepin auch im therapeutischen Umfeld der Depression erklärt.

Allerdings wird der im engeren Sinne als Antikonvulsivum zugelassene Wirkstoff Carbamazepin im Vergleich zu den anderen Mood-Stabilizern (Stimmungsstabilisatoren) heute nur noch selten in diesem Bereich eingesetzt.

In den Leitlinien zur Behandlung der unipolaren Depression wird Carbamazepin ausdrücklich nur als nachrangige Alternative bei Unverträglichkeit bzw. nicht ausreichendem Ansprechen auf die ansonsten weitgehend überlegenen Lithium-Therapie empfohlen. Auch bei therapieresistenter Depression könne ein Versuch der Wirksamkeits-Steigerung anderer Antidepressiva mittels Carbamazepin nicht als Routineeinsatz empfohlen werden.

 

Wirkungseintritt

Da Carbamazepin langsam eingeschlichen wird, kann es eine Weile dauern, bis sich die ersten Wirkungen der Therapie zeigen.

Zunächst wird Carbamazepin recht langsam aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert (Resorptionshalbwertszeit: 8,5 Stunden), dann muss nach Beginn der Therapie erst ein sogenannter Steady state erreicht werden. Wenn ein systemisch aktives Medikament mehrfach verabreicht wird, läuft folgendes Szenario ab: Der erste Wirkstoff gelangt in den Blutkreislauf, wirkt am Wirkort und wird der Ausscheidung zugeführt. Die nächste Dosis wird verabreicht, bevor die Plasmakonzentration unter die minimal therapeutisch wirksame Konzentration gefallen ist. Wenn die Einnahme in regelmässigen Abständen wiederholt wird, sorgt das nach einer Weile dafür, dass im Organismus konstant eine therapeutisch aktive Konzentration des Wirkstoffs zur Verfügung steht, dieser Gleichgewichtszustand wird Steady state genannt.

Bis bei der Gabe von Carbamazepin dieser Steady state erreicht ist, dauert es 2 bis 8 Tage. Bei einigen Indikationen wird der Wirkungseintritt auch nach der Plasmakonzentration beurteilt, wobei der therapeutisch wirksame Plasmaspiegel bei 4 – 12 mg/l, aber auch bei 5 – 18 mg/l liegen kann. Das ergibt bei einer Nebenwirkungsschwelle von 8 – 9 mg/l Plasmaspiegel und einer toxischen Schwelle von 20 mg/l Plasmaspiegel eine so enge therapeutische Breite, der so viele Anwendungsmöglichkeiten gegenüberstehen, dass der angestrebte Plasmaspiegel und zu erwartende Wirkungseintritt individuell mit dem Arzt besprochen werden muss (der nach Kontrolle des Plasmaspiegels dann auch ggf. die Dosis anpasst).

 

Nebenwirkungen

Wie jedes Medikament, das Wirkungen zeigt, kann Carbamazepin auch eine ganze Reihe Nebenwirkungen (unerwünschter Wirkungen) verursachen; hier ein Überblick nach Häufigkeit:

  • Sehr häufig sind dämpfende Wirkungen auf das zentrale Nervensystem bis hin zu Schläfrigkeit, Gleichgewichtsstörungen und die vorübergehende, gutartige Verminderungen der weißen Blutkörperchen
  • Häufig kommt es zu allergischen Hautreaktionen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Thrombopenie (Verringerung der Blutplättchenzahl), vermindertem Natriumgehalt des Blutes
  • Gelegentlich treten Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Verlangsamung der Herzfrequenz, Verwirrtheitszustände, Wassereinlagerungen auf

Manchmal bezeichnen die Nebenwirkungen nur eine Art “Gewöhnungssituation” des Körpers, treten also vor allem bei Behandlungsbeginn auf und verschwinden nach einigen Tagen von alleine; dieses Phänomen soll bei Carbamazepin häufig zu beobachten sein.

Ob Nebenwirkungen auftreten, hängt sonst zum überwiegenden Teil von der Dosis ab – die dann angepasst werden muss, die in Studien mit im Vergleich zur Bevölkerung naturgemäß sehr wenigen Patienten ermittelten Dosis-Empfehlungen sind letztlich nicht mehr als “Dosis-Vorschläge”. Die Ursachen für die restlichen Nebenwirkungen, die die häufigen und gemeinhin erträglichen “Unmutserscheinungen des Körpers” übersteigen, sind im speziellen Stoffwechsel des Patienten zu suchen. Heute wird deshalb empfohlen, vor der Verordnung von Carbamazepin einen Gentest durchzuführen, weil bestimmte Nebenwirkungen bei bestimmten Genvariationen gehäuft auftreten.

Weitere seltene und sehr seltene Nebenwirkungen, die im Beipackzettel gelistet werden, betreffen gewöhnlich nur die Patienten, die in der betreffenden Richtung bereits vorbelastet sind. Der jeweils neueste Stand der verfügbaren Informationen zu den Nebenwirkungen von Carbamazepin wird in der Gebrauchsinformation (dem Beipackzettel) zur Verfügung gestellt. Deshalb ist es so wichtig, diese Nebenwirkungen auch immer wirklich konzentriert durchzulesen.

Denn die langen Aufzählungen von Nebenwirkungen entstehen nicht, weil jede Nebenwirkung bei jedem Patient eintritt. Sondern weil auch die möglichen unangenehmen Wirkungen von Medikamenten heute derart gut untersucht sind, dass auch Patienten mit mehreren Krankheiten durch Anpassung von Therapie oder Dosis so behandelt werden können, dass sie kaum unter irgendwelchen Nebenwirkungen leiden müssen. Dazu kommt es allerdings auf die Mitarbeit des Patienten an, hier die aktuell beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information hinterlegte Gebrauchsinformation zur eigenen Vorabinformation: https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2019/07/15/2114005/O23b22d91ae154afc9b9fa346cf5c8cea.pdf.

 

Gegenanzeigen

In folgenden Fällen sollte Carbamazepin nicht eingenommen werden:

  • In und kurz vor der Schwangerschaft, Carbamazepin zeigt teratogene Wirkung und kann beim Ungeborenen Fehlbildungen wie Spaltbildungen der Wirbelsäule (Spina bifida, “offener Rücken”) verursachen
  • Nach neueren Untersuchungen ist das Risiko für das Auftreten großer Fehlbildungen nur geringfügig erhöht, Carbamazepin sollte in der Schwangerschaft aber nur nach besonders sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung verordnet werden
  • Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder ähnliche Medikamente (z. B. andere trizyklische Antidepressiva) oder einen der sonstigen Bestandteile des Medikaments
  • Bei Knochenmarkschädigung und/oder Knochenmarkdepression in der Vergangenheit
  • Bei Vorliegen von Reizleitungsstörungen des Herzens
  • Bei Einnahme von Monoaminoxidase-Hemmern

Der Beipackzettel nennt unter der Überschrift “Besondere Warnhinweise” weiter einige Reihe Beschwerden und Zustände, in denen die Anwendung von Carbamazepin nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen, besonderer ärztlicher Überwachung und besonders strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte.

 

Wechselwirkungen

Carbamazepin wird über das Cytochrom-P-450-System in der Leber verarbeitet. Von diesem Enzymsystem ist vor allem das Isoenzym CYP3A4 involviert. Die Konzentration anderer Substanzen, die hauptsächlich über CYP3A4 verarbeitet werden, kann also durch die Einnahme von Carbamazepin verringert werden, so dass diese Medikamente im schlimmsten Fall unwirksam werden können.

Diese potentielle Wirksamkeitsminderung durch Carbamazepin betrifft eine unglaublich lange Reihe von Medikamenten, hier die betroffenen Medikamenten-Gruppen:

  • Andere Antikonvulsiva
  • Anti-Pilz-Medikamente
  • Antidepressiva
  • Antivirale Medikamente
  • Blutverdünnende Medikamente
  • Entzündungshemmende Medikamente
  • Gewisse Antibiotika
  • Herz-Kreislauf-Medikamente
  • Immunsuppressiva
  • Kortison-Medikamente
  • Medikamente gegen Übelkeit
  • Medikamente gegen Angststörungen
  • Medikamente gegen Asthma
  • Medikamente gegen Krebs
  • Mittel zur Therapie der erektilen Dysfunktion
  • Schilddrüsenhormone
  • Schmerzmittel
  • Typische und atypische Neuroleptika
  • Verhütungsmittel
  • Wurmmittel und einige sonstige Medikamente

Auf der anderen Seite können Medikamente, die über die gleichen Stoffwechselwege wie Carbamazepin verarbeitet werden, auch dafür sorgen, dass im Körper geringere Konzentrationen von Carbamazepin verfügbar sind. Die Liste der Substanzen, die die Carbamazepin-Konzentration verringern können, ist fast ebenso lang und umfasst neben Antiepileptika, Tuberkulosemittel und Medikamenten zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Hauterkrankungen, Krebserkrankungen auch das pflanzliche Johanniskraut.

Aber auch andere Phase-I- und Phase-II-Enzymsysteme der Leber werden durch Carbamazepin angesprochen, so dass sich Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten ergeben können. Die Dosis von Medikamenten, die durch Carbamazepin beeinflusst werden oder Carbamazepin beeinflussen, muss ggf. vom Arzt so angepasst werden, dass alle Medikamente bezogen auf den individuellen Patienten am besten zur Wirkung kommen.

Weil die Wechselwirkungen von Carbamazepin auf und durch andere Medikamente heute so gut untersucht sind, sollten sich Patienten unter Mehrfach-Medikation am besten schon vorab informieren, ob ihre anderen Medikamente mit Carbamazepin in Konflikt treten können (die Gebrauchsinformation zu Carbamazepin wurde oben bereits verlinkt).

Da die Erforschung der Wechselwirkungen außerdem ständig ergänzt wird, sollte jeder Patient einen Zettel mit allen eingenommenen Medikamenten mit zum Arzt nehmen und vor Verschreibung eines neuen Medikaments mit diesem abgleichen.

Weiterhin kann Carbamazepin die Alkohol-Verträglichkeit mindern, Alkohol sollte deshalb während einer Carbamazepin-Therapie gemieden werden.

 

Dosierung

Da Carbamazepin bei einer Fülle von Beschwerden zum Einsatz kommen kann, enthält die Gebrauchsinformation zu Carbamazepin nicht eine Dosierung, sondern ein ganzes Dosierung-Schema mit den für die jeweiligen Anwendungsfälle empfohlenen Dosierungen.

Zur Prophylaxe manisch-depressiver Phasen wird folgende Dosierung empfohlen:

Als Anfangsdosis 1- bis 2-mal täglich 1 Tablette mit 200 bzw. 400 mg Carbamazepin.

Diese Anfangsdosis erweist sich in der Regel auch als ausreichende Erhaltungsdosis.
Sollte das nicht so sein, kann die Dosis in Rücksprache mit dem Arzt auf bis zu 4 Tabletten, also 800 mg Carbamazepin) täglich erhöht werden.

Diese höhere Dosierung sollte dann auf 3 bis 4 Einnahmen pro Tag aufgeteilt werden.

Weil Nebenwirkungen vor allem bei Beginn der Therapie auftreten, sollte Carbamazepin zu Beginn langsam in der Dosis gesteigert werden (eingeschlichen werden). Während der Therapie sollte die Dosis zur Aktivierung des Leberstoffwechsels regelmäßig angepasst werden, außerdem werden u. a. zur Vermeidung von Nebenwirkungen monatliche Kontrolluntersuchungen empfohlen. Auch der vorliegende Carbamazepin-Spiegel sollte regelmäßig kontrolliert werden, weil die zentralnervösen und vegetativen Nebenwirkungen eine sorgfältige klinische Beobachtung erfordern.

 

Carbamazepin absetzen

Carbamazepin wird gewöhnlich als Langzeittherapie angewendet, wobei sich die genaue Anwendungsdauer nach der jeweiligen Indikation richtet und auch die individuelle Reaktion des Patienten berücksichtigt.

Deshalb darf Carbamazepin in allen Anwendungsfällen nicht eigenmächtig durch den Patienten abgesetzt werden; wann und wie abgesetzt wird, muss immer der Arzt entscheiden.

Das Absetzen erfolgt immer in schrittweiser Dosisreduktion (Ausschleichen des Medikaments); dieses Ausschleichen kann bei Langzeit-Behandlungen wie dem Einsatz zur Prophylaxe manisch-depressiver Phasen in Einzelfällen bis zu zwei Jahren dauern.

Natürlich nicht in jedem Fall, die empfohlene Ausschleich-Länge hängt sehr davon ab, gegen welche Beschwerden Carbamazepin zur Anwendung kommt. Wird Carbamazepin zur Neuralgie-Behandlung eingesetzt, wird der Wirkstoff gewöhnlich über eine für Schmerzfreiheit gerade noch ausreichende Erhaltungsdosis ausgeschlichen, die im Laufe einiger Wochen vorsichtig reduziert wird. Für die Behandlung von Schmerzen bei diabetischer Neuropathie und nichtepileptischer Anfälle bei Multipler Sklerose gilt ähnliches; wurde Carbamazepin zur Anfallsverhütung bei Alkohol- oder Benzodiazepinentzug eingesetzt, kann die Therapie gewöhnlich mit 7 bis 10 Tagen Ausschleichen beendet werden.

 

Erfahrungen mit Carbamazepin

Unter www.sanego.de/Medikamente/Tegretal sind bisher rund 50 Patientenberichte zu Tegretal aufgelaufen, das im Durchschnitt mit 7.0 von 10 möglichen Punkten bewertet wird. Die Wirksamkeit wird mit gut beurteilt, die Verträglichkeit mit befriedigend; als häufigste Nebenwirkung wird von 34 % Müdigkeit angegeben, die nächst große Gruppe von 24 % bemerkte keine Nebenwirkungen.

Zur Orientierung sicher gut und im Fall von Carbamazepin auch beruhigend, aber Sie sollten auch nicht vergessen, mit Ihrem Arzt über die Erfahrungen mit Carbamazepin zu reden. Die Berichte im Internet betreffen nur einen Bruchteil der Verordnungen, erfahrene Ärzte haben schon lange Erfahrungen mit Carbamazepin gesammelt, bevor es das Internet gab.

 

Olanzapin

Olanzapin ist ein weit verbreiteter Arzneistoff, der häufig bei der Behandlung von Schizophrenie eingesetzt wird. Im deutschsprachigen Raum, wurde das Mittel vor rund 25 Jahren unter dem Namen Zyprexa eingeführt und wird seitdem häufig verwendet.
Im Vergleich zu anderen Medikamenten in diesem Bereich, gilt Olanzapin als besser verträglich, kann jedoch zu starker Gewichtszunahme führen.

Wo wird Olanzapin angewendet?

Verschiedene Botenstoffe im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) sind dafür zuständig, dass ein Mensch in bestimmten Situationen des Lebens, entweder ausgeglichen oder angemessen reagiert. Botenstoffe wie zum Beispiel “Dopamin” oder auch “Serotonin”, werden bei gesunden Menschen je nach Bedarf von den Nervenzellen reguliert und ausgeschüttet. Diese werden anschließend auch wieder vom Körper aufgenommen und gespeichert.
Bei Menschen, die unter Schizophrenie leiden, ist dieser Einklang im Körper gestört, hier kommt das Mittel Olanzapin ins Spiel.
Das Mittel wird also am häufigsten bei einer Schizophrenie und manischen Episoden eingesetzt.

Wie wirkt Olanzapin?

Olanzapin ist in der Gruppe der “atypischen Neuroleptika” zu finden, der Wirkstoff blockiert Rezeptoren, hauptsächlich von Serotonin und teilweise von Dopamin. Botenstoffe und deren Wirkung werden so wieder in Einklang gebracht, eine Linderung der Beschwerden erfolgt und Symptome bessern sich. Ein zusätzlicher Effekt bei der Einnahme, ist die leicht beruhigende Wirkung, diese beugt zudem Manien vor.
Der Wirkstoff wird oral eingenommen und über den Darm ins Blut aufgenommen, anschließend über die Leber abgebaut und hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden.

Die richtige Dosierung

Die Einnahme erfolgt üblicherweise in Form von Tabletten, im akuten Anwendungsfall (z.B.: bei starken Schüben), kann das Mittel auch direkt ins Blut injiziert werden. Grundsätzlich beläuft sich die tägliche Dosierung auf rund zehn Milligramm. Wird jedoch eine höhere Dosierung für die Behandlung benötigt, so kann in kleinen Schritten die Dosis auf bis zu zwanzig Milligramm angehoben werden.

Der Wirkungseintritt von Olanzapin

Die volle Entfaltung der Wirkung tritt nicht gleich nach Behandlungsbeginn ein. Olanzapin braucht für die volle Entfaltung meist mehrere Tage bis Wochen. Erst nach diesem Zeitraum kann festgestellt werden, wie gut der Patient auf das Medikament reagiert und anspricht.

Mögliche Nebenwirkungen bei der Einnahme

Des Öfteren, bei mehr als zehn Prozent der Patienten, löst Olanzapin verschiedene Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Schläfrigkeit oder Gewichtszunahme aus.
Weitere Nebenwirkungen die von Patienten angegeben wurden sind Schwindel, eine dauerhafte Mundtrockenheit, niedriger Blutdruck und Verstopfung.
Zudem kann die Behandlung und Anwendung dieses Medikaments, bei rund zehn Prozent der Patienten, zu einem veränderten Blutbild führen.

Bekannte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Wie bei den meisten Medikamenten gibt es auch bei Olanzapin bekannte Wechselwirkungen. Vor allem das Mittel “Carbamazepin”, ein bekanntes und gern verwendetes Epilepsie-Mittel, kann nachweislich die Wirkung von Olanzapin abschwächen.
Der Abbau des Wirkstoffes wird dadurch beschleunigt, auch das Rauchen hat denselben Effekt auf Olanzapin. Ein weiteres Mittel das sich auf den Abbau auswirkt, ist ein Medikament das bei Depressionen eingesetzt wird und trägt den Namen “Fluvoxamin.”

Wann sollte das Medikament nicht angewendet werden?

Es gibt Gegebenheiten oder Situationen, bei denen das Mittel nicht angewendet werden sollte. Unter anderem sollten Patienten mit einem sogenannten “Engwinkelglaukom”, Medikamente in denen Olanzapin enthalten ist, nicht einnehmen.
Auch bei Krankheiten wie Diabetes oder Demenz, kann der Wirkstoff negative Auswirkungen auf den Patienten haben.
Das Mittel sollte auch nicht während dem Autofahren, oder beim bedienen von Maschinen (also während der Arbeit) angewendet werden.
Aufgrund der Nebenwirkungen von Schwindel oder Schläfrigkeit, kann dies ein hohes Risiko für Unfälle darstellen.
Auch bei Kindern und Jugendlichen muss eine Behandlung mit dem Arzt abgesprochen werden. In diesem Bereich liegen im Zusammenhang mit Olanzapin wenige Erfahrungen vor.
Ein sehr hohes Risiko betrifft auch die Schwangerschaft und Stillzeit, während dieser Zeit sollte nach Erfahrungen eher auf besser erprobte Medikamente, wie zum Beispiel Risperidon zurückgegriffen werden.
Alkohol ist während der Einnahme und Behandlung zu vermeiden. Olanzapin verstärkt die Wirkung von Alkohol um ein vielfaches und kann deshalb das Bewusstsein, sowie die Atmung beeinträchtigen.

 

Olanzapin absetzen

Mit der eventuellen Gewichtszunahme, steigt auch das Risiko im weiteren Verlauf Diabetes zu entwickeln. Dies sollte auf jeden Fall durch regelmäßige Bluttests durch den Arzt, beobachtet werden. Bei einer geringen Anzahl von Patienten, wird durch Olanzapin der Zucker- oder Fettstoffwechsel gestört, etwaige Veränderungen müssen durch geeignete Maßnahmen vom Arzt behandelt werden.

Sehr selten kommen Nebenwirkungen wie Hautauschläge, oder Probleme beim Wasserlassen vor. In den seltensten Fällen kann es sogar zu Leberschäden kommen, der Arzt sollte bei regelmäßigen Kontrollen, eventuelle Probleme jedoch schnell bemerken.
Es gibt bestimmte Anzeichen bei denen ein Patient sofort zum Arzt gehen sollte. Die Einnahme von Olanzapin sollte sofort bei Halsschmerzen oder grippeartigen Beschwerden abgesetzt werden. Bei diesen Anzeichen besteht nämlich die Gefahr, dass die Zahl der weißen Blutkörperchen drastisch abgesunken ist, die Folge können Infektionen sein.

Sehr kritisch kann die Situation auch bei Bewusstseinsstörungen in Kombination mit hohem Fieber sein, wenn hinzu noch Herzrasen und Atemnot kommen, dann sollte schnellstens der Notarzt verständigt werden. Das Mittel muss in diesem Fall sofort abgesetzt werden und der Patient braucht dringend eine intensivmedizinische Versorgung.

Es gibt noch weitere Symptome die durch die Einnahme von Olanzapin ausgelöst werden können. Zu diesen zählen die Rhabdomyolyse, eine lebensgefährliche Erkrankung mit akuten Muskelschmerzen, bei der sich im weiteren Verlauf Muskelzellen auflösen können.

Auf eine Überempfindlichkeit können unter anderem geschwollene Lymphdrüsen, Schwellungen und Fieber hinweisen.

Das Absetzen von Olanzapin sollte schrittweise in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Welche Erfahrungen liegen mit Olanzapin vor?

Das Mittel ist im Vergleich zu anderen Medikamenten, ein noch sehr junger Arzneistoff. Aus diesem Grund gibt es zu diesem Mittel noch nicht so viele Erfahrungswerte wie bei anderen in diesem Bereich. Bekannt ist, dass das Mittel gegen psychische Beschwerden entwickelt wurde und bereits seit über 20 Jahren angewendet wird. Des Weiteren ist wissenschaftlich erwiesen, dass Olanzapin weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Neuroleptika aufweist. Allerdings gibt es auch bei diesem Mittel gewisse Nachteile, wie zum Beispiel die starke Gewichtszunahme.

Medikamente die Olanzapin enthalten, sind daher verschreibungspflichtig, denn die Behandlung darf nur unter regelmäßiger Kontrolle durch einen Arzt erfolgen. Ohne Rezept besteht daher keine Möglichkeit dieses Medikament zu erhalten.
Beim Absetzen des Medikaments, muss vom Arzt sehr genau darauf geachtet werden, wie der Patient auf die Reduzierung reagiert.

Quellen:

Opipramol 

Opipramol ist ein Arzneistoff, der Spannungen und Ängste löst, die Stimmung hebt und beruhigt. Es handelt sich um ein Psychopharmakon, das in Deutschland häufig von Ärzten verordnet wird.

 

Anwendungsgebiete

Zu den Anwendungsgebieten von Opipramol gehören:

  • somatoforme Störungen
  • generalisierte Angststörungen
  • psychische Erkrankungen
  • Schlafstörungen
  • Herzrasen, psychosomatisch bedingt

Patienten, die unter anhaltenden Ängsten leiden, die auf bestimmte Objekte oder Situationen bezogen sind oder unter körperlichen Beschwerden leiden, die sich organisch nicht erklären lassen, werden häufig mit Opipramol therapiert.
Opipramol gehört zu der Gruppe von Trizyklischen Antidepressiva, obwohl sich diese von ihrer Wirkungsweise deutlich von der Wirkungsweise von Opripramol unterscheiden. Die behandelnden Ärzte bestimmen anhand der auftretenden Symptomatik die notwendige Behandlungsdauer, die in der Regel zwischen 4 und 8 Wochen liegt.

 

Kurze Geschichte über Opipramol

Opipramol ist seit 1961 im Handel erhältlich. Als Erstes war es in der Schweiz verfügbar. Es wurde von Novartis auf den Markt eingeführt. Mittlerweile ist es weit verbreitet und in den unterschiedlichsten Medikamenten enthalten. Eigentlich handelt es sich um ein trizyklisches Antidepressivum, obwohl es sich von den typischen Wirkweisen dieser sehr unterscheidet. Zumeist wird Opipramol in der heutigen Zeit als Angstlöser bezeichnet, der stimmungsaufhellend wirkt. Opipramol ist als Wirkstoff in den USA nicht zugelassen und wird daher nur in afrikanischen und europäischen Ländern als Antidepressiva verwendet.

 

Wirkung / Wirkstoff

Die Wirkung vom Wirkstoff Opipramol ist noch nicht vollständig erforscht und kann daher wissenschaftlich nicht umfassend erklärt werden. Es wirkt stimmungsaufhellend, sedierend und angstlösend. Bei Patienten, die aufgrund von Ängsten zu Herzrasen neigen, kann der Wirkung diesen entgegenwirken. Sigma-1-Rezeptoren konnten im Gehirn nachgewiesen werden, was bedeutet, dass Opipramol im Gehirn an bestimmten Bindungsstellen eine starke Bindung aufbaut. Hinzu kommen im zentralen Nervensystem weitere Regionen, deren Bindungsstellen ebenfalls vom Wirkstoff besetzt werden. Aufgrund der stimmungsaufhellenden, beruhigenden und angstlösenden Wirkung wird Opipramol häufig zur Therapie von generalisierten Angststörungen und somatoformen Störungen verschrieben.

 

Wirkungseintritt

Eine maximale Konzentration des eingenommenen Opipramol ist im Blut nach etwa drei Stunden erkennbar. Je nach Geschwindigkeit der Verstoffwechselung in der Leber dauert es etwa 6 bis 9 Stunden, bis die Hälfte der eingenommenen Wirkstoffmenge über die Nieren ausgeschieden ist.

Die Wirkung der Präparate, die Opipramol enthalten, verändert sich im Laufe der Einnahmezeit. Die beruhigende und sedierende Wirkung von Opipramol ist zu Beginn der Therapie bedeutend intensiver spürbar, wie nach ca. 14 Tagen. Je nach Patient wechselt nach 7 bis 14 Tagen die sedierende Wirkung in eine stimmungsaufhellende Wirkung. Aus diesem Grund sollte eine Behandlung mit Opipramol mindestens 2 Wochen andauern, eher einen bis zwei Monate, damit der Wirkstoff seine volle Wirkung entfalten kann. Die sedierende Wirkung ist dagegen gleich nach der ersten Einnahme, bereits am ersten Tag, deutlich spürbar.

 

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Opipramol können sehr unterschiedlich sein. Folgende, aufgelistete Nebenwirkungen sind bekannt, müssen aber nicht zwangsweise bei jedem Patienten auftreten, der eine Behandlung mit Opipramol durchführt:

  • niedriger Blutdruck
  • Mundtrockenheit
  • Müdigkeit
  • Anstieg der Leberenzymwerte
  • Erster Stichpunkt
  • allergische Hautreaktionen
  • Gewichtszunahme
  • Schwindel
  • Veränderungen des Blutbilds
  • Benommenheit
  • bei älteren Patienten treten hin und wieder Verwirrtheitszustände auf

Aufgrund der sedierenden und beruhigenden Wirkung von Opipramol sollte der Wirkstoff nicht eingenommen werden, wenn eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr (z. B. das Fahren von einem Auto) geplant ist. Die aufgeführten Nebenwirkungen treten je nach körperlicher Verfassung der Patienten mehr oder weniger intensiv auf, häufig auch gar nicht.

 

Langzeitschäden

Trotz der vielfältigen Nebenwirkungen, die durch einen therapeutischen Einsatz von Opipramol spürbar werden können, sind Langzeitschäden bisher nicht erkannt worden. Opipramol macht nicht abhängig, somit besteht kein Suchtrisiko. Es kann lediglich passieren, dass die Befindlichkeitsstörungen, gegen die Opipramol verordnet wurde, nach Beendigung der Therapie wieder spürbar werden.

 

Wechselwirkungen

Opipramol kann bedenkenlos Patienten verordnet werden, die keine Vorerkrankungen, wie z. B.:

  • Prostatavergrößerungen
  • Schwangerschaft / Stillzeit
  • Nieren- und Lebererkrankungen
  • Herzerkrankungen, wie z. B. Herzrhythmusstörungen

Selbst Kinder, die älter als 6 Jahre sind, können therapeutisch mit Opipramol behandelt werden. Aufgrund befürchteter Wechselwirkungen sollte Opipramol nicht gemeinsam mit folgenden Medikamenten und Wirkstoffen eingenommen werden:

  • Alkohol
  • Johanniskraut
  • Schlafmittel
  • Beruhigungsmittel
  • andere Antidepressiva
  • MAO-Hemmer
  • Betablocker
  • Antibiotika
  • Antihistamine
  • Medikamente gegen Malaria

Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Sie Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel regelmäßig einnehmen, die in Kombination mit Opipramol Wechselwirkungen zeigen, sollten Sie bei der ersten Verordnung von Opipramol durch Ihren Arzt, diesem alle weiteren Medikamente und Nahrungsmittel auflisten, die Sie regelmäßig oder bei Bedarf einnehmen.

 

Dosierung

Häufig werden Dosierungen von Opipramol zwischen 50 und 300 mg / Tag ärztlich verordnet. Allgemeingültige Dosierungshinweise gibt es nicht, da jeweils der behandelnde Arzt die Dosierung des verordneten Opipramol anordnet, abhängig von der Schwere und der Art der Erkrankung. Von diesen Aspekten hängt zudem ab, ob das Opipramol einmal, zweimal oder dreimal am Tag eingenommen werden muss. Lassen Sie sich daher nach der Verordnung durch Ihren Arzt umgehend beraten.

 

Opipramol absetzen

Obwohl Opipramol nicht süchtig macht, sollte das Medikament nicht schlagartig abgesetzt werden, vor allem dann nicht, wenn es hoch dosiert, über einen längeren Zeitraum, eingenommen wurde. Die bisher verordnete Dosierung sollte beim Absetzen von Opipramol langsam minimiert werden. Diese langsame Entwöhnung wird auch als “Ausschleichen” bezeichnet. Würde das Absetzen von Opipramol zu schnell erfolgen, könnte der Therapieerfolg infrage gestellt werden, weil die zuvor verspürten Symptome plötzlich wieder auftreten. In der Regel erfolgt das Absetzen von Opipramol nicht nur auf ärztliches Anraten hin, sondern auch unter ärztlicher Begleitung. Halten Sie sich daher beim Absetzen von Opipramol an die Dosierungshinweise und Ratschläge von Ihrem behandelnden Arzt. Sollten Sie Symptome verspüren, die unter der Therapie verschwunden waren, sollten Sie diese Befindlichkeitsänderungen Ihrem Arzt mitteilen.

 

Erfahrungen mit Opipramol

Da Opipramol in Deutschland sehr häufig verordnet wird, finden sich viele Erfahrungsberichte von ehemaligen Patienten, die mit Opipramol ärztlich therapiert wurden.

Die meisten Erfahrungen der Patienten beziehen sich auf die Nebenwirkungen, die oben aufgelistet wurden, die auch dann auftreten, wenn die Dosis verändert wird. Hinzu kommt die Zufriedenheit der Patienten, die immer wieder gerne darstellen, dass sie bei der Therapierung mit Opipramol keinerlei Nebenwirkungen verspüren. Vor allem wird deutlich, dass es nicht nur durch die Hersteller dargestellt keinerlei Entzugserscheinungen gibt, sondern auch, bestätigt durch die Verwender, in der Realität.

Interessant sind die Darstellungen der Verwender, die anderen Patienten Tipps und Trick verraten, die das “Ausschleichen” von Opipramol vereinfachen. Sie können dann selber als Verwender diese Erfahrungen von anderen Patienten nutzen, wenn Sie eigene Fragen an Ihren Arzt stellen möchten. Nutzen Sie als Patient die Erfahrungen anderer Patienten, damit Sie mit Ihrem behandelnden Arzt eine Diskussionsgrundlage finden können, wenn Sie kurz vor einer Therapie mit Opipramol stehen. Sie können alle Ihre:

  • Ängste
  • Sorgen
  • Zweifel
  • Fragen

anbringen, wen Sie ein offenes Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt führen möchten. Erfahren Sie mit gezielten Fragen, basierend auf den Erfahrungen anderer Patienten, wie Ihre Behandlung mit Opipramol aussehen wird und was Sie Ihnen bringen kann.

Quellen:

 

Agomelatin (Valdoxan)

Hersteller: Servier Deutschland GmbH
Handelsname: Valdoxan
Wirkstoff: Agomelatin
Darreichungsform: Filmtablette
Abgabeform: Rezeptpflichtig

 

Anwendungsgebiete

Valdoxan ist ein Medikament mit dem Wirkstoff Agomelatin, dass zur Behandlung einer Major Depression bei Erwachsenen angewendet wird. Die Major Depression ist ein Zustand, bei dem der Patient unter andauernden Stimmungsschwankungen leidet, die den Alltag beeinträchtigen. Zu den Symptomen der Depression gehören häufig tiefe Traurigkeit, ein Gefühl der Wertlosigkeit, Schlafstörungen, schwindendes Interesse an Lieblingsbeschäftigungen, Angstgefühle und Gewichtsveränderungen.

 

Kurze Geschichte über das Medikament

Agomelatin wurde erstmals in den 1990er Jahren von Yous et al. in einer dreistufigen Synthese ausgehend von der (2-Methoxynaphthalin-8-yl)essigsäure dargestellt. Es wurde zunächst in Versuchsreihen mit synthetischen Naphthalen-Melatonin-Agonisten eingesetzt. Später folgten dann Untersuchungen zu antidepressiven und anxiolytischen Effekten von Agomelatin.

Anfang 2009 erhielt der Wirkstoff Agomelatin die europäische Zulassung zur Therapie der Major Depression bei Erwachsenen. Der Wirkstoff Agomelatin ist unter den Handelsnamen Valdoxan erhältlich. Er wurde am 1. April 2009 von dem Pharmaunternehmen Servier in Deutschland auf den Markt gebracht.

 

Wirkung / Wirkstoff

Das Medikament Valdoxan 25 mg enthält den Wirkstoff Agomelatin. Jede Filmtablette enthält 25 mg Agomelatin. Zu den sonstigen Bestandteile des Medikaments gehören:

Tablettenkern: Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Povidon (K 30), Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.), Stearinsäure (Ph.Eur.), Magnesiumstearat (Ph.Eur.), hochdisperses Siliciumdioxid.

Filmüberzug: Hypromellose, Glycerol, Macrogol 6000, Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2 O (E 172), Magnesiumstearat (Ph. Eur.) und Titandioxid (E 171).

 

Wirkung / Wirkungseintritt

Agomelatin wirkt als Agonist an Melatonin-Rezeptoren (MT1 – und MT2) sowie als Antagonist an 5-HT2c-Rezeptoren. Als melatonerges Antidepressivum verbessert es die Symptome einer depressiven Erkrankung und verkürzt die Einschlafzeit. Es beeinflusst die Schlafqualität sowie die zirkadiane Rhythmik positiv, die bei depressiven Erkrankungen häufig gestört ist. Dabei wirkt das Medikament nicht sedierend. Der Depression wird entgegengewirkt und die allgemeine Stimmungslage verbessert.

Bei vielen Patienten mit einer depressiven Erkrankung beginnt Valdoxan innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der Behandlung auf die Symptome einer Depression zu wirken. Patienten mit einer depressiven Erkrankung sollen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten mit dem Medikament behandelt werden, um sicherzustellen, dass sie symptomfrei sind. Der Arzt kann Valdoxan auch dann verordnen, wenn eine Besserung eingetreten ist. Dies soll ein Wiederauftreten der Depression zu verhindern.

 

 

Nebenwirkungen

Wie andere Medikamente auch, kann Valdoxan zu unterschiedlichen Nebenwirkungen führen, die aber nicht zwangsläufig eintreten müssen.

  • Sehr häufige Nebenwirkungen (kann mehr als 1 von 10 Patienten betreffen): Kopfschmerzen
  • Häufige Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10 Patienten betreffen): Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schläfrigkeit, Migräne, Schlaflosigkeit, Diarrhö, Verstopfung, Rückenschmerzen, Oberbauchschmerzen, Erbrechen, vermehrtes Schwitzen, Angstzustände, ungewöhnliche Träume, Blut-Leberwerte-Erhöhung, Gewichtszunahme
  • Gelegentliche Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 100 Patienten betreffen): nervliche Missempfindungen, verschwommenes Sehen, Ekzeme, Juckreiz, Nesselsucht, Gereiztheit, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten, Alpträume, Verwirrtheit, Manie/Hypomanie, Gewichtsabnahme
  • Seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 1.000 Patienten betreffen): Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, z. B. Schwerer Hautausschlag oder Hautrötungen, Gesichtsödem, Halluzinationen, Leberentzündung, Hepatitis, körperliche und mentale Unruhe
  • Häufigkeit nicht bekannt: Suizidgedanken oder suizidales Verhalten

Falls Sie eine Veränderung oder allgemeines Unwohlsein während der Behandlung mit Valdoxan bemerken, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

 

Wechselwirkungen

Der Wirkstoff Agomelatin wird hauptsächlich von einem einzelnen Enzymsystem im Körper abgebaut. Die Wirkung von Agomelatin kann verstärkt werden, wenn andere Wirkstoffe dieses Enzymsystem behindern. Die gleichzeitige Gabe von Fluvoxamin (einem Psychopharmakon) oder Ciprofloxacin (eines Antibiotikums) können zu einem 60-fachem Anstieg von Agomelatin in Ihrem Blut führen.

Die Kombination des Wirkstoffs Agomelatin mit weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogen) kann ebenfalls die Konzentration von Agomelatin im Blut erhöhen. Das gleiche gilt für Propranolol (ein Betablocker zur arteriellen Hypertonie), Grepafloxacin (Antibiotikum) sowie Enoxacin (Antibiotikum).

Der Alkoholkonsum ist während der Behandlung mit Valdoxan zu vermeiden. Informieren Sie bitte Ihren Arzt, falls der tägliche Konsum 15 Zigaretten übersteigen sollte. Agomelatin hat selbst keinen Einfluss auf die Wirkung von anderen Medikamenten.

 

Dosierung

Valdoxan sollte nur nach Absprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden. Die empfohlene Dosis beträgt eine Tablette (25 mg Agomelatin) vor dem Schlafengehen.

Die Einnahme des Medikaments kann unabhängig von den Mahlzeiten geschehen. Die Tablette sollte mit etwas Wasser eingenommen werden. Sofern nach einer zweiwöchigen Behandlung keine Besserung eingetreten ist, kann nach Absprache mit dem Arzt, die Dosis auf einmal täglich zwei Tabletten (50 mg Agomelatin) erhöht werden.

Aufgrund von fehlenden Studien ist das Medikament nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zugelassen. Bei Personen über 65 Jahren darf es nur mit ärztlicher Vorsicht angewendet werden. Bei Patienten über 75 Jahren sollte auf die Anwendung des Medikaments verzichtet werden.

 

Das Medikament absetzen

Beim Absetzen des Medikaments ist kein Ausschleichen der Dosis erforderlich. Beenden Sie die Einnahme des Arzneimittels jedoch nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt, auch wenn Sie sich besser fühlen.

 

Erfahrungen

In Erfahrungsberichten geben die meisten Patienten an, Valdoxan aufgrund von Depressionen oder Schlafstörungen einzunehmen. Vereinzelt kam es aber auch bei Krankheiten wie Borderline, Antriebsstörungen oder Burnoutsyndrom zur Anwendung. Patienten, die Valdoxan über einen längeren Zeitraum einnahmen, berichten häufig über einsetzende Müdigkeit, die sich etwa eine Stunde nach Einnahme des Medikaments bemerkbar machte. Ihr Schlafverhalten habe sich deutlich gebessert und viele der Patienten haben wieder durchschlafen können.

Die meisten der Patienten geben in Erfahrungsberichten zudem an, kurz nach Einnahme des Medikaments an leichten Kopfschmerzen zu leiden, was sich nach einigen Tagen jedoch besserte. Weiterhin sei die antidepressive Wirkung nicht allzu stark, aber dennoch spürbar, was aber mitunter auf den verbesserten Schlaf zurückzuführen sein könne. Sie geben ebenfalls an, nicht unbedingt fröhlicher zu sein, aber die Dinge klarer und objektiver zu sehen und sich besser konzentrieren zu können.

Vereinzelt berichten Patienten über Juckreiz, Unruhe, Schwindel und Übelkeit, was sich aber nach einiger Zeit der Einnahme bei vielen verbesserte. Einige Patienten berichten allerdings auch darüber, unter gar keinen Nebenwirkungen zu leiden. Die Mehrheit der Patienten geben in an, ihrer Erfahrung nach mit dem Medikament Valdoxan zufrieden zu sein und dass sie Valdoxan weiterempfehlen würden.

Weiterführende wissenschaftliche Informationen zu Valdoxan mit dem Wirkstoff Agomelatin sind unter nachfolgenden Links verfügbar:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2009/daz-18-2009/agomelatin-bessert-die-stimmungslage-und-den-schlaf Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ)

https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/valdoxan European Medicines Agency (EMA)

https://www.servier.de/patienten/serviceangebote/depression Servier Deutschland GmbH

https://www.patienteninfo-service.de/a-z-liste/uv/valdoxanR-25-mg-filmtabletten Rote Liste Service GmbH