Aripiprazol

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Aripiprazol ist ein Wirkstoff, der zu den atypischen Neuroleptika gehört. Diese sind seit den 1990er Jahren auf dem Markt. Im Gegensatz zu den typischen Neuroleptika, die seit den 1950er Jahren bekannt sind und zu denen Präparate wie Haloperidol und Chlorpromazin zählen, sollen Atypika für die Patienten besser verträglich sein.

Besonders extrapyramidale Hyperkinesien – motorische Störungen wie Tremor oder Restless-Legs-Syndrom – treten seltener auf als bei Behandlung mit typischen Neurolkeptika. Auch irreversible motorische Störungen, die nach langer Anwendung von Neuroleptika auftreten können, sogenannte Spätdyskinesien, kommen unter Aripiprazol deutlich seltener vor. Klinische Studien weisen jedoch darauf hin, dass Aripiprazol gegenüber den preiswerteren und ebenso wirksamen typischen Neuroleptika keine signifikanten Vorteile besitzt.

Seit 2004 ist Aripiprazol unter dem Namen “Ablify” auf dem europäischen Markt zugelassen. Seit 2015 sind kostengünstigere, aber wirkungsgleiche Generika erhältlich. Das Medikament gibt es als Tablette, Schmelztablette, Lösung zum Einnehmen und Injektion.

 

Das Anwendungsgebiet von Aripiprazol

Die Anwendung von Aripiprazol erfolgt in der Regel bei Schizophrenie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 15 Jahren. In manischen Phasen der Bipolar-I-Störung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 13 Jahren kommt es ebenso zum Einsatz wie zur Prävention weiterer manischer Episoden bei Erwachsenen. Auch von der Behandlung mit Aripiprazol bei Depressionen, Psychosen oder Borderline-Störungen wird von Patienten berichtet.

 

Wie wirkt Aripiprazol?

Das ausgeklügelte Zusammenspiel der Neurotransmitter bzw. Botenstoffe in Gehirn und Rückenmark sorgt für Ausgeglichenheit und Wohlbefinden. So ist es möglich, beispielweise Situationen richtig einzuschätzen und zu bewerten und dementsprechend angemessen zu reagieren. Gerät bei der Übermittlung und Rezeption der Botenstoffe im Gehirn etwas entscheidend durcheinander, entsteht eine verzerrte (Selbst)Wahrnehmung, die zu Angstzuständen und Überforderung führen kann.

Menschen, die unter Schizophrenie oder einer Bipolaren Störung leiden, erhalten Aripiprazol, um die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin zu regulieren: Das Präparat setzt primär an den Dopamin-Rezeptoren im Gehirn an. Es blockiert sie teilweise, wenn diese überaktiv sind. Herrscht mangelnde Aktivität, wirkt Aripiprazol anregend auf die Dopamin-Produktion. Auf die Serotonin-Rezeptoren wirkt das Medikament blockierend – Serotonin kann nicht mehr an ihnen andocken. Dies haben alle atypischen Neuroleptika gemeinsam.

 

Dosierung und Wirkungseintritt

Die Dosierung von Aripiprazol erfolgt immer in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt. Normalerweise wird mit einer geringen Tagesdosis begonnen, die der Arzt allmählich und behutsam erhöht. Die empfohlene und in der Regel ausreichende Tagesdosis liegt bei 10 -15 mg Aripiprazol pro Tag. In seltenen Fällen ist die Maximal-Dosis von 30 mg pro Tag erforderlich. Allerdings besteht hier ein erhöhtes Risiko für starke Nebenwirklungen.

Aripiprazol wird einmal am Tag eingenommen, nach Möglichkeit immer zur selben Uhrzeit. Die Einnahme erfolgt oral, bei Tabletten mit einem Schluck Wasser. Schmelztabletten sollten der Packung behutsam entnommen werden. Sie zergehen langsam auf der Zunge, können aber auch mit Wasser eingenommen werden. Eine Einnahme ist nicht abhängig von einer Mahlzeit.
Wird die Einnahme vergessen, sollte sie so schnell wie möglich nachgeholt werden. Allerdings darf man an einem Tag nicht die doppelte Dosis Aripiprazol schlucken.

Da der Körper den Wirkstoff zunächst resorbieren muss, dauert es einige Tage, bis die gewünschte Wirkung von Aripiprazol eintritt. Dieser Zeitraum variiert allerdings von Patient zu Patient. Sollten während der Einnahme diesbezüglich Fragen aufkommen oder eine oder mehrere der nachfolgend genannten Nebenwirkungen auftreten, hilft der behandelnde Arzt weiter.

 

Welche Nebenwirkungen hat Aripiprazol?

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen

  • Extrapyramidale Störung (motorische Störungen)
  • Akathisie (Bewegungsunruhe)
  • Tremor (Zittern)
  • Schwindelgefühl</>
  • Schläfrigkeit
  • Schläfrigkeit
  • Sedierung
  • Kopfschmerzen
  • Verschwommenes Sehen
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Verstopfung
  • Schlaflosigkeit
  • Angstgefühl
  • Dyspepsie (Magen-Darm-Beschwerden)
  • Speichelüberproduktion
  • Abgeschlagenheit
  • Ruhelosigkeit

Gelegentlich gaben Patienten an, nach der Einnahme von Aripiprazol unter Tachykardie (Herzrasen), orthostatischer Hypotonie (plötzlicher Abfall des Blutdrucks) oder Depressionen zu leiden. Zu weiteren möglichen Nebeneffekten wie Herzstillstand, Diarrhoe, Diabetes mellitus oder Gewichtszunahme gibt es keine validen Aussagen bezüglich der Häufigkeit. Es ist allerdings bekannt, das Aripiprazol seltener zu Gewichtszunahme führt als typische Neuroleptika.

Bei der Anwendung von Aripiprazol besteht zudem das Risiko, einen Schlaganfall oder eine kurzfristige, durch neuronale Ausfälle gekennzeichnete Durchblutungsstörung des Gehirns zu erleiden. Auch Todesfälle sind möglich.

 

Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt es?

Da Aripiprazol über die Leber abgebaut wird, geht es mit zahlreichen anderen Wirkstoffen Wechselwirkungen ein. Besonders Mittel gegen Bluthochdruck werden verstärkt. Auch Antidepressiva oder starke Schmerzmittel wirken bei gleichzeitiger Gabe von Aripiprazol intensiver. Dies gilt insbesondere, wenn zusätzlich Alkohol konsumiert wird.

Wiederum andere Medikamente rufen eine stärkere Wirkung von Aripiprazol hervor. Dazu gehören:

  • Chinidin
  • Ketoconazol und Itraconazol
  • Fluoxetin, Paroxetin und Escitalopram
  • Mittel gegen HIV

Wird eine dieser Arzneien eingenommen, muss der behandelnde Arzt die Aripiprazol-Dosis entsprechend anpassen. Dies gilt auch bei Medikamenten, die die Wirksamkeit von Aripiprazol beeinträchtigen, wie beispielsweise Johanniskraut oder bestimmte Mittel gegen Krampfanfälle.

Menschen, die neben der psychischen Erkrankungen auch mit Epilepsie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu kämpfen haben, sollte Aripiprazol nur mit besonderer Vorsicht verordnet werden.

 

Absetzen von Aripiprazol

Wie bei allen Neuroleptika sollte die Aripiprazol-Dosis in kleinen Schritten und unter ärztlicher Aufsicht reduziert beziehungsweise abgesetzt werden. Dies kann mehrere Wochen oder Monate, bei langer Einnahmezeit sogar Jahre dauern. Ein sofortiger Einnahmestop kann zu schweren psychischen Ausfallerscheinungen und Folgeerkrankungen führen und sollte daher unbedingt unterlassen werden.

Das Absetzen des Medikaments ist ein individueller Prozess und davon abhängig, wie sich das Krankheitsbild entwickelt hat. Wichtig ist, dass sich der Patient psychisch stabil genug fühlt und ein unterstützendes Umfeld hat. Zudem ist es ratsam sich vor Augen zu führen, welche Ängste, Gefahren, Hoffnungen und Möglichkeiten mit der Reduktion der Aripiprazol-Dosis verbunden sind.

Es kann vorkommen, dass eine Reduktion von Aripiprazol für den Moment ein zu großer Schritt war. In einem solchen Fall ist es nötig, die Dosis wieder entsprechend zu erhöhen. Dies ist völlig normal und hat nichts mit Versagen zu tun. Der Körper muss den Wirkstoff langsam abbauen und ausscheiden. Dieser Prozess verläuft bei jedem Patienten unterschiedlich.

 

Erfahrungen mit der Einnahme von Aripiprazol

Grundsätzlich stimmen Aripiprazol-Patienten darin überein, dass ihnen das Medikament den Erwartungen entsprechend geholfen und zu einer spürbaren Verbesserung ihres Zustandes geführt hat. Manchmal bleiben erhoffte Wirkungen wie mehr Antrieb oder emotionale Ausgeglichenheit jedoch aus. Gerade zu Beginn der Einnahme von Aripiprazol kämpfen viele Patienten mit starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Diese legen sich allerdings in den meisten Fällen nach einigen Tagen.

Die Anwendung des Präparats wird als simpel empfunden. Allerdings gibt es immer wieder Probleme mit der Verträglichkeit. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis könnte besser sein: 10 mg Aripiprazol (entspricht einer Tablette) kosten ca. 8 Euro. Verglichen mit klassischen, ebenso wirksamen Neuroleptika ist dies relativ teuer.

Quellen und weiterführende Links: